Ich weiß gar nicht so recht wo ich bei dieser Zusammenfassung anfangen und aufhören soll.
Also für alle die es nicht mitbekommen haben, ich war die letzten 2 ½ Monate Kühe treiben über eine Distanz von ca.800km. Ich bin in Morella, ca.120km außerhalb von Winton zum Trüppchen dazu gestoßen und bis dahin haben sie schon ca.400km hinter sich gebracht.
Bill (Chef) und Elisa (Kollegin) waren meist zu Pferd unterwegs und haben die Kühe getrieben und ich war hauptsächlich fürs Camp zuständig. Ich hatte meinen eigenen kleinen Road Train (30m lang) den ich über Feldwege, ausgetrocknete Flussbetten, Bull Dust (sehr lockerer Sand) und allerlei anderer Unwegsamkeit fahren musste. War zum Teil kein Zuckerschlecken, aber ich hatte nur ein Loch in einem Truck Reifen und bin nur einmal im Sand steckengeblieben, was in meinen Augen für diese Wege ein großer Erfolg war ;).
Zwischendurch musste ich auch mal Kühe treiben, dann aber meist mit dem Motorrad (war nur zweimal auf einem Pferderücken und danach taten mir Hintern und vor allem Knie ziemlich weh!). Ich habe das Motorrad bevorzugt. Aber ein Tipp für alle; ein Motorrad sollte man nicht mit Hilfe einer Kuh bremsen, tut ziemlich weh. Ich hatte ziemliches Glück bei meinem Zusammenprall mit einer Bush Kuh, der man es nicht beigebracht hatte nicht die Straße zu überqueren, wenn ein Motorrad mit 40km/h an Ihr vorbei fährt. Außer einer dicken blauen Schulter und Hüfte hatte ich sagenhaftes Glück, dass nicht mehr passiert ist, denn Helme gab es natürlich nicht. Was mich dabei am meisten geärgert hat war, dass ich meine Sonnenbrille verloren hatte und ich nun mit einer geschenkten und ziemlich beschränkt aussehenden Sonnenbrille rumlaufen musste.
Bei so einem Trip lernt man auch wieder Kleinigkeiten zu schätzen, wie genügend Wasser oder auch einfach nur eine Toilette zu haben. Wenn man nur mal Pinkeln muss ist es ja nicht so schlimm, aber wenn man dann mal ein `Serious Business` (wie man es hier genannt hat) machen musste, hat man sich schon eine Toilette gewünscht. Und meistens gab es dann nicht mal einen Busch, also musste man bis zur Dunkelheit warten…tolles Erlebnis ;)
Bei diesem Trip habe ich auch erlebt das Leben und Tod ziemlich nah beieinander liegen im Outback. Man kann nicht immer Glück und Foster Kühe haben, die sich um mehrere Kälbchen kümmert. Wir hatten das Glück einmal und das ist ziemlich selten. Das nächste Mal muss man einem Kälbchen eines über den Kopf ziehen, da die Kuh Ihr Kälbchen nicht akzeptiert hat und es ansonsten jämmerlich verhungert wäre. Schmerzt schon wenn man es für zwei Tage hin und her träg (und die sind nicht immer leicht!) und alles versucht, das die doofe Kuh (ich weiß endlich wie der Ausdruck entstanden ist!!!) Ihr Kälbchen endlich akzeptiert und saugen lässt. Wenn man es dann töten muss ist nicht immer einfach. Ich hatte sogar für etwa 3 Wochen ein kleines Flaschenkälbchen; meine kleine Brooke. Sie wurde auch von Ihrer Mutter verstoßen und Bill (mein Chef) hatte Mitleid mit mir und ich durfte sie mit der Flasche füttern, bis wir dann in Urandengii eine Ziehmutter für Brooke gefunden haben. Darüber bin ich ziemlich froh, denn dort wird sie als Haustier aufgezogen und landet nicht früher oder später als Essen auf dem Tisch!
Urandengii ist ein kleines Kaff, das nur aus einem Pub, einer Schule und einigen Wellblechhütten der Aborigines besteht. Aber dort hatten wir eine Menge Spaß mit der Pub Besitzerin und einigen Ihrer Freunde. War eine nette Abwechslung mal wieder etwas Musik und Party zu haben, wenn man Wochenlang nur zwei andere Gesichter sieht. Meine Kollegin Elisa war übrigens auch eine Deutsche…unglaublich, man kann nirgendswo hingehen ohne Deutsche zu treffen, selbst im Queensland Outback sind wir vertreten ;).
Am meisten Spaß hat mir aber gemacht mich um die ganzen Hunde zu kümmern. Leider haben wir auf diesem Trip einige Hunde verloren; es waren 21 Hunde als ich angefangen habe und mit 18 Hunden sind wir nach Hause gefahren. Es sind welche überfahren worden, einer hat Dingo Gift gefressen und einen Hund haben wir wohl an Überhitzung verloren. Ich hatte auch zwei Welpen die 4 und 6 Wochen alt waren als ich meinen Trip begonnen habe und die hätte ich am liebsten behalten. Die sind mir richtig ans Herz gewachsen, was ja keiner verstehen kann der mich kennt ;)
Ich war auch überrascht wie viel Leben im Outback ist. Ich habe Emus gesehen, natürlich viele Kängurus, aber auch wilde Kamele und viele, viele verschiedene Vögel Arten. Unter anderem auch hunderte von Wellensittichen, die in Schwärmen herumgeflogen sind. Ihr Gezwitscher hat mich irgendwie an unseren Sommer erinnert. Denn wenn man dann auf dem Balkon sitzt hört man auch einige Wellensittiche zwitschern, die auf dem Balkon etwas Sonne tanken dürfen. Ich habe auch einige Adler gesehen, darunter auch Eagle Hawks, auf die ich besonders aufgepasst habe, da sie Lämmchen, kleine Hunde und andere Kleintiere schnappen und aus 100m Höhe fallen lassen um sie dann nachher zu fressen. Da ich zwei kleine Welpen dabei hatte die auch ab zu mal draußen laufen wollten, hatte ich ein besonderes Auge auf die Adler, wenn welche in der Nähe waren.
Die Hitze (ging in die hohen 30Grade und im Van auch 40Grade!) hat mir im Anfang schon ziemlich zu schaffen gemacht, vor allem wenn man mit einem 12Pfund schweren Hammer einige Eisenstangen in den Boden hauen muss. Das Gute daran, ich habe einige Kilos verloren habe und wieder etwas fitter geworden bin.
Die letzten 2Wochen waren aber schon ziemlich hart, vor allem da man nie eine Nacht durchschläft, da man auf jedes Geräusch hört. Denn wenn die Kühe mitten in der Nacht ausbrechen, muss man sofort parat sein und den Kuh Yard wieder aufbauen und das im Dunkeln. Ich hatte zum Glück nur einen Kuh Ausbruch, dann aber auch gleich 3mal in einer Nacht. Kein Zuckerschlecken, vor allem nicht in all dem Staub. Als die Kühe zum 2ten mal ausgebrochen sind sahen Elisa und ich nur eine Staubwolke auf uns zu kommen und wir sind nur in den Van geflüchtet um nicht von den Kühen überrannt zu werden.
Es war schon ein sehr interessantes und aufregendes Outback Erlebnis, wo ich auch sehr interessante Charakteren kennengelernt habe. Ich möchte dieses Erlebnis auf keinen Fall missen, bin aber auch froh dass es vorbei ist und ich wieder etwas Zivilisation genießen kann.
Seit Donnerstag bin ich in Darwin und genieße es in einem klimatisierten Zimmer zu schlafen, da es hier absolut schwül ist. Wenn man aus der Dusche kommt, kann man eigentlich gleich wieder rein gehen, da einem der Schweiß schon wieder den Rücken runter läuft. Aber dafür werde ich in den nächsten Tagen in den Litchfield und Kakadu National Park gehen und etwas in den Wasserlöchern (die zum Schwimmen frei gegeben sind und in denen keine Krokodile sind!) schwimmen gehen!
Das war eine ziemlich schnelle und kurze Zusammenfassung meines Trips, aber ansonsten wäre es zu lang geworden. Jeder der mehr wissen möchte kann mich ja einfach anrufen… ;)
Happy Halloween und bis die Tage!