unerwartet hat es mich heute, nach einer woche auf der cattle station, in die "stadt" verschlagen, wenn man das verschlafene cloncurry so bezeichnen moechte. so sind wir nach dem mittagessen dann die 120 km nach cloncurry gefahren, simon hat mich in der bibliothek abgesetzt, damit ich hier das internet benutzen kann und in 3 stunden holt er mich hier wieder ab.

ausser mir arbeiten noch zwei weitere backpacker auf der station, ross aus schottland und georgina aus england, beide 19 jahre alt. ross ist meist schlecht gelaunt und redet auesserst selten, denn eigentlich will er garnicht hier sein und arbeiten, braucht aber geld, damit er zurueck nach malaysia zu seiner dort lebenden freundin fliegen kann. georgina hat am ersten abend einen recht netten eindruck gemacht, ist aber insgesamt in keinester weise redselig oder gesellig, wie sich am zweiten tag dann herausstellt und hat eigentlich immer waesche in der waschmaschine, wenn ich reinschaue. wobei mir gerade einfaellt, dass wir ross ja gerade eben an der bushaltestelle abgesetzt haben, und somit mittlerweile nicht mehr auf der station arbeitet.

ja, und die cattle station selbst... ist definitiv sehr anders als die letzte. fangen wir am besten damit an, was in den ersten 5 tagen passierte. ich hab nach der zeit in lizzie downs eigentlich gedacht, dass mich so schnell nichts mehr wirklich hart trifft - damit lag ich dann wohl falsch. erster arbeitstag: fruehstueck um 5 uhr morgens, auf dem weg von meinem bungalow zum haus von simon und kayline, meine chefs, ist es stockdunkel und ich sehe den mond und die sterne am himmel. das haus kann man eigentlich nicht wirklich als haus bezeichnen, eigentlich ist es eher eine riesengrosse huette auf holzpfosten hauptsaechlich bestehend aus wellblech. man tritt ein ueber ein paar treppenstufen (tuer gibts keine) und steht dann direkt in der kueche. die man abends, insofern das licht an ist mit unzaehligen, aufdringlichen insekten teilt. was dazu fuehrt, dass wir eigentlich immer im dunkeln essen ;-) dumm nur, dass dadurch nicht die ameisen vertrieben werden. ich finde sie in regelmaessigen abstaenden in meinem kaffee (sie krabbeln in den wasserkocher und von da aus kommen sie dann gekocht in meine kaffeetasse). hier ist es durchaus von vorteil, wenn man den kaffe (wie ich) mit milch trinkt, denn dann sieht man sie und kann sie vor dem konsumieren des kaffees entfernen. aber ich will nicht zu weit abschweifen, zurueck zum beginn des ersten tages. nach dem fruehstueck (mittlerweile ist es schon 5.30 uhr, aber immer noch dunkel) checken wir wasser, oel und benzinstand des toyotas und werden losgeschickt zum "new dam", um panels (2,50m lange, 2m hohe SCHWERE zaunelemente aus metall, die dazu verwendet werden, cattleyardszu bilden) nach "rusty" zu schaffen. alle plaetze auf der station haben irgendwelche namen, sowohl die paddocks als auch die wasserstellen. also nehmen wir den cattleyard auseinander, laden die panels auf die ladeflaeche vom toyota, bringen sie nach "rusty", um sie dort abzuladen und wieder aufzubauen. mittlerweile ist es hell, simon kommt mit einem grossen truck angefahren, kayline mit dem jeep und einer laderampe hintendran. in einem bereits bestehenden yard befinden sich ca. 50 rinder, die auf den truck geladen werden sollen. nachdem wir unsere panels abgeladen und aufgebaut haben (man kann es sich so vorstellen: grosser runder yard, an einem ende ein gatter, dein ein kleiner yard hintendran, gatter, danach ein schmaler ein meter breiter gang, schiebegatter, wieder gang, schiebegatter und dann die rampe rauf zum truck) fangen wir an, die rinder in den truck zu schaffen. nachdem das vollbracht ist, bringen wir sie zur station und schaffen sie vom truck wieder runter in die cattleyards dort. danach zurueck zu "rusty", die ganzen panels wieder abladen, auf die ladeflaeche vom toyota, zum "black dam" bringen und das ganze spiel geht wieder von vorne los. es ist mittlerweile nicht mehr nur hell, sondern verdammt heiss, was zur folge hat, dass diese beschissenen panels aus metall nicht nur immer schwerer werden, sondern mittlerweile auch gluehend heiss sind und es dummerweise keine handschueh gibt fuer uns - da kam freude auf, besonders da ich die befuerchtung hatte, dass diese panels uns in den naechsten tagen weiter begleiten werden.

zwischendurch gab es irgendwann um die mittagszeit mal eine halbe stunde mittagspause und dann ging es wieder weiter. beim verladen der rinder am "black dam" ist es meine aufgabe, die rinder aus dem hintersten yard in den naecht kleineren zu treiben, immer so ca. 10 stueck auf einmal. hier mache ich zum ersten mal die erfahrung mit einem durchgeknallten rind, welches statt vor mir wegzulaufen direkt mit gesenktem kopof auf mich zu haelt, mich um wenige zentimeter verfehlt, ganz schoen zum rennen gebracht hat und ich glaub, so schnell bin ich noch keinen zaun hochgeklettert. aber gut, von dieser sorte sollte ich die naechsten tage noch einige kennen lernen. und nachdem diese rinder auf dem truck sind, das gleiche spiel wieder - panels abbauen und auf den toyota laden. schiebetueren auf die laderampe, laderampe ans auto kuppeln und ab nach hause. daheim die rinder vom truck runter, in die cattle yards, mittlerweile sieht es so langsam schon nach sonnenuntergang aus. aber fertig sind wir noch lange nicht. wir haben noch eine kuh mit kalb, deren kalb nicht trinken kann, weil die kuh so prallgefuellte euter hat - LOL - und wir sie deshalb erstmal in den crusher (kleiner schmaler kaefig, in den man die rinder schafft, ihren kopf am ausgang einklemmen kann, um dann irgendwas mit ihnen anzustellen wie z.B. brandmarken, kastrieren, hoerner stutzen, oder eben einem kalb beim trinken helfen) schaffen, um dann dem kalb zu helfen an die milchbar zu kommen. der tag endet um 7.30 uhr abends. danach ein feierabendbier, abendessen, duschen, schlafen gehen um 10 uhr um am naechsten morgen wieder um 5 uhr beim fruehstueck zu sein.

so ging das erstmal von donnerstag bis einschliesslich montag. allerdings kam in den naechsten tagen noch eine kleine fruehstueckspause, hier "smoko" genannt, hinzu. und das ganze war deshalb so stressig die ersten tage, weil simon und kayline am montagabend einen truck erwarteten, der 150 rinder zum verkauf abholen sollte. und die mussten wir ja erstmal zusammenkriegen. sind ja ueberall auf der station verteilt.

in den naechsten tagen haben wir dann aus den naeher gelegenen paddocks die rinder mit pferden, motorrad und auto gemustert und haben ausserdem ganz viel zeit in den cattleyards verbracht in sonne, hitze und staub, ganz viel staub!!! so viel staub, dass man manchmal nichts mehr gesehen hat. 2 tage haben wir nur mit drafting verbracht, dem aufteilen der rinder in gruppen (kuehe, kaelber, absetzlinge, rinder zum verkauf, bullen). auch hier werden die rinder durch die yards getrieben, von einem zum naechsten (immer kleiner werdende yards), um dann in einem kleinen runden yard zu landen, der 6 tueren zu 6 verschiedenen yards hat, so dass es fuer jede gruppe einen ausgang gibt. einer steht auf einer plattform neben diesem yard und oeffnet, je nachdem was es ist die einzelnen tueren mit hilfe von lange stangen. simon hat unten die rinder einzelnen vom pushyard in den rundyard getrieben, ross und ich haben die rinder vom backyard in den rundyard getrieben. nachdem dieses drafting beendet war, mussten alle verkaufsrinder noch einmal durch die yards, da jedes einzelne rind einen knopf im ohr als identifizierung bekommen musste. also das gleich spiel noch einmal, nur das jedes einzelne rind im crusher endete. verkauft werden logischerweise die fetten rinder, sowie rinder mit schlechten charaktereigenschaften und angewohnheiten, die die gefaehrlich werden koennen. damit hatten wir im backyard eine ganze menge spass, denn je oefter die rinder direkt hintereinander durch die yards getrieben werden, desto widerspenstiger werden sie und wollten einfach nicht durch das gatter. somit weichen sie dir zwar erst aus, drehen aber teils vor dem gatter um und stehen dir wieder gegenueber. und hier gilt es dann, wenn eines dieser rinder auf einen zugepest kommt, schnell zu entscheiden, ob man versucht es zu blocken und stehen bleibt, dabei wild mit den armen wedelt, huepft, schreit, was das zeug haelt und die komischsten gerauesche von sich gibt (das versucht man moeglichst lange zu machen, denn schliesslich ist das ja sinn und zweck des ganzen) oder dann doch irgendwann schnell zur seite springt und sich in sicherheit bringt, bevor man platt gewalzt wird.

von daher hatte ich durchaus einige interessante erfahrungen, was die arbeit mit rindern angeht, aber auch fuenf wirklich ganz schoen harte tage mit 13 - 14 stunden arbeit am tag. mittlerweile ist es ein bisschen ruhiger geworden, wir fangen erst um 7 uhr an morgens und sind so gegen 6 - 7.30 uhr abends fertig und alles laeuft ein bisschen gelassener. aber insgesamt muss ich sagen, dass ich auf dieser station wahrscheinlich nicht laenger als bis maximal ende april bleibe. geld verdienen muss ich ja irgendwo und dafuer ist es schon ganz ok, ab und an gibts mal das ein oder andere highlight, aber ich hab mir schon ein paarmal gedacht, dass ich wahrscheinlich auch froh bin, wenn die vier wochen dann um sind und ich mich wieder auf reisen gehen werde sozusagen. wobei ich noch nicht weiss, wo es hingehen soll, nicht so ganz genau.

natuerlich ist noch mehr passiert in diesen tagen und es gibt wahrscheinlich noch viel mehr, was durchaus erwaehnenswert waere, zum beispiel der boden im meinem bungalow (ist einer, den man an einen truck kuppeln und woanders hinbringen kann und befindet sich damit nicht direkt auf dem boden, sondern auf stelzen), der kurz davor ist durch zubrechen oder der truck mit dem wir die rinder aus den paddocks nach hause gefahren haben. hier sind zwei rinder durch den maroden holzboden gebrochen mit den hinterbeinen. war ein ganz schoener akt, die erstmal wieder nach oben zu befoerdern... aber ich hab ja ganz viele fotos gemacht, von diesem ort hier, der selbst mich an ein einziges grosses chaos erinnert...

so, das wars dann wohl mal wieder fuer heute, ich geh jetzt in den supermarkt, kaufe mir einen schokoladenvorrat, um bei bedarf meine nerven damit beruhigen zu koennen und schaue mal, was morgen so passiert...