Längst sollte der Frühling in Erscheinung treten, aber dem Winter fällt der Abschied einfach schwer. Und so schlüpft der Zeidner Berg nochmals in ein dünnes frisches Schneekleid und läßt den kalten Wind kräftig ins Tal blasen. Eigentlich klingen diese Zeilen nach Wintermärchen, wenn es bloß nicht im März wäre.
Da aber die Sonne munter blinzelt, halte ich es für einen Versuch wert zur Mittagszeit den Zeidner Berg zu besteigen. Diesmal wähle ich die schnellste Route zum Berg: Schulfestplatz, Drei Brunnental, unter dem Mittagsstein um den Promenadensattel zum Burgweg, und letztendlich die Serpentinen hoch zum Gipfel.
Am Schulfestplatz ist Menschenleere. Das liegt wohl am kalten kräftigen Wind. Ich ziehe mir die Mütze fester über die Stirn. Doch im Drei Brunnental wird es ganz ruhig. Da herrscht Windschutzzone. Der Aufstieg verläuft in angenehmer Steigung. Die Erde unter der dünnen Schneedecke ist hart gefroren. So schreite ich mit sicheren Schritten gut voran. Unterwegs entdecke ich eine bizarre Baumwurzel. Tolles Motiv für die Kamera.



Während ich zum oberen Ende des Tales ankomme, frage ich mich ob hier in den früheren Jahren wirklich reichlich Wasser herunter floß. Von den drei Brunnen ist nichts mehr zu sehen. Die früheren Quellen sind versiegt.
Dann verläuft der Pfad etwas steiler bergauf zum Promenadensattel unter dem Mittagsstein.


Der direkte Weg zum Gipfel würde über dem Mittagstein führen. Doch es ist zugleich die schwierigste Variante. So mache ich erst den kleinen Umweg über den Burgweg zu den Serpentinen.
Es handelt sich um einen recht steilen Pfad im Zickzack-Kurs. Insgesamt sind es 22 Wendungen.
Da ich den Verlauf der Serpentinen für meinen neuen Album "Zeidner Wanderwege" zkizziere, komme ich nur zügig voran. Dann erspähe ich auch Rehe. Sie haben mich entdeckt, starren mich einige Sekunden an und huschen gelassen davon. Letztendlich schaffe ich den Serpentinen-Pfad in 45 Minuten. Geht so. Immerhin hat sich der Wind gelegt.
Am Gipfel ist die Schneedecke dicker und fest gefroren. Spitzer Kalk-Gestein ragt dazwischen durch.

Ich muß vorsichtig sein. Bei der letzten Wanderung im Februar (siehe hier: www.ipernity.com/blog/klausdieteruntch/451885 ), hatte ich mir die Sohlen der Wanderschuhe, vom spitzen Gestein aufgeschlitzt.
Kurz vor dem Gipfel gelingen mir schöne Fotos, welche die verträumte Stille wiedergeben. Hier herrscht in der Tat, pures Wintermärchen.


Der Aufstieg hat sich für mich gelohnt. Auf dem Gipfel geniesse ich in Richtung Königstein und Fogarascher Berge das tolle Panorama.
Dann verzehre ich Schokolade und knusprige Kekse. Bevor ich mich vom Gipfel verabschiede, trinke ich einen kräftigen Schluck vom eigenen Marillenschnaps.
Unmittelbar unter dem Gipfel werfe ich noch einen Blick zur Höhle.


Durch das Tauwetter der vergangenen Tage haben sich am Gestein unzählige Eiszapfen gebildet. Sie bilden ganze Reihen und erinneren mich irgendwie an stumme Orgelpfeifen. Bewußt koste ich diese wohlige Stille inmitten der Natur aus. Erneut lasse ich mich mit Ruhe und Inspiration, beschenken . Und so marschiere ich zügig die Serpentinen im Zickzack-Kurs zu Tale. Seelisch aufgetankt und schwer beeindruckt, für das was ich trotz Frühlingsverzögerung auf - und rund um den Zeidner Berg erleben darf, freue ich mich jetzt schon auf die nächste Bergwanderung.