DEUTSCHLANDTOUR MIT KLANG UND BILD



Neue Töne für sichtbare Musik



Organist Klaus-Dieter Untch aus Zeiden (Siebenbürgen) unternahm zum Herbstbeginn seine erste Konzerttour in Deutschland. Er nahm die Einladung an, um auf verschiedensten Kirchenorgeln im und um das Erzgebirge zu konzertieren. In der Zeitspanne vom 23. Sept. bis 3. Okt. ergab sich eine komplette Konzertreihe in Städten und Gemeinden der Region: Rosswein, Seiffen, Schellerhau und Rochlitz. Den Mittelpunkt seiner Konzertreise bestritt er in der Stadtkirche Frauenstein, den Geburtsort der berühmten Silbermann Orgelbauerfamilie. Sein Auftritt in Frauenstein fand statt im Rahmen der Festwoche anlässlich der Orgel-Wiedereinweihung nach der Restaurierung durch Hermann Eule Orgelbau Bautzen. Während der Festwoche musizierten ebenfalls hochrangige Künstler der deutschen Kirchenmusikszene wie Prof. Martin Strohhäcker (Dresden ) oder Prof. Matthias Eisenberg ( Zwickau ).



Die herbstliche Jahreszeit ist symptomatisch für die neuen musikalischen Wege und Entdeckungseisen, die Klaus-Dieter Untch als Herausforderung auf sich nimmt. Nach arbeitsreichen Jahren im Dienste seiner Gemeinschaft als Kirchenmusiker und Pädagoge bietet er eine reiche Fülle fruchttragender Einblicke über seine Entfaltung und aufbauende Auseinandersetzung mit dem Alltag Siebenbürgens. In seinen Kompositionen reflektiert er, bedingt durch sein kontrastreiches Lebensumfeld, eine subtile Gefühlswelt. Wer ihn genau kennt, weiß, dass er sich vor allem dort impliziert, wo andere hinwegsehen oder sich überfordert fühlen. Seine Stärken spielt er aus als Vermittler im zwischenmenschlichen Umgang zu den verschiedensten Grenzbereichen der benachteiligten Gesellschaft. Auf die Frage, warum dieser Aspekt ihm so wichtig ist, gibt er folgende Antwort: „ Menschen mit Behinderungen oder in sozialer Misere tragen den Schlüssel zu meinem erfüllten Dasein. Sie bieten mir Erlebnisreichtum und Inspiration, ich kann ihnen dafür ein Stück Lebensqualität zurückgeben und so auf meine Art Dank sagen. Meine Kompositionen gehören zum Spiegel-hör-bild dieser Realität, welche so leicht übersehen und überhört wird.“



Zu den Leuten, welche die Auseinandersetzung der unbequemen Realität in Siebenbürgen aufgenommen haben, gehört auch Dirk Börner aus Dittersbach bei Frauenstein (Deutschland). Durch seine unzähligen karitativen Reisen und Hilfsprojekte hat er schon zahlreiche Diavorträge über seine Erfahrungen in Siebenbürgen abgehalten. Da es sich dabei um Bilder handelt, mit welchen sich Klaus Dieter Untch als Komponist identifiziert, wurde es zu beschlossener Sache, dass sie gemeinsam Bild und Ton über Siebenbürgen vortragen.

So entwickelten sie die Idee für Orgelkonzerte mit Dialichtbildern. Die eigenen Kompositionen und Improvisationen Untchs entsprechen den verschiedenen Stilrichtungen der Barockzeit, Klassik, Romantik oder Moderne und ergänzen die Aussagekraft der facettenreichen Bildern Börners. Ziel dieses gemeinsamen Projekts ist es, in Klang und Bild neue Töne sichtbar zu machen. Der Zuhörer wird gleichzeitig zum Betrachter und ist somit intensiver gefordert, den eigenen Alltag im Bezug zur Realität Siebenbürgens zu reflektieren.



(Peter Kleinert, Kantor in Frauenstein)