Der nächste Tag beginnt zeitig, um schon um 5 Uhr morgens die aktuellen Satellitenbilder zu sichten. Leider ist das Bild für die möglichen Standorte südlich von Shanghai ziemlich uneinheitlich, die Wolkenformationen haben sich über Nacht ständig verändert, bessere Gebiete als Jinshan lassen sich hier nicht ausmachen.

Nach einem zeitigen Frühstück keine Veränderung, eine wabernde Wolkensuppe. Wir entscheiden, dass es keinen Sinn macht, weiter in Richtung Hangzhou nach Süden zu fahren.

Und als sich trotz starkem Dunst die Sonne in ersten Wolkenlücken zeigt, machen wir uns berechtigte Hoffnung, doch den einen oder anderen Blick während der partiellen und totalen Phase ergattern zu können.

Die erste Idee eines Aufbaus auf einem der Balkone geben wir wieder auf, weil die Sonne am Ende der Sofi doch recht hoch stehen wird. Also raus zusammen mit den anderen Sonnenfinsternishungrigen in den kleinen Park vor unserem Hotel. Extrem schwül, mit noch mehr Luftfeuchtigkeit durch einen Teich, aber in direkter Reichweite. Unser Aufbau mit zwei Stativen, Michaels Montierung mit zwei Teleskopen, meinem bewährten 300 mm + 1.4x Extender Tele, unseren beiden 40D samt zwei Laptops zur Steuerung mit Eclipse Orchestrator, der ganzen Verkabelung und weiteren Kameras sorgt schon für Aufsehen.

Zunächst zeigt sich die Sonne öfter in Wolkenlücken und die partielle Phase beginnt um 0:23 UT, 8:23 Ortszeit. Aufnahmen sind problematisch, da ohne Filter die Sonne zu hell, der normale Foliensonnenfilter aber zu dunkel ist. Eine vernünftige Aufnahme gelingt schließlich ohne Filter, mit ISO 100, Blende 8 und 1/8000 s. Und das Belichtungsprogramm während der partiellen Phase ist natürlich Makulatur, es gilt manuell die Wolkenlücken zu erwischen.

Ab ca. 25 % Bedeckung macht sich die Sonne sich rar und Wolkenlücken tauchen kaum noch auf, erst später noch einmal für eine schmale Sichel. Umso größerer Beliebheit erfreut sich die simulierte Darstellung von Eclipse Orchestrator, können sich doch so Besucher und Einheimische ein Bild davon machen, was hinter den Wolken passiert.

Während der partiellen Phase kühlt es deutlich ab und wird schließlich von der Temperaturlage regelrecht angenehm. Einige Minuten vor Totalität fängt es dann aber an zu regnen! Deja vu von 1999? Aber glücklicherweise hört der Schauer nach kurzer Zeit wieder auf.

Dann wird es schneller dunkler und dunkler. Um 1:36 UT, 9:36 Ortszeit beginnt die Totalität. Aber kein Diamantring, kein Perlschnureffekt, keine Korona, die Sonne ist unsichtbar hinter den dichten Wolken.

Die Dunkelheit wird stärker, aber keine Wolkenlücke in Sicht. Zur Mitte der Finsternis um 1:39 UT, 9:39 Ortszeit ist es stockfinster, viel dunkler, als ich es von vergangenen Finsternissen in Erinnerung habe. Im weiteren Verlauf zeigt sich in Richtung Süden ein rötlicher Schein am dunklen Himmel, aber keinerlei Wolkenlücken für einen Blick auf die Korona.

Schließlich wird es wieder erst langsam, dann schlagartig heller, als um 1:42 UT, 9:42 Ortszeit das Licht wieder eingeschaltet wird. Dauer der Totalität an unserem Standort war 5:50 min. Weitere Wolkenlücken? Fehlanzeige.

Wir warten noch ein Weilchen, vielleicht lässt sich durch eine Wolkenlücke eine hübsche partielle Sichel fotografieren. Doch dann fängt es wieder an zu regnen und einige Minuten später schüttet es regelrecht. Die Gewitterfront hat uns erreicht, also kam die Abkühlung nicht nur durch die Finsternis, sondern auch durch das aufziehende Gewitter. Unter größter Mühe, mit Hilfe anderer Sonnenfinsternisgucker und des Hotelpersonal schaffen wir es, die Gerätschaften mit Regenschirmen und einer Mülltüte zu schützen und dann im Sprint in die Hotellobby zu bringen. Patschnass werden wir dabei, die dabei absolvierten Stunts dürften sich in dem einen oder anderen Erinnerungsfoto wiederfinden.

Das war es dann mit der Finsternisbeobachtung, zunächst einmal ist eine heiße Dusche das wichtigste. Vom Balkon des Zimmer noch einmal einen Blick auf dunkelgrauen Wolkenhimmel, Lücken wird es hier nicht mehr geben. Um 3:01 UT, 11:01 Ortszeit ist hinter den Wolken das Ende der Sonnenfinsternis erreicht, der Drache hat die Sonne wieder ganz freigegeben.

Frustrierend ist es schon, dass so wenig zu sehen war. Deja vu von 1999? Definitiv.

Das Mittagessen findet in einem lokalen chinesischen Restaurant ca. 20 Busminuten von unserem Hotel entfernt statt. Das Arrangement kennen wir bereits von früheren Touren mit Eclipse-Reisen, lecker und essbar, aber eher in der Kategorie günstig einsortiert. Zurück im Hotel, sind wir ziemlich froh, dass unsere Kurzreise keine mörderischen Bustouren beinhaltet.

Bilder des Finsternistages wollen jetzt versorgt werden und das kleine, mit meiner LX3 aufgenommene Video von 10 min um die Totalität herum entpuppt sich als Kleinod, zum einen weil hier die tiefe Dunkelheit wirklich gut sichtbar wird und zum anderen durch die Tonspur.

Ende des Abends im Hotelrestaurant und der Hotelbar, nicht ohne zwischendrin noch eine Panoramaaufnahme des uns umgebenden Chemieparks zur blauen Stunde zu machen.

Fazit? Mist. Andere Gruppen im für uns kurzfristig unerreichbaren Wuhan, aber auch in Hangzhou und sogar Wuzhen hatten mehr Glück und passende Wolkenlücken zur Totalität.