am naechsten tag regnet es schon am morgen und das erste, was mir auf dem weg zu den cattleyards wiederfaehrt, ist tropfnass zu werden. in den cattleyards trennen wir die maennlichen von den weiblichen rindern. man koennte diesen tag im wahrsten sinne des wortes unter "rinderwahnsinn" verbuchen. die rinder hier sind definitiv wahnsinnig, durchgeknallt und wahnsinnig. die meisten dieser rinder laufen vor menschen davon, aber es sind einige darunter, die nicht davonlaufen. anstatt dass wir also die rinder jagen, haben einige rinder uns gejagt. uns sollten sie dich kriegen, bringen sie dich um. dave meinte am morgen zu uns

"wenn ein rind nicht davonlaueft, sondern stehenbleibt und dich anstarrt, behalte es im auge und sollte es auf dich zukommen - renn! renn, klettere ueber den naechsten zaun, schau dich nicht um auf halbem weg, sondern bring dich in sicherheit"

sehr ermutigend am fruehen morgen... aber es war ein interessanter tag, muss man schon sagen. die bullen wurden kastriert, bekamen brandzeichen und die hoerner gestutzt. es regnete den ganzen tag in stroemen, irgendein monsunregen, der uns da erwischt hat. zudem meinte dave nach dem mittagessen, dass wir fuer heute nacht ausserdem eine cyclone-warnung haben. rob und noleen bringen am abend deshalb ihren caravan in die maschinenhalle und ziehen fuer die nacht von ihrem bungalow in den fernsehraum des stationhouses, da dave meinte, dies waere der sicherste platz, da dort die fensterfron nicht so gross ist, wie in unseren schlafraeumen. einige freunde von dave sind gestern mit einem kleinen flugzeug zu besuch gekommen (den anders kommt man im moment nicht rein und raus...), um das wochenende hier zu verbringen. erst versuchen sie, auch das flugzeug in der maschinenhalle unterzubringen, was an zwei zu nahe beieinanderstehenden pfosten scheitert und so werden stattdessen rund um das flugzeug metallpfosten in den boden gehaemmert und das flugzeug mit seilen an diesen festgebunden. der cyclone heisst uebrigens HELEN. helen war vor kurzem an der ostkueste, um jetzt uns im hohen norden australiens von seiten des meeres einen besuch abzustatten. je spaeter es wird, desto staerker wird der wind, ausser dem regen und dem rauschen des windes hoert man unmengen von froeschen quaken und das schreien der voegel. irgendwann schlafe ich ein und bekomme von dem cyclone an sich nicht viel mit. jeder ist um mitternacht aufgewacht, als er, sorry, sie am staerksten gewuetet hat, nur ich hab mal wieder tief und selig geschlafen. aber wer mich kennt, weiss ja, dass das nichts neues ist... wenn wir morgen nicht groessere schaeden des cyclones beseitigen muessen, haben wir den tag frei statt den halben tag zu arbeiten, wie samstags ueblich. und zum fruehstueck gibts pfannkuchen *freu* mit obst...

am samstagmorgen um 6 uhr in der frueh weckt mich ein lauter schrei. nachdem ich schlaftrunken aus meinem zimmer zur kueche laufe, stelle ich fest, es ist krissy. krissy, der auf dem weg zur kueche von den dachbalken herab eine schlange auf die schultern gefallen ist. gelb-orange und ca. 60 cm lang, relativ duenn und keiner wusste, was es genau war. als ich vor der kueche ankomme, liegt sie wieder friedlich auf ihrem dachbalken, um kurze zeit spaeter von kenny mit dem cricketschlaeger erschlagen zu werden, damit krissy wieder ruhig schlafen kann... ;-)

HELEN hat uns zum glueck nur am rande gestreift, so dass keine groesseren schaeden angerichtet wurden, von ein paar entwurzelten baeumen, und einigen ueber die wiese verteilten gegenstaende mal abgesehen, was heisst - wir haben den tag frei und, oh wunder, statt regen haben wir heute den ganzen tag sonne und mal wieder um die 35 grad. mittags gehe ich reiten, abends streift eine zweite schlange durch unsere quarters, die diesmal vor der tuer zu den duschen erschlagen wird. diesmal kann sie identifiziert werden, es ist eine brownsnake, nur eine kleine, aber die sind wohl nicht ganz ungefaehrlich. rob meinte, durch den vielen regen der letzten tage tauchen die schlangen bei uns auf, weils da nett und trocken ist :-) aber fuer heute waren es die einzigen, die uns begegnen. Sicherheitshalber lassen wir in der nacht die lichter auf der veranda und im gang zwischen unseren raeumen an, ebenfalls ein fehler, denn es fuehrt dazu, dass alles, aber wirklich alles von den verschiedensten arten von insekten und bugs wimmelt, auf dem boden, unter den lampen fliegen sie in schwaermen umher, so wie auch im kompletten gang zwischen unseren schlafraeumen. morgen wohl kein licht mehr an nachts...

uns so wird es nie langweilig @ lizzie downs. haette nicht gedacht, dass ich drei monate auf hier verbringe, die voellig isoliert mitten im nirgendwo liegt (ok, vielleicht uebertreibe ich ein bisschen, schliesslich sind es nur 300 km bus darwin) nachdem ja eigentlich nur einer geplant war. aber ich habe es bis jetzt keinen einzigen tag bereut und eigentlich will ich garnicht weg von hier anfang februar... :-((