Hubert von Goisern mit seiner "Linz Europa Tour 2007-2009" mit den Gästen BAP (naja...) und Gerd Köster (sehr gut) war angekündigt.
Warum nicht diesen schönen Sommerabend entspannt an der Südbrücke verbringen. Wir kamen früh an, weil wir noch keine Karten hatten.
An der Abendkasse fragten wir, ob wir unsere Kameras mitnehmen können. Der Kassierer meinte, warum nicht, aber man solle lieber die Securityleute (G.I.P.S.) fragen.
Diese warteten am Eingang darauf, mit dem Einlass zu beginnen. Auf meine Frage bezüglich der Kameras stimmten sich drei Leute ab und meinten, Digitalkameras könnten mitgenommen werden.
Wir kauften darauf hin unsere Karten und stellten uns in die Schlange.
Die heutzutage üblichen Leitgitter, die mich an schlimme Bilder von Rinderschlachthöfen erinnern, führten mich zu einer Dame mit G.I.P.S.-Shirt, die mich durchwinkte. Ein anderer G.I.P.S.-Mensch forderte mich auf, meinen Rucksack zu öffnen, während ich beobachtete, wie Besuchern reihenweise Flaschen abgenommen wurden und in überdimensionale Mülltonnen entsorgt wurden. Ebenfalls wurden den Besuchern die mitgebrachten harmlosen Sitzgelegenheiten (Dreibeinhocker) abgenommen.

Der "schwarze Sheriff" bedeutete mir, dass ich mit meiner Kamera nicht hinein könne (er war einer von den dreien, die mir vorher die Unbedenklichkeit bestätigt hatten). Meinen Einwand, er habe mir doch 20 Min. vorher etwas anderes gesagt, konterte er mit der Aussage, es habe sich eben etwas geändert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Diese beiden spielten keine Rolle in den Auseinandersetzungen. Es schien mir sinnvoll, die Leute an der Eingangssperre nicht zu fotografieren)


Er führte mich zu einem anderen anabolikagestählten und offensichtlich höherrangigen Kollegen, der  nach einigem Hin und Her bereit war, uns "dieses Mal" durchzulassen. Im gleichen Moment widmete sich mir ein weiterer G.I.P.S.-Vertreter, der auf mich etwas furchteinflößend wirkte und in dessen Ernährungsplan anabole Steroide offensichtlich eine wesentliche Rolle spielen.
Er wollte noch einmal meinen Rucksack inspizieren und entschied, ich solle die Kamera irgendwo abgeben, sonst käme ich nicht hinein.
Nach weiteren, sehr unerfreulichen Diskussionen entschieden wir, auf den Konzertbesuch zu verzichten und unser Geld erstatten zu lassen. An der Kasse, wo inzwischen reihenweise Kameras abgegeben wurden, stellten wir fest, dass keinerlei Vorkehrungen getroffen waren, Kameras aufzubewahren. Ein Mitarbeiter kam auf die Idee, Garderobenzettelchen auf die Kameras zu kleben, damit man sie später wiederfinden könne (!).
In der Überzeugung, eine richtige Entscheidung getroffen zu haben, nahmen wir unsere jeweils 40 € (!) in Empfang und spazierten in Richtung Rheinauhafen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf einer Bank in der Abendsonne kamen wir mit einem sympathischen älteren Herrn ins Gespräch, der uns sein ganzes Leben ausbreitete. Er entpuppte sich als echtes kölsches Urgestein:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Selbständiger Fliesenlegermeister, Karnevalsfunktionär, Reiter, 16maliger berittener Teilnehmer am Rosenmontagszug, schließlich vor 6 Jahren von Intriganten aus seiner Karnevalsgesellschaft
geworfen und inzwischen in Rente. Nach einer Knieoperation nicht mehr in der Lage zu reiten und auf das Fahrrad angewiesen.
 

Auf dem Heimweg zum Auto kamen wir noch einmal an der hermetisch abgesperrten Bühne vorbei, wo das Konzert inzwischen schon 45 Minuten lief.

 

Wir entdeckten eine Stelle, an der schmale Lücken einen Blick auf die Bühne erlaubten und der Sound perfekt war.

 

 

Auch hier standen die Leute, die diese Lücken ausnutzen und vor allem die, die sich auf eine Mauer stellen oder setzen wollten unter strenger Aufsicht von G.I.P.S.-Personal. Das Benutzen der Mauer (eindeutig außerhalb des Konzertgeländes und als Abgrenzung der Rheinuferbahn in öffentlichem Besitz) wurde kategorisch unterbunden. Mit welchem Recht eigentlich?

Im weiteren Verlauf des Konzerts gelang es uns, einige Kabelbinder, mit denen die Sichtblenden befestigt waren, zu sprengen und uns eine hervorragende Sicht zu verschaffen. Dieser Logenplatz bewog uns, von dieser Stelle aus das weitere Konzert gratis zu verfolgen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inzwischen hatte es bei der G.I.P.S.-Überwachung wieder einen Meinungswechsel gegeben und es wurden die Leute geradezu aufgefordert, die bereits erwähnte Mauer als Sitzplatz zu benutzen.

Den Auftritt von Wolfgang Niedecken und seinen Duettgesang auf Kölsch und Österreischich zusammen mit von Goisern fand ich ganz nett.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seine Unplugged-Soloeinlage auch noch so gerade. Aber BAP fand ich nur langweilig. Ein starker Kontrast zum quirligen und originellen Alpenrock mit osteuropäischen Einflüssen Hubert von Goiserns.

 Schade, dass wir Gerd Köster verpasst haben. Vermutlich trat er auf, als wir die Begegnung mit dem "echte kölsche Jung" am Rheinauhafen hatten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Epilog:

Konzertbesuche, insbesondere unter dem Titel Open Air scheinen ihre eigenen Gesetze zu haben. Nach meinem Eindruck wird an solchen Orten die Zivilisation zeitweise suspendiert. Restriktionen und Verbote  an allen Ecken. Unerwünschte und unerfreuliche Konfrontationen mit dümmlichen und bornierten oder auch nur hilflosen Securityleuten. Vielleicht ist das für jüngere Leute, die es gewohnt sind, von Türstehern an Discoeingängen taxiert und selektiert zu werden, erträglicher als für mich.

Ich überlege, wieso es diese Begleiterscheinungen gibt, die es früher nicht gab. Mir sind keine gravierenden Vorfälle bei Konzerten bekannt, die eine solche Verschärfung notwendig gemacht hätten.

Ob sich die Künstler im Klaren sind, unter welchen Bedingungen ihre Konzerte stattfinden? Oder bin ich einfach nur altmodisch, wenn ich diese Erscheinungen genau so beklage wie die Übergriffigkeit von Herrn Schäuble, die ja letztenendes in die gleiche Richtung geht?