Gestern, es war der 29. August 2013, war mal wieder "Weibsentreff", auch Kaffeeklatsch genannt. Drei Ex-Arbeitskolleginnen begingen eine Jubelgeburtstag. So was dauert (sonst wär's kein Kaffeeklatsch). Immerhin kam die Dame des Hauses mit einer wissenswerten Information nach Hause: "camera obscura"!
de.wikipedia.org/wiki/Camera_obscura

Mir war nicht bewusst, dass es eine solche in unserer Nähe gibt. In Hainichen, na so was aber auch, vermutlich eine Art Betriebsblindheit. Diese Stadt ist uns nun wirklich nicht unbekannt. Gellertstadt. Keller, der Erfinder des Holzschliffs, ist dort geboren.
de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Gottlob_Keller

Noch war Sommer, also haben wir heute morgen die Kutsche aufgezogen und sind Richtung Hainichen
de.wikipedia.org/wiki/Hainichen
aufgebrochen. Mal lief wieder alle ganz anders als gedacht. Was wäre eine Fahrt ohne Umleitung? Es wäre trist und langweilig. Wir haben uns durchgeschlängelt. Aber im Ort ging das Theater erst richtig los. Die Gellert-Stadt ist ja schon immer ein verkehrstechnisches Wunderwerk, derzeit für den Fremdling besonders unfreundlich, Baustellen an Gebäuden und in engen Strassen. Auf diese Art, wir wollten erstmal zum Stadtpark, haben wir einige Runden gedreht und uns bisher unbekannte Strassenzüge kennen - nicht aber lieben - gelernt. Wiederholt am Neumarkt hat mich dann der Senf gepackt, eine runde, rotgeränderte Scheibe habe ich doch glatt übersehen! Und schon war alles im Lot.
Neumarkt Blick vom Stadtpark zur Trinitatiuskirche heute keine Vorstellung im Park Gellertmuseum

Dem Stadtpark gegenüber liegt der Friedhof, offensichtlich war gerade "eine grosse Leich" im Gange, alles zugeparkt, na gut, unser "Kleiner" fand noch Platz in
einer Nische. Also haben wir uns erstmal im Stadtpark verlustiert, zunächst die Blumenuhr, sie zeigte auch die korrekte Zeit an, bewundert. Der Park liegt in Hanglage und hat eine etwas schwierige Begehbarkeit für Fusslahme. Aber der Baumbestand ist prächtig. Es gibt auch ein Restaurant, aber nur zum Anschauen, leider. Auf der Freilichtbühne war grösste Ruhe.


Danach ging es auf die Suche nach der "camera obscura". Anfangs gab es Wegweiser, die Grundrichtung war also vorgegeben. Das Ding selbst, ein kleiner niedlicher Turm auf dem Rahmenberg an der Nossener Strasse, entzog sich erstmal unserem Zugriff, also Ehrenrunde. Inzwischen kam Magenknurren auf, eine Gaststätte winkte an der Strasse; denkste, das Gebäude steht noch, aber nichts für den Gast
Aber welch Glück, eine Landfleischerei bot ihre Dienste an. Ein lockeres Verkaufsgespräch entspann sich, schmackhafte Knacker wechselten den Besitzer. Am Turm angekommen machten wir erstmal unter dem Schatten grosser Bäumeauf der "Volksbank" (Allerdins waren da auch Narrenhände am Werk gewesen) Mittagspause, Knacker von der Faust. Alles bestens.

ein Stück Hainichen mit Rathaus Strassen der Stadt Hinterhöfe Stadtpanorama Eine freundliche Turmwächterin kümmerte sich anschließend um uns, weitere Besucher waren gerade nicht da. Über die Wendeltreppe schraubten wir uns gemächlich nach oben, begleitet von den sachkundigen Erklärungen, locker und unaufdringlich. Oben angekommen wurde das Objekt der Begierde vorgeführt. Im Gegensatz zur ursprünglichen Bauart wurde hier ein Spiegel benutzt, damit die Bilder nicht Kopf standen (wir haben mit Kopfstand, das wäre die andere Variante, nichts mehr im Sinn). Wir konnten uns so Hainichen durch diese völlig "undigitale" Kamera betrachten, allerdings sind die umstehenden Bäume inzwischen so hoch gewachsen, dass die Sicht partiell behindert ist.
Für uns war allein dieses Objekt schon die Reise wert. Eine gute Erfahrung!
www.entdeckerpfad.de/camera-obscura.php

Durch die Striegistallandschaft, über die Dörfer trödelten wir ab nach Hause. Es waren angenehme Stunden in einer unserer Nachbarstädte.