so - mittlerweile habe ich den ersten schock ueberwunden und der letzte bericht hat sich wohl nicht so hundertprozentig positiv angehoert. insgesamt muss ich mittlerweile - nach 2 wochen auf der station - allerdings sagen, dass ich mich gut eingelebt habe dort und es halt einfach nicht lizzie downs ist, aber mir die taegliche arbeit echt spass macht.

mit simon und kayline komme ich echt supergut klar und nachdem ich jetzt den ueberblick habe, was wie laeuft werde ich auch des oefteren mal alleine losgeschickt, um dinge zu erledigen, wie zum beispiel die pferde aus dem paddock in die yards zu bringen. hoert sich nicht so aufwendig an, wenn man daran denkt, wie es in deutschland ablaufen wuerde, wo die pferde sich auf einer vergleichsweise kleinen koppel direkt neben dem stall befinden. hier sieht es so aus, dass der paddock, in dem die pferde sich befinden, so gross ist, dass man durchaus 10 minuten mit dem auto von einem zum anderen ende unterwegs ist. und man natuerlich erst mal schauen muss, wo sie sich denn gerade aufhalten. die pferde holen wir nur rein, wenn wir sie reiten wollen. das passiert hier mit einem MOTORRAD. bin ja noch nie motorrad gefahren vorher und habe somit letzte woche diesbezueglich meine ersten erfahrungen gemacht. fuehlt sich ganz schoen wackelig am anfang, insbesondere, da ich ja nicht auf einer geteerten strasse fahre, nein, bei uns geht es ueber stock und stein durch die paddocks, deren untergrund sehr uneben und oft mit steinen und felsbrocken uebersaet ist, teils mit grasbueschen bewachsen,  manchmal mehr oder weniger grosse loecher im boden hat und man auf aeste, umgefallene baeume, termitenhuegel sowie pipelines achten muss. aber es macht spass !!!

morgens fuettere ich meistens erst einmal unsere beiden "poddies" (kaelber, deren muetter abhanden gekommen sind und die mit der flasche aufgezogen werden), die sich im garten hinter dem haus befinden und morgens schon vor der kueche stehen und ungeduldig auf ihr fruehstueck warten. die sind echt knuffig. aber auch ein bisschen doof. waehrend ich einem der kaelber die flasche gebe, steht das andere meist daneben und saugt wie wild an meinem arm oder meinen fingern der anderen hand und kapiert einfach nicht, dass da nun mal schlicht und einfach keine milch rauskommt, auch nach 10 minuten nicht :-) aber ich lasse sie meist einfach saugen und sabbern, denn sonst gehen sie an die milchflasche des anderen kalbes und schubsen es zur seite, so dass ich nie mit fuettern fertig werden wuerde.

letztes wochenende sonntags war in cloncurry im westernclub ein pferdetrainer, der einen ganzen tag lang reitunterricht angeboten hat, im englischen horseschool genannt. fuer alle niveaustufen und natuerlich ganz und gar auf die arbeit der stockmen mit den rindern bezogen. daran habe ich auch teilgenommen und eine ganze menge neues gelernt. ausser mir sind noch simon, mein boss, sowie seine beiden kinder helena (10 jahre) und ronan (7 jahre) geritten. der samstagvormittag wurde deshalb komplett den pferden und den vorbereitungen fuer sonntag gewidmet. ersteinmal haben wir sie aus dem paddock in die yards gebracht und sie dann huebsch gemacht und in die reihe gebracht fuer den naechsten tag - georgina hat allen die hufe geraspelt, sie sind gewaschen und einshampooniert worden, schweif verlesen, meine gekaemmt und helena hat ihrem pferde rote schleifchen in die maehne geflochten, worauf ich dankend verzichtet habe. bis wir dann allen anderen kram im trailer hatten, angefangen von sattel und zaumzeug ueber futter- und wassereimer, futter, unsere swags (da wir die nacht von samstag auf sonntag in cloncurry verbracht haben) und dann letztendlich die pferde verladen haben, war es dann etwa 2pm. simon und ich sind mit dem truck und den pferden etwas frueher los, kayline, georgina und die kids hatten noch ein bisschen laenger zeit. nach 120 km und ca. 2 stunden kamen wir dann in cloncurry bei bekannten von simon und kayline an, bei denen wir und die pferde uebernachtet haben. abends gabs sehr leckeres barbecue und am naechsten morgen gings um 6.30 uhr aus dem bett, fruehstueck und dann ab zu den showgrounds des westernclubs, wo alles um 8 uhr beginnen sollte. der trainer, den wir da hatten, ist richtig, richtig gut, normalerweise reitet er junge pferde ein und geht als trainer zu cattle stations, um dort die jackaroos und jillaroos (australischer ausdruck fuer cowboys und cowgirls) zu trainieren. der tag wurde beendet mit einem barrel race, einem rennen um oelfaesser, die in einem dreieck aufgestellt werden, jeder versucht einzeln moeglichst schnell um alle faesser und zurueck zu kommen, und ihr koennt mir glauben - mein hintern hat ganz schoen weh getan nach 7 stunden auf dem pferd... war froh, als wir abends zurueck waren und ich todmuede ins bett fallen konnte.

und am naechsten morgen ging die taegliche arbeit wieder los, beginnend mit mustering. diesmal hatten wir weaners (kaelber, die gerade erst von ihrer mutter getrennt wurden), die aus einem paddock zurueck in die yards sollten. simon hatte den gelaendewagen, kayline und die kids helena und ronan sassen auf ihren motorraedern, georgina und ich sind geritten. alle mit funktelefonen ausgestattet sind wir ersteinmal alle in unterschiedliche richtungen ausgeschwaermt, um alle rinder aus dem weitlaeufigen paddock an ein ende zu bringen, um sie dann von dort aus am zaun entlang zur station zu treiben. und das mustering ist echt fun ohne ende und macht einen riesenspass. ein paarmal sind wir auch am spaeten nachmittag los zum mustering, haben uns immer mal wieder mit der zeit verschaetzt, was dann zu folge hat, dass man den kompletten sonnenuntergang sieht, waehrend man auf dem pferd eine herde von rindern vor sich hertreibt. irgendwann ist es dann stockeduster, vom spaerlichen licht des mondes und der unzaehligen sterne mal abgesehen und wir waren immer noch nicht daheim. von den rindern sieht man nicht mehr wirklich viel, ausser den schemenhaften bewegungen und verlaesst sich ganz und gar darauf verlassen, dass das pferd seinen weg zwischen geroell, termitenhuegel, baeumen und bueschen findet. wobei die paddocks nicht dicht bewachsen sind, aber in regelmaessigen abstaenden hat man vereinzelt buesche und baeume. ein paarmal habe ich versucht, einen busch zurueck zur herde zu treiben, weil ich gedacht habe, es waere eines der rinder - hat sich aber keinen zentimeter bewegt *g*

nach einem mustering folgt immer die arbeit in den cattle yards, auch das ist etwas, was mir riesigen spass macht. die rinder werden von einem zum naechsten immer kleiner werdenden yard gebracht, deshalb natuerlich auch nicht alle aus dem letzten yard, sondern immer nur 10 - 15, werden dann durch den draftingyard durchsotiert und nachdem das passiert ist, geht es ihnen an die hoerner, hoden und ohren. nach und nach kommt jedes einzelne rind in den crusher und ich bin zusammen mit simon damit beschaeftigt, erkennungszeichen in die ohren zu schneiden (simons bekommen einfach einen teil der ohrspitzen abgeschnitten, toms bekommen sterne aus beide ohren raus gestanzt), ihnen impfungen zu verpassen, den bullen hormonimplantate unter die haut im ohr fuer besseres wachstum zu verpassen, hoerner abzuschneiden und die mickeys zu kastrieren - ja, auch das kastrieren von kaelbern hat simon mir gezeigt. mein erstes kalb hat mir echt leid getan, da es ganz schoen lang gedauert hat und mir die dinger immer wieder weggeflutscht sind. aber das kastrieren macht in der regel immer simon, da ich einfach nicht schnell genug bin dabei. wenn das alles getan ist, kommen sie meist erst fuer ein paar tage in den laneway, jeden morgen raus und abends wieder rein, um sie ein kleines bisschen zu trainieren, was das mustering angeht und ihre handhabung fuer spaeter etwas zu vereinfachen und eine woche spaeter werden sie auf den truck geladen und in den paddock gebracht, wo sie fuer die naechste zeit bleiben sollen.

und von alldem werden wir die naechsten wochen noch ganz viel haben, denn insgesamt gibt es 3500 rinder auf der station, die zwar nicht alle durch die yards muessen, die aber trotzdem erst einmal alle gemustert werden muessen, um zu sortieren, welche wir mit nach hause in die yards nehmen und welche nicht.

wird sicherlich noch eine interessante zeit werden