3.30 Uhr Sonnabend morgens und mein Wecker klingelt. Was für eine christliche Zeit. Ab ins Bad, einmal das volle Programm bitte und weiter geht es in die Küche. Frühstück ruft. Die Sonne ist noch nicht mal aufgegangen, doch ich fühle mich erstaunlich fit und wach. Was vielleicht daran liegt, dass ich ein klein bisschen aufgeregt bin...immerhin geht es nach Berlin. Das alleine ist nicht der Grund für meine Aufregung, sondern viel mehr das dort die WKA Weltmeisterschaft der Ringsportarten stattfindet. Immerhin nimmt mein kleiner Bruder John daran teil. Um genau zu sein, er steht im Finale im Thaiboxen bis 85kg. Und das will ich auf keinen Fall verpassen...

In Berlin angekommen, gerade mal 7.30 Uhr, gilt es das öffentliche Verkehrssystem zu studieren um dem schnellsten Weg zur Unterkunft und dann zum SEZ (Sport- und Erlebniszentrum) zu kommen. Dort warte ich auf meinen Bruder Kenneth, Johns Zwillingsbruder, der gemeinsam mit Freunden den Weg aus Thüringen nach Berlin genommen hat.

In einer ehemaligen Schwimmhalle ist ein Ring aufgebaut. Sportler, Trainer und Publikum laufen wild umher. Alles ist so unübersichtlich und unstrukturiert. Nicht gerade das was man von einer Weltmeisterschaft erwartet. Aber darüber muss ich hinweg sehen, denn es geht um Wichtigeres.

16.00 Uhr ist es endlich so. Mein Magen hängt schon ewig durch und die eisenkalten Hände zeigen auch die Aufregung. John tigert schon seit Stunden hochkonzentriert auf und ab. Die Spannung steigt...mein Herz rast. Ich halte mich an der Kamera fest und warte auf den Gong. Und dann geht es los. Mein Herz, was gerade noch gerast hat wie wild, setzt plötzlich einen Schlag aus. Mit solche einer Wucht, mit der die Kämpfer aufeinander los gehen, hatte ich nicht gerecht. John teilt gut aus, doch sein Gegner aus dem Kosovo ebenso. Mein Blut fließt vom Kopf in die Füße und ich spüre wie ich ganz blass werde...Das es so heftig ist, hatte ich nicht erwartet. Die Masse schreit...John, John, John...aber auch die gegnerischen Fans sind euphorisch am Anfeuern. Es ist eine im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubende Stimmung. Und dann passiert es....ich mag gar nicht hinsehen...John geht zu Boden und als ich das nächste Mal hinschauen, wird er vom Schiedsrichter rausgenommen... Zerplatzt der Traum vom Weltmeistertitel.

Tränen der Enttäuschung fließen. Doch eigentlich ist Enttäuschung hier fehl am Platz. John hat einen klasse Kampf abgeliefert, nicht nur weil er mit gerade mal mit 80 Kilo um den Titel in der Gewichtsklasse 85 kg gekämpft hat. Sondern weil er ein äußerst fairer Sportsmann ist. Nicht nur ich bin mächtig stolz auf ihn, auch meine Familie und seine Freunde sind es. Und wer kann schon sagen, dass er einen Vizeweltmeister, Internationalen Deutschen Meister und Ostdeutschen Meister in der Familie hat.

Nun gut, ich kann das!