Inhalt
22 Schlaflos
23 Der Tanz
24 Geist der Nacht
25 Ein Wintertag und soviel mehr
26 Alptraum
27 Tritt ein.
28 Ich bin das Wasser



22
Schlaflos

Leise tropft der Regen aufs Dach, eine Uhr schlägt viermal die Stunde am Morgen. Die ganze Nacht habe ich Wachgelegen und mich von einer Seite auf die andere gedreht und dem Re­gen gelauscht. Der Schlaf hatte mich wieder einmal übersehen, bei seinem abendlichen Rundgang. Gedanken kommen und ge­hen, von diesem Tag und Tagen vorher. Worte von anderen ge­hört im Gespräch, oder erhascht im vorbeilaufen, sind als Ge­danken in meinem Kopf. Was für ein Chaos. Sind sie es? die mich festhalten im Wachsein. Ein ständiges Kommen und Ge­hen, eine Gedankenautobahn und kein Ende abzusehen. Lang­sam drehe ich mich auf die andere Seite, halte meine Augen geschlossen im Hoffen so den Schlaf zu überlisten. Wut, Ent­täuschung Ohnmacht, wechseln sich ab in mir. Hoffnung doch noch Schlaf zu finden hindert mich daran aufzustehen. Ein Ton wird durch das offene Fenster zu mir getragen. Findet sei­nen Weg in mein Bewusstsein und wird von mir als der einsa­me Ruf eines Vogels erkannt. Meine Augen öffnen sich kurz, um zu sehen, aber nichts, nur Dunkelheit im Zimmer. Schnell schließe ich meine Augen wieder, mit der Bitte doch noch Schlaf zu finden. Heftig schlägt der Regen ans Fenster. Mein Herzschlag fordert meine Aufmerksamkeit und holt mich raus aus meinem Gedankengewimmel. Aufgeregt schlägt es in mei­ner Brust, ganz bewusst genieße ich es, diesem Klopfen zu lau­schen. Immer tiefer führt es mich in mich hinein, immer tiefer in mein Herz. Leiser werden die Gedanken, leiser immer leiser. Lauter wird der Schlag meines Herzens. Frieden kehrt langsam ein und jetzt genieße ich es, wach zu sein.




23
Der Tanz

Sanft berühren meine Füße die Erde, meine Schuhe halte ich in den Händen, ich stehe seit langer Zeit das erste Mal barfuß auf einer Wiese. Langsam stelle ich einen Fuß vor den anderen und spüre das Gras unter meinen Fußsohlen. Gras wie ich es schon lange in dieser Art nicht mehr gesehen habe. Kein kurz gestutzter Rasen sondern Gras in einer Höhe wie es in der Stadt nur selten zu finden ist. Ich erinnere mich wieder, als Kind bin ich so gerne barfuß über die Wiesen gelaufen. Diese Sehnsucht trug ich solange in mir. Durch diese Wiese, auf der ich stehe, werde ich wieder erinnert. Langsam tasten sich mei­ne Füße in dieses neue Gefühl hinein, Gras, richtiges hohes un­geschnittenes Gras zu fühlen. Tief aus meinem Herzen steigt Freude auf und ohne es zu wollen tanzen meine Füße ganz von allein über diese Wiese. Was für ein Erlebnis als erwachse­ne Frau über eine Wiese zu tanzen. Kurz überlege ich, was man wohl von mir denken könnte. Flüchtig ist dieser Gedanke und schon ist er wieder vergangen. Leichter werden meine Be­wegungen, freudiger der Ausdruck meines Körpers und Wand­lung geschieht. Ein Elfenhaftes Wesen erwacht in mir. Mit je­dem tanzenden Schritt wird sie stärker, mit jedem jubeln mei­nes Herzens gewinnt sie mehr an Kraft. Was für ein Wirbel an Empfindungen in mir, ausgelöst durch diesen Tanz auf einer Sommerwiese. Immer kraftvoller und ausgelassener wird er. Ja das ist es was ich will. Auf Wiesen tanzen. Ich freue mich über diesen Teil in mir der erwacht ist. Ich bin so viel mehr als ich dachte zu sein. Ja, das bin ich auch. Willkommen.





24
Geist der Nacht

Meine erste Erfahrung mit einem Geist, werde ich nie verges­sen. Ich bin kurz vorm einschlafen, als plötzlich jemand zu mir sagt; Ich brauche deine Hilfe. Außer mir ist keiner in meiner Wohnung, also denke ich, ich habe geträumt. Ich drehe mich auf die andere Seite und mache wieder meine Augen zu. Plötz­lich wieder diese Stimme, ich brauche deine Hilfe. Mit einem Satz bin ich aus dem Bett, mache das Licht an und gehe durch meine Wohnung; niemand da. Also mache ich das Licht aus und gehe zurück in mein Bett. Da ist die Stimme wieder; Ich brauche deine Hilfe. Langsam denke ich, ich spinne. Vorsichts­halber lasse ich das Licht an, aber mit Licht kann ich nicht schlafen. Drei Nächte geht das so. Licht aus, Stimme da, Licht an, Stimme ruhig, aber ich kann nicht schlafen. Ich bin völlig übermüdet und denke ich werde verrückt. Also, entschließe ich mich, sie zu fragen was sie von mir will. Ins Licht, sagt Sie, aber sie schaffe es nicht alleine. Ich habe keine Ahnung wovon Sie da eigentlich spricht. Also sage ich Ihr, dass ich nicht helfen kann. Endlich ist Ruhe und ich kann wieder Schlafen. Am nächsten Tag habe ich Therapiegruppe. Wir sitzen alle im Kreis, da klopft es an die Tür. Ich gehe um die Tür zu öffnen, aber es ist niemand draußen. Ich schließe die Tür und Stimme wieder da. Die Psychologin schaut mich an und fragt ob mir schlecht ist. Ich erzähle was ich in den letzten Nächten erlebt habe und dass der Geist jetzt hier sei, immer in der Erwartung, dass sie sagen ich sei völlig durchgeknallt. Aber nichts in der Art geschieht. Sie meint, wir sollten dieser Seele helfen, ins Licht zu gehen. Sie bittet uns, uns an den Händen zu halten die Augen zu schließen und goldenes Licht zu visualisieren. Nach zehn Minuten habe ich das Gefühl, sie ist weg, den anderen geht es ebenso. Dies war für alle in der Gruppe ein bewegendes Erlebnis. Wieso vertraust du deiner Kraft nicht! dieser Satz von Ihr hat mich viele Jahre begleitet.




25
Ein Wintertag und soviel mehr

Es ist ein kalter sonniger Wintertag und ich bin mit Christiane am Schlachtensee unterwegs. Dieser große See ist ganz zuge­froren und viele Menschen tummeln sich auf ihm. Wir laufen an seinem Ufer entlang und genießen den schönen Anblick der Bäume und Sträucher, die mit Raureif bedeckt sind. Wie aus einer anderen Welt kommen sie mir vor. So ganz ohne Blätter kann ich ihr wahres Wesen war nehmen. Ihren kraftvollen Stamm mit den Zweigen die die Verbindung zum Himmel ma­chen. Die strahlen der Sonne bringen jetzt diese Winterzauber­wesen zum Funkeln und Glitzern. Als Gruß und Willkommen werden wir jetzt von einem Schleier feinen Schneestaubes ein­gehüllt, Der Baum unter dem wir gerade stehen um ihn in sei­ner ganzen Herrlichkeit zu bewundern wird jetzt leicht von dem Wind berührt. Und schon ist dieses Windwesen weiter ge­eilt. Erstaunt schauen wir uns an und lachen über diesen Gruß. Christiane möchte über den See laufen, denn dies war unsere Absicht hier her zu fahren. Ich bin noch nie in meinem Leben über so einen großen zugefrorenen See gelaufen. Ich merke wie leichte Panik in mir aufsteigt. Langsam mache ich erst einen Schritt, noch einen und mein Unbehagen wird immer größer. Ich stehe auf dem Eis und unter mir kann ich das Wasser in leichten Wellen sehen. Vorsichtig taste ich mich weiter auf die­ser für mich neuen Erfahrung. Schon die Vorstellung von dunklem kaltem Wasser, von dem ich nicht einmal weiß wie tief es ist richtet meine Nackenhaare auf. Also nehme ich mei­nen ganzen Mut zusammen und gehe weiter. Wenn das Eis bei dem andere nicht bricht, rede ich mir ein, wird es bei mir jetzt bestimmt nicht damit anfangen. Aber das heißt nicht, dass ich keine Angst habe. Plötzlich fällt mir eine Begebenheit ein die ich im Sommer mit diesem wundervollen Wesen erlebt habe. Ich schwimme in die­sem See und versuche immer wieder auf dem Rücken zu liegen und meine Arme langsam an den Körper zu legen. Es funktio­niert nicht immer wieder sacken meine Beine nach unten und ich denke jetzt gehe ich unter und schon rolle ich auf die Seite. Wieso schaffen es die anderen und ich nicht. Immer wieder versuche ich es aber es klappt nicht. Traurig schwimme ich an das Ufer. Noch einmal denke ich und dann höre ich auf. Also lege ich mich wieder auf den Rücken und wieder kippen meine Beine nach unten. Da ist plötzlich ein Gedanke in mir, vertraue mir, vertraue mir und jetzt spüre ich wie aus der Tiefe des Was­sers eine etwas kühlere Strömung unter meinen Rücken auf­steigt. Ich halte dich ist der nächste Gedanke und wirklich wie eine liebevolle Berührung fühlt es sich an meinem ganzen Rücken an. Meine Antwort in Gedanken ist, ich vertraue dir und jetzt lasse ich alle Ängste los, lege ganz langsam die Arme an meinen Körper und schwimme. Gehalten von diesem wun­dervollen Wasserwesen unter mit. Tränen laufen über mein Ge­sicht und all meine Ängste nimmt mir dieses liebevolle Wesen im See jetzt ab. Ganz vertieft bin ich in diese Erinnerung, jetzt weiß ich das mir hier, auf Ihm nichts geschehen wird was mir schaden würde. Tief atme ich ein und aus und laufe jetzt mutig und ein wenig schneller, den Christiane ist doch schon ein gan­zes Stück vor mir. Endlich kann ich diese neue Erfahrung mei­nes Lebens wirklich genießen. Am Ende des Sees gehen wir in das Restaurant und stärken uns mit einem Kaffee und Kuchen. Christiane ist ein richtiger kulinarischer Gourmet und ich ge­nieße ihre Mimik wenn etwas wirklich gut ist. Auch haben wir immer viel zu lachen. Langsam gehen wir auf dem See zurück und erleben wie sich der Wintertag langsam verabschiedet.







26
Alptraum


Ich wache mitten in der Nacht auf und bin pitschnass. Wieder dieser Alptraum, der mich immer wieder einmal heimsucht. Treffe mich mit einer Freundin: Ihre erste Frage; wie siehst du denn aus, bringt das Fass zum überlaufen. Also erzähle ich Ihr von dunklen Gängen, engen Stollen und meinem Versuch weg­zulaufen vor einer dunklen Gestalt, die hinter mir her ist und versucht mich zu erwischen. Auf Ihre Frage wer das sei, der mich so durch die Nacht jagt, kann ich Ihr keine Antwort ge­ben, weil ich ja vor der Gestalt weglaufe. „Also gut“ sagt sie, „dann bleibe doch einfach einmal stehen und frage wer Sie sei und was Sie von dir will“. Ganz verdutzt schaue ich Sie an. Auf diese Idee bin ich ja nun gar nicht gekommen. Also bei meiner nächsten nächtlichen Jagd, erinnere ich mich Ihres Ra­tes und halte mitten in meinem Traum an und drehe mich um. Vor mir steht ein kleiner Zwerg. Also frage ich ihn was er ei­gentlich von mir will und wer er überhaupt sei. Ich bin der Teil von dir sagt er, vor dem du bis jetzt Angst hattest aber leider ist das ja nun vorbei und schwupp ist er verschwunden. Ich bin ganz verdutzt, weil es so einfach war. Wochenlang bin ich vor ihm weggelaufen. Jetzt weiß ich, dass ich auch im Traum rea­gieren kann.



27
Tritt ein

Es ist ein wunderschöner Sommertag und ich laufe langsam am See entlang. Eine Weide bringt meine Füße dazu inne zu­halten und mein Herz ein wenig schneller zu klopfen. Alt ist sie. Ich fühle mich eingeladen und lege meine Hände auf ihren Stamm. Tritt ein höre ich in meinem Herzen. Meine Augen sind geschlossen und mein inneres Sehen beginnt. Eine Tür öff­net sich vor mir im Stamm. Ich trete ein und werde von einer kraftvollen Energie willkommen geheißen. Ich spüre wie ich mich in ihre Tiefe ausdehne und mich ausrichte auf die Wur­zeln dieses wunderbaren Wesens. Ich höre Worte in meinem Kopf; Tief dringe ich mit meinen Wurzeln in die Erde. Ihre kraftvolle nährende Energie schenkt sie mir zu meinem Wachs­tum. Ich fühle wie die Erdenergie durch meinen Körper strömt. Ich bin ein teil dieses Baumwesens. Immer höher steigt die Energie der Erde in mir empor. Ich bin jetzt ein Teil ihres Stammes. Plötzlich ändert sich meine Wahrnehmung, als strei­che mir jemand über meinen Kopf. Der Wind ist es der sanft die Blätter und Zweige der Weide berührt. Ich bin völlig ausge­füllt von dieser Baumenergie. Ich spüre meine Wurzeln tief in der Erde und recke meine Zweige hoch in den Himmel, der mich segnet für mein sein. Sehnsüchtig will ich meine Arme ausbreiten. Langsam kehre ich aus den Zweigen zurück in den Stamm. Ich verabschiede mich von meiner Gastgeberin. Durch die Tür trete ich zurück in meine Menschenwelt. Dankbarkeit erfüllt mich für diese Erfahrung. Sanft streiche ich ihr über die Rinde und verabschiede mich.





28
Ich bin das Wasser


Ich schließe meine Augen und tauche ein in die Musik meiner CD. So lange hatte ich sie nicht mehr gehört.
Um mich herum ist plötzlich Wasser, soweit mein Auge reicht. Delphine tauchen auf, aus dem Nichts. Sie springen und tan­zen auf den Wellen. Schön sind sie, anmutig und voller Le­benslust. Ein Delphin ist mir so nah, dass ich ihn fühlen kann. Ich berühre ihn und auch wieder nicht. Er kommt ganz nahe heran und lädt mich ein, mit ihm zu spielen. Er schmust mit mir und kuschelt, ich kann seine Liebe fühlen. Grenzenlos ohne Bedingung. Sie ziehen weiter. Neben mir eine Seerosse ganz nahe, sie öffnet langsam ihre Blüten. Immer mehr Seeros­sen steigen aus dem Wasser empor und öffnen sich, mit ihrer Schönheit huldigen sie dem Licht. Aber wo bin ich? plötzlich weiß ich es, Ich bin das Wasser. Ich genieße diese Wahrneh­mung noch eine Weile auch als die CD zu ende ist. Ein schö­nes Gefühl. Abends liege ich im Bett, kaum habe ich meine Augen geschlossen, sind die Delphine wieder da. Ich rede mit dem Kuscheldelphin, „komm, lass uns einschlafen“ sage ich. Er schaut mich an und legt sich auf die Seite. Es sieht so lustig aus das ich laut lachen muss. Er ist ein richtiger Schauspie­ler.