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Wie man gemerkt hat, war ich von Jetzt auf Gleich 8 Tage nicht mehr da. Eigentlich ja nichts ungewöhnliches hier. Die einen fahren in den Urlaub ohne was zu sagen, die anderen wollen einfach mal eine Auszeit und die nächsten haben andere Verpflichtungen, die einfach wichtiger sind.
Mich hat es einfach umgehauen und ich wurde Patient. Wechselte während meiner Ausübung meines Berufes die Positionen und mußte schmerzhaft erfahren, wie es ist, nicht mehr derjenige zu sein, der die Pillen verteilt, sondern derjenige, der sie schlucken muss.
Auf einmal wird man zur Ruhe gezwungen, muss eine Auszeit akzeptieren, die man so gar nicht wollte. Auf einmal erfährt man die Ängste, die man sonst in den Augen der anderen sieht. Auf einmal wird man mit den Gedankengängen konfrontriert: "Was passiert, wenn es wirklich so ernst ist, wie es aussieht?" Und trotz der total irrsinnigen Situation macht man sich noch Gedanken darüber, was jetzt wohl die Kollegen denken und das sie noch für einem die Arbeit jetzt machen müssen. Aber gerade diese Gedanken waren es wohl, die mich hierhin brachten und selber zum Patienten werden ließen.
Wann hört dieser Irrsinn auf, immer mehr Krankenschwestern und Pflegekräfte einzusparen und die Stationen mit immer mehr Patienten zu füllen? Wann hört es auf, uns immer mehr zumuten zu wollen? Wann macht man sich mal Gedanken darüber, das wir alle nur Menschen sind und keine Maschinen, die zu funktionieren haben? Wie weit will man nur unsere Belastbarkeitsgrenze ausreitzen?
Und das wichtigste: Was will man alles den Patienten noch zumuten??? Schon jetzt sind die Stationen ständig überfüllt und die Pflegekräfte ständig überfordert. Klingelt man, hat man schon fast ein schlechtes Gewissen, da man ja sieht, wie sie sich alle die Hacken abrennen. Oder da gibt es die Patienten, die mindesten 10 mal hintereinander klingeln, obwohl es nicht nötig ist, nur um ein wenig mehr Zuwendung zu erfahren.
Und dann sollen wir unseren Beruf noch bis zum 67sten Lebensjahr ausüben???????
Nachtrag am 04.10.2009 um 00.19 Uhr:
Die Menschlichkeit
Du öffentliches Auge, Du öffentliches Ohr,
hast Du je gesehen und gehört, was die Welt verlor?
Als das Eisen und der Stahl wurden Walze, Kessel, Rad
und das rote Kupfer Telegraphendraht?
Als vor harten Lippen und umflorten Sklavenblick
sich zum blauen Himmel hoben Kaufhaus und Fabrik?
Als in graue Ziegelbäuche nach gewaltigem Bedarf
man wie Kohle Männer, Frauen, Kinder warf?
Als aus allen Städten, Dörfern Menschlichkeit entwich,
in die Wüsten und die Wälder bangen Herzens schlich
und nun unter guten Bäumen, zwischen Hirsch und Reh
heiße Tränen muß vergießen, in das Gras, den Schnee
und in Nächten, wenn die Wildnis nun im Sturme wankt,
nach den Menschen in den Städten weh und wild verlangt?
Alfons Petzold von 1882 - 1923
(man beachte, wann dieser Mensch gelebt hat.)
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