Ist es nicht schön, feinkörnigen Film sein Eigen zu nennen?
Was man doch für Glücksgefühl dabei erfährt denselben trefflich anzuwenden und seiner eigenen Fähigkeit nach einzusetzen. Mit unerschütterlicher Rückständigkeit wert sich der gesunde Menschenverstand gegen die digitale Revolution, welche letzten Endes lediglich eine massive Zunahme an Geschwindigkeit bei der Erstellung hunderter Schrottaufnahmen hervorbrachte. So streiten sich die Digitaljünger um die vermeintliche Auflösung ihrer Chips und die Abmaße derselben, erreichen allerdings letztlich dennoch nur mit atemlosen Keuchen annährend jene fotografischen Sphären, in denen sich seit halben Ewigkeiten "die Analogen" tummeln.

Früher war alles besser...
Möchte man meinen. In vielen Gebieten trifft es nicht zu. Ich für meinen Teil möchte doch eher nach modernen Methoden operiert werden, anstatt mit Äther betäubt zu werden wie "damals". Aber in der Fotografie scheint sich der Spruch nur allzuoft zu bewahrheiten.
Seit einem die Anhänger gewisser Kasten ihre Vorzüge um die Ohren prügeln und leichtgläubig daran festgehalten wird, halten sich diese Gedankenspiele hartnäckig in den Köpfen ganzer Legionen.
Die Zoom-Propaganda ist eines dieser zahllosen Phänomene.
Letztlich erkennt jeder beim direkten Vergleich dass ein solches Objektiv dramatisch schlechtere Leistungen erziehlt als eine Festbrennweite. Letztlich liegt es an der Bereitwilligkeit sich die Mühe zu machen seinen Krempel durch die Landschaft zu schleppen.

Ein weiterer Mystizismus welcher sich seine Bahn bricht, ist der, der Beugungsunschärfe.

Seit die Digitalen anfangen Makroaufnahmen zu entdecken und sich in dieser Welt versuchen, stellen sie immer wieder erschreckt fest dass ihre Chips einen optischen Effekt bzw. "Fehler" abbilden, welcher früher kaum jemandem Kopfzerbrechen einbrachte.
Sie behelfen sich, indem sie ihre nahezu durchweg minderwertigen modernen Objektive gegen hochwertige althergebrachte Konstruktionen, 40-60 Jahre alt und älter, ersetzen. Das legt dem bösen Monster einen Maulkorb an, aber es existiert noch.
Zu ihrem verdruß können ihre niedlichen Chips es immer noch nicht wirklich mit dem älteren garstigen Bruder "Film" aufnehmen und das macht sie wütend.
Sicherlich prügeln einige weiße digitale Ritter Unmengen an Preziosen zum Pfandleiher und erwerben überteuerte Geräte, welche ihnen dann die nötige Sicherheit verleihen das Monster ebenso lockerleicht gebändigt zu bekommen. Nur obligen diese armen gequälten Geschöpfe letzten Endes auch dem Irrtum trügerischer Sicherheit.

Für den Analogen hat das Ganze eher belustigende Ausmaße.
Im Normalfall bekommt er das Monster nie zu Gesicht und es verhält sich wie mit dem Ungeheuer von Loch Ness. Ab und an gibt es Sichtungen, aber niemand ernstzunehmendes würde darüber ein Wort verlieren.
Mit dem bloßen Unterschied dass jenes Monster tatsächlich existiert, allerdings in einer weit weit entfernten Galaxie. Begiebt man sich nicht gerade in die mystischen Sphären der Microfotografie, und verwendet man ordentliches Filmmaterial (was ohnehin jeder seriöse Fotograf tun) so sollte man niemals Angst haben brauchen.

Äußerst amüsant verhält es sich, wenn man dann Landschaftsbilder ausstellt und irgendwo ein "Blende 32" dazu schreibt... es wird nicht lange dauern bis irgendein Digitaljünger vorbei geschlendert kommt und einen Kommentar hinterlässt der da in etwa lautet: "Da hinten, da, rechts, da ist sie! Die Beugungsunschärfe! Ich sehe sie!"
Doch man ist gnädig, man vergisst schnell und nimmt es hin.
Vielleicht wäre man ja besser gefahren, hätte man stattdessen "Blende 4" dazu geschrieben... zumindest müsste dann kein armer kleiner Jünger seine zeit opfern.

Was bliebe einem auch anderes übrig, wenn man ohnehin schon als rückständig angesehen wird, eben weil man kein Anhänger digitaler Glückseligkeit ist? Es ist gleichwohl belustigend, aber letztlich völlig banal, was nun jene digitale Person denkt.
Vielleicht wandelt sich ja das Denken in 1 und 0, wer weiß das schon.

Ein anderer Dämon der durch unser Fotoland streift, Verderben und Chaos bringt, ist der des "Schnappschusses" - ein angsteinflössender Name, nicht wahr?
Früher kannten wir den Schnappschuss als eine treffliche Aufnahme einer besonderen Gegebenheit, beispielsweise in einer Bewegung. Der Akrobat der just in dem Augenblick fotografiert wurde, in dem er durch die Lüfte fliegt.
Doch der Schnappschuss wurde infiziert und mutiert nun. Er wird verunstaltet und unförmig. Menschliches Werk hat ihn deformiert und gequält... heute ist er zu einem Scheusal geworden, dass eigentlich niemand erblicken möchte, aber dennoch wird er betrachtet. Es muss die Lust am Ekel, die Freude an dem Abscheulichem sein, welche die Betrachter treibt.
Der Schnappschuss ist zum Inbegriff des schlechten Fotos geworden, ein Foto dessen sich der Film schämen muss es zu tragen. Unterbelichtet, verwackelt, die Schicht verletzt und gequält, das Motiv zerstört und aus seiner Welt entrissen... dass ist es was uns als Schnappschuss begegnet.

Der Geist der filmisch erfassten Fotografie wandelt sich zur Müllproduktion und mehrt auf diese weise das Märchen von der digitalen Überlegenheit.
Der Suchende Neuling wird beim Anblick der ach so verheißungsvoll als "schön" bezeichneten Schnappschüsse analoger Fotografen die Flucht zum digitalen Gral antreten und einer der Jünger werden, welche unsereins mit Beugungsunschärfen behelligen.

... niemand weiß wohin uns dieser Weg führt, aber vermutlich in eine düstere Zukunft - denn wir alle wissen ja: Eine Fläche die alles Licht verschluckt, erscheint schwarz.