Shanghai begann gut, kaum war ich im Hostel, kam auch schon zufällig Patrick vorbei und hat mich mit zum Essen auf einem Boot genommen, wo wir einige andere Heidelberger getroffen haben, die für eine Konferenz hier waren. Timing ist alles... Das Essen war dann auch reichlich vorhanden, und es entstanden meine ersten halbwegs vernünftigen Bilder vom Bund und Pudong bei Nacht. Danach ging es noch in einen Jazz-Club in der French Concession, um den Abend bei vergleichsweise sündhaft teuren Cocktails ausklingen zu lassen. Ich werde wohl für zweieinhalb Tage Shanghai genauso viel Geld brauchen wie für sechs Tage Nanjing?! Oder ich sollte die Ausgaben für Luxusgüter herunterschrauben, nur ist hier der Luxus viel leichter verfügbar als in Nanjing und das Taxi fahren viel bequemer... Heute morgen ging es mit Patrick mit der U-Bahn und zu Fuß durch die Stadt, zu einem Tempel, der gerade von Grund auf neu aufgebaut wird. Besonders apart wirkten die Betonwände unter den Bannern im Raum mit den Buddhastatuen und der Kontrast zwischen dem schon auf alt verkleideten und noch nackten Beton. Danach ging es mit der Bahn ein Stück weiter nach Norden und dann zu Fuß Richtung Süden, immer mit Abstechern in ältere Baublöcke und Viertel, die noch nicht abgerissen wurden und neuen Wohnhochhäusern weichen mussten. Ein Mann wollte uns davon abhalten zu photographieren, da diese alten Häuser doch nicht gut seien. Dass wir die neuen Hochhäuser aber auch nicht für wirklich ästhetisch, schön und gut hielten, konnte er nicht verstehen. Einige Teile der alten Stadt werden jedoch mittlerweile offiziell erhalten bzw. vor dem Abriss geschützt, den Fortschritt der Flächensanierung konnte man jedoch gut beobachten. Ein kleines Viertel mit maximal dreistöckigen Häusern, umrahmt von Wolkenkratzern, ein extremer Gegensatz. Nachmittags haben wir dann unsere Bahnkarten für die 45-stündige Zugfahrt abgeholt, morgen werden wir uns noch mit Proviant eindecken müssen, wenn wir nicht nur von Tütennudelsuppen leben wollen. Zurück ging es dann wieder hauptsächlich durch ältere Straßen und den touristisch ausgebauten Yu Yuan (Garten), wo man dann wieder andauernd mit „Watch? Gucci-Bag? Prada-bag? Wanna look?” angesprochen wurde. Irgendwie hatte ich das vorher gar nicht vermisst und irgendwie vergessen, dass wir ja doch wie Touristen aussehen (kaum zu übersehen!). Von unserem Hostel aus hat man im obersten Stock eine richtig gute Aussicht auf die andere Flussseite Pudong, so dass man sich wie in einem richtigen Hotel fühlt... Die Betten im Dorm bringen einen dann aber wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Morgen Vormittag will ich noch nach Pudong, vermutlich mit dem Fahrrad, nur zwischen Hochhäusern herumlaufen macht wahrscheinlich nicht soo viel Spaß, und abends geht die große Fahrt los!!