Der Weg von Bussana Vecchia hinunter zur Küstenstraße führte serpentinenreich durch die zum Mittelmeer hin abfallenden Berge und hätte eigentlich Monsignore Confettis ganze Aufmerksamkeit verlangt. Zum Glück war es nur eine streunende Katze, die er beinahe überfahren hätte, denn um diese Jahreszeit verebbte der Strom der Touristen hinauf zu dem malerischen Bergdörfchen zusehends, so dass wenig Gegenverkehr herrschte.
Aus einem Reflex heraus bekreuzigte sich der Geistliche, hob auch kurz den Blick zum Himmel, war aber gleich wieder mit seinen Gedanken bei dem, was ihm die Galeristin vorgeworfen hatte. Nun, er würde sich nicht von seinem Vorhaben abbringen lassen, diesen Wettbewerb der Nonnen zu unterstützen und hatte aus dem Kreis seiner Strafgefangenen auch schon zwei Mädchen ausgesucht, die nach ihrem baldigen Ordenseintritt daran teilnehmen sollten. Mit Schwester Carlotta vom Kloster der Kanonissen in Ventimiglia war er sich einig, er musste nur noch mit Padre Camillo über den Vorbereitungskurs sprechen. Die Mädchen bedurften nach den Jahren im Frauengefängnis doch der Auffrischung in Glaubensfragen.
Ein wenig wehmütig stimmte den Monsignore zwar die Tatsache, dass mit dem Verlust der Galeristin als Fürsprecherin auch seine Pläne zum Wiederaufbau der vom Erdbeben zerstörten Kirche und die damit verbundene Seelsorgerkarriere zunichte gemacht schienen. Aber er wollte seine eigenen Wünsche zunächst hinten anstellen, denn es gab viele Wege zum Ziel. Seine Zeit würde kommen, dessen war er sich sicher.
Als er die Küstenstraße erreichte, änderte Monsignore Confetti aus einer Eingebung heraus den ursprünglichen Plan, sogleich Padre Camillo aufzusuchen, und beschloss, nach Taggia zu seiner alten Tante zu fahren, denn ihr Rat war ihm immer wichtig gewesen. Im Küstenort Arma di Taggia überquerte er die Brücke über den Fluss Argentina und wandte sich nach links durch die Ebene hin zum Tal mit den duftenden Olivenhainen, die erstmals vor über tausend Jahren von Benediktinermönchen angelegt worden waren. Es erfüllte ihn mit gewisser Ehrfurcht, und er liebte den verheißungsvollen Geruch der reifenden Oliva Taggiasca, einer Olivensorte, für die die Gegend heute berühmt war. Vor allem aber fühlte er sich sogleich an die köstlichen Pastagerichte erinnert, die Tante Azelia mit dem besonderen Olivenöl so vortrefflich zuzubereiten verstand.
Die Nachmittagssonne brannte heiß vom wolkenlosen Himmel, als der sich vom Schicksal missverstanden fühlende Gottesmann durch das Orso-Tor in die kühlen Gassen der Altstadt von Taggia eintauchte.
Augenblicklich fühlte er sich wieder als der kleine Junge, der jeden Winkel, jeden kleinen Platz, jede dunkle Hintertür kannte. Wunderbare Jahre unbeschwerter Kindheit hatte er hier verbracht, und nichts schien sich verändert zu haben seit damals. Blind hätte er den Weg durch das für Fremde undurchschaubare Labyrinth der Straßen gefunden, die sich den Berg hinauf schraubten, die einzigartig und doch immer wieder gleich aussahen, und durch die der Wind vom Meer herauf Kühlung fächelte.
Als er in die Calle Gastaldi einbog und an der Kirche Santi Giacomo e Filippo vorbei kam, verspürte er ein mulmiges Gefühl, denn obwohl das Vorkommnis schon viele Jahre zurücklag, bereiteten ihm die Folgen seiner damaligen Verfehlung immer noch Unbehagen. Schnell bog er in die nächste Gasse ein. In einem der oberen Fenster entdeckte er Signora Sofia, die Mutter seines alten Freundes Pietro und winkte ihr zu.
Nur noch wenige Schritte und er erreichte das Haus, in dem seine Tante seit Urzeiten wohnte. Ein warmes Gefühl stieg in ihm hoch, als er die alte Frau hoch über sich gewahrte. Sie war eine strenge Erzieherin für den früh Verwaisten gewesen, aber sie hatte ihn nie im Zweifel darüber gelassen, dass sie mit ganzer Liebe an ihm hing und immer ein offenes Ohr für seine Sorgen und Nöte haben würde … und genau das brauchte er jetzt.
Fortsetzung:15. Gläserne Tränen
Beginn der Geschichte: 1. Der Mantel der Madonna
Kurze Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse (Folge 1 - 12): siehe hier
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Pandarinepro says:
Edit: Nein, ich haette es lieber uebersehen sollen, denn danach kam Ein warmes Gefühl stieg in ihm hoch, als er die alte Frau hoch über sich gewahrte.
MONA!!! ;-DDD
Mona Lisa replies:
A.Meise replies:
MONA!!! :-D
Mona Lisa replies:
findest du etwa, dass es sich widerspricht, wenn man ein kind streng erzieht, es aber gleichzeitig seine liebe spüren lässt? ich finde das kommod so. ... und ich kann mir das richtig vorstellen bei tante azelia. sie wollte doch, dass was aus dem jungen wird, und dazu gehört nun mal eine gewisse disziplin. immerhin hat er es schon mal bis zum monsignore gebracht ... und da wäre noch mehr drin gewesen (wie hendrike irgendwo angedeutet hat), wenn da nicht die sache mit der heiligenfigur gewesen wäre. ... aber darum muss ich mich jetzt kümmern. :-)))
A.Meise replies:
Pandarinepro replies:
mo **pro says:
manchmal ...
oft ..
schön !
Mona Lisa replies:
was man wirklich braucht, ist jemand, der einem gut zuhört ... verstehend zuhört. ... und indem man das problem erklärt, wird einem selbst klar, wie der fall liegt. ... und manchmal bleibt man einfach der "tragische held", der nur die wahl zwischen zwei unwerten hat. man kann eben nicht alles haben im leben, und das abwägen ist schon das problem.
:-)
Blue Silver says:
Inkenpro says:
Mona Lisa replies:
Inkenpro replies:
Mona Lisa replies:
Pandarinepro replies:
Besser dich! :-)
Mona Lisa replies:
Pandarinepro replies:
Mona Lisa replies:
Pandarinepro replies:
;-)
Inkenpro replies:
Tante Käthepro replies:
(Oder schlimmer?)
Pandarinepro replies:
Tante Käthepro says:
Mona Lisa replies:
Inkenpro replies:
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Pandarinepro replies:
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Inkenpro replies:
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Fabio Keiner says:
Mona Lisa replies: