Mona Lisa Published on September 8, 2008
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Der Mantel der Madonna
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17. Ab in den Süden!

Monday September 8, 2008 at 06:31PM

Strandhalle,-Kirche

Als Padre Camillo am Strandpavillion vorbeiflanierte, fiel sein Blick auf die Turmuhr der Kirche Terrasanta, und zu seinem Entsetzen stellte er fest, dass die Zeit, pünktlich zum Abendzug am Bahnhof zu sein, knapp werden würde. Noch am Nachmittag hatte er mit Pater Brown, dem irischen Aushilfsgeistlichen, gesprochen, der die kürzlich aus dem Frauengefängnis entlassene Antonella Leonetti in ihre Heimatstadt Bari begleiten sollte.

Die von der Signora so gehegte Madonnenstatue war auf Geheiß ihres Schwagers Mauro bereits abgebaut, sorgsam verpackt und auf den Weg in den Süden geschickt worden. Nun sollte sich auch die Witwe des unglücklich zu Tode gekommenen Eduardo auf die Reise in ihr neues Domizil machen. Aus dem kleinen Haus der Leonettis hatte Antonella lediglich ein paar Erinnerungsstücke geborgen und Padre Camillo eine Fotografie überlassen, die zwischen den Unterlagen aus Argentinien gesteckt hatte.

Sie zeigte zwei Nonnen unbekannter Herkunft, und der Pater versprach, sich beizeiten um den Zusammenhang zur immer noch weitgehend im Dunkel liegenden Familiengeschichte zu kümmern.

Der Bahnhof lag verlassen da, als Padre Camillo endlich dort eintraf. Leise fluchend verwünschte er seine schmerzenden Füße, die ihm ein schnelleres Eilen verwehrt hatten. Am Eingang zur Bahnhofsmission entdeckte er aber zu seiner freudigen Überraschung Schwester Carlotta von den Kanonissen in Ventimiglia, mit der er ohnehin ein Wort wegen des Nonnenwettbewerbs zu wechseln geplant hatte.

Schwester Carlotta stammte ursprünglich aus Dolcedo, lebte jedoch schon seit vielen Jahren in dem lebhaften Städtchen im Grenzbereich zwischen Frankreich und Italien. Der Fluss Roja spaltete den Ort in zwei Teile. Während der neuere Teil in der Ebene lag, breitete sich auf dem Hügel Cavo die mittelalterliche Altstadt aus, in deren Herzen die Burg der Kanonissen lag. Als junges Mädchen hatte Carlotta wohl mit dem Gedanken gespielt, dem Orden der „Barfüssigen Karmelitaner“ in Sanremo beizutreten, doch war sie immer ein wenig eigenwillig gewesen und konnte sich mit einem Dasein als Kanonisse eher anfreunden, da diese zwar ähnlich wie Nonnen lebten, jedoch kein Gelübde abzulegen hatten und mehr Freiheiten genossen. Diese Vorzüge tauschte sie schließlich gegen ein Leben in einem nach Eukalyptus duftenden Garten mit Panoramablick auf ganz Sanremo. Statt strikter Klausur war es ihr gestattet, sich zwischen den Stundengebeten frei zu bewegen. Dies ließ allerlei Raum für soziale und wohltätige Aufgaben, und dieses Leben erfüllte Schwester Carlotta zutiefst.

Kaum hatte Schwester Carlotta den Padre entdeckt, stürzte sie auch schon mit flatterndem Gewand auf ihn zu und verwickelte ihn in ein lebhaftes Gespräch betreffend der beiden jungen Damen, die Monsignore Confetti in ihre Obhut übergeben hatte. Sie seien am Mittag schon im Haus der Kanonissen eingetroffen, und am kommenden Markttag gedächte Schwester Carlotta, sich um den Kauf passender Kleidungsstücke zu kümmern.

Padre Camillo fühlte sich von so viel Tatendrang überfordert und empfahl sich mit Hinweis auf die anstehende Abendandacht. Er versprach jedoch, sich am Markttag auf der Promenade einzufinden, um der Schwester mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und enteilte umgehend Richtung der kleinen Kirche San Ampelio am Strand.



Fortsetzung:
18. Schlüpfer und Parmesan

Beginn der Geschichte: 1. Der Mantel der Madonna

Kurze Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse (Folge 1 - 12): siehe hier

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15 Comments / add your comment?

A.Meise says:
Wie wird der arme Padre Camillo nur mit den beiden jungen Damen zurecht kommen, wenn ihn schon die lebhaft flatternde Schwester Carlotta derart überfordert? Lasset uns eine kurze Andacht halten für des Padre Seelenheil und Nervenkostüm ...
Posted 15 months ago. ( permalink / translate )
Mona Lisa replies:
... passend zur geschichte böte sich da ein marienlied an, am besten "maria, breit den mantel aus". :-))

ja, der arme padre camillo hat zur zeit genug um die füße. vielleicht würde schon ein erfrischendes fußbad linderung verschaffen. ich hab da doch noch eine frau zur hand, die ihm ein paar kräuterwickel um die blasen an den zehen machen könnte. :-))
Posted 15 months ago. ( permalink / translate )
A.Meise replies:
Ob Marias Mantel schon der heute herrschenden Kanonissenmode entsprach? :-)

Und wo sind nur die Zeiten der rituellen Fußwaschungen hin? Diese wären des leidenden Padre noch leidenderen Zehen gewiss ein wahrer Quell der Erquickung!
Posted 15 months ago. ( permalink / translate )
Pandarinepro replies:
Ach was, Fusswaschung. Pater Brown hat bestimmt 'ne Pulle irischen Whisky unter dem Mantel, das sollte reichen ;-)
Posted 15 months ago. ( permalink / translate )
Inkenpro replies:
Ich mag Deine praktische Art :-)
Posted 15 months ago. ( permalink / translate )
Mona Lisa replies:
diesem pater brown mit seinem kriminalisten-hintergrund ist alles zuzutrauen. hoffentlich füllt er die arme antonella nicht auf dem weg nach bari mit dem irischen fusel ab. :-))
Posted 15 months ago. ( permalink / translate )
Mona Lisa edited this comment 15 months ago.
Pandarinepro replies:
Zuzutrauen waer's ihm.
Posted 15 months ago. ( permalink / translate )
Mona Lisa replies:
ohne zweifel! :-))
Posted 15 months ago. ( permalink / translate )
Inkenpro says:
So.. ich gehe jetzt erst einmal Kanonissen googeln.....hier lerne ich noch etwas :-)
Posted 15 months ago. ( permalink / translate )
Mona Lisa replies:
du, die sind mir praktischerweise auch beim googlen über die füße gefallen. ich recherchiere für meine geschichten gern ein wenig ... nach der ersten panne mit der schreibweise des namens eduardo, die nicht italienisch ist, und mich dereinst in die verlegenheit gebracht hat, dem (inzwischen toten) leonetti eine geburt in südamerika spendieren zu müssen. :-))
Posted 15 months ago. ( permalink / translate )
Inkenpro replies:
Das beruhigt mich... ich kam mir schon so ungebildet vor, wie ich vermutlich auch bin :-)
Posted 15 months ago. ( permalink / translate )
Mona Lisa replies:
das www ist ein quell des wissens ... und der erheiterung. :-))
Posted 15 months ago. ( permalink / translate )
gin_ablepro says:
auch ich lerne immer gern dazu, schließlich macht es einen ja nicht dümmer... *gg*
Posted 15 months ago. ( permalink / translate )
Hildegard Rasch says:
Mona Lisa, leider komme ich jetzt erst hinzu, was ich aber sehe, du hast einen ausgezeichneten Schreibstil, werde jetzt mal die Zusammenfassung lesen, bis später
Fand es auch nett deine Eintragung in meinem Blog, aber dort hinterlasse ich auch noch etwas was deinen Kommentar da betrifft
Posted 13 months ago. ( permalink / translate )
Mona Lisa replies:
ich schreibe ein bisschen geschraubt und benutze gern vom aussterben bedrohte wörter! :-))
schön, dass es dir gefällt.
Posted 13 months ago. ( permalink / translate )

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