Tante Azelia machte nicht viele Worte, doch sah sie ihrem Neffen an, dass er sich mit schweren Gedanken trug. Gleich nach der überraschenden Ankunft des Monsignore begann die alte Frau, geschäftig in der kleinen Küche zu werkeln, und alsbald dampfte auf dem Herd das Wasser, in das sie eine ansehnliche Menge hausgemachter Ravioli warf. Von einem der Pflanztöpfe am Fenster zupfte sie frische Salbeiblätter, und als der Duft der ausgelassenen Butter sich mit Teigwaren und Kräutern mischte, fühlte sich Monsignore Confetti schon leichter, griff sogar selbst zur Reibe und dem Parmesanstück, das wie immer an seinem Platz lag.
Es wurde ein schweigsames Mahl, doch das einfache, für Ligurien so typische Essen mundete vorzüglich, und der Geistliche wunderte sich einmal mehr darüber, dass diese Köstlichkeit dereinst wohl aus der Notwendigkeit geboren wurde, Speisereste sinnvoll zu verwerten. Ein Arme-Leute-Essen war das für ihn wahrlich nicht.
Da Monsignore Confetti noch nicht die rechten Worte dafür gefunden hatte, dass er erneut in Schwierigkeiten steckte, beschloss er, zunächst nach seinem alten Freund Pietro zu suchen, um mit ihm zu reden. So manchen Schabernack hatten die Beiden in ihrer Kindheit ausgeheckt, wobei ihre Untaten in der Sache mit der Madonna gipfelten, was schließlich dazu geführt hatte, dass der Monsignore auf ein römisches Internat geschickt wurde, wofür sich der Ortsgeistliche wider Erwarten eingesetzt hatte.
Der Gang durch die Carrugi, die engen Gassen der Altstadt, erwies sich als entspannend. Der Monsignore hing seinen Gedanken nach und kam innerlich zur Ruhe. Die Piazzia delle Confrarie lag im Licht der sich neigenden Sonne, als sie der Monsignore gemächlichen Schrittes überquerte. Vor einer Trattoria saßen mehrere Männer um kleine runde Tische. Sie tranken Vermentino, sprachen den bereitgestellten Appetithäppchen zu und diskutierten heftig gestikulierend die Fußballergebnisse vom Vorabend. Aus der Pfarrkirche Giacomo e Filippo drang leise Orgelmusik, gedämpft durch die schweren Türen. Der Monsignore hielt einen Moment inne, trat aber dann doch näher und beschloss, der Madonna einen Besuch abzustatten. Die Statue Mariens, die in der Hand das Herz zum Zeichen der unbefleckten Reinheit hielt, war von Kind an etwas Besonderes für den Gottesmann gewesen. Er liebte den Blick der stahlblauen Augen, auch wenn er wusste, dass sie nur aus schillerndem Glas bestanden. Oft hatte er mit seinem Freund Pietro nahe des Marienaltars gesessen und gehofft, dass sich das Wunder der „Madonna Miracolosa“ für sie wiederholen würde. Schon zweimal hatte sie die Augen bewegt, was viele vernommene Zeugen damals bestätigten. Monsignore Confetti bedauerte, dass er nicht daran gedacht hatte, eine Rose für die Madonna zu besorgen, aber die besondere mystische Rose, eine einzigartige, seltene Sorte, die man zur 150-Jahrfeier des Madonnenwunders gezüchtet hatte, hätte er ohnehin nicht auftreiben können. So zündete er lediglich eine Kerze an, sprach ein Gebet und verließ mit einem Lächeln die Wallfahrtsstätte. Die Sonne war fast hinter den Häusern der Stadt verschwunden, als er die Seitenstraße erreichte, in der Pietro mit seiner kleinen Familie lebte.
Fortsetzung: 16. Wandle immerdar auf Rosen
Doch so sehr die beiden Jungen auch warteten, nichts geschah. Allerdings waren sie eines Tages bei einem ihrer Besuche in der Kirche auf ein sonderbares Phänomen gestoßen. Wenn man um die späte Nachmittagsstunde kurz nach dem Glockenschlag hinter dem Beichtstuhl stehend mit einer Glasscherbe das Licht einfing, welches durch das Seitenfenster fiel, so brachte der Lichtreflex das linke Auge der Madonna zum Aufleuchten. Noch ehe die Burschen weiter darüber nachdachten, hatte die Sache schon seine Eigengesetzlichkeit entwickelt, als Signora Amaldi, die Witwe eines höheren Beamten, das Lichtspiel für eine neuerliche Augenbewegung hielt und kreischend neben die Kerzenbank sank. Auf Knien dankte sie der Madonna für die erwiesene Gnade, und die beiden Erzeuger des „Wunders“ waren zu überwältigt von dem Schauspiel, als dass sie für eine rasche Aufklärung des Vorgangs gesorgt hätten. Erst bei der nächsten Beichte offenbarte sich der wahre Sachverhalt, und der Prelato Ginnasi sprach mit Tante Azelia über ein Stipendium, das minderbemittelten, aber geistig regen Knaben eine Ausbildung zum Geistlichen ermöglichen würde.
Ein Wunderwerk der Kabeltechni…
Kurze Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse (Folge 1 - 12): siehe hier
translate into English
Send a message
Search for members
Fabio Keiner says:
Mona Lisa replies:
Fabio Keiner says:
Mona Lisa replies:
Fabio Keiner says:
Pandarinepro says:
Mona Lisa replies:
Pandarinepro replies:
Mona Lisa replies:
ich habe vorzugsweise gemüse-ravioli in salbeibutter gegessen ... aber auch die raviolis in tomatensauce, die es in der strandbar immer gab, waren köstlich. ... hm, mal nach einem bild suchen. :-)
Pandarinepro replies:
Mona Lisa replies:
Mona Lisa says:
:-))
A.Meise replies:
Mona Lisa replies:
Inkenpro says:
Mona Lisa replies:
Fabio Keiner says:
Mona Lisa replies:
... und deine spitzen versteh ich sehr wohl ... so kurz vor der nächsten kreuzfahrt.
sag mal, was ist eigentlich aus dem berühmten wiener charme geworden? sagte ich nicht schon mal, dass du den charme eines reißenden wolfes besitzt? :-))
Fabio Keiner says:
Mona Lisa replies:
Fabio Keiner says:
Fabio Keiner says:
Mona Lisa replies:
und hat im moment genug um die ohren.
deine bibelkenntnisse überraschen mich hingegen nicht wirklich, obwohl ich dich im grunde für einen gottlosen sünder halte. aber du weißt eben immer ein bisschen mehr. :-)
Hildegard Rasch says:
ich stoebrere gerne in den blogs, warte also auf die Fortsetzungen...
Mona Lisa replies: