Gerade sitze ich noch im Hostel und warte darauf, dass meine Haare trocknen, bevor ich wieder rausgehe. Das Wetter war die letzten Tage wechselnd warm und kalt, teilweise konnte man im T-Shirt rausgehen, teilweise musste ich meinen Fliesmantel anziehen, da es doch ganz schön frisch geworden ist. Und daher habe ich mich auch ein wenig erkältet...

Gestern fand schließlich an der Uni unser Workshop mit den Vorträgen statt. Niemand konnte vorher sagen, wie viele Zuhörer kommen würden und wir hatten uns eher auf ein kleines Publikum eingestellt. Dann war der Raum jedoch recht groß, und ca. 100 Studenten haben zugehört, die draußen an der Tür standen nicht mitgerechnet. Zum Glück habe ich nicht vor meinem Vortrag nachgezählt, sonst wäre ich noch aufgeregter gewesen. Der Vortrag an sich war ganz gut, wie man’s von mir kennt, ziemlich viele Informationen in 25 Minuten gepasst. Das Verständnis hielt sich in Grenzen, was aber wohl mehr daran lag, dass das Englische Hörverständnis der Mehrheit nicht so gut war. Die Nanjing Universität liegt mitten in der Stadt mit einem recht abgeschlossenen Campus mit den Instituten, Wohnheimen und Mensen. Wie im Neuenheimer Feld waren auch hier einige Wohnheime in schmucken Hochhäusern...

Nach einem frühen Abendessen mit einigen Dozenten aus Nanjing, die erstaunlich kurzer Zeit erstaunlich viel Bier tranken und erstaunlich lustig wurden, gab es zum Eröffnungsabend der Deutschlandwochen in Nanjing vor der Stadtbibliothek einen Biergarten mit Bierbänken, Weizen, Currywurst und Kässpätzle. Extra für die „Popabende“ während der Deutschlandwochen werden außerdem Popacts aus Deutschland für Konzerte eingeflogen, und so kam ich in den Genuss eines 2raumwohnung-Konzertes unter freiem Himmel und für freien Eintritt. Ich würde sagen, unser Workshop und die entstandenen Reisespesen werden nur ein verschwindend kleiner Teil des gesamten Budgets sein... Nichtsdestotrotz bin ich im Gegensatz zu den meisten auf Stühlen sitzenden Chinesen ein bisschen (ich darf zitieren) „wie ein Flummy vor der Bühne rumgehüpft“! Danach bin ich noch mit Florian, einem Studenten aus Tübingen, der für sechs Monate in Nanjing Chinesisch lernt und für seine Diplomarbeit recherchiert, und einigen anderen Studenten weggegangen. Da es schon nach elf war, konnte man gar nicht mehr „chinesisch“ weggehen, da dieses nach dem Essen und evt. KaraokeTV schon früher endet, die Bar war recht europäisch. Im „Planta“ gab es Salsa-Musik, Cocktails und Sofas zum gemütlichen hinlümmeln. Ich konnte mich sogar auf Chinesisch mit einer Koreanerin unterhalten!^_^ Das Publikum bestand eher aus Langnasen und internationalen Studenten von den Unis, war aber sehr entspannt. Im Anbetracht des langen Tages bin ich dann doch „schon“ um halb zwei „nach Hause“ ins Hostel. Und nein, ich bin nicht alleine durch die dunklen Straßen gelaufen, sondern habe mir dekadent ein Taxi geleistet (es wäre zum laufen viel zu weit gewesen;-)).

Gestern war ich mit den anderen deutschen Workshop-Referenten noch mal beim Mausoleum von Dr. Sun Yatsen und einer Pagode für die Gefallenen der 1926-28 Revolution. Es ist interessant, dass die Chinesen einem Politiker des 20. Jh.s ein Mausoleum direkt neben einem Mingkaiser-Grab und in noch pompöserer Ausführung gebaut haben. Das letzte Mal war ich hier im Winter, und es war ziemlich kalt. Gestern war es sehr warm (die meisten Chinesen sind trotzdem in Jacken herumgelaufen) und ziemlich voll. Wer viele Menschen auf einem Haufen nicht mag, hätte auf keinen Fall hingehen dürfen, und auf mir hat es irgendwann gereicht. Erstaunlicherweise waren die Massen aber nur beim Mausoleum und darum herum wieder nur vereinzelt Menschen... Zweiter Punkt des Tages war dann die Brücke über den Yangtse, die die Chinesen in Zusammenarbeit mit der SU gebaut haben. So schaute sie auch aus (v.a. der Brückenkopf), am Brückengeländer außerdem lauter fünfzackige Sterne und gewackelt hat sie auch bei jedem Lastwagen, der darüber gefahren ist. Da es jedoch die einzige Flussquerung in nächster Nähe der Stadt ist und auf der anderen Seite noch Satellitenstädte und Vororte von Nanjing liegen, war der Verkehr enorm und die Autos standen Stoßstange an Stoßstange. Ich wollte nicht täglich darüber fahren müssen, geschweige denn laufen, denn die Luft bestand eigentlich nur noch aus den Abgasen der Fahrzeuge. Die Luftverschmutzung in der Stadt war besonders deutlich, wenn man auf dem Berg am Mausoleum stand und Richtung Stadt geschaut hat: bis zur Bebauungsgrenze Wald und Grünflächen, relativ klare Luft und sonnig, und ab den Gebäuden und Straßen stiegen Staub und Dunst auf und verschleierten die Häuserschluchten.

Abends gab es leckeres Tisch-Grillen in einem Koreanischen Restaurant: kleine Spieße und in der Mitte des Tisches unter einer Abzugshaube ein kleiner Kohlegrill. Schweißtreibend und lecker war es! Diesmal war der Abend jedoch nicht so land und wir haben und bald von einander verbschiedet, denn die einen fliegen heute wieder nach Deutschland, die anderen bleiben noch in Nanjing und ich fahre nach Shanghai.