Dreimal umgezogen ist wie einmal abgebrannt ...
Damals als sich Fotolog(.net) am Schluckauf verschluckte, blieben alle Möbel in der alten Bude. Zum Glück ist das Haus noch nicht abgerissen und man kann wenigstens noch mal reinschauen. Klar hat man auch Fotos von der Einrichtung gemacht, aber die liegen irgendwo als .pdf-file auf der Festplatte rum und verstauben. Fotos kann man immer irgendwie mitnehmen, aber was man dort erlebt und mit Freunden diskutiert und kommentiert hat, verblasst mit der Zeit. Was ich noch nicht vergessen habe ist, dass man, wenn man mit mehr als zehn Leuten auf der Bude sitzen wollte, einen ordentlichen Mietaufschlag zahlen musste.
Photoblog(.be) erwähne ich nur der Vollständigkeit halber, da waren die Vermieter mehr daran interessiert, in den Besitz deines Eigentums zu gelangen (und dies als ihre eigenes auszugeben), als dir ein schönes Zuhause zu bieten, wo du auch vertrauensvoll Freunde empfangen kannst. Also haben wir die Bude leer geräumt und das beizeiten.
Flickr(.com) - ja das war ja mal ein echter Knüller - ein Kommune nach dem Geschmack vieler Übersiedler, die sich hier wieder trafen und endlich glaubten, zu Hause angekommen zu sein. Irgendwie lag da auch ein Hauch von Hausbesetzung drüber, jeder konnte sich einbringen und das neue Leben gestalten. Ungewohnte Freiheit, frischer Wind. Und was haben die Flickrjaner (Vermieter und Mieter) draus gemacht - Hüte ab! Da war Leben in der Bude.
Irgendwann hat das wohl den Neid der alteingesessenen (immerzu 'yahoo' schreienden) Hausbesitzer und Vermieter heraufbeschworen, die mangels eigener Ideen, Mieter zu binden, ihre Felle davon schwimmen sahen. Kurz entschlossen griffen sie den 'AltR-Na(t)iven' väterlich (mit Geld und vollmundigen Versprechen) unter die Arme und zerrten sie, ehe sich diese versahen, außer Landes. Die Bewohner wurden gar nicht erst gefragt: Entweder sie blieben zu den sich abzeichnenden Bedingungen (die durch Mietminderung etwas versüßt wurden) oder sie konnten sich ja eine andere Bleibe suchen, was die sich aber reiflich überlegten, hatten sie doch immerhin eine stattliche Einrichtung in ihre Bleibe geschleppt und es verbanden sie viele Erlebnisse mit den Mitbewohnern, die sie nur ungern missen wollten. Die, die blieben erhielten neue Pässe und Schlüssel. Diejenigen, denen das suspekt war, blieben eben draußen - Basta!
Der Eingebung eines Traumes folgend überkam es aber nun den Vermieter der Flickr-Wohnanlage, Bewohnern des mitteleuropäischen Gebäudeteils die Augen mit Wachs auszugießen, damit diese nicht durch den Anblick nackter Haut aus der neuen und anderen Welten oder vielleicht sogar der eigenen Welt verblendet würden und von ihrem Glauben an das Gute im Menschen abfielen wenn sie sich durch die Häuser bewegten. Allen anderen Bewohner ist es weiterhin erlaubt, eine Augenbinde zu tragen und diese auf eigene Gefahr zu entfernen, wenn sie sich denn entschließen sollten, dem Satan ins Auge blicken zu wollen. Ich sollte froh sein, dass mir diese Entscheidung abgenommen wurde. Aber wie so oft im Leben bin ich nörgelig und fühle mich an längst vergangen geglaubte Zeiten an einem anderen mitteleuropäischen Schauplatz erinnert. Dass es mir nicht allein so geht, beweisen die vielen leerstehenden Wohnungen im deutschen Block.
Ich werde also, anders als damals, auch ausziehen - mir eine neue Bleibe suchen. Anders aber als bei Fotolog, werde ich hier nach Aufbrauchen der im Voraus gezahlten Miete nicht mehr in alle Räume kommen. Ich muss also alles mitnehmen - oh, dieses Gebuckel mit dem Möbel -.
Gut, ich habe angefangen und schon einige Kisten rübergeschafft, es stehen aber noch unzählige hier rum. Und was auch hier wirklich weh tut, dass man die Erinnerungen nicht eins zu eins mitnehmen kann, die bleiben auf der Strecke; und das, obwohl der neue Vermieter einen Umzugsservice anbietet, aber wer kann schon die Gespräche, die auf den Zimmern stattgefunden haben, in Kisten packen? Und selbst die Bilder kommen nicht alle an, einige scheinen aus dem Rahmen gefallen zu sein. Die, die ankommen sind heillos durcheinander gewürfelt. Nun gut - abgebrannt ist schlimmer.
Ich kenne den neuen Vermieter noch nicht so gut und weiß deshalb nicht, was uns hier in Zukunft erwartet, ich habe nicht mal einen Schimmer davon. Nur hatte ich heute schon den Eindruck, dass nachdem ich einige Kisten ins neue Heim gebuckelt hatte, die Fahrstühle verstopft waren und sich die Fenster nicht immer öffnen ließen, der Schlüssel klemmte ab und zu im Schloss und die Tür fiel trotz untergeschobenem Keil immer wieder zu - was soll werden, wenn der Run erst richtig losgeht?
Falls das hier schief geht - was ich innig nicht hoffe, wird es das nächste Mal bei mir nicht mehr heißen: "Oh, dieses Gebuckel mit den Möbeln", sondern: "Einen alten Baum verpflanzt man nicht mehr". Da wird man mich dann wohl in der Kiste raustragen müssen...
Hardy 'Knuddelbacke'
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NicoleB says:
;)
limone says:
bei mir sieht es ganz genauso aus, was fotolog angeht... da stehen die ganzen alten klotten noch rum, während ich bei fl. gnadenlos ausgemistet habe... und wie im richtigen leben werde ich mit jedem umzug mobiler und mehr darauf bedacht, möglichst wenig ballast anzusammeln. ;-)
(was die gespräche angeht: ich habe 1.400 kisten per hand verpackt und in ein archiv geschafft, damit ich ab und zu noch reinsehen kann... oder, übersetzt: strg+s. dauert, aber fühlt sich besser an, alles wenigstens lokal zu haben.)
Pandarinepro says:
Ich bin gerade am Kisten packen: Die Guten in's Toepfchen, die Schlechten in's ... Nirwana (oder so). Wenigstens hab ich ja noch 1 1/2 Jahre Zeit zum Ausmisten der alten Bude ;-)))
knuddelbacke replies:
Ja Mensch, ich ja auch - das mit der Zeit.
Jetzt muss ich erst mal an die Arbeit ... bis bald
Hardy
Tante Käthepro says:
winter*kind says:
der alte baum ist doch auch schon da, mehr oder weniger verpflanzt...
aber das haste ja sicher schon gesehen ;)
kolibri*pro says:
Vielleicht wirds Umzugunternehmen mit der Zeit und Erfahrung ein wenig komfortabler!
Bin noch in Wartestellung!
Blue Silver says:
Doppeltbelichtet says:
du hinterläßt mit deinem nahezu biblischen Gleichnis bei mir sowohl ein nostalgisch- zynisches Grinsen, als auch einen wohligen Schauer beim Gedanken daran, sich rechtzeitig in die neue Mietgemeinschaft integriert zu haben...
Auch ein Ende ist ein Anfang, oder so... ;-)
Herrlicher Text- dankeschön für die unterhaltsame Lektüre!
Pandarinepro says: