Einem Aufruf des Diakonischen Werkes Sachsens folgend, habe ich mich am Wochenende nach Dresden aufgemacht, um friedlich gegen Jene zu protestieren, die alljährlich den Gedenktag an die Bombardierung Dresdens schändlichst als Plattform zur Verbreitung ihrer rechtsradikalen Ideologien nutzen. Ich traf mich schon am Vorabend mit Vater und Bruder in der Neustadt.
Am Samstag fanden wir uns zu einem Friedensgebet der AG Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus, der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, die Amadeu-Antonio-Stiftung und des Kulturbüros Sachsen e.V. auf dem Postplatz ein. Meine Enttäuschung war groß, als ich die wenigen teilnehmenden Menschen sah. Nach verschiedenen Reden und einem Gebet zogen wir weiter zum Theaterplatz. Dort versammelten sich schon weit mehr Menschen. Allerdings war es eine beklemmende Situation im Anblick acht kreisender Polizeihubschrauber im Jahr 2010 an einem Friedensgebet teilzunehmen.
Entlang des Terrassenufers vorbei an der jüdischen Synagoge erreichten wir in mittlerweise erheblich großer Zahl den Rathausplatz, wo dann die bekannte Menschenkette gebildet wurde. Besonders freute ich mich über den Erfolg Derer, die auf der Neustadtseite erfolgreich mit Sitzblockaden den Aufmarsch der Nazis verhindern konnten. Bedauerlich ist allerdings, dass die Protestiernden beider Elbseiten wenig Verständnis für einander haben. So sollten die einen nicht glauben, nur radikale Linke und Spinner beteiligen sich an den Sitzblockaden. Und die Anderen sollten verstehen, dass sich ältere Menschen und Familien mit Kindern wohl kaum von der Polizei aus dem Weg räumen lassen wollen.
An diesem Tag waren beide Formen des Protestes für diese Stadt erfolgreich. Die Welt hat gesehen, dass es in Dresden viele Bürger gibt, die sich nicht von Rechtsextremisten einschüchtern lassen.
Schade, dass beim Beten so wenig dabei waren.
Dabei ist gerade das Gebet die stärkste Macht, die wir Menschen haben.
Und weil heutzutage so wenig gebetet wird (ob in der Kirche oder stillen Kammer) sieht es so schlimm in der Welt aus. Ungerechtigkeit und Not sind nun aber auch dazu angetan, uns das Beten wieder zu lehren.
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