Endlich ist die „Ich-habe-bestimmt-etwas-vergessen“-Panik der Reisefreude gewichen. Aber ich habe tatsächlich etwas vergessen: meine Zahnbürste und meine Sonnenbrille... Deswegen war ich dann heute in der Stadt unterwegs, und jetzt weiß ich wieder, dass Einkaufen hier noch anstrengender als zu Hause ist: Um die Passanten und potentiellen Käufer auf das Geschäft aufmerksam zu machen und hinein zu locken, wird 1. laute Musik mit Boxen zur Straße gespielt, 2. eine Verkäuferin/ ein Verkäufer steht draussen und klatscht mit den Händen und ruft 3. den Leuten noch etwas zu, damit sie sich angesprochen fühlen. Dazu kommen noch das Hupen der Autos, die kleinen Sirenen der Motorroller und die Leute auf der Straße als Geräuschekulisse. Nichtsdestotrotz war es wieder spannend.

Als ich am Flughafen 300 € abgehoben habe, bekam ich aus dem Automaten lauter 100 Yuan-Scheine (~10 €). Ich hatte selten ein solches Bündel Geldscheine in der Hand, nur leider erweckt es die Illusion, ich hätte unglaublich viel Geld, was nicht unbedingt der Fall ist... Ich bin außerdem erstaunt, wie gut sich eine Nacht Schlafmangel aushalten lassen: der Flug lag so ungünstig, dass ich nachmittags in Frankfurt losgeflogen bin und morgens in Peking ankam. Leider war ich die ganze Zeit nicht müde, denn es war ja noch vor 12 Uhr deutscher Zeit und die Tage davor bin ich ja auch nicht früher ins Bett gegangen. Ich habe gestern nacht daher fast 15 Stunden geschlafen!!! Da ich mich aber immer noch ein wenig im Jetlag befinde, war ich heute nicht so lange unterwegs, sondern viel im Hostel und am schreiben. Nicht nur das hier, sondern auch was "richtig wichtiges"^_^. Außerdem habe ich mich noch nicht wieder an das alleine Reisen gewöhnt, daher muss ich mich auch gerade über das Schreiben mitteilen ...

Da ich vor anderthalb Jahren schon einmal hier war (verdammt, ist das schon lang her), konnte ich sogar ein wenig von der Erfahrung und den Erinnerungen profitieren. Zumindest war ich nicht total orientierungslos, als ich aus dem Bus stieg, es dauerte aber noch eine Weile, bis ich wusste, wo ich war. Die Stadt ist einerseits im Wandel, andererseits erstaunlich konstant: als ich gestern mein Hostel suchte, war ich mir hudnerprozentig sicher, an der richtigen Brücke an der richtigen Straße zu stehen, und es war nicht da. Denn es ist ein paar Meter weiter auf die andere Straßenseite gezogen und der gesamte Baublock musste großen Wohnhäusern mit Appartments weichen. Auch der Weg zum Hotel war kein einfaches Unterfangen, da sich die Fassaden der Gebäude so verändert hatten. Andererseits hat sich das Viertel, in dem ich mich befinde, im Grunde nicht verändert, dieselbe Funktion (Einkaufen und Unterhaltung), derselbe Kitsch, derselbe Typ Wohnhäuser überall und in der Innenstadt dieselben "schicken" modernen Hochhäuser. Das hat mich heute fasziniert, deswegen auch die vielen Photos ohne Menschen. Morgen strenge ich mich an, auch ein paar Leute zu photographieren, versprochen.