Völlig überraschend hatte ein heftiges Sommergewitter eingesetzt, ein Vorbote des nahenden Herbstes wohl, denn Signora Carfiori wollte nicht an einen Zusammenhang mit dem Telefongespräch glauben, das sie erreichte, während sie sich gerade darüber ärgerte, dass Monsignore Confetti nicht zur verabredeten Stunde erschien.
Den Zorn des Himmels hätte man jedoch leicht als Begleitung dessen verstehen können, was Signora Bertolli, die Kusine der Galeristin, in diesem Telefonat zu berichten hatte. Nachdem die im kleinen Vorhof der Galerie ausgestellten Bilder vor dem himmlischen Nass gerettet waren, starrte Mirella Carfiori fassungslos auf das Handy, das sie immer noch in der Hand hielt, und ließ sich in dem winzigen Vorraum auf einen Stuhl fallen. Bisher hatte sie fest an die lauteren Absichten des sympathischen, jungen Geistlichen geglaubt, der seit einigen Monaten seinen Dienst im Bezirksfrauengefängnis versah und sich intensiv um die zur Entlassung anstehenden jungen Frauen kümmerte. Sie stammten größtenteils aus dem Rotlichtmilieu, und ihnen fehlte jede Perspektive für ihr weiteres Leben. Sicher hatte sich Signora Carfiori zuweilen gewundert, wieso der Monsignore sich gerade dieser Seelen annahm und dabei verdrängt, dass mit der Ankunft des neuen Seelsorgers auch Gerüchte den Weg in die stille Gegend gefunden hatten, die von Unstimmigkeiten in Rom berichteten, in die der Geistliche verwickelt gewesen sein sollte. Doch wenn das soeben Gehörte der Wahrheit entsprach, so konnte Signora Carfiori nicht länger ihren guten Ruf auf’s Spiel setzen und musste ihm jede weitere Unterstützung versagen.
Als es an die Tür klopfte, und die Signora den vom Regen durchnässten Monsignore einließ, hatte sie sich so weit gefasst, dass sie den Gottesmann gar nicht erst zu Wort kommen ließ und ihn, begleitet von ihre Erregung untermalenden Handbewegungen, direkt auf den neuerlichen Skandal ansprach. Wie konnte er es nur wagen, einigen der Mädchen aus dem Bezirksgefängnis den Eintritt ins Kloster vorzuschlagen und sie damit zu ködern, dass sie dann an einem Wettbewerb teilnehmen könnten, bei dem die „Nonne des Jahres“ gekürt würde?
Die Galeristin redete sich so in Rage, dass sie nach Luft schnappen musste. Der Monsignore hingegen schwieg betreten. Seine Methoden waren zuweilen etwas unkonventionell, aber verwerflich fand er sie nicht. Im Schoße eines Ordens sah er eine Chance für ein geregeltes Leben seiner Schützlinge. Der rechte Glaube sollte sich dann schon einstellen. Schließlich war auch er kein früh Berufener, sondern selbst einen steinigen Weg gegangen, und wenn er auch an so mancher Abzweigung strauchelte, so war er doch immer wieder aufgestanden und hatte schließlich sein Lebensziel gefunden.
Hilflos hob der Geistliche die Arme, ließ sie aber gleich wieder sinken, denn er fühlte, dass keine große Geste ihm mehr würde helfen können. Wie sollte er der Galeristin klarmachen, dass ein Leben, bestehend aus lauter Verzicht, kein erstrebenswerter Weg für ein junges Mädchen ist, die Aussicht auf den Laufsteg aber einen den Klostereintritt durchaus versüßenden Anreiz darstellte?
Ein Blick in das versteinerte Gesicht der sonst so freundlichen Galeristin zeigte dem Geistlichen, dass er verloren hatte. Er verließ die Galerie im Bewusstsein, dass dies noch nicht die letzte Runde der Schlacht gewesen sei, und in ihm verstärkte sich das Gefühl, dass dabei auch alte Wunden aufgerissen werden würden.
Fluchtartig entfernte er sich von dem Ort, der ihm auf dem Hinweg noch wie das kommende Paradies vorgekommen war…
Fortsetzung: 14. Kühler Wind und heiße Hoffnungen
Beginn der Geschichte: 1. Der Mantel der Madonna Kurze Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse: siehe hier
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Pandarinepro says:
Ich will sofort ins Kloster!!! :-D
Mona Lisa replies:
Pandarinepro replies:
einen Rosenkranzein Buegeleisen her nehmen??? ;-)Mona Lisa replies:
Pandarinepro replies:
Inkenpro says:
Eine schöne Geschichte!
Inken edited this comment 14 months ago.
Mona Lisa replies:
... mal sehen, wie sie sich weiter entwickelt. der nonnenwettbewerb will ja ausgeschlachtet sein. :-))
Mona Lisa edited this comment 14 months ago.
Inkenpro replies:
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Inkenpro says:
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