Aber leider sieht ihn meine Kamera nicht; mein erster Versuch ist grandios fehlgeschlagen.

Ich wollte den Nachthimmel mit Weitwinkel ablichten. Die Planung war perfekt, die Ausrüstung sensationell:
Ich hatte mir einen Campingstuhl eingepackt, einen Coleman-Benzinkocher, Kaffeemühle, Kaffebohnen, Espressokanne, Tasse, Wasser, Milch, meinen Klapp-Rolltisch, eine Taschenlampe, eine warme Decke, dicke warme Klamotten, Tabak, Blättchen, Feuer - ach, bevor ichs vergesse - ein Stativ und ne Kamera mit Fernauslöser hatte ich auch mit.

Ich brauchte kaum 20 Minuten, um das Basislager einzurichten, kochte Kaffee und während die Espressokanne auf dem Kocher heiss wurde packte ich Stativ und Kamera aus und montierte alles.
Astreine Aktion, perfektes Timing! Der Kaffe war fertig, ich goss mir ein und setzte mich auf meinen Stuhl, Stativ und Kamera vor mir.
Ich richtete die Kamera gen Himmel aus und blickte durch den Sucher - nüschte - das Licht reichte einfach nicht aus, um nur ansatzweise zu fokussieren.

In diesem Moment ahnte ich, dass die Expedition hürdenreich und voller Entbehrungen sein würde.

Nicht verzagen, in meinem Gepäck befand sich auch ein Auto und so ein Weitwinkel stellt ja eh nach ein paar Metern schon auf unendlich. Ich packte also das Auto aus und machte die Scheinwerfer an.
Die Kamera wieder abgebaut, ca 10m zurückgegangen und die Scheinwerfer mit AF fokussiert, danach auf manuelle Fokussierung umgeschaltet, um den Fokus zu behalten.
Rasch die Kamera wieder aufs Staiv, ausgerichtet und erstmal mit einer Zigarette und nem schönen Schluck heissen Kaffee von den Strapazen erhohlt.

Da hohe ISO-Werte was für Weicheier sind, stellte ich ISO 100 und Langzeitbelichtung bei f4.0 ein(Offenblende bei meinem Weitwinkel). Eine Minute Belichtung und wieder losgelassen.

Die K10D verhält sich nu so, dass man auch eine Minute warten muss, bis das Bild auf dem Display ist, wenn man eine Minute belichtet hat. Voller Spannung erwartete ich meine grandiose Aufnahme, die alles bisher dagewesene in den Schatten stellen würde.
Nach einer Minute sah ich dann - einen schwarzen Schirm ohne irgendeinen Lichtschimmer.

Ich goss mir mehr Kaffee ein und sinnierte, was ich wohl falsch gemacht haben könnte. War der Kaffee nicht stark genug? Hatte ich gar zu viel Milch in den Kaffee gegossen? War eventuell die Kameralinse beschlagen? Oder war die Zigarette zu locker gedreht?

Viel hilft viel!
Ich würde es schaffen, nichts konnte mich aufhalten. ISO 200 und 2 Minuten Belichtungszeit. Wenn der Daumen auf der Fernsteuerung krampft, dann muss es gut werden. Nur durch Schmerz kann man zur Reife gelangen!

Die zwei Minuten bis die Aufnahme auf dem Display erschien zogen sich zur Unendlichkeit. Herrscher kamen, Kriege wurden gekriegt, mein Kaffee wurde kalt. Aber dann!

Ein schwarzer Schirm mit vereinzelten Lichtschimmern, bei denen man sich nicht sicher sein konnte, ob es sich um Hotpixel handelte.

Donnerwetter, ich war auf dem richtigen Weg und mein Name würde in die Geschichte eingehen.
ISO 200 geht also. Jezze abba volle Kanne druff - vier Minuten Belichtung für den Ruhm und Mamas Käsebrötchen!

Ich sass also mit meiner Fernsteuerung in der Hand da, nippte am kälter werdenden Kaffee und versucht den Schmerz in meinem Daumen wegzudenken. Es gelang mir nicht, was ich als positives Zeichen deutete. Die vier Minuten waren um, ich lies die Fernsteuerung los, drehte mir mit dem tauben Daumen die krummste Zigarette aller Zeiten und wartete, dass die Aufnahme aufs Display kam.
Endlich war es soweit, ich sah, dass es gut war! Man konnte sogar den Horizont sehen, der Himmel direkt über dem Horizont war leicht rötlich, und man sah ne Menge Punkte auf dem Display.

Ich machte mich also auf, um in die Zivilisation zurückzukehren und den staunenden Getreuen die Ergebnisse der Entbehrungen zu zeigen. Sorgsam baute ich die Kamera ab, verstaute alles, als mir die Idee kam: "Hey, warum fährst du nicht mit dem Auto zurück? Ist doch besser als das Auto zu tragen."
Ich fing also an die Aurüstung ins Auto zu bringen und das Basislager aufzugeben. irgendwie war die Stelle etwas schlammig, ein paar Mal wäre ich fast hingefallen und ich hatte auch noch die Ipermity-Flagge daheim vergessen und konnte so kein Zeichen der Zivilisation in der Wildniss hinterlassen, was mir aber zu dem Zeitpunkt ziemlich egal war, also fuhr ich los.

Schon nach wenigen Metern schlich sich der Gedanke in meinen Hinterkopf, dass das Glitschige auch ein Hundehaufen gewesen sein könnte, was durch einen ständig stärker werdenden Geruch im Wagen unterstützt wurde. Ich hielt an, stieg aus, um mein Schuhwerk im Scheinwerferlicht zu betrachten und - erspare euch weitere Details. :-(

Nach ca. 10 Minuten fuhr ich wieder an und erreichte nach einer drei Jahre langen Reise voller Abenteuer und Entbehrungen mein Heimatdorf. Ich würde die Bilder sofort auf den Computer laden!

Es war fast wie vermutet - das erste Bild war komplett schwarz, das Zweite zeigte einige Punkte und das Dritte den Sternenhimmel in seiner ganzen Pracht! Aber leider nicht als Punkte, sondern als kurze Striche. Die Belichtungszeit war so lang, dass die Sterne in der Zeit gewandert waren. Nicht weit genug, um interessant auszusehen, aber lang genug, um die Aufnahme komplett zu versauen. Hätte ich ein Blitzgerät nehmen sollen?

AAAAAAARRRRRRRGGGGHHHHHH!

Morgen probier ichs nochmal, mit hohen ISO-Werten. Niedrige ISO-Werte sind was für Grünschnäbel!