Als radikal-fundamentalistischer Elbstrandgrill-Fanatiker fiebert man den ganzen Winter lang dem ersten Grillabend des Jahres entgegen, in Fachkreisen auch "Angrillen" genannt. Unser Angrillen fand gestern und somit sehr früh im Jahr statt.

Als wir das Lager einrichteten, wimmelte der Elbstrand von Spaziergängern und Hunden, da das Wetter wirklich genial war. Aber während die Abenddämmerung einsetzte, hatten wir den Strand wieder fast für uns allein, so wie es an unserer genialen Stammlocation am Falkenstein oft der Fall ist. Dieser Strandabschnitt liegt "am Arsch der Welt", zumindest für Leute die nicht regelmäßig in den Elbvororten rumhängen, und die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln sowie Auto-Parkmöglichkeiten sind grottenschlecht. Dementsprechend ist es meistens sehr schön ruhig, nur an heißen Tagen im Hochsommer ist richtig was los aber selbst dann ist es noch deutlich ruhiger als weiter richtung Innenstadt (z.B. Strandperle) wo es dann aussieht wie am Ballermann zur Hauptsaison.

In technischer Hinsicht hatten wir uns diesmal für das Modell "Erdloch" entschieden. Am Strand kann man mit sehr wenig Aufwand ein passendes Loch ausheben und an den Wellenbrechdingern, die in die Elbe reinragen, gibt es Steine in der passenden Größe in rauhen Mengen. Es ist ein echter Vorteil, daß man nur den Rost einpacken muß, denn wir sind meistens mit dem Fahrrad da und die Location ist nicht besonders gut mit dem Auto zu erreichen. Ich nehme an, daß sich das Erdloch diesen Sommer absolut durchsetzen wird.

Das Highlight des Abends bildete wie immer das Lagerfeuer. Es erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig: es wärmt, es sorgt für eine superschöne Stimmung und Atmosphäre, und nicht zuletzt bekommt man Gelegenheit, seine pyromanischen Neigungen nach Belieben auszuleben. Letzteres ging gestern sehr gut - auf der ganzen Länge des Strands lag ein 2 Meter breiter Streifen von trockenem Stroh, weiß der Geier wo es herkam - aber es hat hervorragend gezündelt. Außerdem hatte ich eine Flasche Petroleum und eine Flasche flüssigen Grillanzünder mitgebracht, mit denen wir beeindruckende pyrotechnische Effekte zustande gebracht haben. Zum Beispiel wissen wir jetzt, daß man mit Grillanzünder Sand scheinbar zum brennen kriegt - was eine Menge Potential für schräge Fotoideen birgt.
Für den nachhaltigen Teil des Feuers haben wir, wie immer, Äste von den Bäumen in der Umgebung zusammengeklaut. Da war es praktisch, daß diese momentan noch unbelaubt sind. Außerdem hatten wir zum ersten Mal Fertigbrennstäbe vom Aldi da, die gut funktioniert haben und als sehr praktisch befunden wurden.

Schließlich haben sogar die Biervorräte ausgereicht - in der Hinsicht haben wir eine "Punktlandung" hingelegt. Es kann sonst unter Umständen nerven, wenn man am Lagerfeuer nix mehr zu trinken hat. Es produziert Durst ... Ich hatte diesmal meinen Stolz überwunden und Dosenbier gekauft. Es ist gut, nicht das ganze unnütze Glas schleppen zu müssen, und am Lagerfeuer schmeckt auch Dosenbier ...

Unterm Strich haben wir für die neue Grillsaison einen grandiosen Einstand hingelegt. Hoffentlich gibt es vor dem Sommer noch das eine oder andere Wochenende mit gutem Wetter. Vielleicht schaffen wir es diesen Sommer auch mal, am Elbstrand zu übernachten. Es ist einfach nur genial dort!