Vorweg, die Jugendlichen, von den gleich dir Rede ist, waren in keinster Weise ein Problem - im Gegentum, angenehme Leute.

Da ich heute am Sonntag vor hatte zu arbeiten und der Arbeitsplatz in der Nähe der Ems gewesen wäre entschloss ich mich am Samstag mit dem Boot aufzubrechen, irgendwo draussen zu schlafen und dann Morgens von dort aus zur Arbeit zu fahren.
Ich legte um ca. 18:00 ab, der Wetterbericht bescheinigte mir, dass mein Vorhaben ein guter Plan war. Strahlenblauer Himmel, ein leichter Wind - herrlichstes Wetter :-)

Um 19:00 erreichte ich eine Wiese und schlug das Basislager auf. Ich nehme normalerweise kein Zelt mit, sondern hab ein klappbares Feldbett im Boot, was ich einfach unter freiem Himmel aufstelle.
Ich ging schwimmen, das Wasser der Ems hat inzwischen eine sehr angenehme Temperatur. Es ist kälter, als es die meisten Leute mögen, aber ich mag das kühle Wasser und die damit verbundene längere Erfrischung. Erfrischt aus dem Wasser kochte ich mir etwas zu Essen, ass und ging ein wenig am Ufer auf und ab. Zwei Autos kamen den Feldweg zur Ems entlang - zwei VW-Golf, laute Musik und voll mit Jugendlichen. Sie hielten ca. 100Meter von meinem Lager entfernt und stiegen unter lautem Gelächter aus.

Ich muss ehrlich sagen, dass mir mulmig wurde. Zehn Jugendliche, eventuell angetrunken können schon mal Ärger verursachen.

Nach einer Weile kam einer der Jugendlichen zu meinem Lagerplatz und fragte höflich, ob ich etwas dagegen habe, wenn sie hier neben meinem Lager ihre Zelte aufstellen. Es waren wohl Russlanddeutsche. Allerdings war er nicht so begeistert wegen dem knurrenden Riesenschnauzer und ich war auch nicht grad begeistert. Ich war dorthin gefahren, um mal meine Ruhe zu haben.

Er erzählte, dass sie seit 4 Jahren immer an die Stelle zum Zelten kommen und ob ich nicht einen anderen Platz wüsste, wo sie hinkönnten. Ich kenne mich dort leider überhaupt nicht von der Strassenseite her aus und konnte ihnen nicht weiterhelfen. Er ging zurück zu den Anderen und während sie beratschlagten, was sie machen, überlegte ich mir, dass es für mich ja ne Kleinigkeit ist nochmal 10 Minuten mit dem Bootzu fahren und woanders mein Lager aufzuschlagen. Vom Wasser aus kommt man ja locker an die schönen Stellen.
Also ging ich rüber, erzählte es ihnen und das ich ca. ne halbe Stunde brauchen werde. Es war denen fast peinlich, aber ich erzählte es ihnen, wie es war - für mich ne kurze Aktion und alle sind zufrieden.

Während ich meinen Kram ins Boot packte hörte man in der Ferne leichtes Gewittergrummeln. Ich dachte mir nichts dabei und legte ab, winkte nochmal und fuhr um die nächste Biegung. Hinter der Biegung sah ich, dass das nicht ein kleines Grummeln war. Der Himmel zog sich zu, man sah, dass das knallen wird. Und man sah, dass es sehr bald sein wird.

Wegen dem fehlenden Zelt hatte ich nur die Möglichkeit mich z.B. unter einen Hochsitz zu begeben, oder zurück zum Hafen zu fahren. Ich beschloss zum Hafen zu fahren, anstatt ne ungemütliche Nacht zu haben. Es war 21:00, ich konnte es also vor Dunkelheit schaffen und so gab ich Gas um es auch vor dem Gewitter zu schaffen.

Endgeil! Die Zeit kurz vor Dunkelheit und die kurz nach Sonnenaufgang ist die schönste Zeit für mich auf dem Wasser. Dazu mag ich die Naturgewalten - zwar vorzugsweise hinter einem geschlossenen Fenster, während Jim Morrison "Riders on the Storm" singt, aber es ist ein herrliches Gefühl. Es fing an sich rapide abzukühlen und die schwarzen Gewitterwolken sorgten für einen dramatischen Sonnenuntergang.

Ca. eine halbe Stunde vor dem Hafen schloss sich die Wolkendecke komplett und ich sah es in der Ferne ziemlich wild und häufig blitzen. Hehe, ich muss ein irres Bild abgegeben haben. Ich hatte mir einen alten schwarzen langen Mantel übergeworfen, weils ziemlich kühl geworden war, und stand mit wehenden Harren im Boot, um Treibgut zu erkennen und ausweichen zu können. Die Riesenschnauzerin sass vorn auf dem Bug und schaute mit wehendem Fell in nach Vorne, während der alte Einzylinder das Boot unter Vollast ins Gewitter hämmerte. MUAHAHAHA, mir war das erst hinterher bewusst geworden :-D

Um kurz vor 22:00 legte ich trocken im Hafen an und verstaute das Gepäck im Wagen. Keine fünf Minuten nachdem ich im Auto sass fing es an zu schütten, wie aus Kübeln.

Der Regen verdampfte regelrecht auf dem erhitzten Boden und der Nebel nahm zu. Nachdem es aufgehörte hatte zu regnen fuhr ich durch eine so dichte Nebelwand, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Schritttempo. Ich hielt an, kochte Kaffee und sass auf der Motorhaube. Es war dunkel, ich hatte kein Stativ mit, als nahm ich das beliebte Baumstativ - Kamera an nen Baum pressen und hoffen, dass es was wird...

Mein Plan war so schräg gelaufen, wies nur irgend geht, aber was ein endgeiler Abend. :-D