Ich bin ja häufig mit Kameras unterwegs, die über keinen Belichtungsmesser verfügen (Momentan hauptsächlich die Kiev 60). Da mein Schätzeisen mit Selenzelle zwar keine Batterien, aber dafür viel Licht benötigt, habe ich schon länger überlegt, Belichtungsmessertechnisch mal aufzurüsten ... als dann neulich in der Hardwarebörse jemand seinen alten Profisix verscheuern wollte, hab ich nicht lange gefackelt und sofort zugeschlagen ;)


Nun, heute ist das Ding angekommen und ich muß sagen, daß ich noch nie von einem schnöden Meßinstrument jemals so beeindruckt war. Das Teil ist mit viel Liebe zum Detail konstruiert worden und macht einen sehr soliden Eindruck. Ich nehme an, daß es "damals" ein Schweinegeld gekostet haben muß. Das Messen geht anders, als ich es bisher kannte - man zeigt mit der Kalotte in die Richtung, wo man messen möchte, und löst die Messung mit einem Knopf an der Seite aus. Wenn man den Knopf wieder losläßt, merkt sich das Gerät den Lichtwert und man kann in Ruhe den Ring drehen, bis die Lichtwaage +/- 0 anzeigt (oder halt +2, wenn man überbelichten möchte, etc. pp.) Danach sucht man sich, wie gehabt, eine schöne Blende/Zeit-Kombination aus, die zum gemessenen Lichtwert und der Filmempfindlichkeit paßt. Man kann den Knopf, der die Messung auslöst, auch verriegeln, um dauerhaft zu messen.

Im Gegensatz zu den einfacheren Schätzeisen, die einfach nur sagen, wie hell es ist, gibt es hier verschiedene Hilfsmittel, um den Fotograf bei der Belichtungsmessung zu unterstützen. Es gibt eine Lichtwaage, die Abweichungen -3 ... +3 Lichtwerte anzeigt und die man nutzen kann, um den Kontrastumfang einer Szene abschätzen zu können. Man kann Abweichungen von der Standardbelichtung wahlweise in Verlängerungsfaktoren oder Blendenstufen einstellen.

Nun, was mich aber an diesem Belichtungsmesser total umgehauen hat, ist die unglaublich hohe Empfindlichkeit ... wenn man moderne DSLRs besitzt und eigentlich denkt, daß sie den ultimativen Stand der Technik darstellen, dann macht man doch schon mal dicke Backen, wenn dann so ein Belichtungsmesser von anno dazumal um Größenordnungen empfindlicher ist ... Ich mache nachts gerne Langzeitbelichtungen, und obwohl ich relativ lichtstarke Linsen habe, fängt die Belichtungsanzeige meiner Kamera schnell an zu blinken und gibt sinnlose (viel zu kurze) Verschlußzeiten vor. So daß ich häufig trial and error mache (manueller Modus, Testbild schießen, auf dem Display angucken, Belichtung korrigieren, noch eins schießen, gucken ob es besser ist etc.) Aber mit dem Profisix kann man die sprichwörtliche schwarze Katze im dunklen Tunnel anmessen, und sieht ganz klar, daß man bei ISO 200 und f/8 15 Minuten belichten muß ... und diese Werte stimmen dann auch tatsächlich!

Somit hat sich die Anschaffung nicht nur für den Analogkram gelohnt, sondern ich werde es auch mit der DSLR bei Nachtaufnahmen deutlich einfacher haben und kann mir das gerödel mit Trial-and-Error und Testaufnahmen sparen ;) Ich kann nur allen, die gerne Langzeitbelichtungen machen, die Anschaffung von so einem Teil empfehlen!