Die meisten meiner Zeichungen sind Tuschezeichnungen ohne Halbtöne (oder Graustufen), was heißt, dass ich Schattierungen, Farbe und Oberflächenstruktur der dargestellten Gegenständen nur mit Schraffuren andeuten kann. Beim Zeichnen mit Kohle oder mit (weichem) Bleistift lassen sich Halbtöne durch verwischen darstellen, weshalb speziell die Kohlezeichnung auch als "Mittelding" zwischen Zeichung (besiert auf Linien) und Malerei (basiert auf Flächen) gilt. Das andere "Mittelding" ist die colorierte Zeichnung - von Linien umgrenzte Flächen werden "ausgemalt".

Zum Tuschezeichnen kam ich durch die meine Mitarbeit an Fanzines. Für die, die dieses in den letzten Jahren seltener gewordenes Medium nicht kenne: "Fanzine" ist kurz für "Fan Magazine" und ist so etwas wie eine Amateur-Zeitschrift, die von Fans (Science Fiction-Fans, Fantasy-Fans, Rock-Fans, Folksong-Fans, Comic-Fans, Fußball-Fans usw. usw.) für Fans gemacht werden. Üblicherweise werden Fanzines im Kleinoffset gedruckt. Um Halbtöne wiedergeben zu können, muss das Bild gerastert werden, was in den 80er Jahren noch ein teurer Spaß war. (Es gab kaum erschwingliche leistungsstarke PCs für graphische Anwendungen, mit denen man das Rastern bequem zuhause erledigen kann. Auch Scanner waren damals noch ziemlich teuer.) Wer also für ein Fanzine zeichnete, musste wohl oder übel Tuschezeichungen abliefern.

In meinen Fall "übel". Bis auf ein wenig Federzeichnen im Kunstunterricht an der Schule hatte ich vom Tuschezeichnen keine Ahnung, als ich gebeten wurde, doch mal etwas für ein SF-Fanzine zu zeichnen. Ich griff also zum "Fineliner" (dünner, harter Filzstift) und legte los. Anfangs waren meine Schraffuren noch sehr "strichelig", um nicht zu sagen "krakelig", erst durch Versuch und Irrtum kam ich zu einigermaßen passablen Schraffurtechniken. (Ich hätte mir durch einen Volkshochschulkursus viel Frust erspart, aber damals fürchtete ich - nicht ganz zu Unrecht - der einzige Mann unter lauter gelangweilten älteren Hausfrauen zu sein.)

Schon bald hatte ich vom Fineliner und seinen Macken genug - und legte mir professionelleres Zeichenwerkzeug zu.

Die besten Ergebnisse erziehle ich mit Stahlfeder und Tusche. Leider auch die meisten "Totalausfälle" - kaum etwas ist so frustrierend wie ein Klecks auf einer fast fertigen Zeichnung, auch wenn das klecksfreie Zeichnen reine Übungs- und Konzentrationssache ist. Außerdem stört es mich, immer wieder die Feder ins Tuschefäßchen eintauchen zu müssen.

Üblicherweise verwende ich einen Rapidographen (kurz "Rapi" genannt, Tuschefüller von Rotring für professionelle Ansprüche), auch wenn er nicht so flexibel wie eine Stahlfeder ist. Mit Tuschefüller arbeitet es sich viel bequemer und der Rapidograph erzeugt auch recht interessante Linien. Da die Kapillarpatronen für den Rapi nicht ganz billig sind, benutze ich seit einiger Zeit immer öfter den (in der Anschaffung etwa teueren) Isograph, dessen Patrone mit Tusche aus der Flasche aufgefüllt wird. Ich besitze inzwischen Rapis in acht Strichstärken - von denen ich in der Praxis pro Zeichnung allenfalls vier, meistens nur zwei, verwende, weshalb ich mit meinen drei Isos allein in den meisten Fällen gut zurechtkommen.

Ursprünglich wurden Rapidograph und Isograph für das technische Zeichnen entwickelt - sie arbeiter deshalb sehr sauber und mit gleichmäßiger Strichstärke, wenn sie senkrecht zum Papier gehalten werden. Durch "unsachgemäßes" (im Sinne des technischen Zeichnens) Schräghalten läßt sich die Strichstärke aber in einem gewissen Rahmen verändern. Ein angenehmes "Erbteil" aus dem technischen Zeichnen ist, dass sich diese Tuschefüllern problemlos mit beliebigen Linealen und Schriftschablonen verwenden lassen, da der stufenförmige Absatz des Zeichenröhrchens ein Unterlaufen der Tusche unter das Lineal verhindert - ein typisches Problem beim Zeichnen mit der Feder.