6 Wochen spaeter und ich bin immer noch auf Lizzie Downs. Geplant waren 4 Wochen, warum also bin ich immer noch hier???

Nun, das hat eine ganze Menge Gruende :-) Lizzie Downs ist, wie Dave mir auf der Fahrt hierher bereits prophezeit hat, ein wirklich wunderschoener Fleck Australiens, ueberall weite Buschlandschaft, durch den stetig staerker werdenden Regen der beginnenden Wetseason saftig gruen, teilweise bewachsen mit Eukalyptusbauemen, Palmen und anderem nett aussehenden Gewaechs, dessen Namen ich nicht kenne und man sieht wildlebende Tiere ohne Ende. Morgens auf dem Weg zu den Zaeunen, an denen wir die letzten Wochen hauptsaechlich gearbeitet haben, sehe ich taeglich Wallabies (eine Unterart der Kangaroos) rumspringen, kreuz und quer, ueberall, manchmal auch vor dem Auto (Suicide-Wallabies *g*), was zur Folge hat, dass wir in regelmaessigen Abstaenden immer mal wieder welche ueberfahren. Ausser den Wallabies sind die verschiedensten Arten von Voegeln und Gaensen zu sehen, die in Schwaermen auffliegen, wenn wir mit dem Auto und den Quadbikes vorbeifahren und natuerlich sind hier und da auch mal Rinder zu sehen. Die Rinder sind in verschiedenen Paddocks auf der Flaeche von insgesamt 90 x 30 km verteilt, wobei die einzelnen Paddocks schon recht grosse Ausmasse haben. So ist die Zaunlinie, an der wir gerade arbeiten insgesamt 25 km lang, das Stueck, das wir komplett erneuern belaeuft sich auf etwa 15 km. Liegt noch ein ganzes Stueck Arbeit vor uns.

Das Essen hier ist ein absoluter Traum. Ich bezaehle 62,- Australische Dollar pro Woche (etwa 40,- Euro) und habe dafuer die Unterkunft in einem Einzelzimmer (weil ich das einzige weibliche Wesen hier bin *g*) sowie 4 Mahlzeiten am Tag bestehend aus wirklich fantastischem, traumhaften und dazu noch GESUNDEM (!!!) Essen. Nohleen, unsere Koechin, liebt Kochen und zaubert staendig was Neues. Sehr gerne macht sie auch die verschiedensten Kuchen, Kekse und Dessert (ok, DAS ist jetzt nicht wirklich gesund, aber sie sagt, sie auch diese Rezepte sind Weightwatcher-Rezepte).

Wenn wir nicht arbeiten, relaxen wir auf der Station, gehen schwimmen im Dam, einer Art kuenstlich angelegten Kiesgrube, dem einzigsten Platz, an dem man schwimmen kann, da sich in den zahlreichen Billabongs hier ueberall Krokodile befinden. Ab und an waren wir zu einem der Billabongs, "Mission Hole" zum fischen oder die ausgelegten Netze zu checken mit denen Dave sowas aehnliches wie Prawns faengt. Es ist wunderschoen, mit dem Boot auf "Mission Hole". Dieser Billabong ist riesig, hat verschiedene Abzweigungen und das Ufer ist ueberall gruen und sehr dicht bewachsen. Ich war noch nie am Amazonas (somit ist meine Vorstellung wahrscheinlich falsch...), aber so wie Teile von "Mission Hole" wuerde ich mir den Amazonas vorstellen. Ausser den vielen Voegeln, Gaensen oder Enten bekommt man hier an und an Krokodile zu sehen, meistens kleinere Freshwatercrocs, die auf der Sandbank in der Sonne liegen,manchmal auch groessere, von denen man nur Ruecken und Kopf aus dem Wasser gucken sieht. Wenn man zum Einbruch der Daemmerung am richtigen Platz ist, sieht man ganze Schwaerme von Fledermauesen aus ihren Schlafstaetten auffliegen und fuer eine kurze Zeitspanne den ganzen Himmel ueber uns zu bedecken.

Mit den Pferden waren wir vor 2 Wochen schwimmen nach dem Reiten schwimmen gewesen - wundervoll erfrischend bei Temperaturen zwischen 34 - 38 Grad und einer recht hohen Luftfeuchtigkeit. Nur um eine Vorstellung davon zu bekommen - morgens ab 9 Uhr beginnt in der Regel die Luft am Horizont zu flimmern und bei der ersten Taetigkeit, die nur ansatzweise koerperlich anstrengen ist, beginnt bereits morgens um 7 Uhr zu Beginn der Arbeitszeit der Schweiss zu tropfen. Aber man gewoehnt sich dran, viel trinken, an manchen Tagen haben wir zu fuenft in 10 Stunden 36 Liter Wasser geleert.

Just beautiful sind auch die Sonnenaufgaenge und die Sonnenuntergaenge. Wenn ich morgens um 6 Uhr aufstehe, sehe ich auf dem Weg zu den Duschen die Sonne aufgehen. Hatten wir in den naechten davor Vollmond, kann man diesen zur gleichen Zeit morgens auf der anderen Seite der Station noch am Himmel sehen. Abends sehe ich die Sonne am Horizont untergehen, jeden Abend immer wieder anders und in den verschiedensten Farben.

Beeindruckend sind auch die taeglichen Stuerme, die wir hier haben. Nicht immer ueber dem Stationhouse oder an dem Platz, an dem wir gerade arbeiten, manchmal sieht man nur in der Ferne die schwarzen Wolken mit zahlreichen Blitzen und Wetterleuchten, waehrend wir in gluehender Sonne und Hitze arbeiten und uns nichts sehnlicher als ein abkuehlendes und unseren Arbeitstag beendendes (*g*) Gewitter wuenschen. Die Gewitter sind momentan noch kurz und heftig, meist nicht laenger als eine Stunde, aber mit einer Menge an Regen, die ich mir daheim bei uns kaum vorstellen kann. Um nach Lizzie Downs zu kommen, ueberquert man den "Daily River" - allerdings nicht mehr lange, das dieser in den naechsten 2-3 Monaten bis zu 14 m ansteigen kann, eventuell in der ersten Zeit noch mit dem Boot zu ueberqueren ist, insofern man mit dem Auto und dem Boot auf dem Trailer ueberhaupt noch bis zum Fluss kommt, denn auch die Wege dorthin werden von Flussbetten gekreuzt, die sich mit Wasser fuellen. Von daher liegt eine interessante Zeit vor mir und ich bin gespannt, was noch so alles passiert.

... to be continued as soon as possible...