Eisenach. Mit Arlo Guthrie kam erstmals eine echte Woodstock-Legende in die Wartburgstadt. Doch wer geglaubt hätte, dass der Jazzkeller angesichts eines derart hochrangigen Gastes aus allen Nähten platzen würde, sah sich eines Besseren belehrt. Zwar war das Konzert gut besucht, doch das Schild "Wegen Überfüllung geschlossen" konnte unterm Tresen bleiben.

Ziemlich unspektakulär war Arlo Guthrie – der 60-jährge Sohn der amerikanischen Folk-Legende Woodie Guthrie – auf die kniehohe Bühne geklettert und hatte auf seinem hölzernen Barhocker Platz genommen. Was dem eher beschaulichen Beginn dann aber folgte, war ein Konzert der Spitzenklasse, von dem Kenner auch noch in Jahrzehnten schwärmen werden. Nur von einer Handvoll Anekdoten und humorvollen Ansagen unterbrochen, fackelte der 1947 in Coney Island geborene Sänger, Gitarrist, Pianist, Schauspieler und Schriftsteller ein wahres Feuerwerk eigener Kompositionen sowie zahlreicher Folk- und Bluesstandards wie Big Bill Broonys "Key To The Highway" oder Bob Dylans "Tambourine Man" ab. Anders als politische Sänger und Texter aus heimischen Gefilden, deren Stücke meist nur Parolen und kaum Entertainment kennen, pendelt Arlo Guthrie leichtfüßig zwischen allen nur denkbaren Genres hin und her, sodass der ganze Abend – trotz aller politischer Bezüge – einen amüsanten Charakter bekommt. Mal wie ein etwas weniger näselnder Bob Dylan klingend, dann wieder den Missstände anprangernden "Angry Old Man" hervorkehrend oder aber einfach nur verspielt über die Gitarre oder das Klavier huschend – Guthrie weiß zu überzeugen. Nicht zuletzt mit seinen Ragtime-Einsprengseln, die schon ein bisschen anachronistisch wirken und an die Stummfilmzeit von Charlie Chaplin und Buster Keaton erinnern. "Ich liebe dieses Zeug", lässt der Musiker kurz und bündig verlauten, nachdem der letzte Ton eines seiner 20er-Jahre-Stücke verklungen ist.

Arlo Guthrie ist beides – Alt-Revoluzzer und Woodstock-Veteran auf der einen, Entertainer und Teil des amerikanischen Musik-Establishments auf der anderen Seite, und das sehr erfolgreich, ohne sich zu sehr verbiegen zu müssen. Dabei strahlt er enorme Glaubwürdigkeit und Authentizität aus. Vor allem ist die "Stimme Amerikas" aber ein exzellenter Solist, der seine Instrumente bis zur Perfektion beherrscht.

Vom Mitteldeutschen Rundfunk mitgeschnitten, wird das Konzert irgendwann mal ausgestrahlt – der Termin ist noch nicht klar. Das ist aber die Chance für alle Folkrock- und Bluesfans, die sich die nun wahrlich spartanisch kalkulierten 15 Euro Eintritt sparen wollten, das einzigartige Konzert anzuhören, auch wenn eine Konserve nie den Eindruck des Live-Events wiedergeben kann.

Foto: Jazzclub