Erster Tag in Lizzy Downs, der Cattle Station, zu deutsch Rinderfarm. Nicht gearbeitet heute, nur angekommen. Ich fahre heute morgen um 11.30 Uhr mit dem Greyhoundbus in Darwin los. Natuerlich bin ich morgens zu spaet aufgewacht, so dass ich wie immer etwas in Eile war. Gepackt hatte ich natuerlich auch nichts am Abend zuvor. Also alles beim alten, hat sich nichts geaendert in dieser Hinsicht... *g* Aber gut, hat alles noch gepasst, Kaffee, Fruehstueck, Mitch verabschieden, der die naechsten Wochen auf einem Fischboot arbeiten wird (Prawns fangen) und um kurz vor 11h auf zur Busstation. Ticket kaufen, mein Handy klingelt, Josh ruft an, fragt, wo ich bin. 10 Minuten spaeter steht er vor mir mit Celine und Helen, um mich zu verabschieden. Echt suess von den dreien, extra nochmal zur Busstation zu kommen, nachdem sie mich im Hostel verpasst haben. Der Bus faehrt nach Adelaide River, geht schnell vorbei die Fahrt, nur 1,5 Stunden und da stehe ich mit meinem Backpack (der immer schwerer wird, weil dauernd was dazu kommt und an dem mittlerweile Schlafsack, Hosen und Schuhe nicht mehr drin sondern aussen befestigt sind), halte Ausschaue nach jemandem, der nach Cattle Station aussieht. Dauert nicht lange, bis sich jemand findet, der genauso suchend durch die Gegend schaut wie ich. Da ist er, Dave, der Manager der Cattle Station, mit dem ich bereits mehrfach telefoniert hatte vorher. Bevor wir losfahren - die Cattle Station ist weitere 1,5 Stunden entfernt - trinken wir erst noch ein Bier im Pub. Kaum im Auto habe ich schon das naechste Bier in der Hand. Wir fahren eine schmale, schlecht geteerte Strasse lang, die sich durch eine Umgebung von Eucalyptusbauemen und Palmen schlaengelt. Dave erklaert mir, dass durch den Regen in den letzten Wochen endlich nicht mehr alles so trocken und staubig ist und wieder gruen wird nach der Trockenzeit. Macht einen netten Eindruck und dass gute Gefuehl, dass ich nach mehreren Telefonaten bei der ganzen Sache hatte, bestaetigt sich. Ich habe keine Probleme, sein Englisch zu verstehen, wir unterhalten uns und auch ich scheine einen guten Eindruck zu machen - "you're allright. you will like it at the station, i'm sure" sagt Dave. Kurze Zeit spaeter halten wir nochmal an einem Store um - wie kann es anders sein - Bier zu kaufen. Wir muessen 10 Minuten warten, Alkohol zum mitnehmen wird nur zwischen 3 und 7 Uhr verkauft. ?! Somit bekomme ich das 3. Bier innherhalb der letzten Stunde in die Hand gedrueckt. Ich erfahre ein paar Dinge ueber Lizzy Downs auf dem weiteren Weg, z.B. dass sie sich ueber eine Flaeche von 90km x 30km ausdehnt, und zur Zeit etwa 5000 Rinder hat. Die Umgebung ist abwechselungsreich, really beautiful, viele Billabongs, Wildlife und ein paar Berge. Schwimmen in den Billabongs ist nicht moeglich, da ich sonst vielleicht von Krokodilen gefressen werden koennte. Gibt beide Sorten hier, die friedlichen Freshwatercrocodiles sowie die agressiven Saltwatercrocodiles. Kurz bevor wir die Station erreichen (mittlerweile sind wir nicht mehr auf der schlecht geteerten Strasse sondern laengst nur noch auf Dirt Roads), macht Dave einen Abstecher zu einem wunderschoenen Billabong - Baeume ragen aus dem Wasser, am Rand alles bewachsen mit grossblaettrigen Pflanzen, von denen einige noch pinke Bueten haben, ueberall Voegel - um es kurz zu fassen: einfach wunderschoen.

Auf der Station angekommen zeigt Dave mir mein Zimmer, (ein Zimmer fuer mich ganz alleine, mit AirCondition und Kuehlschrank). Danach kurzer Rundgang, in der Kueche treffe ich Belinda, die fuer die Mahlzeiten zustaendig ist und einen sehr netten Eindruck macht. Sie ist das ausser mir das einzige weibliche Wesen, das hier arbeitet. Sonst ist noch keiner da, alle noch arbeiten und so dusche ich schnell und lege mich kurz hin, um die 3 Bier auf fast nuechternen Magen in der prallen Sonne zu verdauen und das Gefuehl, kurz davor zu sein, betrunken zu werden, wieder zu verdraengen. Als ich wach werde und mich draussen umschaue, treffe ich den Rest der Leute. Barney, der in keinster Weise zu verstehen ist, auch nachdem ich in das 3. Mal frage, ob er etwas langsamer sprechen kann, Jay und Koala, beide Australier, Josh aus Neuseeland, Phil aus good old Germany, Atte aus Finnland sowie den 2. Boss Fire, Aborigine. Um 7h gibts dann Abendessen, dass wie mir Dave vorher schon prophezeit hat, sehr, sehr gut ist. Es gibt hier reichlich essen, und wenn man zwischendurch Hunger bekommt, ist immer was im Kuehlschrank, oder man kann sich Toast, Bacon und Eggs machen :-) Sounds good! Nach dem Essen bekomme ich das naechste Bier in die Hand gedrueckt. Ausser den Krokodilen soll ich mich noch vor den Schlangen in Acht nehmen, und den giftigen Kroeten, die vor den Tueren unserer Unterkuenfte rumspringen. Aber solang man sie nicht anfasst und dann den Finger in den Mund steckt, sind die nicht so schlimm. In der Toilette erschrecke ich erstmal, als ploetzlich etwas auf mich springt - es ist ein Frosch und bei genauerem Hinsehen entdecke ich 5 weitere, die auf dem Fensterbrett und an der Wand sitzen. An den Waenden krabbeln unzaehlige kleine Geckos entlang und machen unglaublich laute schnatternde Geraeusche, dachte am Anfang, es waeren Voegel, damit lag ich wohl falsch. Am naechsten Morgen sitze ich dann um 6.15 Uhr beim Fruehstueck, schaue in viele unausgeschlafene Gesichter, keiner spricht, und mir wird langsam etwas mulmig zumute, da ich garnicht so genau weiss, was mich heute erwarten wird an Arbeit. Und ich stelle mit einem Mal bewusst fest, dass ich das einzige weibliche Wesen hier bin, das draussen als Stationhand arbeitet...

Mittlerweile ist es 5 Wochen spaeter, ich bin immer noch hier und liebe das, was ich im Moment tue. Ich habe noch so viel, was ich an interessanten Erlebnisse und Dingen, die ich jeden Tag sehe, erzaehlen moechte, ABER ich sitze mittlerweile seit ueber einer Stunde im Haus von Dave, benutze sein Internet und moechte seine Freundlichkeit nicht ueberstrapazieren. Ich werde bis Anfang Januar oder Anfang Februar hierbleiben und werde in dieser Zeit wohl nicht wirklich haeufig dazu kommen, etwas zu schreiben. Melde mich wieder, sobald es moeglich ist. Wer Lust hat, kann mich gerne anrufen, insofern das Telefon hier nicht gerade wieder kaputt ist, wie fast nach jedem Sturm, der hier wuetet. Falls jemand anruft, viel Geduld habe, lange klingeln lassen, mehrmals probieren, manchmal hoert es einfach keiner.

So long...