Ich schrob neulich, dass der Wasserfall am Emswehr in Listrup durch eine Böschung ersetzt wurde:
www.ipernity.com/blog/nochjemand/65450

Jetzt habe ich das erste Mal die direkten Auswirkungen eines solchen Eingriffs life bewundern können. Als Vorwissen: Der Wasserstand am Emswehr ist normalerweise stabil und steigt nur bei extremem Hochwasser minimal an. Dort war durch die Staustufe der Wasserstand so geregelt, dass man es fast nur an der Fliessgeschwindigkeit der Ems gesehen hat.

Los gehts:
Am Samstag hat es wohl weiter südlich starke Regenfälle gegeben, wodurch der Wasserstand an der Messtation Greven sprunghaft um 1.50m angestiegen ist.
luadb.lds.nrw.de/LUA/wiski/phpwel.htm
(Dort links Greven auswählen)

Das ist kein besonders hoher Wasserstand, eher knapp über normalem Stand.Am So stieg der Wasserpegel am Wehr sprunghaft innerhalb einer halben Stunde um 50cm bei starker Erhöhung der Fliessgeschwindigkeit. Das ist in etwa so viel, wie es sonst bei extremem Hochwasser war. Ich hätte mich fast nicht mit dem Boot auf die Ems raus getraut. Es macht tatsächlich einen natürlichen Eindruck, da der Fluss nun wieder natürlich reagiert, aber ich frage mich, was der Preis dafür ist. Das Wasser unterhalb der Böschung war sehr dunkel vom abgetragenen Sand und Gestein und ich bezweifle, dass die Böschung einem richtigen Hochwasser dauerhaft widerstehen kann. Auf Nachfrage wurde bestätigt, dass auch immer wieder LKW-Weise Material in die Böschung gekippt wird. Dadurch wird wohl wieder eine Versandung unterhalb des Wehrs stattfinden(denke ich). Auch meine unwissende Befürchtung: Die Flora und Fauna, die sich hier an der Ems angesiedelt hat ist angepasst an die alten Wasserstände und ich vermute, dass die Änderung dieses Leben zerstören könnte.

Dem Tourismus schadet es zweifellos. Er besteht dort aus Campingplätzen, Kanuverleih und Sportbootfahrern. Die Kanuten haben ziemlich geflucht. Sie konnten nicht aus eigener Kraft gegen die Strömung an, was sicherheitstechnisch bedenklich ist. Man sollte möglichst nur Gewässer befahren, die schwächer sind als das eigene Boot.

Nicht das mich jemand falsch versteht, ich stehe der Renaturalisierung positiv gegenüber. Auch habe ich eher Vorteile dadurch. Ich bin mir aber nicht sicher, ob solche entscheidenden Einschnitte sinnvoll sind. Der Sinn ist hier ja, dass die Lachse wieder den Fluss hochkönnen und es wird angezweifelt, ob sie das überhaupt tun werden. Es stellt sich für mich die Frage, was eine höhere Priorität hat - der Schutz bestehender Flora und Fauna, oder die Wiederherstellung der ursprünglichen Flora und Fauna. Zusätzlich darf auch der Mensch nicht vergessen werden, der dieses Gebiet zur Erholung nutzt.

Insgesamt ist die Renaturalisierung übrigens fantastisch. Uferbefestigungen wurden weggebaggert, wodurch kleine Sandstrände entstehen. Niedrigwasserbereiche wurden angelegt, die Seenartig mit der Ems verbunden sind und es wurde behutsam gemacht. Jedes Jahr nur ein kleines Stück. Klar sind die Baggerspuren nervig, aber man sieht an den Stellen, wo im Vorjahr gearbeitet wurde, wie schnell sich die Natur das Angebot schnappt und es ist wirklich schön in einer grossen Heide mit Fluss zu sein...