Eine Sommerliebe

Heute möchte ich Euch mit Stefan bekannt machen. Er ist ein gu­ter Freund und wohnt auf einem großen Waldgrundstück.
Viel habe ich schon über Vögel und andere Tiere und ihre Gewohnhei­ten von ihm erfahren. Auch über Pilze und Kräuter weiß er eine menge. Da kann ich wunderbar Vögel beobachten und von ihm habe ich auch ein Amselnest bekommen, das jetzt getrocknet, mit zwei anderen die ich im Wald gefunden habe, meine Sammlung von Wurzeln und besonderen Zweigen ziert. Immer wenn ich ein­mal vorbeischaue gibt es wieder eine neue Überraschung. Oder wie in diesem Fall ein neues Mitglied seiner Familie. Eigentlich ist er ja alleine, wenn man von Kaninchen, Mäusen, Vögeln, einer Wie­selfamilie, Fledermäusen, jede menge Siebenschläfer und was sonst noch auf so einem Grund­stück lebt einmal absieht. Im Moment lebt Rico, ein Hundewelpe, der ein neues Zuhause sucht, bei ihm. Aber ich möchte euch von einem etwas ungewöhnlichen Familienzuwachs erzählen.

Darf ich vorstellen Willi.



Er ist sozusagen bei Stefan vom Himmel gefallen. Er saß mit Freunden zusammen, als es hinter ihnen einen Knall gab. Als er nachschaute was es war, lag zu seinem Erstaunen ein kleines völlig benommenes Eichhörnchen im Gras. Er nahm es hoch und legte es in eine freie Box des Hasenstalls. Stellte Wasser und etwas zu fressen hinein und eine Dose in die er etwas Schafwolle legte, da­mit es sich da verstecken konnte. Als es sich von seinem Sturz er­holt hatte fing er an zu fressen und seine Umgebung in Augen­schein zu nehmen. Die Finger des Menschen wurden eingehend beschnüffelt, wurde mir erzählt. Nach zwei Tagen war er so zu­traulich, das Stefan ihn entflöhen konnte und nachschaute ob mit die­sem kleine Gast alles in Ordnung war. Er war wohl aus dem Vogelkasten gefallen hoch oben in der Kiefer .Manchmal wurde mir erzählt ziehen dort keine Vögel ein sondern auch Eichhörnchen. Also bekam Willi sei­nen Namen und durfte ab dem Tag mit ins Haus.Er schlief in ei­ner Höhle aus einem Kopfkissen mit im Bett. Am Tag kuschelte er anstatt in einer Höhle unter Stefans Hemd oder in der Hosenta­sche.
Viel schlief er in der ersten Zeit und seine Ausflüge beschränkten sich darauf, bei seinem Ziehvater auf und ab zu krabbeln und sich nicht zu weit von ihm zu entfernen.
Als ich Willi kennen lernte war er seit einer Woche da. Ich hielt ihm eine Rosine hin und er kam sofort auf meine Hand, kletterte auf meine Schulter und war ganz zutraulich. Schnell wurde er vom Spielen und den neuen Eindrücken mit mir müde, dann suchte er sich eine dunkle Stelle in meiner Jackentasche und schlief erst mal eine Runde. Das war wunderschön, diesen kleinen Körper in mei­ner Jacke zu spüren. Es ist ganz erstaunlich was liebevoller Zunei­gung für ein Vertrauen schafft. Diese „Handvoll“ Eichhörnchen hat keine Angst vor Menschen. Das heißt nicht dass er seine Freiheitsliebe aufgegeben hat. Er hat zu dem was er kennt, einfach eine neue Erfahrung dazu be­kommen.



Ich finde es schon besonders, ein sonst sehr scheues und flinkes Waldwesen aus der Nähe betrachten zu dürfen. Wenn ihm das recht ist und glaubt mir, er ist da wirklich sehr eigen. Es ist eine schöne Erfahrung wenn er mit seinen kleinen Füßen auf mir her­um trippelt. Natürlich finde ich es himmlisch dass ich so auch Ge­legenheit habe ihn fotografieren zu können. Wer schon einmal in Wald oder Park die Bekanntschaft so eines kleinen Eichhörnchens gemacht hat, weiß dass sie sehr scheu und schnell sind. Aber auch sehr Neugierig. Es macht Willi Spaß mit seinem Ziehvater verstecken zu spielen, da geht es rund um den Baum und immer ist er eine halbe Dre­hung schneller. Wisst ihr eigentlich wie Eichhörnchen sich verständigen? Sie gekkern, anders kann ich es nicht beschreiben


Auf mei­nen Waldstreifzügen ist mir dieser eigenartige Laut schon öfter aufgefallen, ohne dass ich wusste was es ist. Jetzt weiß ich es.
Ganz erstaunlich ist, mit was für einer Leichtigkeit, er rückwärts und vorwärts den Baum rauf und runter rast.



Süß ist auch wenn er einmal auf der Erde unterwegs ist und über den Boden hüpft. Etwas weitere Entfernungen zwischen den Bäu­men schafft er noch nicht im Sprung, er ist eben noch ein Eich­hörnchenkind. Seine Streifzüge in die Umgebung hat er inzwi­schen schon ganz schön ausgedehnt. Stefan hat mir erzählt, dass er im Wald bei Urlaubern am Bein hoch ist und diese haben ihn dann nach „Hause“ getragen. Aber das ist noch lange nicht alles was dieser kleine Waldbewohner so an Überraschungen für uns parat hat. Ich durfte mich bei meinem letzten Besuch davon überzeugen, dass er auch Rico, in sein kleines Eichhörnchenherz geschlossen hat. Angst scheint etwas zu sein, was er nicht kennt.



Oder? Könnt ihr sehen dass er Angst hat? Ich nicht. Rico ist ein Welpe und auch noch in dem „Spiel doch mit mir Alter“. Von da­her haben die beide wohl etwas gemeinsam. Stefan erzählte mir, dass es wohl Liebe auf den zweiten Blick war und schnell Freund­schaft geschlossen wurde.Liebevoll teilt Willi seine Nüsse mit ihm, wenn er auf dem Baum sitzt wirft er extra etwas runter. Wenn er auf der Erde frisst darf Rico schon auch mal naschen oder auch an ihm schnuppern. Aber am aller liebsten fressen die beiden Eierplätzchen. Auch die Vögel sind mittlerweile auf diese Köstlichkeit aufmerksam gewor­den.


Wenn Willi mit einem Plätzchen zwischen den Zähnen die Bäume auf und ab saust, wird sehr genau beobachtet wo er es hinträgt und kurz danach kann man ein Rotkehlchen oder eine Meise mit Plätz­chen im Schnabel davon fliegen sehen. Es macht ihm nichts aus, wenn Rico ihm, sozusagen Nase an Nase, bei seiner Mahlzeit Ge­sellschaft leistet.Natürlich habe ich immer Leckereien dabei. Nüsse und Rosinen habe ich immer einstecken wenn ich im Wald unterwegs bin. Als Dankeschön für die Waldwesen. Jetzt ist ein teil davon für Willi eingeplant. Mit einer Walnuss in der Hand, kann ich ihn immer vom Baum locken wenn er kommt. Dann streckt er sich, mit den Hinterpfoten am Baum festhaltend, mit Kopf und Vorderpfoten der Nuss in meiner Hand entgegen. Er schnuppert an den Fingern und klettert dann langsam erst mit der einen Pfote, dann mit der anderen auf meine Hand. Was für ein Vertrauen er doch auch zu mir hat, obwohl ich nur ab und zu komme. Dann nimmt er die Nuss in beide Vorderpfoten und fängt an zu fressen.


Schnurps, schnurps, schnurps wird sie verputzt. Dann schnuppert er noch ein wenig an mir herum und springt davon.
Ein neues Mitglied der Familie lernte ich bei meinem letzten Be­such kennen. Ein kleiner Kater, Josef, hat seinen Weg in diese Waldfamilie gefunden.

Dieser kleine Kater hat ganz schnell mit Rico Freundschaft ge­schlossen. Er hat ihm mit seinen Katzenpfoten auch schon einige Ohrfeigen verpasst wenn er ihm zu aufdringlich wurde.
Mit Willi ist es mehr eine Begegnung auf Abstand. Nachdem Willi gemerkt hat, dass ein Baum, für eine Katze, kein Hindernis ist, neckt er die beiden immer aus sicherer Baumhöhe. Es ist allerliebs­te diese drei beim spielen zu erleben. Willi saust auf den Baum um den Stamm herum und die beiden versuchen ihn auf der Erde zu folgen.
Ein andermal hängt er einen Meter über den Boden am Stamm und narrt Hund und Katze in dem glauben er komme herunter.



Im nächsten Moment springt er knapp vor ihren Nasen vom Baum auf die Erde herab, saust über den Boden zur nächsten Kiefer und schwupp hinauf. Er ist eben doch zu schnell, aber die Richtung stimmt.
So necken und spielen die drei den ganzen Tag und natürlich gibt es dazwischen auch immer eine Pause. Dann liegen Hund und Kater auf der Wiese und das Tier des Waldes sitzt auf dem Baum oder der Schulter eines der anwesenden Menschen und ruhen sich aus.Ein andermal ist Willi dabei, auf Stefans Hand einer Nuss zu knapern und Hund und Katze schnuppern an ihm herum.
Willi ist jetzt doch schon den ganzen Tag im Wald unterwegs und es ist wirklich Glück wenn er einmal da ist wenn ich komme.



Stefan hat mir erzählt, das sich Willi jetzt eine Kobel (ein Eich­hörnchen Haus) in einer Birke auf dem Grundstück baut und Nüs­se sammelt. Also trifft er wohl, wie das seiner Natur entspricht Wintervorbereitungen. Mal sehen, vielleicht habe ich ja Glück und kann im nächsten Jahr seine eigene kleine Familie fotografieren.
Er ist eben ein Waldtier und der Wald ist sein Spielplatz, aber die Nüsse die bei Stefan auf ihn warten weiß er immer zu schätzen. Mal schauen was diese Familie noch so an Überraschungen bereithält. Auf je­den Fall habe ich immer den Fotoapparat im Rucksack.



Für mich lieber Willi war der Sommer mit dir eine wunderbare neue Erfahrung und dafür danke ich dir.