Gottohgottohgottohgott!

 

Ich glaube meine Reise entwickelt sich nicht nur zu einem Überlebenstraining, sondern auch zu einer spirituellen Reise!

Am Dienstag hatte ich ein gutes Gespräch mit meinen Chefs, indem noch mal festgestellt wurde, dass wir völlig unterschiedliche Arbeitsweisen haben. Danach war für mich klar, ich mache mir noch eine schöne Zeit und das gleiche möchten die auch! Ich glaube für mich ist die größte Herausforderung meines Praktikums mich mit der Arbeitsweise anzufreunden. Es wird nichts geplant, was kommt das kommt und irgendwie klappt es ja auch immer, auch wenn`s Tage später passiert. Mit Zeitplänen können die nichts anfangen und ich werde sie auch nicht ändern können.

Also habe ich mir Mittwoch gedacht, da ich keine Aufgabe im Büro habe, werde ich mir was Schönes anschauen. Irgendwie wollte ich schon die ganze Zeit den Bahai-Tempel besichtigen. Ist der einzige in ganz Afrika. Habe in meinem schlauen Reiseführer gelesen, dass die Bahai an alle großen Gottgesandten, also Mohammed, Buddha, Jesus, ... glauben und konnte mir gar nicht vorstellen was dahinter steckt. Also habe ich mir vom netten Hotelpersonal erklären lassen, wie ich da mit dem Matatu hinkomme und los!

Hier gibt es ja auch keine Busverbindungen in unserem Sinne. Man muss sich einfach an die Strasse stellen, ein Matatu (12 Sitzer – meist Toyota Kleinwagenbus) ranwinken und fragen, ob die in die Richtung wo man hin will hin fahren. Für sehr wenig Geld kommt man dann überall hin. Nach einer kleinen Wanderung zum Gipfel, des Tempels, war ich auf einmal in einer anderen Welt! – Schon wieder, Afrika ist ja schon eine andere Welt bzw. ein anderer Planet! Alles war ruhig, gepflegt mit Blumen und Bäumen und in der Mitte auf dem Hügel steht ein schlichter Tempel. Nachdem ich den besichtigt hatte, wurde ich von einem Mann gefragt, ob ich mehr über den Glauben weiß oder wissen möchte?!

Ich weiß ja nicht, ob ihr mehr über den Bahai-Glauben wisst. Ich wusste nichts! Also aufgeschlossen wie ich bin, habe ich mir alles erklären und zeigen lassen.

Sehr beeindruckend! Es gibt 9 Bahai-Tempel auf der Welt und einer davon steht in Frankfurt. Bahai ist keine Sekte, sondern eine neue Weltreligion mit ueber 6 Millionen Glaeubigen. Eine friedliche Religion, die alle Glaubensrichtungen zusammenfuehren moechte. Einige Auszüge aus den Grundsätzen des Glaubens:

>Unsere Welt befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Wichtige geistige Impulse empfängt die Menschheit in solchen Zeiten stets von der Religion. Religionsstifter wie Abraham, Zoroaster, Moses, Buddha, Krishna, Christus und Mohammed  haben jeweils entscheidend zur ethischen und kulturellen Entwicklung der Menschheit beigetragen.

Bahá'u'lláh (1817 bis 1892) ist der Stifter der Bahá'í-Religion. Er erkennt die Ihm vorausgegangenen Religionsstifter als Gottgesandte an und beansprucht gleichzeitig, jüngstes Glied in einer Kette der Gottesboten zu sein und die Verheißungen der früheren Religionen zu erfüllen.

Die Bahá'í-Religion stellt eine unabhängige Offenbarungsreligion dar und stimmt in ihren ethischen Kernaussagen mit den anderen Hochreligionen überein. Darüberhinaus enthält sie jedoch zahlreiche Elemente, die neue Impulse für die Entwicklung der Menschheit darstellen und für das friedliche Zusammenleben aller Völker unabdingbar sind.

Grundsätze sind die Selbstentwicklung durch:

- Vorurteile hinterfragen ('Abdu'l-Bahá lehrt "dass religiöse, rassische, politische, wirtschaftliche und vaterländische Vorurteile den Bau der Menschheit zerstören. Solange diese Vorurteile herrschen, wird die Menschenwelt keine Ruhe finden.)

- Gleichberechtigung von Mann und Frau („Die Menschenwelt hat zwei Flügel: Den einen bilden die Frauen, den anderen die Männer. Erst wenn beide Flügel gleichmäßig entwickelt sind, kann der Vogel fliegen. Bleibt ein Flügel schwächlich, so ist kein Flug möglich.“

('Abdu'l-Bahá, Briefe und Botschaften, 227:18)

- Einheit der Religionen „Denn es gibt nur einen Gott und eine Menschheit, und das einzige Glaubensbekenntnis der Propheten ist das der Liebe und Einheit.“

('Abdu'l-Bahá, Promulgation S. 410)

- soziale Gerechtigkeit (Bahá’u’lláh geht von der Reife der Menschheit aus und richtet sich stets an den mündigen, selbst denkenden Menschen. Er fragt uns: „Wißt ihr, warum wir euch alle aus dem gleichen Staub erschaffen haben?“ Und antwortet dann: „Damit sich keiner über den anderen erhebe.“ Deshalb, so folgert er weiter, darf es auch keinen Unterschied machen, wie wir wohnen, was wir essen und wohin wir uns bewegen.)

- Erziehung und Bildung:   

Erziehung ist ein zentrales Thema der Bahá’í-Lehren. Für Eltern und Gesellschaft ist die Erziehung und Bildung der Kinder vorrangige Verpflichtung und Aufgabe:

 „Die Erziehung und Ausbildung der Kinder gehört zu den verdienstvollsten Taten der Menschheit.“

 (‘Abdu’l-Bahá, Briefe und Botschaften 103:1)

Kindern wird in den Bahá’í-Lehren eine hohe Wertschätzung entgegengebracht und die gleiche Würde zuerkannt wie Erwachsenen. Mädchen und Jungen werden gleichberechtigt behandelt, d.h. sie erhalten die gleichen Bildungschancen.

Jedes Kind kommt mit wertvollen Anlagen und Eigenschaften ausgestattet auf die Welt. Bahá’u’lláh vergleicht den Menschen mit einem

„Bergwerk reich an Edelsteinen von unschätzbarem Wert

- Selbständige Suche nach der Wahrheit: Dem Menschenbild der Bahá’í zufolge sollten wir dank unseres Verstandes mündig und selbstbestimmt sein. Mit unseren vielfältigen Fähigkeiten geht auch Verantwortung einher, nicht nur Wertvorstellungen zu übernehmen, sondern

"mit eigenen Augen zu sehen, nicht mit denen anderer, und durch eigene Erkenntnis Wissen (zu) erlangen, nicht durch die deines Nächsten."  

(Bahá'u'lláh, Verborgene Worte, arab., Nr.2)

Jeder Einzelne ist aufgerufen, die Wahrheit selbst zu suchen, deshalb gibt es in der Bahá’í-Religion keinen Klerus. Vielmehr ist jeder Mensch beständig ein Forschender und muss sich um Einsichten bemühen.

- Frieden: „Weltfrieden ist nicht nur möglich, sondern unausweichlich. Er ist die nächste Stufe in der Evolution dieses Planeten.“

(Das Universale Haus der Gerechtigkeit, Die Verheißung des Weltfriedens, Einleitung)

Frieden. Alle Menschen ersehnen ihn, doch viele glauben, Frieden oder gar der Weltfrieden seien unerreichbare Ziele unrealistischer Träumer. Wer so denkt, geht oft davon aus, der Mensch sei von Natur aus streitsüchtig und daher würde es immer Kriege geben. Diese Annahme beruht meist entweder auf dem Glauben, der Mensch sei ein Gefangener seiner körperlichen Triebe oder auf der Überzeugung, verheerende Aggressivität bzw. „Schlechtigkeit “gehöre zur menschlichen Grundveranlagung. Laut Bahá'u'lláh ist die menschliche Veranlagung schöpfungsbedingt weder gut noch schlecht, sondern neutral. Es hängt vom Menschen selbst ab, wie er seine Anlagen entwickelt: 

„Betrachte den Menschen als ein Bergwerk, reich an Edelsteinen von unschätzbarem Wert. Nur die Erziehung kann bewirken, daß es seine Schätze enthüllt und die Menschheit daraus Nutzen zu ziehen vermag.“ (Bahá'u'lláh, Botschaften aus 'Akká, 11:3)

Um den Frieden also tatsächlich zu etablieren, bedarf es vieler Anstrengungen. Dabei muss es vor allem darum gehen, die Ursachen für Kriege zu beseitigen. Abrüstungsbemühungen und internationale Verträge sind zwar unverzichtbar, müssen aber auf einem tiefgreifenden Bewusstseinswandel basieren, denn Waffenarsenale sind nur Symptome der eigentlichen Krankheit und bloße Absichtserklärungen können fragwürdig sein.

Weil es ein so interessanter und schöner Besuch war, habe ich mich natürlich noch ein bisschen schlauer gemacht und den Grundsaetzen nur zustimmen!

Jetzt wisst ihr auch etwas mehr über den Bahai Glauben!; )

Am Donnerstag kam dann Annette aus Kisoro um mich abzuholen! Super nett, denn Kisoro liegt 500km entfernt und mit dem Bus eine echte Anstrengung! Habe ich mich wirklich sehr gefreut, da ich ja sonst nur männliche Kollegen habe und die Annette ist ganz mein Typ! Sie ist 24, in Kisoro aufgewachsen, hat nur ein paar Kilometer von Kisoro studiert, aber ist trotzdem sehr aufgeschlossen und interessiert allem Neuen gegenüber. Ist die einzige Frau in Kisoro, die ein Moped faehrt und sich sehr westlich kleidet.

Freitag wollten wir nur kurz Wasser kaufen im nächsten Supermarkt (Größe von Minimal) und haben Stunden dort verbracht, da sie sich alles ganz genau angucken musste und hat tausend Sachen gefragt. Kannte keine Nudeln, Oliven, Flaschenöffner (öffnet Flaschen mit den Zähnen!). Freitag gegen sieben Uhr abends sind wir dann Richtung Busbahnhof in die Innenstadt. Nachdem wir noch Tickets ergattern konnten, wollte sie noch ein bisschen shoppen gehen. OK, wo kann man hier shoppen gehen gegen acht Uhr abends??? Hat sie mich in ein Barackenviertel geführt, wo tausend kleine „Läden“ aneinander gereiht sind. Eher einem Secondhand- Markt ähnlich. Total eng und stickig, quetschten wir uns zwischen tausend Klamotten und Menschen durch.

Das finde ich ja auch sehr bewundernd, dass die Afrikaner, egal wie voll und eng es ist, die Ruhe bewahren und trotzdem sich Zeit nehmen, um Klamotten anzuprobieren und zu handeln. Ich wär schon tausendmal wieder geflüchtet und hätte kein Bock mehr gehabt! Annette ganz ruhig, guckt, vergleicht und wollte unbedingt eine kleinere Tasche für mich finden, da sie meinen Rucksack zu gross findet für Feldbesuche. OK, meinetwegen! Und ....voll die coole oldschool Ledertasche gefunden für 3 €! Ich habe mich so was von gefreut!

Um neun Uhr abends sollte unser Bus gehen, doch afrikanische Zeit ist ja anders. Um zwölf habe ich gefragt, was wir machen, da der Bus nicht kommt...meinte sie „Doch doch, der kommt!“ Um halb zwei nachts kam er dann auch. Total überfüllt mit Menschen, Säcken, Taschen, und und und ging es dann los! Zwei Stunden später standen wir mitten in der Butaneck und nichts ging mehr! Keine Ahnung, ob Motorschaden oder keine Lust...auf jedenfall fingen einige Fahrgäste an sich völlig aufzuregen und rumzustänkern. Das ganze eskalierte und es wurde gegen den indischen Busfahrer, dem Busunternehmenund den Preisen gehetzt und gegen die Regierung. Letztendlich mussten alle aus dem Bus aussteigen und der Mob wollte den Bus anstecken! Wirklich!!!! Der Busfahrer stürmte mit einem anderen Bus davon und wir standen da! Ich fragte immer nur, was wir jetzt machen sollen und bekam keine wirkliche Antwort! Steht man 200km von Kampala entfernt im Nirgendwo, mitten in der Nacht und weiß gar nichts! Ich wollte schon meinen Chef anrufen, dass der uns abholen soll, aber irgendwie nimmt man dann auch diese afrikanische Gelassenheit an, steigt wieder in den Bus ein und schlaeft oder wartet halt. 3 Stunden später kam dann ein neuer - alter Bus und es ging um 6 Uhr morgens weiter. Da sitzt man dann zwischen ugandischen Bauern, die wirklich alles andere als frisch geduscht riechen, Säcken voll Fleisch, Korn und was weiß ich und ist total übermüdet, hungrig und möchte am liebsten ein Flugzeug bestellen, was einen auf der Stelle nach Hause bringt. Tja, aber geht nicht. Dann also durch! Nach unzähligen Stopps, mit dem Hammer auf dem Getriebe rumhauen, kamen endlich die Berge von Kisoro. Annette hatte schon erzählt, dass dort zur Zeit ein sehr staubiges Klima herrscht. Nach Kabale ist dann ja auch die geteerte Strasse vorbei und es wurde staubig! Alle Personen, Gepaeck, Hühner, Essen war voll vom Staub! Mit Tuch vor Mund und Nase fuhren wir dann die letzten 3 Stunden mit dem überladenen Bus durch die Berge! Könnt ihr Euch vorstellen was für eine Angst ich hatte immer kurz am Abgrund mit Höchstgeschwindigkeit vorbei?! Aber anscheinend kennen die Busfahrer die Strecke im Schlaf und es ging alles gut. Nach über 20 Stunden Busfahrt endlich in Kisoro angekommen, brauchte ich eine heiße Dusche und ein sauberes Bett. Also habe ich jetzt erstmal in ein teureres Hotel eingecheckt, denn ich dachte die Unterkunft bei Waltraud waere sehr einfach. Samstag habe ich nur relaxt und mit Waltraud ein Besichtigungstermin fuer Sonntag ausgemacht! Sonntag ausgeschlafen, nochmal geduscht, gefruehstueckt und es ganz entspannt angehen lassen. Um 2pm habe ich mich mit ihr getroffen und sie hat mir mein neues Zuhause fuer die naechsten 4 Wochen gezeigt. Der Hammer - habe ein ganzes Haus mit Kuecke, Wohnzimmer und richtig gutes Badezimmer fuer mich alleine und der Wachmann steht gleich vor der Tuer und  Waltraud und Mann wohnen keine 20 m weiter! Nach der Besichtigung meinte sie noch, dass wir mal die anderen Maedels im anderen Guest House vom Hospital besuchen sollten. Dann haette ich etwas Gesellschaft! Und yeah...mitten im Nirgendwo trifft mal Maedels aus Holland, USA, Indien, Aegypten. Alle arbeiten Kisoro und zu siebt haben wir dann abends Fusi in ner schaebigen Kneipe geguckt! Zufaellig trafen wir noch andere Musungu-Maedels und letztendlich sassen da 12 weisse Frauen in der Kneipe und die Maenner haben grosse Augen gemacht! Leider hat Deutschland verloren, obwohl alle fuer die Deutschen waren. Aber ehrlich gesagt hat es Spanien auch mehr verdient!Ja, auch am Ende der Welt sind sie noch fußballverrückt!

Ich bin so froh, die Maedels getroffen zu haben, denn die moechten genauso gerne viel von  der Umgebung hier sehen, haben auch nicht viel Geld und zu siebt ist es ja wirklich einfacher! Heute Abend werde ich mein Haus beziehen und  die naechsten Tage nicht viel Zeit haben, da mit im Garten grillen kann, Bier trinken und  das Wetter geniessen kann! Herrlich!!!

Tja, und was soll ich am Ende meines Berichts sagen??? Ich bin heile ankommen und glücklich darüber und freue mich auf die Zeit mit dem Team und im Garten Eden bei Waltraud!

Und am Ende noch ein paar Zeilen meines momentanen Lieblingsliedes von MIA:

... Als ob da etwas im Gange ist mit dem ich wieder mal nicht rechnet...wann werde ich es verstehen? Werd ich es je verstehen? ...

Ich bin, und plötzlich fällt mir ein: Es ist was ganz besonderes zu SEIN! ...Steh ich neben mir, da fällt`s mir plötzlich ein: Es ist was ganz besonderes, besonderes zu Sein!... Ich erinnere mich und plötzlich fällt`s mir ein: Das ist was ganz besonderes zu Sein! Und bin ich mittendrin, da faellt s mir ploetzlich ein, auch das scheint mir was ganz Besonderes zu sein....Die Loesung faellt mir grad nicht ein, doch scheint die Suche das Besondere zu sein!...

Eine wunderbare Woche wünsche ich Euch!

 

Kuss und Gruss vom Mareikschen