Inhalt
1 Max
2 Führung
3 Seespaziergang
4 Lebensbühne
5 Mein Sohn
6 Eitelkeit
7 Sein



1
Max


Ich arbeite in einem Teegeschäft. Es ist so ein Tag, an dem ich das Gefühl habe, mein Leben ist ein einziges Chaos und alles geht nicht weiter. Ich lese gerade ein Buch von Sandra, einer Hexe aus München, die auch Beratungen macht und ich Spiele mit dem Gedanken ihr zu schreiben, heute Abend. Die Tür geht auf und ein Mann mit Bart kommt herein. Über Tee kom­men wir ins Gespräch und ich frage ihn, was er so mache. Er heiße Max und sei Astrologe sagt er; Damit kann ich ja nun gar nichts anfangen. Ich frage also was ein Astrologe sei; er er­stelle Horoskope und deuten sie, ist seine Antwort. Ich habe keine Ahnung wovon er redet. Ob er auch Karten lege, ist mei­ne nächste Frage. Ja ist seine Antwort, na da werde ich aber hellhörig. Das ist genau das was ich im Moment brauche, also mache ich einen Termin mit ihm. Inzwischen habe ich ein we­nig Ahnung von chinesischer Astrologie, (eine Tugend von Max ist Geduld und er hat mir seit unserem kennen lernen vie­les bestimmt schon einhundert mal erklärt), und bin immer wieder über die Möglichkeiten, anhand der Enneagram ty­pen, das eigene Leben zu erkennen erstaunt. Aber was viel wichtiger ist, Max ist ein wunderbarer Freund gewor­den und Feuerwehrmann wenn es wieder einmal brennt Lie­beskummer und andere Alltäglichkeiten. Oder ich wieder mal auf der Stelle trete und nicht weiter komme in meinem Leben.




2
Führung

Einkaufen ist angesagt, unterwegs überlege ich was Frau so braucht und worum ich lieber einen großen Bogen mache. Langsam geht es an der Kasse vorwärts, mein Blick schweift über die Blumensträuße die da stehen. Habe mir gestern erst zwei schöne Sträuße gekauft. In einem Strauß leuchtet eine rote Gerbera auf. Sie ist wunderschön anzusehen, aber ich habe ja. Die Farbe der Blume und ihrer Gefährten wird immer intensiver, als ob sie mir zuwinken. Als ob das nicht reicht sagt auch noch eine Stimme in mir, nun nimm mich schon mit. Nein denke ich, wozu, ich habe doch. Die Stimme wird immer ungeduldiger, je näher ich der Kasse komme. Jetzt nimm mich endlich mit! Also gut, nicht sehr überzeugt, nehme ich den Strauß und lege ihn mit auf das Band. So was ist mir noch nie passiert. Auf dem Weg nach Hause gehe ich durch einen klei­nen Park mit Bänken am Weg. Auf einer sitzt eine junge Frau, im näher kommen sehe ich, dass sie bitterlich weint. Voller Mitgefühl gehe ich auf sie zu, plötzlich weiß ich warum die Blumen zu mir wollten. Ich lege sie ihr in die Hände. Mit großen erstaunten Augen sieht sie mich an. Ein Lächeln leuch­tet in ihren Augen auf. Es ist alles gut, sage ich und gehe wei­ter.


3
Seespaziergang

Ich bin unterwegs nach Potsdam und genieße es, Zeit zu ha­ben. Es ist ein bezaubernder Tag, windig, viele Wolken und ich hoffe am Heiligen See allein unterwegs zu sein. Ich bin immer wieder berührt davon, wie viele alte, schöne Bäume in diesem Park stehen die mich auf meinem Weg grüßen. Ich umarme sie mit meinem Lächeln und segne Sie. Es ist wie eine Begegnung zwischen alten Freunden. Auch der See mit seinem klaren Wasser und seinen Bewohnern erfreut mein Auge. Ganz leise singt er mir mit seinen Wellen einen Gruß zu. Sei gesegnet lie­ber See. Auf meinem Rückweg gehe ich zu dem kleinen Teela­den im Holländischen Viertel. Ich weiß, dass die Dame immer ganz leckeren Kuchen hatte, natürlich selbst gebacken. Gott sei dank hat sich daran nichts geändert. Meine Frage, ob ich mit Geschichten bezahlen kann, bringt sie doch ganz schön aus der Fassung. Aber sie möchte lieber Euro. Schmunzelnd reiche ich Ihr das Geld und denke, dass ich es ja doch wieder bekomme wenn sie meine Geschichten kauft.



4
Lebensbühne

Es ist ein sonniger Tag und ich bin unterwegs, um in einem Café, einige meiner Geschichten zu Papier zu bringen, welche mir im Kopf herumschwirren. Mein Nachwendelieblingsge­tränk Milchkaffee soll mich dabei unterstützen. Um mich her­um füllen sich die Tische. Ganz nebenbei höre ich links von mir ein Gespräch zwischen einem Mann und einer Frau. Es geht um Arbeit und einen Chef der so ziemlich das letzte ist. Unzufriedenheit und Frust werden im gegenseitigen Austausch größer und größer. Auch mit seiner Freundin läuft es nicht so wie er es sich wünscht, höre ich als nächstes. Ihr Ratschlag, ihr den Laufpass zu geben, wird mit stichhaltigen Argumenten un­termauert. Ok, denke ich, die hatten wohl einen schlechten Tag. Rechts von mir sitzen drei junge Männer, die sich laut­stark über das Geschäfte machen auslassen, wie man mit wenig Aufwand die Leute noch besser übers Ohr hauen und an ihr Geld kommen kann. Irritiert wende ich mein Ohr zwei älteren Damen zu, die vor mir an einem Tisch sitzen, hoffend nach ein wenig Bestätigung für meine Freude an diesem schönen Tag. „Stell dir vor“, sagt eine der beiden Damen, „hat sich mein Arzt wirklich geäußert, dass ich erst in zwei Monaten wieder in die Sprechstunde kommen soll“. „Nein“, sagt ihre Nachbarin ganz empört, „bei deinen Beschwerden und überhaupt“. Ganz schön genervt reiße ich meinen Arm hoch um mein SOS bitte zahlen zu signalisieren. Als für einen Moment, alles wie einge­froren wirkt. Plötzlich verstehe ich. Ich bin Zuschauer auf einer großen Bühne und jeder um mich herum spielt seine Rolle. Ganz fasziniert lasse ich meinen Arm sinken und lehne mich zurück. Sie sind alle so perfekt in Ihrem Spiel.





5
Mein Sohn

Diese Geschichte ist für meinen Sohn, welchen zu begleiten ich das Glück habe. Neulich rief er mich an, um ein wenig mit Mutter zu plaudern. Er erzählte mir von Kopf und Glieder­schmerzen, Schlafproblemen und zu seiner eigenen Verwunde­rung, Appetit auf Kaffee. Er hat noch nie Kaffee getrunken, in seinen 25 Jahren Lebenszeit. Ein Satz von ihm, hat mich be­wogen diese Geschichte zu schreiben. In seiner grenzenlosen Weisheit sagt er, ich glaube irgendetwas passiert mit mir, ich weiß nur nicht was. Dies kann ich aus vollem Herzen bestäti­gen. Wir leben in einer Zeit der Wandlung. Bei den Majas ist von einer Zeit großer Veränderungen die Rede. Die Energien der Erde und aller Wesen auf ihr verändern sich. Erkläre ich ihm. Ich erzähle ihm, was ich so erlebt habe in letzter Zeit. Wie es ist, nicht schlafen zu können aber am Morgen frisch und ausgeruht zu sein. Nachts hin und her geschüttelt zu wer­den, wie auf einem Schüttelrost, ohne das jemand da ist. Ener­gien die durch meinen Körper fließen und ich das Gefühl habe an einer großen Stromquelle angeschlossen zu sein. Genau so wie Momente der Stille in denen die Endlosschleife in meinem Kopf aufhört zu plappern. Was für ein Segen. Hitzewallungen, oder plötzlich keine Worte mehr zu haben. Für mich ist dies ein Zeichen der Reinigung meines Körpers. „OK“ fragt er „und was hat das mit mir zu tun?“ Endlich darf ich wieder ein­mal mein Wissen über ihn ausgießen. Er hat gefragt: Du bist im Chinesischen Horoskop ein Erdpferd, damit kann er etwas anfangen, diese Lektion hatte ich ihm schon über geholfen. Wie das bei Pferden so ist sind sie auch immer mit Satteltaschen un­terwegs, sehr oft angefüllt mit den Problemen anderer Men­schen. Also werden die Taschen immer voller und schwerer, und das Pferd hat ganz schön zu schleppen, meist ohne dass es ihm selbst auffällt. Diese Satteltaschen werden jetzt ausgeleert und gereinigt und es bleibt nur noch das da, was wichtig für dich ist. Deine Sattel­taschen sind ganz schön leicht geworden und du wirst dich vielleicht fühlen wie ein Pferd mit Flügel. Dies sind nur einige Symptome, und es gibt so unterschiedliche Wahrnehmungen, wie es Menschen gibt. Viel Spaß.


6
Eitelkeit

Ich bin seit vier Stunden unterwegs und länger kann ich meine Mimik nicht mehr kontrollieren. Meine Schuhe sind das Pro­blem. Ich habe immer angenommen dass sich bei den Preisen die Schuhe den Füssen anpassen. Falsch, jedenfalls bei mir und fast all meinen Schuhen. Okay, also Zwischenstation bei Astrid im Büro. Mit schmerzverzerrtem Gesicht, Begrüßungsküss­chen und ihr Satz, was glaubst du was ich heute gekauft habe? Sie hält mir eine Tüte vors Gesicht, Schuhhof, meine Füße zu­cken gequält zusammen. Dann rafft sie ihren Rock und hält mir einen Fuß unter die Nase, ECCO, sagt Sie. Ich schaue Sie an als komme sie vom Mond. Ich verstehe kein Wort. Sie lacht, „ich habe jetzt endgültig die Nase voll von schmerzenden Füßen und habe mir Fuß gerechte Schuhe gekauft“; sagt sie. Ich habe drei Tage überlegt was ich mache, dann bin ich los und kaufte mir Ricker Sandaletten. Seitdem kann ich stunden­lang ohne Schmerzen laufen und meine Eitelkeit hat auch eine akzeptable Größe angenommen.



7
Sein

Ich laufe durch die Stadt, mit einer großen Traurigkeit in mei­nem Herzen, ohne zu wissen warum. Was ich jetzt brauche ist Ruhe und keine Menschen mit Ihrer Geschäftigkeit und Jagd, nach was auch immer. Also fahre ich zum Brandenburger Tor und gehe in den Tiergarten. Ein kleiner See ist mein Ziel. Ich setze mich ans Ufer und tauche ein in sein klares Wasser. See­rosen in ihrer ganzen Schönheit erfreuen mein Auge und ich merke wie Frieden in mir einkehrt. Der Alltag dieses Sees ist es, was mich zur Ruhe kommen lässt. Ein Frosch liegt auf dem Wasser, ganz wenig Bewegung aber viel Geduld. Eine Bläss­huhnmutter mit ihren Küken ist eine wahre Augenweide, in ih­rer Geschäftigkeit Küken zu füttern, Zweige zu holen und das Nest auszubessern. Fische in allen Größen gleiten durch das Wasser. Ehrfurcht erfüllt mich angesichts dieser göttlichen Ein­fachheit und Ordnung. Und für jedes Tier an und in diesem See ist gesorgt. Schönheit, Ruhe und Kraft. liegen über diesem Ort. Sie begleiten mich im Geist auf meinem Weg zurück, in das Getriebe und die Hast dieser Stadt.