About this blog

Lichtenstein

translate into English
July 2009
  Sun Mon Tue Wed Thu Fri Sat  
        1 2 3 4  
  5 6 7 8 9 10 11  
  12 13 14 15 16 17 18  
  19 20 21 22 23 24 25  
  26 27 28 29 30 31    

Archives

July 20, 2009

Schwörmontag in Ulm

Die Schwörfeier fand am Morgen auf dem Weinhof statt. Traditionell um ca. 11 Uhr trat der Ulmer Oberbürgermeister auf den Balkon des Schwörhauses. In einer etwa einstündigen Schwörrede legte er Rechenschaft über das vergangene Jahr ab und stellte den rund 115.000 Ulmerinnen und Ulmern die politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Pläne für die nächsten 12 Monate vor.

SC01642
SC01642
In Tradition der reichsstädtischen Verfassung, dem »großen Schwörbrief« aus dem Jahre 1397, leistete das Stadtoberhaupt am Ende seiner Rede den Eid auf die Stadtverfassung. Mit den Worten »Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein in allen gleichen, gemeinsamen und redlichen Dingen ohne Vorbehalte« versprach er beim Klang der Schwörglocke, das Beste für seine Ulmer erreichen zu wollen.

Published at 11:00 ( 2 comments / 370 visits )
This post is public

June 26, 2009

Gestrige Sitzung

Gestern Abend besuchte ich eine meiner letzten Gemeinderats-Sitzungen (ich hatte nicht wieder kandidiert). Hier ging es um Straßenausbauten, Bausanierungen, Kindergarten-, Friedhofs- sowie Feuerwehrangelegenheiten (heilfroh, dass dieses Kapitel bald abgeschlossen ist!).

Published at 08:54 ( 6 comments / 373 visits )
This post is public

June 24, 2009

Wo dem Volk der Schuh drückt!

Als Noch-Gemeinderat, (CDU) wohnte ich heute Abend der Ortsvorsitzendenkonferenz für den Kreis Reutlingen bei. Es wurden Erfahrungen aus dem zurückliegenden Wahlkampf ausgetauscht und übereinstimmend besonders die Sorge vieler Bürger um ihre bedrohten Arbeitsplätze wahr genommen.



Published at 21:42 ( 3 comments / 290 visits )
This post is public

Published at 20:43 ( 3 comments / 385 visits )
This post is public

May 1st, 2009

Kurztripp an die Somme

Why did we go to the Somme
Why did we go to the Somme
Früh um 7.00 Uhr (1. Mai ’09) brachen wir auf, mein jüngerer Sohn Tom und ich, in Richtung Frankreich. Wir wollten die Gegend erkunden, in der sich vor rund 95 Jahren unsäglich schreckliche Dinge abspielten – das Gebiet am Fluss „Somme“, knapp 100 km nördlich von Paris. Der erste Weltkrieg tobte dort und riss auch unseren Großonkel Immanuel mit in den Tod. Das Jahr 1915 forderte ungeheure Opfer, Immanuel starb genau am Weihnachtstag. Noch schlimmer sollte es 1916 kommen als allein am 1. Juli die britische Armee 58000 Mann verlor, davon 20000 Gefallene. Ein geeignetes Quartier hatten wir schon übers Internet ermittelt. In Avril Williams’ Gästehaus, das genau an der früheren Kampflinie steht (Auchonvillers), wurden wir mit britischer Herzlichkeit und der obligatorischen Tasse Tee sehr freundlich empfangen. Tom erhielt auch gleich einen Auftrag: Er durfte Hühnereier aus den Nestern einsammeln und das kleine schwarze Lämmlein mit der Milchflasche versorgen. Im Gegensatz zu den hellen Lämmern wurde dieses von den Mutterschafen abgewiesen.

Somme remembrance
Somme remembrance

Noch am selben recht sonnigen Abend fuhren wir zum circa 10 km entfernten deutschen Soldatenfriedhof bei Fricourt, um das Grab unseres Verwandten aufzusuchen. Einen Engländer lernten wir kennen, der sich zur Aufgabe gemacht hat, jedes einzelne Grabmal zu fotografieren und die Aufnahmen interessierten Nachkommen gegen Gebühr anzubieten. Heute ist es in dieser Landschaft sehr still und wir hatten eine wirklich geruhsame Nacht. Schon lange nicht mehr wurde ich vom Hahnenschrei geweckt. Natürlich blieben wir noch geraume Zeit in den Federn, da Frühstück erst auf 8.30 Uhr vereinbart war.

Somme remembrance
Somme remembrance
English breakfast. Eine Gruppe von etwa 10 Nord-Iren war ebenfalls noch am Vorabend eingetroffen, die wir nun auf der Tearoom-Veranda antrafen. Ins Gespräch kam ich mit Colonel Derek Smyth, Direktor einer Wohltätigkeits-Stiftung, die sich in Zeiten der Not um ehemalige Soldaten und deren Familien kümmert. Erster Programmpunkt war Avril Williams’ große Privatsammlung an Erinnerungsstücken beider Weltkriege, die in einer großen Scheune untergebracht ist. Danach gings in die Stadt Albert, wo wir das sehr beeindruckende Untergrundmuseum "Somme 1916" – natürlich auch die Stadt selbst – besichtigten. Bei Kriegsende gab es hier nur noch Schutt. Erst in den 20er Jahren begann hier wieder der Aufbau – vorrangig in Backsteinarchitektur.

Somme remembrance
Somme remembrance
Einige weitere Monumente und Soldtenfriedhöfe besuchten wir an diesem 2. Mai. Hervorheben möchte ich hier das weithin sichtbare französisch-britische Denkmal bei Thiepval. Ein erschütternder Eindruck: 73367 Namen gefallener Frontsoldaten sind in den Stein der Gedenkstätte gemeißelt und zwingen zur Besinnung und zum Nachdenken. Im großzügig angelegten Informationspavillon versorgte ich mich mit Literatur, die andernorts nicht in solch reichhaltiger Auswahl zur Verfügung steht.

la grande mine
la grande mine
Meinem Sohn war noch wichtig, den gigantischen Lochnagar Minenkrater mit seinen 100 Metern Durchmesser und 30 Metern Tiefe anzusteuern. Wir waren überwältigt. Bei Beaumont – dem Dorf, wo Immanuel Felder von einem Granatsplitter am Kopf tödlich getroffen wurde – gibt es einen beachtlichen Gedenkpark, der sich auf 16 Hektar erstreckt. Er wird von der kanadischen Regierung betreut, denn hier verlor das 1st Newfoundland Regiment in weniger als einer halben Stunde mehr als drei Viertel seiner Männer.

Somme remembrance
Somme remembrance
Bevor wir wieder unser Quartier im nahen Dorf Auchonvillers aufsuchten ließen wir es uns nicht nehmen, eine Kuriosität, über deren Geschmack sich durchaus streiten lässt, aufzusuchen, nämlich das Pub oder Café "Le Tommy" im Ort Pozières an der kerzengeraden Straße zwischen Albert and Bapaume gelegen. Mit Schaufensterpuppen sind hier im Garten sowohl englische als auch deutsche Schützengrabenszenen nachgestellt worden. Avril runzelte ein wenig die Stirn, als wir ihr erzählten, dass wir da drin gewesen seien. Der Tag war wie im Flug vorüber. Bei Zeiten legten wir uns schlafen, denn am Sonntag, nach dem um eine Stunde vorgezogenen Frühstück mussten wir auch schon wieder die Rückreise über Reims, Metz, Karlsruhe und Stuttgart antreten. Am frühen Nachmittag kamen wir wohlbehalten zuhause an.

Published at 22:00 ( 3 comments / 326 visits )
This post is public

March 29, 2009

Alamannen

Lyra
Lyra

Heute mit meinem 9-jährigen Sohn, Tom, der Ausstellungseröffnung beigewohnt

Die Eröffnungs-Veranstaltung hätte unbedingt kürzer gehalten werden müssen. Viele Redebeiträge überschnitten sich inhaltlich. So meinte jeder (Landrat, Museumsdirektor, Historiker, Ausstellungsmacher …), jede auch noch so unbedeutende Leihgabe und den Besitzer derselben namentlich nennen zu müssen, sich ausdrücklich dafür zu bedanken und ihn im Saal herzlich zu begrüßen, auch Geburtstagsglückwünsche wurden nicht vergessen, Blumensträuße usw., sehr einschläfernd das! Die Show selbst ist ganz nett, kann aber in einer viertel Stunde locker "abgehakt" werden.

Alamannen zwischen Schwarzwald, Neckar und Donau
Vom 29. März bis 24. Mai 2009 findet im Heimatmuseum Reutlingen eine vom Landkreis und der Stadt Reutlingen getragene Ausstellung "Alamannen zwischen Schwarzwald, Neckar und Donau" statt.

Der Landstrich zwischen Schwarzwald, Neckar und Donau gehörte zur Kernzone des alamannischen Siedlungsgebiets. Die Alamannen – ein Völkergemisch aus verschiedenen germanischen Stämmen – haben die Region in der Mitte Baden-Württembergs nachhaltig geprägt und ein reiches archäologisches Erbe hinterlassen. Mit vielen aussagekräftigen und kostbaren Fundstücken vermittelt die Ausstellung einen eindrucksvollen Einblick in die Lebenswelt des frühen Mittelalters: Die Themen reichen von Politik, Gesellschaft und Religion über Siedlung, Handwerk und Wirtschaft bis zu Kleidung, Schmuck und Mobiliar.
Unter den zahlreichen Funden aus dem Landkreis Reutlingen werden besondere Schmuckstücke und Waffen zu sehen sein: Die berühmte Reiterscheibe und zwei Goldblattkreuze aus Pliezhausen, eine vergoldete Bronzeschnalle aus Glems, eine edelsteinbesetzte Goldscheibenfibel, eine Bergkristallschnalle, die Knochenschnalle eines Priesters mit Reliquiarfach und ein reich ausgestattetes Männergrab aus Pfullingen, Frauenschmuck und Schmiedewerkzeuge vom Runden Berg bei Urach, ein Siegelring aus Erpfingen, Pferdezaumzeug aus Betzingen, sowie silbervergoldete Schmuckstücke aus Gomadingen und Reutlingen.
Eine inszenierte Wohnstube mit rekonstruierten Möbeln aus dem Trossinger „Leiergrab“, nachgewebte Kleidung, eine nachgebaute Holzwerkstatt und ein „Paternostersarg“ mit sechs verschiedenen Bestattungen – darunter eine aus dem Landkreis Reutlingen – veranschaulichen die Bereiche Wohnen, Tracht, Handwerk und Bestattungssitten.
Mit eigenen Kindertafeln, spielerischen Angeboten zum Ausprobieren, Medienstationen und einem digitalen Fundstellenkatalog gibt es für Erwachsene, Jugendliche und Kinder viel zu entdecken.

Published at 13:05 ( 4 comments / 481 visits )
This post is public

January 17, 2009

Besuch der CMT 2009

Eindrücke von der CMT
Eindrücke von der CMT
Eindrücke von der CMT
Eindrücke von der CMT
Ganze 6 Stunden hielt ich mich heute gemeinsam mit meinem Sohn auf dieser fantastischen Touristik-Messe unweit des Stuttgarter Flughafens auf. Es lohnt sich wirklich. Die Länder und Regionen präsentieren sich von ihrer gastlichsten Seite. Auch alle Ferien-Gebiete unseres Landes – sogar einzelne Städte und Gemeinden – sind mit attraktiven Ständen und Persönlichkeiten vertreten. Für das leibliche Wohl war bestens gesorgt.

Eindrücke von der CMT
Eindrücke von der CMT
Eindrücke von der CMT
Eindrücke von der CMT

Published at 15:00 ( 6 comments / 654 visits )
This post is public

December 20, 2008

Bau eines Lebkuchenhauses

Heute kam mein Bruder Thomas zu uns auf Besuch und brachte den Bausatz für ein Lebkuchenhaus für unseren kleinen Tom mit. Die beiden machten sich sogleich gemeinsam ans Werk. Für den Guss wurde ein Eiweiß steif geschlagen und nach und nach reichlich Puderzucker sowie 1 EL Zitronensaft untergemischt. Diese dicke Flüssigkeit kam in einen Spezialbeutel, dessen Spitze abgeschnitten wurde. Schon konnten damit die Lebkuchenplatten aneinandergeklebt werden. Alle Nahtstellen wurden dekorativ zugespritzt. Tom und Thomas verzierten anschließend wunderbar mit Fruchtgummis, Schokolinsen und anderem Zuckerdekor und bestäubten das Haus mit Puderzucker. Pappfiguren runden nun auch noch das hübsche Gesamtbild ab. War ’ne prima Idee von Onkel Thomas! Danke.

Lebkuchenhaus
Lebkuchenhaus
Hänsel und Gretel
Hänsel und Gretel

Published at 09:00 ( 6 comments / 524 visits )
This post is public

November 29, 2008

Matinée im Atrium

Matinée im Atrium
Matinée im Atrium

Stuttgarter Musikschule (Sillenbuch), Samstag, 29. November 2008, 11.00 Uhr

M A T I N E E · I M · A T R I U M

Programm

– Albumblatt "Für Elise"

– Aus "Antiche Dance ed Arie": Villanella

– Slavonic legend

– Good Humor

– Hot on the line

– Sonatine C-Dur, 2. Satz – Allegro

– Colombine u. Scaramuccio – Adagio – Allegro – Jigg

– Tanz

– Im Gärtchen

– Knickerbocker Glory – "Was soll das bedeuten"

– Menuett (BWV, Anhang 15) aus: Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach

– Concertino h-moll – Andante-Allegro

– Sonatine op. 55, Nr. 1 – Allegro-Vivace – Boogie-Man

– Dreiklang-Kanonlied – Home on the ranch – "Melodie aus den Neunzigern"

– Andante für 2 Violinen

– Prelude gis-moll, op. 32 Nr. 12

– Konzert G-Dur, 2. Satz: Adagio non troppo

Published at 10:00 ( 0 comments / 410 visits )
This post is public

November 23, 2008

Kirchenkonzert

Mit der ganzen Familie besuchten wir dieses grandiose Konzert:

Evangelischer Kirchenchor Gönningen

Joseph Haydn

S T A B A T · M A T E R

So., 23. Nov. 2008, 17.00 Uhr, Evangelische Kirche Gönningen

Concert
Concert
Mirjam Bauer, Sopran / Sandra Fromme, Mezzosopran / Jörg Fuß, Tenor / Jochen Schmid, Bass / Studio-Orchester Trossingen / Gastsängerinnen und -sänger (u. a. aus dem Chor der Petrus- und Pauluskirche Sickenhausen/Degerschlacht und weiteren befreundeten Chören).

Musikalische Leitung: Marina Niedel

Concert
Concert

Published at 16:00 ( 2 comments / 437 visits )
This post is public

November 21, 2008

Buch-Tipp

Nachfolgend die Vorstellung meines derzeitigen Lieblingsbuches "Grafeneck", ein Dorfkrimi mit viel Lokalkolorit.

read more
Published at 21:26 ( 8 comments / 471 visits )
This post is public

November 16, 2008

Volkstrauertag

Feier am alten Ehrenmal

LICHTENSTEIN-UNTERHAUSEN. Selbst die älteren Lichtensteiner können sich nicht mehr an eine Totenehrung am – aus Tuffstein gemauerten – Ehrenmal nahe dem Eingang der Johanneskirche erinnern. Erstmals seit der unmittelbaren Nachkriegszeit war dies nun wieder mit Buxbäumchen geschmückt. Sonst wird der Kranz der Gemeinde ja an dem moderneren in die Kirchhofmauer integrierten Mahnmal niedergelegt. Wegen der zurzeit laufenden Renovierungsarbeiten ist der Zugang dorthin erschwert. Die Ansprache hielt Bürgermeister Helmut Knorr. Sängerbund und Lichtensteiner Blasmusik umrahmten das Geschehen musikalisch.

Volkstrauertag
Volkstrauertag

Published at 13:16 ( 8 comments / 477 visits )
This post is public

October 25, 2008

50. Geburtstag

Am 23. Oktober 2008 wurde ich 50 Jahre alt. Am darauf folgenden Wochenende wurde groß gefeiert!

read more
Published at 19:00 ( 9 comments / 630 visits )
This post is public

July 19, 2008

Chapter 2 to W. Hauff’s Novell "Lichtenstein"

Der festliche Aufzug, den wir auf den letzten Blättern beschrieben haben, galt den Häuptern und Obersten des schwäbischen Bundes, der an diesem Tag, auf seinem Marsch von Augsburg, wo er sich versammelt hatte, in Ulm einzog. Der Leser kennt aus der Einleitung die Lage der Dinge. Herzog Ulrich von Württemberg hatte durch die Unbeugsamkeit, mit welcher er trotzte, durch die allzu heftigen Ausbrüche seines Zornes und seiner Rache, durch die Kühnheit, mit welcher er, der einzelne, so vielen verbündeten Fürsten und Herren die Stirne bot, zuletzt noch durch die plötzliche Einnahme der Reichsstadt Reutlingen den bittersten Haß des Bundes auf sich gezogen. Der Krieg war unvermeidlich; denn es stand nicht zu erwarten, daß man, so weit gegangen, friedliche Vorschläge tun werde.

Hinzu kamen noch die besonderen Rücksichten, die jeden leiteten. Der Herzog von Bayern, um seiner Schwester Sabina Genugtuung zu verschaffen, die Schar der Huttischen, um ihren Stammesvetter zu rächen, den unglücklichen Dietrich von Spät (Die Herren von Spät waren der Herzogin auf ihrer Flucht aus dem Land behilflich gewesen. Der Herzog hatte bittere Rache an ihren Gütern genommen.) und seine Gesellen, um ihre Schmach in Württembergs Unglück abzuwaschen die Städte und Städtchen, um Reutlingen wieder gut bündisch zu machen, sie alle hatten ihre Banner entrollt und sich mit blutigen Gedanken und lüstern nach gewisser Beute eingestellt.

Bei weitem friedlicher und fröhlicher waren bei diesem Einzug die Gesinnungen Georgs von Sturmfeder, jenes »artigen Reiters«, der Bertas Neugierde in so hohem Grad erweckt, dessen unerwartete Erscheinung Mariens Wangen mit so tiefem Rot gefärbt hatte. Wusste er doch kaum selbst, wie er zu diesem Feldzug kam, da er, obgleich den Waffen nicht fremd, doch nicht zunächst für das Waffenwerk bestimmt war. Aus einem armen, aber angesehenen Stamm Frankens entsprossen, war er, früh verwaist, von einem Bruder seines Vaters erzogen worden. Schon damals hatte man angefangen, gelehrte Bildung als einen Schmuck des Adels zu schätzen. Daher wählte sein Oheim für ihn diese Laufbahn. Die Sage erzählt nicht, ob er auf der hohen Schule in Tübingen die damals in ihrem ersten Erblühen war, in den Wissenschaften viel getan. Es kam nur die Nachricht bis auf uns, daß er einem Fräulein von Lichtenstein, die bei einer Muhme in jener Musenstadt lebte, wärmere Teilnahme schenkte als den Lehrstühlen der berühmtesten Doktoren. Man erzählt sich auch, daß das Fräulein mit ernstem, beinahe männlichem Geist alle Künste, womit andere ihr Herz bestürmten, gering geachtet habe. Zwar kannte man schon damals alle jene Kriegslisten, ein hartes Herz zu erobern und die Jünger der alten Tubinga hatten ihren Ovid vielleicht besser studiert als die heutigen. Es sollen aber weder nächtliche Liebesklagen noch fürchterliche Schlachten und Kämpfe um ihren Besitz die Jungfrau erweicht haben. Nur einem gelang es, dieses Herz für sich zu gewinnen, und dieser eine war Georg. Sie haben zwar, wie es stille Liebe zu tun pflegt, niemand gesagt, wann und wo ihnen der erste Strahl des Verständnisses aufging, und wir sind weit entfernt, uns in dieses süße Geheimnis der ersten Liebe eindrängen zu wollen, oder gar Dinge zu erzählen, die wir geschichtlich nicht belegen können. Doch können wir mit Grund annehmen, daß sie schon bis zu jenem Grad der Liebe gediehen waren, wo man, gedrängt von äußeren Verhältnissen, gleichsam als Trost für das Scheiden, ewige Treue schwört. Denn als die Muhme in Tübingen das Zeitliche gesegnet und Herr von Lichtenstein sein Töchterlein zu sich holen ließ, um sie nach Ulm, wo ihm eine Schwester verheiratet war, zu weiterer Ausbildung zu schicken, da merkte Rose, Mariens alte Zofe, daß so heiße Tränen und die Sehnsucht, mit welcher Marie noch einmal und immer wieder aus der Sänfte zurücksah, nicht den bergigen Straßen denen sie Valet sagen mußte, allein gelte.

Bald darauf langte auch ein Sendschreiben an Georg an, worin ihm sein Oheim die Frage beibrachte, ob er jetzt, nach vier Jahren, noch nicht gelehrt genug sei? Dieser Ruf kam ihm erwünscht. Seit Mariens Abreise waren ihm die Lehrstühle der gelehrten Doktoren, die finstere Hügelstadt, ja selbst das liebliche Tal des Neckars verhaßt geworden Mit neuer Kraft erfrischte ihn die kalte Luft, die ihm von den Bergen entgegenströmte, als er an einem schönen Morgen des Februar aus den Toren Tübingens seiner Heimat entgegenritt. Wie die Sehnen seiner Arme in dem frischen Morgen sich straffer anzogen, wie die Muskeln seiner Faust kräftiger in den Zügel faßten, so erhob sich auch seine Seele zu frischem heiterem Mut.

So war die Stimmung Georgs von Sturmfeder, als er durch den Schönbuchwald seiner Heimat zuzog. Zwar brachte ihn dieser Weg dem Liebchen nicht näher, zwar konnte er nichts sein nennen, als das Roß, daß er eben ritt, und die Burg seiner Väter, von welcher der Volkswitz sang:

Ein Haus auf drei Stützen,
Wer vorn hereinkommt,
Kann hinten nicht sitzen.

Fortes fortuna juvat
([lat.] Den Tapferen hilft das Glück.) hatte ihn noch nie belogen.

Wirklich schienen auch seine Wünsche nach einer tätigen Laufbahn bald in Erfüllung zu gehen.

Der Herzog von Württemberg hatte Reutlingen, das ihn beleidigt hatte, aus einer Reichsstadt zur Landstadt gemacht, und es war kein Zweifel an einem Krieg.

Der Erfolg schien aber damals sehr ungewiß. Der schwäbische Bund, wenn er auch erfahrenere Feldherren und geübtere Soldaten zählte, hatte doch durch Uneinigkeit sich in allen Kriegen selbst geschadet. Ulrich auf seiner Seite, hatte vierzehntausend Schweizer, tapfere, kampfgeübte Männer geworben, aus seinem eigenen Land konnte er, wenn auch minder geübte, doch zahlreiche und tüchtige Truppen ziehen, und so stand die Waage im Februar 1519 noch ziemlich gleich.

Wo alles um ihn her Partei nahm, glaubte Georg nicht müßig bleiben zu dürfen. Ein Krieg war ihm erwünscht. Es war eine Laufbahn, die ihn seinem Ziel, um Marie würdig freien zu können, bald nahebringen konnte.

Zwar zog ihn sein Herz weder zu der einen noch zu der anderen Partei. Vom Herzog sprach man im Land schlecht, des Bundes Absichten schienen nicht die reinsten. Als aber durch Geld und Klagen der Huttischen und durch die Aussicht auf reiche Beute bestochen, achtzehn Grafen und Herren, deren Besitzungen an sein Gütchen grenzten, auf einmal dem Herzog ihre Dienste aufsagten, da schien es ihn zum Bund zu ziehen. Den Ausschlag gab die Nachricht, daß der alte Lichtenstein sich mit seiner Tochter in Ulm befinde. Auf jener Seite, wo Marie war, durfte er nicht fehlen, und so bot er dem Bund seine Dienste an.

Die fränkische Ritterschaft, unter Anführung Ludwigs von Hutten, zog sich am Anfang des März gegen Augsburg hin, um sich dort mit Ludwig von Bayern und den übrigen Bundesgliedern zu vereinigen. Bald hatte sich das Heer gesammelt, und ihr Weg glich einem Triumphzug, je näher sie dem Gebiet ihres Feindes kamen.

Herzog Ulrich war bei Blaubeuren, der äußersten Stadt seines Landes gegen Ulm und Bayern hin, gelagert. In Ulm sollte jetzt noch einmal zuvor im großen Kriegsrat der Feldzug besprochen werden, und dann hoffte man in kurzer Zeit die Württemberger zur entscheidenden Schlacht zu nötigen. An friedliche Unterhandlungen wurde, da man so weit gegangen war, nicht mehr gedacht, Krieg war die Losung und Sieg der Gedanke des Heeres, als ein frischer Morgenwind ihnen die Grüße des schweren Geschützes von den Wällen der Stadt entgegentrug, als das Geläute aller Glocken zum Willkomm vom andern Ufer der Donau herübertönte.

Wohl schlug auch Georgs Herz höher bei dem Gedanken an seine erste Waffenprobe. Aber wer je in ähnlicher Lage sich befand, wird ihn nicht tadeln, daß auch friedlichere Gedanken in seiner Seele aufzogen und ihn Kampf und Sieg vergessen ließen. Als zuerst, noch in weiter Ferne, das kolossale Münster aus dem Nebel auftauchte, als nachher der verhüllende Dunstschleier herabfiel und die Stadt mit ihren dunklen Backsteinmauern, mit ihren hohen Tortürmen sich vor seinen Blicken ausbreitete, da kamen alle Zweifel, die er früher tief in die Brust zurückgedrängt hatte, schwerer als je über ihn. ›Schließen jene Mauern auch die Geliebte ein? Hat nicht ihr Vater, seinem Herzog treu, vielleicht in die feindlichen Scharen sich gestellt, und darf der, dessen ganze Hoffnung darauf beruht, den Vater zu gewinnen, darf er sich jenem gegenüberstellen, ohne sein ganzes Glück zu vernichten? Und ist der Vater auf feindlicher Seite, kann Marie möglicherweise noch in jenen Mauern sein? Und wenn alles gut wäre, wenn unter der festlichen Menge, die sich zum Anblick des einziehenden Heeres drängt, auch Marie auf ihn herabschaut, hat sie auch die Treue noch bewahrt, die sie geschworen?‹

Doch der letzte Gedanke machte bald einer freudigeren Gewißheit Raum; denn wenn sich auch alles Unglück gegen ihn verschwor, Mariens Treue, er wußte es, war unwandelbar. Mutig drückte er die Schärpe, die sie ihm gegeben, an seine Brust, und als jetzt die Ulmer Reiterei sich an den Zug anschloß, als die Zinken und Trompeten ihre mutigen Weisen anstimmten, da kehrte seine alte Freude wieder, stolzer hob er sich im Sattel, kühner rückte er das Barett in die Stirn, und als der Zug in die festlich geschmückten Straßen einbog, musterte sein scharfes Auge alle Fenster der hohen Häuser, um sie zu erspähen.

Da gewahrte er sie, wie sie ernst und sinnend auf das fröhliche Gewühl hinabsah, er glaubte zu erkennen, wie ihre Gedanken in weiter Ferne den suchten, der ihr so nahe war; schnell drückte er seinem Pferd die Sporen in die Seiten, daß es sich hoch aufbäumte und das Pflaster von seinem Hufschlag ertönte. Aber als sie sich zu ihm herabwandte, als Auge dem Auge begegnete, als ihr freudiges Erröten dem Glücklichen sagte, daß er erkannt und noch immer geliebt sei, da war es um die Besinnung des guten Georg geschehen; willenlos folgte er dem Zug vor das Rathaus, und es hätte nicht viel gefehlt, so hätte ihn seine Sehnsucht alle Rücksichten vergessen lassen und ihn unwiderstehlich zu dem Eckhaus mit dem Erker hingezogen.

Schon hatte er die ersten Schritte nach jener Seite getan, als er sich von kräftiger Hand am Arm angefaßt fühlte.

»Was treibt Ihr, Junker?« rief ihm eine tiefe, wohlbekannte Stimme ins Ohr. »Dort hinauf geht es die Rathaustreppe. Wie? Ich glaube, Ihr schwindelt; wäre auch kein Wunder, denn das Frühstück war gar zu mager. Seid getrost, Freundchen, und kommt. Die Ulmer führen gute Weine, wir wollen Euch mit altem Remstaler anstreichen.«

Wenn auch der Fall aus seinem Freudenhimmel, in welchem er einige Minuten geschwebt hatte, auf dem Rathausplatz in Ulm etwas unsanft war, so wußte er doch dem alten Herrn von Breitenstein, seinem nächsten Grenznachbarn in Franken, Dank, daß er ihn aus seinen Träumen aufgeschüttelt und von einem übereilten Schritt zurückgehalten hatte.

Er nahm daher freundlich den Arm des alten Herrn und folgte mit ihm den übrigen Rittern und Herren, die sich von dem scharfen Morgenritt an der guten Mittagskost, die ihnen die freie Reichsstadt vorgesetzt hatte, wieder erholen wollten.

Published at 04:51 ( 2 comments / 677 visits )
This post is public

July 13, 2008

Ausstellung "Jud Süß" (Propagandafilm im NS-Staat) besucht.

Beeindruckende Präsentation in Stuttgart. Alles Nähere unter folgendem Link:

http://www.hdgbw.de/sonder/jud_suess.shtml

 

Published at 14:00 ( 0 comments / 468 visits )
This post is public

June 15, 2008

42. Landesposaunentag 2008 in Ulm

On 14th and 15th June 2008 the 42nd Landesposaunentag took place at Ulm. 7500 players transformed the Danube city at the cathedral Muenster and at other places into a city of the music. Again and again an impressing play, if those intone together thousand-shank before the Muenster music pieces of different sections. Also in this year however the cathedral bells had to be silent due to the repair work. The prelude meeting was new on Saturday at 19.30 o'clock on the market place.
The tradition of national trombone days in Ulm as regular place of event goes back into the year 1946. A group of musicians placed at that time, only one year after the Second World War, iniciated a concert – in the rubble of the cathedral Muenster for many participants and visitors an impressive, unforgettable experience.

MORE VIDEOS:

www.ipernity.com/doc/37162/2215602

www.ipernity.com/doc/37162/2215601

www.ipernity.com/doc/37162/2215600

 

Published at 20:56 ( 2 comments / 547 visits )
This post is public

May 11, 2008

Visite d'Opéra

S T U T T G A R T E R · B A L L E T T

LA SYLPHIDE

Romantisches Ballett in zwei Akten

read more
Published at 19:13 ( 8 comments / 1147 visits )
This post is public

Published at 18:12 ( 4 comments / 806 visits )
This post is public


← previous 1 2 next →

( 25 posts )

rss Latest posts - Subscribe to the latest posts of Matthäus Felder

 

Català | Čeština nové | 中文 | Deutsch | English | Español | Esperanto | Ελληνικά | Français | Galego | Italiano | Nederlands | Português | More...