Mona Lisa Published on August 17, 2007
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Wenn einer eine Reise tut ... #18 (Ende)

Friday August 17, 2007 at 05:08AM

Fast erschien es ihm wie eine Ohrfeige, als er das Logo auf dem Gegenzug bemerkte. Das war es wohl ... er war eigentlich immer ein „kleiner Feigling“ gewesen. Wie ein roter Faden zog es sich durch sein Leben. Immer hatte er die Entscheidungen dem Zufall überlassen oder abgewartet, dass sich die Dinge mit der Zeit von selbst erledigten.

Als Carola damals den Job in Johannesburg annahm, hätte er mit ihr gehen können. Aber wieder einmal fehlte es ihm an der nötigen Entschlusskraft, und wenig später lernte er Nicole, seine jetzige Lebensgefährtin, kennen, die ihn drängte, in der Firma ihres Vaters einzusteigen. Der Job in der Werbeabteilung hatte ihn interessiert, machte ihm zunächst auch Spaß, aber inzwischen war alles zur Routine geworden, und er fühlte sich oft gelangweilt und weit von dem entfernt, was er eigentlich gerne machen würde.

Nein, er war sich jetzt sicher! Er würde dieses eine Mal nicht andere die Entscheidungen treffen lassen. Diesen Vertrag würde er nicht unterschreiben! Er hätte es gestern deutlicher sagen sollen: Eine Teilhaberschaft in dieser Firma kam für ihn nicht in Frage … und die zwar unausgesprochene, aber im Raum schwebende Aufforderung, doch endlich die Verbindung mit Nicole zu legalisieren, schon gar nicht. Er ließ sich weder zu einer Heirat nötigen, noch ließ er sich fesseln an diese Firma, die ihm nicht am Herzen lag, sondern mehr und mehr zum Hemmschuh wurde.

Bisher hatte er noch mit niemandem darüber gesprochen, auch mit Nicole nicht. Aber gleich bei der Heimkunft würde er es ihr sagen.
Er würde das Angebot seines Freundes Carsten annehmen und das Buch schreiben, das er immer hatte schreiben wollen.

Der Zug lief in den Zielbahnhof ein, und er sprang entschlossen auf.
Er fühlte sich plötzlich unendlich stark und frei.

ENDE

Nachwort

Eine Reise geht zu Ende. Die eben noch mit gleichem Ziel Versammelten zerstreuen sich, und übrig bleibt der Held der Geschichte, eine namenlose Phantasiegestalt. Dieser Reisende durfte während seiner Fahrt meine Erinnerungen an eine erfüllte Jugendzeit haben, an Geschichten denken, die allesamt so geschehen sind. Lediglich die Namen der handelnden Personen wurden geändert, unwesentliche Details leicht verschoben. Sein Charakter und seine Lebensumstände sind dem Hauptdarsteller von mir auf den Leib geschrieben worden. Aber auch dabei habe ich an bestimmte Menschen gedacht.

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12 Comments / add your comment?

Fabio Keiner says:
wahrscheinlich hat er bei seinem schwulen freund carsten sein grosses coming-out und sie gründen gemeinsam einen schickimicki-hi-fi-frisiersalon am ballermann!
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Mona Lisa replies:
was du immer so alles vermutest! :-)))
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
mesipluspro says:
Grossartiges Ende! Befreiend und motivierend das zu tun, was man EIGENTLICH will im Leben! Überhaupt auch sehr gut geschrieben. Wenn ich wieder mal richtig Muse und Zeit habe, werde ich alle Teile im Zusammenhang lesen.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Fabio Keiner says:
und dann trat er ipernity bei und vermehrte sich hier auf wundersame weise... der kleine feigling :))
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
sel says:
ein einziger rausch gestern und heute ein kleiner feigling... ;)
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Gäbii (öffline if not önline) says:
Das ende gefällt mir! Ich hab nur so meine zweifel, ob er das buch auch wirklich schreiben wird...
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Mona Lisa replies:
das beruhigt mich ungemein. ich hatte schon befürchtet, dass du noch was von dem treffen selbst erwartet hättest. aber es war ja nur die reise selbst, die thema der geschichte war. :-)
ich selbst fahre übrigens regelmäßig zu klassentreffen.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Gäbii (öffline if not önline) replies:
Nein, nachdem du mir es einige folgen früher erklärt hattest, hab ich meine erwartung aufgegeben!! ;-)))

Ich fahre nie zu klassentreffen, ich werde auch nicht eingeladen, da ich keinen kontakt mehr zu meinen früheren klassenkameraden habe...und das ist auch gut so. Ich habe keine grosse sehnsucht nach ihnen. Ich denke, sie können ganz gut ohne mich leben - und umgekehrt auch. LOL.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Mona Lisa replies:
klassentreffen find ich lustig ... aber wir hatten auch eine supertolle klassengemeinschaft! :-)
inzwsiichen sind daraus aber mehr stufentreffen geworden.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Gäbii (öffline if not önline) replies:
Ach, was hast du für ein glück gehabt. Ich beneide leute, die eine supertolle klassengemeinschaft hatten, ein stück jugend, das mir entgangen ist. Wie schön muss es für dich gewesen sein, jeden tag in die schule zu gehen - für mich war es ein graus (na ja, mehr oder weniger - ich lieber übertreibung als stilmittel) ;-)))
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Mona Lisa replies:
ich hab tatsächlich am letzten schultag ein paar tränchen verdrückt. nicht wegen der schule selbst natürlich. da hab ich mich eher weniger engagiert ... aber all meine freunde würde ich in so netter, unbeschwerter runde nicht mehr sehen!! :-((
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Gäbii (öffline if not önline) replies:
Kann ich nachempfinden. Wenn ich so eine tolle klassengemeinschaft gehabt hätte, wäre mir das sicher auch passiert. Irgendwie habe ich das im Ulpan (Hebräischkurs) nachgeholt mit der tollen klassengemeinschaft. Da konnte ich nochmal richtig so ein tolles schulgefühl durchleben,wie ich es damals nicht hatte. Man sollte ja die erfahrungen zur richtigen zeit machen, aber manches lässt sich später doch noch nachholen :-)))
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )

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