Nach Beijing

Aufbruch am Sonntag, Familienausflug zu dritt von Düsseldorf nach Helsinki, dann weiter mit etwas Aufenthalt nach Beijing. In Helsinki stoßen noch Frank und Michaela dazu, sodass zumindest ein Teil der Türkei 2006 Gruppe wieder zusammen ist. Der Flug geht in die Nacht und den Morgen hinein, relativ früh treffen wir am Montagmorgen in Beijing ein. Noch ein paar Finsternisjäger mehr sammeln sich in der Kleingruppe, die nach mehrmaligen hin und her und auf und ab im brandneuen Terminalgebäude T3 – für die Olympiade ist nichts zu groß – mit dem Bus ins Hotel gebracht werden. Am Terminal T2 sammeln wir noch ein paar mehr Mitreisende ein, zusammen mit den später im Hotel dazukommenden ist die Reisegruppe eine nette Truppe, in der sich Astrofreaks (Sofi mit China) und „Normale“ (China mit Sofi) freundschaftlich mischen.

Nebelig und diesig ist es in Beijing, man kann kaum von einem Hochhaus zum anderen sehen. Überhaupt dominieren die Hochhäuser, die architektonisch spektakulären Fassaden der Bürogebäude und die profanen Wohngebäude. Aus europäischer Sicht scheinen die Wohnhochhäuser trostlos, aber nach Aussage unserer Reiseführerin ist es bei den jüngeren Pekingern „hip“, alleine in eine Hochhauswohnung zu ziehen – und nicht im Verband der Großfamilie zu wohnen. Und das bei Quadratmeterpreisen der Immobilien von 1000 €! Das Auge sucht nach flacheren Gebäuden, aber die scheinen Mangelware.

Kurzes Einchecken im Hotel und schon startet der erste Ausflug, schließlich soll in den 8 Tagen außer der Sonnenfinsternis noch einiges von China „mitgenommen“ werden. Nach einem Mittagessen in einem Touristenrestaurant am Rande – durchaus lecker, aber eher das, was man auch in Deutschland typischerweise als chinesisches Essen serviert bekommt – geht es dann in die verbotene Stadt, den Kaiserpalast.

Mittlerweile hat sich zum späten Mittag die Sonne ein wenig durch den Dunst gekämpft, nach dem feucht warmen Morgen hat sie auf einmal richtig Kraft, und trotz diffusem Dunst als Filter wird es in der direkten Sonne ziemlich heiß. Und verständlich, dass die Pekinger gerne mit „Sonnenregenschirm“ spazieren gehen. Fotografieren ist in Anbetracht der katastrophalen Lichtverhältnis nicht so erbauend, ein paar spannende Details und Szenen lassen sich dennoch entdecken.

Retour im Hotel geht es nach einem gefühlten 42-Stunden-Tag und Verarbeitung der ersten Bilddaten, en-passant mit Nahrungsversorgung durch den Zimmerservice direkt ins Bett.

Zur Großen Mauer

Einigermaßen ausgeschlafenen und nach einem leckeren Frühstück – chinesische Zutaten sind durchaus eine Bereicherung für den warmen Teil des Frühstückbuffets, das sonst angloamerikanisch von ham, bacon and eggs dominiert wird – geht es wieder auf Ausflugstour.

Zunächst steht – astronomisch passend – der Besuch des alten Observatoriums in Peking auf dem Programm. Inmitten der Hochhäuser kann man alte astronomische Instrumente besichtigen, und eine chinesische Schulklasse, die die Instrumente abmalen darf.

Wenn da bis jetzt die Hoffnung ist, diesmal am kühleren Vormittag weitere Sehenswürdigkeiten zu erklimmen, wird dies direkt zunichte gemacht. Denn zunächst gibt es eine „Pause“ mit Besichtigung eines Perlenschmuckherstellers, wo ein freundlicher junger Herr in bestem Brigadetonfall den staunenden Besuchern die Geheimnisse der Süßwasserperlengewinnung erläutert. Nicht fehlen darf die ausgiebige Möglichkeit, den in Hülle und Fülle feil gebotenen Erzeugnissen gegen schnöden Mammon ein neues Zuhause zu geben.

Im Anschluss zu einem Mittagessen, wobei hier wiederum die Produktions- und Vertriebsbereiche eines weiteren Herstellers von Dingen, die von 1a-Mingvasenreplika bis zu Drachenkrawatten offenbar in jedes Touristengepäck gehören, den Weg säumen. Das Essen? Same procedure, siehe oben.

Danach – endlich! – raus aus dem Dunstkreis Pekings und in die Berge nach Badaling zu einem der touristisch erschlossenen Teile der Großen Mauer. Warum nur müssen arme Touristengruppen immer in der Mittagshitze in irgendwelche Sehenswürdigkeiten gehetzt werden?

Bei allem Trubel der Besuchermassen ist die Große Mauer dennoch beeindruckend. Schließlich ist das nicht etwa eine gerade, einfache, vielleicht besonders wehrhafte Mauer, sondern ein Bauwerk, das sich in atemberaubenden Steilkurven über die Bergkuppen lang zieht. Als Besucher ist es schon anstrengend genug, ein paar Kilo Kamera die steilen Anstiege und Treppen hinauf und hinab zu schleppen, schwer vorstellbar, unter welchen Strapazen die Erbauer dieses Steinbauwerk hier in Handarbeit erstellt hatten. Im Reiseführer kann man lesen, dass die Große Mauer als Verteidigungsanlage wohl wenig nützlich war, dafür aber sicherlich den längsten Friedhof der Welt darstellt.

Zurück – runter – von der Mauer und wieder nach Peking, noch mit einem kleinen Abstecher auf der Schnellstraße am neuen Olympiastadion vorbei. Leider kann unser Reisebus nicht anhalten, daher nur ein paar flüchtige Blicke und Fotos aus dem Bus heraus.

Im Hotel ist dann bei uns auch nicht mehr die richtige Energie vorhanden, Bilder wollen versorgt und Koffer gepackt werden, schließlich geht es morgen in aller Hergottsfrühe wieder in Richtung Flughafen und in Landesinnere.

Nach Dunhuang

Mitten in der Nacht aus den Federn, um 4:30 Uhr fährt der Bus in Richtung Flughafen. Nur minimales Chaos beim Einchecken als Gruppe mit Air China. Bei den Sicherheitskontrollen geht es dann sehr gründlich zu, Kameras auspacken, Handgepäck nochmals durch die Kontrolle. Und: zunächst war die Aussage, dass auf Inlandsflügen keinerlei Flüssigkeiten mitgenommen werden dürfen. Ganz vorsichtig haben wir uns auch dran gehalten, aber der übliche 1-Liter-Ziploc-Beutel wäre wohl auch kein Problem gewesen.

Dass das Gate C08 den Flug nach Dunhuang bedient, kann man schon von weitem erkennen, unterscheiden sich die Sofifreaks in diversen Gruppen doch deutlich vom sonstigen Publikum der domestic flights. Ein internationales Völkchen, wie auch unsere Gruppe über den Flieger verteilt, neben mir sitzen zwei Japanerinnen mit Gerätschaften der 1D-Klasse.

Nach drei Stunden Flug erreichen wir Dunhuang. Aus der Luft kann man schon erkennen, dass es sich hier um „Provinz“ handelt. Eine einsame Landebahn samt Terminalgebäude in der wüstenähnlichen Landschaft. Über die Treppe geht es direkt aufs Rollfeld und zu Fuß zum Terminal, was doch ein ganz anderes „Fluggefühl“ als die modernen Großflughäfen liefert.

Und wieder rein in einem Bus, kleiner und weniger komfortabel als die „Pekingklasse“, und wieder auf Tour. Es steht eine Besichtigung auf dem Programm, die Mogao-Grotten mit einer Unzahl von buddhistischen Höhlentempel. UNESCO-Weltkulturerbe, aber nach acht Grotten und durch hängendem Magen ist das Ende der Aufmerksamkeitsspanne erreicht.

Irgendwann ist dann endlich das Hotel erreicht, vier Sterne, woher auch immer, aber – na ja – ist ja nur für eine Nacht.

Am Nachmittag besteht noch die Gelegenheit für einen Ausflug zum „Singenden Sand“. Das sind beeindruckend hohe Sanddünen in Dunhuang, die bei stärkerem Wind entsprechenden Geräusche produzieren sollen. Eher ein Vergnügungspark, mit Kamelreiten und Sand rutschen. Aber es ist interessant, mühsam die Dünenkämme hochzustapfen, die Landschaft zu genießen und den ganzen anderen Touristen bei eben derselben Betätigung zu zuschauen.

Am Abend kurzer interessanter Vortrag zur Sofi von Jörg Schoppmeyer, in einem eiskalten Saal des Hotels. Klimaanlagen sind ja schön und gut, aber in China scheinbar ständig auf Kühlschrankniveau eingestellt.

Weiterfahrt nach Jiayuguan

Diesmal kein mitternächtlicher Aufbruch zum Flieger, gemäßigt früh um 8 Uhr geht es mit dem Bus aus Dunhuang raus und durch die karge Landschaft in Richtung Norden, Richtung Jiayuguan.

Nach den ständigen Staus in Beijing ist es im Verhältnis menschen- bzw. fahrzeugleer, bei einer Pause kann man sich problemlos mitten auf die Straße stellen und fotografieren.

Einen längeren Stopp gibt es bei den Yulin Grotten, wiederum buddhistische Höhlentempel, Teilnahme an der Besichtigung spare ich mir, es darf nicht fotografiert werden, was aber verständlich ist, schaffen es doch die wenigsten Mit-Touristen, den Blitz an ihrer Kompakten abzustellen (und ohne ist in Anbetracht des minimalen Lichts eh nichts zu wollen).

Mittagessen im kleinen Ort Anxi in der Provinz Gansu entlang der Route, das Essen wird zusehends chinesischer und weniger westlich – und besser! Touristen werden hier genauso erstaunt betrachtet wie wir umgekehrt das Geschehen als exotisch wahrnehmen. Auf jeden Fall können wir was das wilde Knipsen anbetrifft mit jeder japanischen Horde mithalten.

Und: das Wetter wird besser. Nach den diesigen und wolkenverhangenen letzten Tagen klart es auf, ein regelrecht sonniger Nachmittag mit viel blauem Himmel, ein gutes Omen für morgen.

Weiter entlang der Route über die Bundesstraße 312 mit einer Besichtigung der Ruinen von Qiaowan. Wobei sich die Frage stellt, ob es sich hier wirklich um wertvolles Kulturgut handelt kann, wenn die Touristen auf den recht fragilen Mauerruinen ungestört herumklettern dürfen.

Angekommen in Jiayuguan geht es erstmal ins Hotel. Durchwachsener Standard: das Zimmer ist groß und ok, aber das Badezimmer eine Katastrophe. Dafür ein schön großer Safe, der allerdings erst einmal mit neuen Batterien und einer Anleitung nur in chinesischer Schrift in Betrieb genommen werden will.

Abends noch eine Infoveranstaltung von Eclipse City im Jiayuguan International Hotel. Einiger Unmut regt sich wegen der Zeitplanung für Freitag. Nach vielen Diskussionen mit Eclipse City, unserem Reisebüro und der lokalen Reiseleitung ist dann erreicht, dass sich die, die wollen, die Besichtigungen morgen sparen und erst um 11 Uhr aufbrechen können. Und dass die Abfahrt aus dem Wüstencamp erst nach dem vierten Kontakt erfolgt.

Die „Galashow“ in Jiayuguan auf dem Platz vor dem Hotel sehen wir uns nur im Vorbeigehen an, Feuerwerk und Martial Arts Show sind zwar schön anzusehen, aber ausgeschlafen in den morgigen Tag zu starten ist wichtiger.

Schwarze Sonne in der Sandwüste

Endlich ist es soweit! Und endlich einmal ausgeschlafen! Nach einem eher katastrophalen Frühstück geht es bei bestem Wetter los nach Jiuquan und zum Mittagessen in das gleichnamige Hotel – sehr nobel, sehr lecker. Auf der Fahrt in gemischter Langschläfergruppe erfahren wir, dass die längere China-Rundreise eines anderen Reiseprogramms sich zu einem regelrechten Abenteuer mit gesperrten Straßen und Brücken, liegen gebliebenen Lkw und spannenden Übernachtungen entwickelt hatte.

Danach in höherer Packungsdichte rein in den Bus und nach einer relativ entspannten Polizeikontrolle der Zutrittsberechtigung über Jinta in Richtung Sperrgebiet in die Badanjilin Sandwüste zum Beobachtungscamp von Eclipse City. Was sich als ziemlich anstrengende zweieinhalb Stunden über buckelige Straßen und Pisten herausstellt.

Angekommen stehen wir gut durch gerüttelt mitten in einer Mondlandschaft mit viel Platz für die ca. 400 Sonnenfinsternisbegeisterten. In der Ebene und auf den Hügeln drumherum verteilt sich das „verrückte“ Völkchen, das keinen Aufwand und Mühe scheut, für weniger als zwei Minuten Totalität um halbe Welt reist.

Jetzt ist aber nicht mehr viel Zeit. Schon nach 17 Uhr, also hat der Aufbau von Equipment an allen Fronten Vorrang. Erst als Stativ und Tele stehen, Sonnenfilter montiert und Kameras ausgerichtet sind, ist noch ein wenig Zeit, mal eine kleine Runde durch das Camp zu drehen.

Nach einer letzten Probebelichtung der unverfinsterten Sonne geht es dann los. Erster Kontakt um 18:16, der Mond knabbert rechts unten ein erstes Stück der Sonne an, das Uhrwerk der Himmelsmechanik läuft seinen Gang. Etwas Sorgen machen die vielen kleinen Cumuluswölkchen am Himmel, da wird doch nicht eine zur entscheidenden Zeit in die Quere kommen? Bei nur 15 Grad über Horizont bei Totalität eine reale Gefahr.

Aber das Wolkenbild entwickelt sich positiv, die Wolken werden dünner und einige kleinere lösen sich schließlich auf.

Ein paar Belichtungen während der partiellen Phase und dann ändert sich langsam das Licht in der Landschaft, es wird fahl, und die Temperatur fängt an zu sinken, zumindest gefühlt.

19 Uhr und die Dinge fangen an sich zu beschleunigen. Um 19:12 dann runter mit dem Sonnenfilter und Belichtungsreihe gestartet, um den Diamantring zu erwischen. Zunächst ist die Sonne immer noch gleißend hell, und dann, endlich, keine Wolke im Weg, die Totalität da. Die Korona, die mit bloßen Auge sehr groß erscheint, steht in voller Pracht kurz vor 19:13 am Himmel.

Weiter mit der Belichtungsreihe, leider zunächst etwas verhaspelt, die Sofi ist auch beim zweiten Mal zu beeindruckend, um völlig rational den Auslöser zu betätigen. Und die Belichtungsreihen bei Canon lassen zwischen drin kein Verstellen der Belichtungszeit im M-Modus zu. Gemerkt beim Nachjustieren der Kamera, aber dann ist es für die komplette Belichtungsreihe fast schon zu spät. Schließlich zurück auf 1/250 für den dritten Kontakt und weiter im Takt.

Auch bei dieser Sofi war ich wieder so fasziniert von der Korona am Himmel, das ich – außer der Kamerabedienung – für nichts anderes Augen hatte: den Merkur, der hell leuchtend einige Grade links über der Sonne sichtbar war, den Finsternishorizont in der Wüstenlandschaft, und über die Landschaft brausenden Kernschatten. Erst die Fotos nachher erschließen einiges.

Mit einem Mal wird das Licht wieder eingeschaltet, eine halbe Minute nach 19:14 ist die Totalität vorbei. Wie immer gefühlte 20 Sekunden, auch wenn es jetzt fast 2 Minuten waren. Auch die viel längere Finsternis 2006 in der Türkei mit ca. 4 Minuten fühlte sich damals viel kürzer an.

Aber egal, alle, ob Erst-, Zweit-, oder n-fach Finsternisgucker sind glücklich, das es geklappt hat. Sofi mit einigem Aufwand, aber besten Randbedingungen, klarem Himmel und keiner Wolke davor, was will man mehr. Glückliche Gesichter sind überall zu sehen.

Dann nur noch Routine, ein paar Belichtungen während der partiellen Phase bis zum vierten Kontakt um 20:07. Während der zweiten partiellen Phase zeigt sich, dass die Wolken das Himmelsereignis doch nachhaltig für alle Beobachter hätten stören können, denn mehrfach verschwindet die teilverfinsterte Sonne hinter der einen oder anderen Wolke. Schließlich folgt der Abbau mit dem Versuch, dabei möglichst wenig neuen Staub an die Gerätschaften zu bekommen und den alten loszuwerden.

Rein in den Bus und zweieinhalb Stunden Buckel retour. Die Weiterfahrt zum Gala Dinner im Programm des Tages hat für uns drei nicht mehr geklappt, da haben wir wohl beim Wegräumen des Equipments in den Safe und kurzem Waschen zu lange getrödelt.

Nach Lanzhou und Shanghai

Nach Koffer packen und Bildmaterial sichern, Internetzugang via WLAN hat leider nachts im Hotel nicht mehr funktioniert, und ca. einer Stunde mit etwas Schlaf geht es zu nächtlicher Stunde wieder in den Bus, auf die 700 km lange Tour zum Rückflug nach Lanzhou.

Nachdem alle wieder ein wenig wacher sind, ist natürlich das gegenseitige Sichten der Bilder und Videos im Bus das große Thema.

Ein paar Zwischenstopps gibt es hier und da, interessant ist das Geschehen an den Tankstellen, wo Einheimische und Touristen sich gegenseitig erstaunt betrachten. Ein Stück Große Mauer lädt unterwegs zu einem Stopp ein und ein Bergpass auf 2900 m Höhe mit einer fotogenen Pagode.

In der Nähe des Flughafens von Lanzhou geht es zum Mittagessen, mit „interessanten“ Einblicken in die sanitäre und sonstige Infrastruktur in den Hinterhöfen des ländlichen China.

Check-in und Weiterflug sind dann äußerst unspektakulär, am Abend landen wir in Shanghai. Schon im Flugzeug sieht man regelrechte Nebelschwaden aus der Lüftung ziehen, draußen erschlägt uns die Luftfeuchtigkeit, es müssen 90 % oder mehr sein. Über die imposanten, mehrstöckigen Hochstraßen geht es mit einem Reisebus in Richtung Hotel. Nach den Erfahrungen der Übernachtungen in der Provinz ist der Komfort des Holiday Inn äußerst willkommen. Gleiches gilt für die Kinder, die sich ausgehungert auf die Produkte der in Shanghai inflationär vorhanden Fastfood-Cuisine amerikanischer Prägung stürzen.

Abends dann schnell über den Internetzugang im Holiday Inn die ersten Bilder der Sofi ins Netz gestellt, insbesondere der Diamantring findet in den nächsten Tagen bei flickr reichlich Anklang. Dass man hinter der „Great Firewall“ sitzt, ist nicht zu übersehen, einige Bilder der „censorship“ Diskussion letztes Jahr auf flickr sind erst gar nicht zu sehen.

Saunagang in Shanghai

Ein kompletter Tag verbleibt noch für ein paar Eindrücke aus der äußerst lebendigen, quirligen, gigantischen, aber auch schmuddeligen Metropole. Modern und schick war hier schon immer angesagt, quasi das Einfallstor für das Moderne in China. Und wie es oft so ist, gilt echten Shanghaiern jeder außerhalb der Stadtgrenzen als „Landei“. Natürlich auch hier wieder Hochhausmanie, ein Wolkenkratzer höher als der andere, wobei es die Chinesen offenbar wurmt, dass das z.Z. höchste Gebäude in Shanghai ein japanisches ist. Deshalb wird für die Expo 2010 fleißig an einem noch höheren Exemplar gebaut, dass die chinesische Ehre wiederherstellen soll.

In Shanghai ist es schwül warm mit einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit, alles andere als angenehm, insbesondere beim krassen Wechsel zwischen ultrakalt klimatisieren Räumen und der Außenwelt.

Zunächst besichtigen wir in der „Altstadt“ von Shanghai den Yu Garten, was dort aber eigentlich das einzig originale ist. Alle andere Gebäude rings herum sind zwar im „alten“ Stil, aber erst in jüngerer Zeit gebaut. Im Yu Garten zeigt sich, dass Korruption im kaiserlichen China wohl so einträglich war, dass ein kaiserlicher Beamter hier ein regelrechtes Kleinod der Nachwelt hinterlassen konnte.

Im direkten Umfeld das wilde Treiben der offiziellen und inoffiziellen Händler, die den Touristen ihre Waren mehr oder minder aggressiv anpreisen. In den Geschäften sind die Preisspannen enorm, die sich mit etwas Verhandlung erreichen lassen, wobei auch so mit den Touristen unter Garantie noch mehr als genug verdient wird. Bei den fliegenden Händlern muss man höllisch aufpassen, nicht zusätzlich zu Fake-Ware auch noch mit üblen Taschenspielertricks Falschgeld angedreht zu bekommen.

Aggressiv und nervig sind diejenigen, die Touristenhorden wie unsere verfolgen und ständig „watches“, T-Shirts zur Olympiade Beijing 2008 und seltsame „skating shoes“ lauthals anpreisen.

Nach dem Mittagessen steht die Besichtigung des Jinmao-Wolkenkratzers an, eines der höchsten Gebäude mit einer Aussichtsplattform für Besucher, von der man einen perfekten Blick über die Stadt hätte. Hätte, wenn das Wetter nicht so diesig wäre, dass schon die direkt benachbarten Wolkenkratzer im Nebel zu liegen scheinen.

Von dort zunächst ein kleiner Abstecher zur Uferpromenade, die Skyline von Shanghai leidet aber ebenso unter dem diesigen Wetter, sodass sich eine Fahrt durch den „Sightseeing Tunnel“ mit psychedelischen Lichteffekten auf die andere Seite anbietet.

Von dort zieht sich die Haupteinkaufsstraße Nanjing Road durch die Stadt, mit den üblichen „High Street“ Geschäften und ziemlich westlicher Prägung. Natürlich nicht ohne die Anpreisungen von „watches“, „bags“, „DVDs“, „what brand do you want?“, mit denen wir Touristen in dubiose Hinterhöfe gelockt werden sollen. Hier ähnlich schlimm wie am Yu Garden, keine Minute kann man stehen bleiben, ohne ständig bearbeit zu werden. Das ist ein kleiner Abstecher durch ein paar Nebenstraßen um einen Häuserblock herum geradezu entspannend, weil zum Fehlen der Aufreißer noch ein interessanter Einblick in das China hinter den Glitzerfassaden der „High Street“ kommt.

Danach wird es leider ziemlich unangenehm, weil ein Gewitter am späten Nachmittag mit lang anhaltendem Regen, der die Luftfeuchtigkeit von 90 auf 100 % befördert, gemütliches Bummeln nicht mehr möglich macht. Nach den anfänglichen Versuchen, den Regen zusammen mit vielen Shanghaiern unter den Überdachungen der Geschäfte auszustehen, geben wir auf und fahren mit einem Taxi – natürlich eiskalt klimatisiert – zurück zum Hotel.

Zum letzten Mal Koffer packen, die Bilder des Tages verarbeiten, und zu guter Letzt ein gemeinsamer Abschiedstrank mit einem Großteil der Reisegruppe in der Hotellobby.

Rückreise

Relativ früh geht es wieder aus den Federn, ein vorgezogenes Frühstück im Nachbarflügel des Holiday Inn, dann mit dem Reisebus zur Endstation des Transrapid in Shanghai und magnetisch schwebend mit 301 km/h zum modernen, internationalen Flughafen von Shanghai.

Wobei die Fahrt mit dem Transrapid dem Hype nicht gerecht wird. Eine Fahrt z.B. auf der ICE3-Neubaustrecke zwischen Köln und Frankfurt macht da mehr her und ist vom Fahr- und sonstigen Komfort mindestens genauso gut. Vielleicht doch eine Technologiesackgasse?

Nach Check-in rein in den Flieger, in freudiger Erwartung von – mit Unterbrechung in Helsinki – 14 Stunden Flugzeit. Wobei ich von der Finnair eigentlich etwas modernes Fluggerät als die auch schon auf dem Hinflug benutzte, altertümliche MD 11 erwartet hätte.

Und so nähert sich über den Wolken das Abenteuer Sonnenfinsternis mit Familie dem Ende.

Von Helsinki weiter nach Düsseldorf, dort als letzte Etappe mit dem Auto nach Köln. Gegen Abend sind wir dann todmüde wieder zuhause angelangt und erst am Mittwoch wieder halbwegs wach.

Fazit

Das war schon eine heftige Tour – in acht Tagen mehr als halb um die Welt – ca. 23.000 km. Trotz aller Anstrengungen war es eine interessante Erfahrung, einen – wenn auch nur ganz kleinen – Einblick in die Verhältnisse in China zu bekommen und natürlich die erfolgreiche Sonnenfinsternisbeobachtung. Nummer drei für den Autor dieser Zeilen, aber immer noch völlig beeindruckend. Und wie immer die Sehnsucht: wann können wir die nächste sehen? 2009 in Shanghai oder erst 2012 in Australien?