
Mit Spannung verfolge ich zur Zeit Raschs "Erlebte Geschichte(n)". Ich kenne sonst niemanden, der mir von seiner Flucht in den Westen erzählen könnte. Gedanken habe ich mir vorher auch nie darüber gemacht. Gut, man sah schon mal Filme im Fernsehen und dachte „Ach …“, mehr eigentlich nicht.
Aber jetzt ist es anders. Es beschäftigt mich … und mir fiel auch das Kriegstagebuch meines Vaters wieder ein. Als ich es damals fand, war ich geschockt und habe geweint … geweint um seine verlorene Jugend und wegen der Folgen für ihn. Es wurde nie darüber gesprochen, aber ich denke heute noch, dass er doch nachts davon geträumt haben muss … noch später, als alles längst vorbei war. Seine Aufzeichnungen zu lesen war anders, als im Fernsehen einen Bericht über den Krieg zu sehen … und es war anders als „So weit die Füße tragen“. Als Kind habe ich an der Wohnzimmertür gestanden, und wenn es zu schlimm wurde, bin ich rausgerannt. Nun saß ich vor dem, was mein Vater aufgeschrieben hatte, und ich wollte gar nicht weglaufen … aber es waren keine Schauspieler, sondern mein Vater war der Betroffene.
Vaters Tagebuch ist mehr ein Gedächtnisprotokoll, jedenfalls kommt es mir so vor, denn Tinte und Schrift sind gleichmäßig. Er gibt auch an, dass es am 13.März 1943 auf dem Wachkommando 758 in Niederbrombach (Nahe) geschrieben sei. Andererseits sind die Schilderungen so lebendig und detailliert mit Daten, Orten, Namen … und immer wieder Kilometerangaben, dass ich mir vorstellen könnte, dass es eine Reinschrift früherer Aufzeichnungen ist, in sauberer Druckschrift.
Im letzten Eintrag (Seite 61) gibt er an, dass er vom 28. Januar bis 13. Februar (1943) zum Jahresurlaub „in die Heimat“ gefahren sei. … und dann folgt etwas Seltsames. Die nächsten Seiten fehlen … alle zusammen herausgeschnitten wie mit einem scharfen Messer … erst mit Seite 137 geht es weiter, und ich sehe dort Abdrücke der Handschrift meines Vaters, nicht vom Füller wie zuvor, sondern ein Durchdruck wie er nur vom Bleistift oder Kugelschreiber entsteht. Die vorderen Seiten waren mit einem braunen Papierstreifen versiegelt, auf dem steht „geschlossen 26.5.49“.

Ich weiß nicht, was geschehen ist … und ich kann ihn auch nicht mehr danach fragen. Mein Vater starb 1993.
Die Aufzeichnungen im Tagebuch meines Vaters beginnen mit einer Art Lebenslauf:
„Am 19. Februar 1920 zu H... geboren.
Besuchte vom 6. bis 14. Lebensjahr die Volksschule zu H....
Machte vom 14. bis 15. Lebensjahr das Landjahr bei Johann M… in K....
Entschloss mich ab 1936 das Maler- und Anstreicherhandwerk zu lernen.
Lernte nun diesen Beruf und war in demselben bis Mai 1940 tätig, bei Malerm. Johann H…. in N... .“
Mein Vater war eines von acht Kindern eines ehrwürdigen Schreinermeisters. Drei der vier Brüder wurden Schreiner. Mein Vater als zweitältester Sohn entschied sich wohl für einen eigenen Weg. Er konnte ja nicht wissen, dass sein älterer Bruder im Krieg fallen und somit der Weg zur Übernahme des Betriebs offen werden würde. Vielleicht war es aber auch Berufung, denn mein Vater war sehr kreativ, malte später auch viele Bilder.
Meine Mutter muss er schon früh getroffen haben, denn ihr Elternhaus lag gegenüber des Hauses, in dem der Malermeister wohnte, bei dem mein Vater 1936 seine Lehre begann.
Erinnerung an meine Schulzeit…
Fortsetzung: Spuren der Vergangenheit 2
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Michael B.pro says:
Mona Lisa replies:
Michael B.pro replies:
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moonchild says:
Mona Lisa replies:
außerdem habe ich den bericht eines anderen soldaten gefunden. sein bruder hat diese aufzeichnungen als vermächtnis des gefallenen ins netz gestellt. ... fast identsche einzelheiten.
ich schaue jetzt mal nach der gegenwart. :-)
Rasch2000pro says:
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Gäbii (öffline if not önline) says:
Das tagebuch deines vaters klingt mysteriös, vor allem die fehlenden seiten. Darüber würde ich auch mehr erfahren wollen, denn ich habe auch noch einige fehlende puzzleteilchen in meiner familiengeschichte. Ich finde es allerdings interessant, dass du dich erst jetzt intensiv damit beschäfttigst...
Mona Lisa replies:
natürlich habe ich mich schon früher mit diesen dingen beschäftigt. aber jetzt kocht alles durch raschs bericht über die flucht in den westen wieder hoch ... und ich beschäftige mich anders damit ... dank internet. :-)
pehei says:
Elbertinumpro says:
Mona Lisa replies: