Hann. Münden.
Wer wollte nicht schon einmal auf eine Urwald-Expedition gehen? Der Kneipp-Verein Münden machte dies nun möglich. Beim letzten herrlichen Herbstsonnenschein am 3. Oktober luden die Mündener Kneippianer zu einer geführten Wanderung durch das Naturschutzgebiet Urwald Sababurg im Reinhardswald ein. Hier gab es Jahrhunderte alte Eichen und Buchen zu bestaunen und dazu von Wanderführerin Annette Zimmermann aus Grebenstein allerhand Wissenswertes über die Wunder der Natur zu erfahren. Mehr als 35 Personen nahmen an der interessanten Zeitreise in die Vergangenheit teil.

Einige der Baumriesen standen bereits weit vor der Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus im Jahr 1492 an ihrem Ort und zur Zeit der Reformation Martin Luthers um 1517 spendeten ihre mächtigen Blätterkronen ebenso Schatten, wie ihren heutigen Besuchern. Sie überlebten Kriege, Unwetter und Stürme, zuletzt den Tornado Kyrill im Jahr 2007. In früheren Zeiten wurde das Areal auf dem "Kuhberg" als Hutewald zur Beweidung mit Vieh aus den umliegenden Dörfern genutzt. Das Weiderecht wurde 1865 aufgehoben.

Die Zeit und die Kreativität der Natur sorgten teilweise für bizarre Formen. In der so genannten Kamineiche bietet ein riesiges Astloch einer ganzen Familie Raum zum Unterschlupf. Das überall anzutreffende Totholz ist alles andere als tot: es bildet die Lebensgrundlage für zahlreiche Pflanzen, Tiere und Pilze. In jüngern Jahren inspirierte der naturbelassene Wald Künstler, wie die Maler Theodor Rocholl und Peter Paul Müller, die sich 1907 mit Erfolg für den Schutz des Waldgeländes einsetzten.

Über zwei Stunden ließen die Teilnehmer des Kneipp-Vereins Münden die Eindrücke der Natur auf sich wirken. Der Fußmarsch durch den "urigen" Wald, umgeben von Wurzeln, Zweigen und Farnen, bot reichlich Bewegung für den Körper, die Seele und den Geist. Nach dem Naturerlebnis versammelten sich die Wanderer zum Ausklang noch bei Kaffee, Waffeln und Gesprächen im nahen Dornröschenschloss Sababurg. (rl)