Inhalt

1 Lisa

2 Wie meine Geschichten zu Euch kommen

3 Mein Freund der Drache

4 Freundschaft

5 Der fröhliche Bär





1
Lisa

Winzig bin ich, anmutig sind meine Bewegungen, ein durch­sichtiges zartgrünes Kleid schmückt meinen Körper. Intensiv sind Gerüche, Farben und Töne in der Welt, in der ich lebe. Alles ist von einem magischen Zauber umgeben. Zeit spielt hier nicht so eine Rolle wie bei den Menschen. Ich schaue zu, wie sich ein Wassertropfen langsam von einem Zweig löst und fange ihn auf. Schwer ist er, behutsam lege ich ihn auf ein Blatt, er fließt auseinander und füllt es ganz aus. Ich tauche meine winzige Hand in diesen Wassertropfensee und koste von ihm. Es fühlt sich kühl an, wie es meinen Hals hinunter läuft beim Schlucken. Ich ziehe meine Schuhe aus, auch sie sind winzig wie ihr euch denken könnt, hebe einen Fuß und steige in den kleinen See. Langsam bewege ich meine Zehen und sehe zu, wie dadurch auf der Wasseroberfläche kleine Wellen entstehen, die sich über den ganzen Wassertropfensee ausbrei­ten. Ich heiße sie willkommen. Sie bedanken sich, dass ich sie mit der Bewegung meiner Zehen erschaffen habe. Schön ist es, im Wasser zu stehen und mit den Wellen zu plaudern. Ein Schmetterling lässt sich am Rand des Blattes nieder und schaut mir zu, wie ich mit meinen Zehen immer neue Wellen erschaf­fe. Ich selbst kann auch fliegen, doch manchmal genieße ich es, auf einer Hummel, einem Schmetterling oder einem Vogel zu reisen. Oh, ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt. Ich bin Lisa, eine Elfe. Gerne erzähle ich euch, was ich so erlebe in meiner Welt. Eigentlich ist es ja nicht meine, sondern eine Welt, wie es noch viele andere gibt. Auch wenn viele der Men­schen diese nicht sehen oder wahrnehmen können. Glaubt mir, in jedem Hause gibt es Naturwesen, wie ich eines bin. Es gibt außer uns Elfen auch Zwerge, Kobolde, Pucks, Engel und noch viele andere Wesen, aus den unterschiedlichsten Rei­chen. Gerade kommen andere Elfen zu meinem Wassertrop­fensee. Sie tanzen einen Reigen über ihn und berühren mit ih­ren Fußspitzen die Wasseroberfläche. Ganz viele Kreise entste­hen, werden größer, fließen ineinander und das ganze Blatt fängt an zu schaukeln. Wir Elfen singen, lachen und tanzen gern. Wir sausen auf den Blättern der Pflanzen hinab. Große Blätter sind sehr begehrte Rutschbahnen. Jetzt möchte ich ger­ne etwas anderes tun und frage den Schmetterling, ob er mit mir ein wenig durch die Gegend fliegt. Er ist wunderschön, ganz gelb. Er ist einverstanden und ich mache es mir zwischen seinen Flügeln gemütlich. Schön ist es, alles von oben zu se­hen. Schmetterlinge sind gemächliche Flieger und große Ge­nießer. Oft machen wir Rast auf einer Blüte, naschen von ih­rem Nektar und lassen uns vom Wind hin und her schaukeln. Ich mag es, wenn die Blütenpollen in meiner Nase jucken. In einer Mohnblüte bleibe ich liegen und lasse den Schmetterling allein weiterfliegen. Ich bin sehr neugierig und schaue immer, ob es etwas gibt was ich noch nicht kenne.
Gestern war ich zum Beispiel zu Besuch bei einem Mann, der Pfeife raucht. Eingeladen wurde ich von einem Wellensittich, der mit seinem Käfig am offenen Fenster stand. Wir haben mit­einander geplaudert und ich durfte sogar in seinem Wasserbe­cken baden. Dabei hat er mir von der Pfeife erzählt, die sein Mitbewohner raucht. Also bin ich bis zum Abend geblieben, um mir das Pfeife rauchen anzusehen. Der Mann kam nach Hause, setzte sich an den Tisch, stopfte Tabak in den Pfeifen­kopf und brannte ihn an.
Ich saß direkt vor ihm auf den Tisch, ich wusste ja, dass er mich nicht sehen konnte. Dies war ein guter Platz um alles zu beobachten. Er zog an der Pfeife und blies den Rauch in die Luft. Dabei schloss er genießerisch seine Augen. Es roch sehr gut, fand ich. Als das Telefon klingelte, legte er die Pfeife auf eine Unterlage und ging aus dem Zimmer. Das war meine Chance, es auch auszuprobieren. Vorsichtig setzte ich den Pfeifenstiel an mei­nen Mund und atmete ein, so wie ich es gesehen hatte. Mein ganzer Mund füllte sich mit Rauch und floss meinen Hals hin­unter. Es kratzte und biss in ihm. Vor Schreck ließ ich die Pfeife los. Das hatte ich bei dem Mann nicht gesehen. Husten schüt­telte mich und ich flog durch das Zimmer in das Körbchen ei­ner Katzendame. Ich brauchte eine Weile, bis der Husten auf­hörte. Voller Mitgefühl, aber auch ein wenig spöttisch, wartete die Katze bis mein Hustenanfall vorüber war. So geht es vielen Menschen, die zum ersten Mal rauchen, klärte sie mich auf. Aber eine rauchende Elfe ist wirklich ein besonderes Erlebnis. Sie gestattete mir, bei ihr zu bleiben, bis ich mich wieder erholt hatte. Ich hatte noch bis zum nächsten Morgen so einen komischen Ge­schmack in meinem Hals. Nein, das mache ich nicht noch ein­mal.
Nun neigt sich der Tag seinem Ende zu und für mich ist es an der Zeit zu meinen Freunden zurück zu fliegen. Wir begleiten die Sonne, mit unseren Tänzen und Liedern, beim Untergehen und verabschieden so den Tag.
Euch wünsche ich eine schöne Nacht und wunderbare Träu­me.



2
Wie meine Geschichten zu Euch kommen
Heute möchte ich euch gerne einmal erzählen, wie es gekommen ist daß ihr das, was ich erlebe, lesen könnt. Also, das war so: Flügelchen, einer meiner Freunde, der genau wie ich auf der Waldwiese lebt, kam eines Tages ganz aufgeregt angeflogen, plumpste auf meine Blüte, auf der ich gerade ein Sonnenbad nahm und nachdem er ein wenig verschnauft hatte, erzählte er mir, was er heute erlebt hatte.
Ich gaukelte so vom Winde getragen durch die Luft mit geschlossenen Augen und summte mein Lied vor mich hin, das du ja kennst. Langsam setzte mich der Wind auf dem Fenstersims eines Hauses ab. Ein Fenster war offen und ich verstand dies als Einladung. Also flog ich durch das offene Fenster auf das Fensterbrett und schaute mich um. Große Pflanzen waren da und Kristalle standen auf einem Schrank. Ein schön bemaltes Schrankwesen hieß mich mit einem anmutigen Lächeln willkommen und du wirst es nicht glauben, jede Menge putziger kleiner Elfen, mit Kleidern voller Sterne, spitzen Hüten und jede hält einen kleinen funkelnden Stab in der Hand, die jetzt zu mir kamen. Sofort war ich umgeben von ihnen und ihrem kichern und lachen. Wie Elfen eben so sind. Also stellte ich mich vor. Ich verneigte mich vor diesen wundersamen Wesen, die so ganz anders aussahen als die Elfen, die ich kenne. „Flügelchen ist mein Name und ich lebe auf einer Waldwiese und mein Freund der Wind hat mich hierher getragen“. Plötzlich Stille um mich herum. Das war so ungewöhnlich nach dem Gezwitscher und Gekicher, dass mir ganz mulmig wurde. Eine der kleinen Elfen, deren Hut noch ein wenig mehr besonders war als die Hüte der anderen, flatterte um mich herum, um mich von allen Seiten zu betrachten.
Singe uns dein Lied, forderte sie mich auf. Ich war ganz verwundert, woher diese besonderen Elfenwesen wussten, dass ich ein Lied hatte. Also sang ich ihnen mein Lied vor.
Ich flieg' einen Sommer,
Schönheit ist mein Wesen,
ich flieg' einen Sommer
im Sonnenschein.
Er ist es, sagte diese Elfe. Jetzt war ich noch mehr verwundert. Woher kennt ihr mich und wieso wisst ihr von meinem Lied. Das kennt doch niemand außer mir und meine Freunde auf der Waldwiese. Komm mit, sagte die Elfe und ich flatterte durch das Zimmer auf einen Tisch, auf dem eine Maschine stand, die Menschen nennen sie Computer, (haben mir die Elfen erzählt). Auf dieser Computermaschine lag ein Buch, auf dem stand: Bezaubernde Geschichten. Verwundert schaute ich die Elfen an. In diesem Buch, erklärten sie mir, steht eine Geschichte über dich und auch dein Lied, das du immer singst. „Liebe Zwerge“, rief eine der Elfen und jetzt kamen hinter dem großen Topf einer Zimmerpflanze eine ganze Zwergenfamilie hervor. Sie waren kleiner als die Zwerge, die ich kenne, und sie sangen. Also verneigte ich mich vor der Zwergenfamilie und stellte mich vor: „Flügelchen ist mein Name und ich lebe auf einer Waldwiese und mein Freund der Wind hat mich hierher getragen“. Auch sie schauten mich neugierig von allen Seiten an. „Bitte, lieber Zwerg“, bat jetzt eine der Elfen, „öffne uns doch das Buch, damit wir Flügelchen die Geschichte, die da über ihn geschrieben ist, zeigen können“. Langsam öffnete der größte der Zwerge das Buch und blätterte es Seite für Seite um.
In dieser Zeit waren aus anderen Ecken des Zimmers Kobolde gekommen, einen Puck konnte ich sehen, der hinter einer Truhe hervorsah und noch andere Natur- und Pflanzenwesen. Als die Elfe meinen erstaunten Blick sah nickte sie; Ja, wir alle wohnen hier. „Halt“, riefen plötzlich alle Elfen aus, Hier ist es“, und du wirst es nicht glauben, Lisa, da war wirklich eine Geschichte über mich mit meinem Lied, das ich immer singe. Jetzt erfuhr ich, dass hier eine Frau wohnt, die viele kleine Geschichten schreibt. Sie erzählten mir, wie lustig das ist, wenn sie wieder einmal lachend und mit den Beinen zappelnd im Bett liegt, wenn ihr wieder eine Geschichte zufällt und wie viel Freude sie dabei hat diese aufzuschreiben. Also habe ich mich flugs von all diesen Wesen verabschiedet um dir davon zu erzählen. Als Flügelchen fertig war mit seiner Erzählung nippte er an dem Nektar meiner Blüte und schloss genießerisch seine Äuglein. Fliege mit mir zu dem Haus, bat ich ihn. Also flogen wir nun gemeinsam zu dem Haus, das Fenster war noch offen und wir flogen hinein. Sofort waren wir umgeben von diesen Elfen mit ihren besonderen Hüten, den glitzernden funkelnden Sternen übersäten Kleidern und den Stäben in der Hand. Flügelchen stellte mich allen Bewohnern dieser Wohnung vor, es war eine sehr lustige Gesellschaft. Wir blieben den ganzen Tag und ich erfuhr, wie die Elfen, Zwerge, Kobolde und der Puck zu der Frau gekommen sind. Das alles brachte mich auf die Idee, sie könnte doch auch aufschreiben, was ich so in meiner Welt erlebe. Als ich den Anwesenden davon erzählte, waren sie ganz begeistert: „Und wie willst du das machen?“ fragten sie mich. Ich dachte nach. „Kann sie euch sehen?“
Alle schüttelten gleichzeitig mit dem Kopf. „Sie weiß, dass wir da sind und sie kann uns hören“, sagte das Familienoberhaupt der Zwerge. Ich bin zu ihr gekommen, weil ich ihr Zwerg bin und habe ihr immer auf meiner Flöte vorgespielt und irgendwann hat sie mich gehört und fragte mich nach meinem Namen. Seitdem spricht sie mit mir und ich, meine Freunde und meine Familie, die inzwischen auch hier leben, spielen jeden Abend für sie und für uns“. „Oh, dann ist es ja ganz einfach, ich werde öfter herkommen und ihr meine Abenteuer ins Ohr flüstern. Das mache ich immer wenn ich Lust habe euch zu sehen. Ansonsten werde ich ihr meine Erlebnisse mit dem Wind schicken und ihn bitten, ihr diese ins Ohr zu flüstern. Ich bin ganz sicher, dass sie ihn hören kann. Aber bevor wir gehen, sagt mir doch einmal was es mit euren Hüten, den Kleidern und Stäben auf sich hat“. Lachend tanzten die Elfen um uns herum. Das ist ganz einfach: der Schutzengel von ihr sieht so aus wie eine Märchenfee und ist nachts auch in den Träumen der Kinder unterwegs, damit diese einen schönen Traum haben. Das hat uns so gefallen, dass wir auch so aussehen wollen. Alle nickten gleichzeitig mit den Köpfchen. Liebe Monika, jetzt weißt auch du, wie meine Geschichten zu dir kommen und ich freue mich sehr, dass sie dir solche Freude machen. Also bis bald. Flügelchen und ich fliegen jetzt zurück auf unsere Waldwiese. Einige deiner Elfen begleiten uns, sie möchten mit uns tanzen und die Sonne beim Untergehen begleiten. Du brauchst das Fenster nicht auflassen, anders als Flügelchen können wir Elfen uns in die Räume der Menschen hineindenken, wenn wir das wollen. Schön, dass ich so viele neue Freunde gefunden habe. Also bis bald.

3
Mein Freund der Drache

Guten Morgen ihr alle, schön, dass ihr wieder da seid um mir zuzuhören. Seid ihr schon einmal auf einem Drachen geflogen? Ach, in eurer Welt gibt es keine Drachen, nur in Märchen? Da irrt ihr euch aber sehr, es gibt so sicher Drachen bei euch, wie ihr mich nicht sehen könnt. Nun gut, dann erzähle ich euch von dem Drachen, den ich kenne und der mein Freund ist. Wir sehen uns nicht so oft, weil er immer unterwegs ist und viel zu tun hat. Er ist ein Friedensbote. Riiiesig ist er, grün und sehr lustig. Ein richtiger Drache eben. Auch ist er sehr weise. Er hat mir erzählt, dass auf dem Planeten, von dem er kommt, die Drachen weise Ratgeber sind. Er weiß viel zu erzählen von Sternen und Universen, wo ich noch nie gewesen bin. Von ihm weiß ich, dass es die unterschiedlichsten Lebensformen gibt und immer bringt er mir Grüße mit. Jedenfalls war er erst kürzlich wieder einmal hier und lud mich ein zu einer Flugreise. Er wolle zu einem Vulkan und ich dürfe mitkommen. So eine Abwechslung liebe ich und das Fliegen mit ihm macht mir immer viel Freude. Also landete er zwei Meter über dem Erdboden, damit ich gut aufsteigen kann. Was, nebenbei bemerkt, immer ein wenig schwierig für mich ist, weil er sich zwischendurch immer wieder unsichtbar macht. Dies ist so seine Art, weil er auf der Erde immer unsichtbar fliegt. Also fliege ich zu seinem Ohr und setze mich hinein. Dies ist für mich der sicherste Platz, denn wenn er lossaust, klappt er sein Ohr darüber und ich kann nicht rausfallen. Bei meinen ersten Flugübungen habe ich es auf seiner Nase und auf dem Nacken versucht, aber da hat er mich immer ganz schnell verloren. Wenn ich gut in seinem Ohr sitze, sage ich ihm, es kann losgehen und wie ein Sturm saust er los. Ganz schnell sind wir an dem Ende der Welt, wo der Vulkan ist, den er besuchen möchte. Langsam senkt er sich und fliegt in den Vulkan hinein. Ich bin noch nie in einem Vulkan gewesen, auch wusste ich nicht, dass es einige gibt, wo man bis auf den Grund fliegen kann. In so einem sind wir gelandet. Langsam legt er seinen Kopf auf die Erde, damit ich beim Aussteigen gleich auf dem Boden landen kann, denn nach einem Flug mit ihm fühle ich micht immer ganz schön durchgeschüttelt. Das liegt daran, dass er so schnell ist. Also fliege ich langsam aus seinem Ohr auf den Boden und setze mich erst mal hin. Plötzlich höre ich einen riesigen Donner und werde wie von einem Sturm durch den Vulkan gewirbelt. Fast bleibt mein kleines Herz stehen, so erschrocken bin ich. Der Sturm wandelt sich in eine sanfte Brise, die mich wieder an meinen Platz zurück trägt. Mein Freund der Drache schüttelt seinen Kopf und ganz leise spricht er zu einem kleinen Menschen mit einem riesigen Bart (10-mal so lang wie er selbst, habe ich selbst nachgemessen, weil ich es nicht glauben wollte): „Du kannst doch meine kleine Lisa nicht so erschrecken“. Donnernd fängt der kleine Mann an zu lachen, aber noch bevor mich der Sturm wieder packt, senkt er seine Stimme und lacht jetzt so leise, wie mein Freund der Drache zu ihm spricht. Bei meinem Drachenfreund ist es ähnlich, wenn der in seiner ganz normalen Lautstärke mit mir spricht werde ich durch die Luft geschleudert. Also haben wir uns darauf geeinigt, dass er in meiner Gegenwart sein leisestes Flüstern benutzt und das ist immer noch wie Donnergrollen, glaubt mir. Aufgeregt hüpft dieser kleine Geselle von einem Bein auf das andere und lacht und lacht und lacht. Langsam ebbt sein Lachen ab und jetzt erfahre ich, dass dies ein Ausdruck seiner Freude ist über unseren Besuch.
Er stellt sich vor als der Geist des Vulkans. Er erzählt mir, dass er und der Drache sich schon seit vielen Jahrhunderten kennen. Ihr müsst wissen, dass Drachen sehr alt werden können, wenn sie es wollen. Der Geist des Vulkans führt uns in eine Höhle, die in den schönsten Farben funkelt und an den Wänden wundervolle Kristalle hat. Wie ich das nur von den Höhlen der Zwerge kenne, die ich einmal gesehen habe. Der Geist des Vulkans sagt ich dürfe mir hier alles ansehen und dann gehen die beiden weg. Voller Bewunderung gehe ich von einem Kristall zum anderen. Jeder singt in einem anderen Ton, so etwas habe ich noch nie gehört. Wunderschön. Als die beiden zurückkehren, sage ich dem Vulkangeist, wie bezaubernd ich den Gesang der Kristalle finde und dass ich so etwas auf der Erde noch nie gehört habe. Er erklärt mir, dass die Kristalle für die Erde singen und er sie beim Wachsen begleiten darf. Nun müssen wir aber wieder gehen, denn mein Drachenfreund muss das Geschenk, das er abgeholt hat, so schnell wie möglich zu einem anderen Stern bringen. Also verabschiede ich mich von meinem neuen Freund, dem lustigen Geist des Vulkans, steige in das Ohr meines Freundes und schon sausen wir wieder los und landen nach kurzer Zeit auf der Wiese, wo ich zuhause bin. Langsam steige ich aus dem Ohr auf ein Blatt, gebe meinem Freund noch liebe Grüße mit für den Stern, zu dem er fliegt und schon ist er in den Wolken verschwunden. Wie ich sehe, geht die Sonne bald unter, und wie ihr wisst versammeln wir Elfen uns um sie mit unserem Tanz zu begleiten. Also verabschiede ich mich für heute von euch und wünsche euch eine gute Nacht. Wenn ihr wollt, könnt ihr mich wieder besuchen und ich erzähle euch, was ich erlebt habe. Also bis bald.




4
Freundschaft

Hallo meine Lieben, schön dass ihr wieder einmal vorbei schaut um mit mir zu plaudern. Gestern war ich auf einer wun­derschönen Sommerwiese, lag in einer Margeritenblüte und schaute den Wolken zu. Ein kleines Mädchen kam an der Hand ihres Vaters auf die Wiese. Er breitete eine Decke aus und die beiden setzten sich ganz in meiner Nähe darauf nieder. Er nahm sich ein Buch und fing an zu lesen und das kleine Mädchen schaute sich mit Entzücken die vielen Wiesenblumen an. Es dauerte gar nicht lange, da hatte sie mich in meiner Blu­menschaukel entdeckt und kam zu mir. Schau mal Papa, rief sie, eine Elfe in einer Blume. Kurz schaute er von seinem Buch auf, nickte mit dem Kopf und las weiter. So lernte ich Petra kennen. Ihr wisst ja, dass es Menschen gibt, die mich sehen können und Kinder sowieso. Wir spielten zusammen Wolken erkennen. Das macht Spaß, weil jeder in einer Wolke etwas an­deres sieht. Als wir genug hatten, schaute ich mir die Kette an, die sie um den Hals hatte. Es war ein Geldstück, das in der Sonne funkelte. Also machten wir uns bekannt und das Geld­stück erzählte uns wie es von Petras Vater gefunden wurde. Es war Frühling.Langsam schmolz der Schnee und kleine Rinnsa­le von Wasser flossen vom Bürgersteig auf die Straße. Ein klei­ner Junge hüpft den Gehweg entlang, ein kurzes Aufblitzen zieht seine Aufmerksamkeit auf sich. Er bückt sich und unter einem kleinen Rest von Schnee halb bedeckt, kann er den Rand eines Geldstückes erkennen. Vorsichtig zieht er es hervor, säu­bert es von dem Schnee und dreht es ganz glücklich hin und her. Es ist das erste Geldstück in seinem Leben, das er in der Hand hält. Aufmerksam schaut er es sich an, wunderschön ist es, auf jeder Seite ist ein anderes Bild. Liebevoll streichelt er mit seinen Fingern darüber. Ganz warm wird es, wenn er seine Hand zumacht und es in seiner Faust hält. Voller Freude läuft er mit seinem neuen Freund nach Hause. Er sucht in der Küche eine kleine Dose, legt ein kleines Stück Stoff hinein, sein Geldstück und steckt es in die Hose. Dann geht er mit seinen Freunden spielen. Den ganzen Nachmittag denkt er nicht mehr an seinen kleinen runden Freund. Erst am Abend, er sitzt als letzter in ihrem Baumhaus, erinnert er sich wieder daran. Er nimmt das Geldstück in seine Hand, zeigt ihm das Baumhaus und die Wiese und macht es mit den Kü­hen bekannt. Alles zeigt er ihm auf dem Weg nach Hause. Er hält das Geldstück hoch oder tief, dass es ja auch alles gut se­hen kann. Im Haus kommt es wieder in die Dose und in das Versteck zu seinen Schätzen. Dort macht das Geldstück die Be­kanntschaft einer Glasscherbe, eines abgebrochenen Schrau­benziehers und einer alten Uhr, die nicht mehr geht. Jeden Tag nimmt der Junge sein Geldstück mit und lässt es liebevoll teil­haben an seiner Welt. Es wird so oft in die Hand genommen, dass es immer mehr zu strahlen beginnt. Aus dem Kind wird ein junger Mann und das Geldstück erlebt die erste Liebe sei­nes Freundes mit. Auch an seinem beruflichen Weg nimmt es teil und an den Ängsten bei den Prüfungen. Nicht ein einziges Mal wird es vergessen in den Jahren. Eines Tages gibt es ein großes Fest, natürlich mit dem Geldstück in der Tasche, heira­tet der junge Mann. Das Geldstück freut sich sehr, war es doch dabei als die beiden sich kennenlernten. Sehr oft schaut der Mann das Geldstück an und denkt an die vielen Jahre, die er es schon hat. Als seine kleine Tochter geboren wird, nimmt er das Geldstück und geht mit ihm zu einem Juwelier. Da bekommt es eine Öse an seinen Rand und wird an eine Kette gehangen. Jetzt bekommt es seinen Platz um den Hals des kleinen Mäd­chens und entdeckt mit ihren Augen noch einmal diese Welt.




5
Der fröhliche Bär

Heute möchte ich euch einen Freund von mir vorstellen und seine Geschichte erzählen. Vielleicht seid ihr ihm ja auch schon einmal begegnet, denn er ist auf Wanderschaft. Als wir uns kennenlernten saß er in der Wohnung, wo ich Elfenfreunde besuchte, auf dem Sofa und wollte gerade anfangen seine Geschichte zu erzählen. Also wurde ich mit ihm bekannt gemacht und dann lauschten wir alle ganz gespannt seiner Erzählung.Wenn ihr diesen Bären schon kennt, könnt ihr diese Geschichte aus der Hand legen. Euch hat er ja mit seiner Fröhlichkeit schon angesteckt.
Eine alte Frau macht auf Bestellung wunderschöne Bären zum kuscheln. Es ist lustig ihr bei ihrer Arbeit zuzusehen. Wenn sie einen Bären fertig hat, setzte sie ihn auf den Tisch, läuft um den Tisch herum und begutachtete ihn von allen Seiten. Mal schaut sie ganz ernst, dann wieder klatscht sie in die Hände, lacht und tanzte. Danach kocht sie sich einen Kakao und setzt sich an den Tisch. Jedem Bären, den sie fertig hat, hält sie eine Rede, „so mein Lieber, jetzt bist du also fertig. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Arbeit und deinem Aussehen. Bitte bringe dem Kind, das dich bekommt, viel Fröhlichkeit und Freude. Und jetzt mein Freund wünsche ich dir eine gute Reise“. Dann nimmt sie ihn vom Tisch und packte ihn liebevoll in eine Tüte. Er würde heute noch abgeholt werden. Am nächsten Tag setzte sie sich vor den leeren Tisch und sagt, „ich wünsche mir, wieder einen Bären zu machen“. Dann wartete sie bis sie in ihrer Vorstellung ein Bild hat, wie er aussehen will und beginnt mit ihrer Arbeit. Diesmal war es ganz anders als sonst. Ständig summt sie vor sich hin, manchmal lacht sie laut ohne Grund. Erstaunt hält sie inne und schüttelt verwundert den Kopf über sich.
Als auch dieser Bär fertig ist setzte sie ihn auf den Tisch. Sie begutachtete ihn von allen Seiten und tanzte um den Tisch herum, aus Freude über ihre gelungene Arbeit. Dann kochte sie sich einen Kakao und setzte sich. Gerade wollte sie mit ihrer Rede beginnen, da steht dieser Bär auf und stellte sich auf dem Tisch vor sie hin. Vor Erstaunen klappt ihr der Mund auf und ihre Augen werden ganz groß. Jedesmal, wenn sie später an diesen Moment dachte, schüttelte sie den Kopf. Der Bär zwinkerte ihr mit einem Auge zu, stemmte seine Tatzen in die Hüfte, fängt an zu tanzen und singt wie ein Mensch,
didel, dadel dudel duschel
ich bin so ein schöner Kuschel’
Po wackelt mal her, mal hin
ach ich bin so dünn, so dünn.

Dabei streichelt er liebevoll über seinen kleinen, runden, wohl geformten Bauch und lachte und lachte und lacht. Er strahlte sie mit seinen Knopfaugen an und singt immer wieder dieses kleine Lied. Nach dem die alte Frau ihr Erstaunen überwunden hatte, singt sie mit. Sie tanzt um den Tisch, der Bär tanzt auf dem Tisch und beide singen,
didel, dadel dudel duschel
ich bin so ein schöner Kuschel’
Po wackelt mal her, mal hin
ach ich bin so dünn, so dünn.

Dabei wackeln beide mit ihrem Po hin und her und streicheln liebevoll über ihren Bauch. „Wir Bären können alle sprechen, meist nicht so wie ich jetzt, sondern in der Sprache der Herzen. Ein Kind, dass seinen Bären liebt, weiß was ich meine und bewegen können wir uns auch“ sagte er.„Da du uns mit so viel Liebe machst, haben wir Bären uns entschlossen, dich dies wissen zu lassen.
Ab jetzt wird jeder Bär den du machst mit dir reden. Ich habe mich entschieden auf Wanderschaft zu gehen und mit diesem kleinen Lied Fröhlichkeit zu verbreiten. Ich werde es immer in Gedanken singen und in die Welt tragen. Die Herzen der Menschen werden es hören“. „Aber wie willst du auf Wanderschaft gehen? fragt die alte Frau den Bären. „Ganz einfach“ sagt er. „Ich lasse mich von einem Kind zum nächsten verschenken“. Irgendwo wartet auch eine junge Frau auf mich die sich schon lange einen Bären wünscht, bei ihr will ich auch vorbei sehen“. „Ich glaube das schaffst Du“, sagt die alte Frau. Sie steht auf, kochte sich einen neuen Kakao und setzte sich wieder zu den Bären an den Tisch. Die beiden haben die ganze Nacht und den nächsten Tag geredet und gesungen und hatten viel Spaß. Am Nachmittag wurde der Bär abgeholt und begann seine Wanderschaft.
An diesem Abend lernten auch wir Elfen das Bärenlied und hatten riesigen Spaß dabei. Seit diesem Tag gehört auch Kuschel zu meinen Freunden. Ich bin schon ganz gespannt wann und wo ich ihn wieder sehen werde. Aber im Herzen weiß ich immer wo er gerade ist. Vielleicht seht ihr ihn ja schon eher als ich, dann sagt ihm ganz liebe Grüße von der kleinen Elfe.