Das gleißende Licht der Mittagssonne blendete Eugen, als er aus dem Schatten der alten Bäume, die um den Fischteich standen, hinaus auf die Straße trat. Doch wenn ein Hartbrandwichtel einmal einen Entschluss gefasst hat, dann lässt er sich nicht beirren, und so setzte der Flüchtende beherzt seinen Weg fort.
Wohin ihn dieser führen würde, war Eugen nicht klar, aber er fühlte ein Prickeln in seinem leeren Bauch, ein Schweben fast, das ihn über den holprigen Feldweg trug, den er bald eingeschlagen hatte, weil ihm die Straße nicht der rechte Ort für einen Deserteur zu sein schien. Den Schutz des hohen Grases suchend, arbeitete er sich langsam bis zum Rand der kleinen Stadt vor.
Ein Neubaugebiet breitete sich bis zum Rand der sanften Hügel aus, und Eugen beschloss, einen Platz für eine längere Rast auszumachen, denn er musste nachdenken, wie die Flucht weiter verlaufen sollte. Gleich beim ersten Haus entdeckte er mehrere Blumenkübel in der provisorisch angelegten Garageneinfahrt. Erschöpft von der beschwerlichen Wanderung durch die Felder stellte er sich einfach in den Schatten der Tonwaren und döste ein wenig ein.
Er konnte aber noch nicht lange geruht haben, als er von einem Schlag gegen seine blaue Zipfelmütze unsanft geweckt wurde. Auf dem Gelände spielten mehrere Kinder, die sich einen Spaß daraus machten, mit den herumliegenden Kieselsteinen auf ihn zu zielen. Sicher hätte er den Anschlag nicht überlebt, wenn nicht plötzlich eine unwirsche Stimme erschollen wäre: „Ja, geht’s denn noch? Bleibt ihr wohl von meinen Blumenkübeln??“ „Wir zielen doch nur auf den ollen Gartenzwerg!“, war die Antwort. „Gartenzwerg?!? Sind wir hier bei Schrebergartens? Spielt woanders!“, tönte es aus dem Fenster.
Eugen war tief getroffen, aber zunächst gerettet. Seines Bleibens konnte dennoch hier nicht länger sein, und so zog er, sich von Schutthalde zu Erdberg tastend, Richtung Stadt.
Es war bereits Spätnachmittag, als er das Zentrum erreichte. Der Kirchplatz lag friedlich vor ihm, und so wagte Eugen einen schnellen Vorstoß bis zu dem Baum, den er vor einem anheimelnd wirkenden Gebäude gewahrte. Die rote Tür zog ihn magisch an. Was wohl dahinter verborgen lag? Es konnte nur das Paradies sein, denn Rot war die Farbe der Wichtel, sofern sie denn Wichtel erster Ordnung waren, und nicht wie er eine blaue Mütze tragen mussten. Was, wenn man dort eine rote Mütze erlangen könnte? Der Gedanke daran brachte das tönerne Herz zum Hüpfen. Ihm schwanden nachgerade die Sinne, und er musste sich einen Moment an den Baum lehnen. Für eine rote Zipfelmütze war Eugen bereit, nahezu alles zu tun… und als sich die Tür einen kleinen Spalt öffnete, jedoch niemand zu sehen war, nutzte er die Gelegenheit, um schnell ins Haus zu schlüpfen.
Die zweite Tür öffnete sich zu einem Raum, in dem in langen Reihen Regale standen, die mit unzähligen Büchern gefüllt waren. In einer Ecke entdeckte der Überraschungsgast einen Berg Kissen. Gerade noch rechtzeitig konnte der Wichtel sich dahinter in Sicherheit bringen, denn Schritte näherten sich und jemand sagte: „Ich schließe jetzt ab. Hast du geguckt, ob alle Besucher draußen sind?“
Der Zwerg hielt den Atem an, aber nach einer Weile war es angenehm ruhig, und Eugen wagte sich aus seinem Versteck. Auf dem Boden lag aufgeschlagen ein Buch. Es war wohl ein Fingerzeig des Himmels, dass es sich um „Die Abenteuer des Wichtels Leopold“ handelte. Aufgeregt begann der Hartbrandwichtel Eugen zu lesen, Seite um Seite … bis er in den tiefsten Hartbrandwichtelschlaf seines bisherigen Lebens sank…
Fortsetzung: Eine wundersame Erscheinung
Beginn der Geschichte:
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Sujo Shake says:
Mona Lisa replies:
die geschichte Ein Hartbrandwichtel geht seinen Weg musste mal irgendwie weitergehen. man drängte mich. :-)
Inkenpro replies:
Oh.. was wohl passiert wenn die Bücherei wieder aufmacht??????!
Mona Lisa replies:
Anne Seltmannpro replies:
So bin ich endlich ein wenig beruhigt, wieder von Eugen zu hören. Und im Moment scheint er ja eine besonders gute Bleibe gefunden zu haben. Stören wir also Eugen im Moment nicht und warten wir ab...
Rasch2000pro says:
Mona Lisa replies:
Pandarinepro replies:
Mona Lisa replies:
Tante Käthepro says:
(Ich weiß, was du im 17. Jahrhundert geworden wärst!)
Inkenpro replies:
Pandarinepro says:
Ich hoffe wirklich, dass er seine langersehnte rote Muetze findet - aber ausgerechnet in der Buecherei?
Mona Lisa says:
am wochenende haben wir jetzt erst mal gauklerfest in der stadt ... und dann fahre ich in urlaub ... aber ich kann nicht abwarten, euch einen kleinen blick auf das zu gewähren, was ich mir ausgedacht habe. ganz ausgereift ist die idee noch nicht, aber da steckt potential drin.
hm, ich bin mal eben im archiv.
:-))
Tante Käthepro replies:
Nein, ich meine genau das, was du da schon gerade wieder erwähntest: Gaukler, Spieler, fahrendes Volk und professionelle Märchenerzähler--da hättest Du dazugehört....
(Falls das so tonlos nicht rüberkommt: Das war anerkennend gemeint!)
Mona Lisa replies:
Paprikaplains says:
Mona Lisa says:
:-))
Inkenpro says:
Mona Lisa replies:
ich werde es als geschichte mit rahmenhandlung anlegen ... ich weiß nur noch nicht, ob der eugen im traum in leopolds rolle schlüpft oder ob ich die geschichten aus dem buch über den wichtel leopold erzählen werde. ... aber der poldi ist praktisch. hab ich mir am samstag für 99 cent beim plus gekauft ... und der passt gut in die tasche. :-)))
... und hast du überhaupt diese farbkombination gesehen? daran musste ich gleich denken, als ich dein bild sah:
:-))
Inkenpro replies:
Pandarinepro replies:
Mona Lisa replies:
Pandarinepro replies:
Mona Lisa replies:
Pandarinepro replies:
Ich hab z.B. auch nie nich ein einzigen Buch von Indianer-Karl gelesen.
Mona Lisa replies:
Pandarinepro replies:
Mona Lisa replies:
Inkenpro replies:
Mona Lisa replies:
Pandarinepro replies:
Mona Lisa replies:
Pandarinepro replies:
Inkenpro says:
Mona Lisa replies:
Inkenpro replies:
Mona Lisa replies:
Sujo Shake says:
skind24pro says:
Curlgirl says:
Mona Lisa replies: