Mona Lisa Published on July 1st, 2007
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Zwei Mann in einem Boot

Sunday July 1st, 2007 at 12:20AM

Zwei Mann in einem Boot

„Aussitzen … wir werden es aussitzen!“, murmelte Herr Jörgens vor sich hin. „Welch ein Blödsinn, wo ich es doch eigentlich hier ausstehe … und überhaupt passt „ausstehen“ viel besser, weil ich ihn wirklich nicht ausstehen kann!“ Grimmig beulte er mit seinen Fäusten die Hosentaschen noch etwas mehr aus, und seine rote Fliege zitterte vor angestauter Wut, während er ein weiteres Loch in die Luft starrte, die dick um das Rathaus wehte.

Ein Stück weiter stand Herr Mendrich, der seinem Kontrahenten stumm den Rücken zudrehte und sich zwar den Anschein gab, als beobachte er interessiert das Treiben auf der vorbeiführenden Hauptstraße, in Wirklichkeit aber mit seinen Gedanken bei dem ständigen Kleinkrieg war, den er mit seinem Kollegen führte, und der vor der Frühstückspause seinen derzeitigen Gipfel gefunden hatte. So konnte es nicht weitergehen, aber wie man es auch drehte und wendete, sie waren auf Gedeih und Verderb gefangen in diesem kleinen Büro, und bis zur Pensionierung dauerte es noch eine Weile.

Herr Jörgens schnaubte derweil durch die Nasenlöcher und stieß lautlos ein paar Drohungen aus, die er noch unterstrich, indem er die feinen Steinchen unter seinen Füßen knirschen ließ. Von all dem bemerkte der Mann im braunen Flanell nichts, denn er war seinerseits damit beschäftigt, seinem Körper Geräusche zu entlocken. Hinter dem Rücken drückte er die Spitzen der Fingernägel in ständigem Wechsel gegeneinander wie er es immer tat, wenn er angestrengt nachdachte … und schon dieses Geräusch trieb seine Umgebung in den Wahnsinn. Was sich aber am Morgen hinter der Tür von Amtsstube 302 zugetragen hatte, schlug dem bereits randvoll gefüllten Fass den Boden aus.

Über einer belanglosen Akte brütend hatte Herr Mendrich wie üblich an seinen Nägeln herumgeknibbelt, als sich etwas davon löste und in hohem Bogen in die Kaffeetasse des gegenübersitzenden Fliegenträgers flog. Der auf diesen unglaublichen Vorfall folgende Wortwechsel arbeitete all die aufgestauten Befindlichkeiten auf, und die Zornesröte stieg beiden bis in die spiegelnden Glatzen. Nicht mal der herbeigeeilte Amtsleiter konnte die aufschäumenden Wogen glätten, brachte aber die beiden Streithähne dazu, sich zur Abkühlung der Gemüter in die frische Frühlingsluft zu begeben. …

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7 Comments / add your comment?

Mona Lisa says:
ich bin leider zur zeit so gut wie nicht da ... aber die urlaubszeit geht schneller vorbei als einem lieb ist, und schon bin ich wieder an der front!
:-)
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
stefanie says:
uah...Fingernägel in Kaffeetassen...das ist ein Kapitalverbrechen und sollte mit Aktensortieren nicht unter drei Wochen bestraft werden !
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Sajakpro says:
wunderbar. eine schöne geschiche für den sonntagmorgen...
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
navelfluff says:
Toll. Kann man sich gut vorstellen, dass sowas tagtäglich in den Kantinen / Büros und dunklen Einbauküchen der Bürohäuser Deutschlands geschieht.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Fabio Keiner says:
und dann hat der herr jörgens dem herrn mendrich strychnin in die gemeinsame kaffeebüchse getan! und wohlweislich nix davon getrunken... und dessen amtsstelle im zuge der einsparungsmassnahmen (das is ein gutes langes deutsches unwort:)) auch noch zugeteilt bekommen. jetzt is er allein in seiner amtsstubenzelle... manchmal spricht er mit dem geist seines verblichenen kollegen. und grinst so vor sich hin. der herr jörgens plant noch viel böses.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Mona Lisa says:
... ach, fabio, es ist immer wieder erquicklich, wenn du den faden aufnimmst und in der dir eigenen art die geschichte weiterspinnst. lass uns nach dem urlaub den "mantel der madonna" fertigschreiben ... aber jetzt muss ich die eifel zu marie, meiner lieblingskuh, fahren. :-))
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Fabio Keiner says:
der herr jörgens wird auch noch deine kuh marie auf die hörndl nehmen, dieser wohlbeleibte amtschimmel-dämon.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )

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