die brücke



sie steht auf der brücke... schaut hinab.... sieht das dunkle, kalte wasser...tief unten....ahnt es eigentlich mehr, als dass sie es wirklich erspähen kann.

woher kommt diese sehnsucht.... dieses verlangen.... sich fallen zu lassen... einfach nur fallen.... und dann nichts mehr... nur ruhe.... stille..... frieden.

sie sinniert... lässt ihre gedanken kreisen... was war das alles für ein scheiss... was eine mühe... wofür das ganze? wo ist das eine element, dass alles verbindet? warum nur?

was hat sie alles durch... zerstörte kindheit... verflogene jugend... gewalt... fehlende wärme... schutzlos ausgeliefert... alles kacke.

gab es schöne momente? sie weiss es nicht... sie will es eigentlich gar nicht wissen... wozu auch?... das wasser lockt... immer stärker... es ist doch eh egal.

komm... komm zu mir... ich umhülle dich mit vergessen... ich gebe dir nähe... ich umarme dich... ich lasse dich nie mehr allein... ich bin dein ziel... in mir ist alles eins.

es plätschert so schön... nein, es rauscht...es ist berauschend... entzückend... entrückend? es ist die rettung... das verlangen wächst.

was hält sie noch hier? .. angst? angst hat sie vor dem leben... das kann es nicht sein... sehnsucht? sehnsucht hat sie nach springen... das ist es auch nicht.

die augen werden nass... sie riecht das wasser.. schmeckt... sie schluckt... war es das? war es das wirklich? wird es gleich so enden?

wer bin ich denn? ich bin ein kleines, wertloses wesen... niemand mag mich... niemand nimmt mich so, wie ich bin... alle wollen nur, dass ich funktioniere... ich will das nicht mehr.

warum darf sie nicht so sein, wie sie ist? wer sind die anderen, die immer ansprüche stellen? was für ein recht haben sie, so mit ihr umzugehen?

sie sieht kleine weisse schaumflecken auf dem wasser... das mondlicht reflektiert die bewegte fläche... es ist so schön... so unendlich schön.

müde.... ich bin so müde... ich will nicht mehr.. ich kann nicht mehr... ich ertrage es nicht mehr... meine akkus sind leer... sie sind kaputt...

sie ist kaputt.



von ferne schaut er zu.... unbeweglich... erstarrt... er will sie nicht erschrecken... sein geist ist in ihr... er schickt gedanken.... ganz zart.. ganz leise... unbemerkt.

ein sanftes, trauriges lächeln umspielt seinen mund... es spricht von liebe... von unendlicher zärtlichkeit... von einem wissen, was in ihr vorgeht.

war er doch auch vor langer zeit auf der brücke... auf eben dieser , die so stolz und hoch über das wasser ragt... hörte den fluss.... die tiefe... die sehnsucht.


sie spürt etwas in sich... leise... ganz tief... sie kann es nicht einordnen... es lässt sie aufhorchen... klingt da etwas in ihr?.... ist da musik?

ein klang... töne... lautlos... unmerklich wächst ein gefühl in ihr... was ist da? warum wird das wasser leiser?... sie horcht.. fühlt... irgendwas ist anders.


sein geist arbeitet auf hochtouren... was kann er tun?... alles steht auf der kippe... ein falscher gedanke.. eine falsche geste... und das wasser wird gewinnen.

er ahnt... er hofft... er weiss, dass sie wankt... er singt nach innen... lautlos... voller wärme... sendet ihr liebe... hoffnung... leben.


die musik wird stärker in ihr.... ihre seele sehnt sich danach.. fleht um mehr... schreit... brüllt... zerrt an ihr... sie wird unsicher... geht einen schritt zurück.

ist da doch noch etwas, was sie hindert?... sollte da ein sinn sein? ein grund zu bleiben?


er sieht ihre bewegung... ihr zagen... ihre unsicherheit.


was soll sie tun? was hindert sie? wo kommt die musik her? sie ahnt... kann das sein? ist das möglich? ist er hier?


schau in dich kleine! ich bin hier! du bist nicht allein... warst es schon lange nicht mehr... sieh in dich... geh nicht... du bist nicht wertlos... du bist alles für mich.... mein sonnenschein.


unendlichkeit liegt in dem einen moment, in dem ihre augen sich treffen.... sie sind eins.