Heute schon den ganzen tag fühle ich den starken drang, mal offen zu sagen, wie mich diese kinderfeindlichkeit hier bei uns ankotzt. Ja, gerade zu persönlich beleidigt fühle ich mich, wenn ich mir vor augen halte oder es mir vor die selbigen geführt wird, wie arm unsere gesellschaft doch zu sein scheint. Ja, betreuungsmöglichkeiten, bildungssystem, alles im argen, und sicherlich ein großes ärgernis. Aber wie lange schon geht der aspekt der kinderliebe, des höflichseins auch kleinen menschen gegenüber, verloren? Es ärgert mich maßlos, daß man sich mit kindern fast schon entschuldigen muss, wenn man ein restaurant überhaupt nur betritt. Wenn man einige einkäufe mit kindern erledigen „muss“, ja, da gibt’s den ein oder anderen dummen spruch gratis mit auf den so oder so schon nicht einfachen weg.

Mir erzählte kürzlich eine geradezu prädestinierte sonnenbankangestellte, sie könne kinder schon partout nicht leiden, weil diese laut seien und stinken (welch erbärmlicher erfahrungshorizont scheint diesem urteil zu grunde zu liegen?). Mit stolz geschwellter brust gab sie nun auch noch eine selbsterlebte anekdote zum besten, die mir die lust auf künstliche sonne sowie weiteres zuhören verdarb, und diese ging so: beim einkauf fuhr ihr ein kleines kind, mit einem einkaufswagen in die hacken. Es entschuldigte sich ZU LEISE und OHNE BLICKKONTAKT. Empört über dieses fehverhalten leerte die engagierte kinderhasserin kommentarlos den inhalt ihres noch zu erwerbenden eierkartons auf dem haupte des vollkommen ahnungslosen kindes. Für diese geschichte erntete sie tosenden applaus, mit diesen kindern sei es ja auch unmöglich einen ruhigen einkauf zu tätigen. Recht so, recht so. ob sie der mutter die noch zu zahlenden eier in rechnung stellte, blieb an der stelle offen...

eine weitere selbsterlebte geschichte, war die im reisebüro: mein sohn und ich suchten ein ebensolches auf, um eine pauschal-flug-reise für 5 (!!!!!!!!!) personen zu buchen. 3 kinder, 2 erwachsene. Ein gängiges familienmodell, wie ich bis dato dachte. Die schockierten blicke, der sicherlich mit allen wassern gewaschenen reiseverkehrskauffrauen, hätten mich stutzig machen sollen, doch als geborener optimist (oder ist es mittlerweile ignoranz?) übersah ich diese unzweifelhafte mimik wohlwollend, um mich eines besseren belehren zu lassen! wenn man überhaupt im sogenannten familienkatalog eine reise finden kann, bei der ein zimmer, ein appartement, eine irgendwas für 5 personen zu buchen ist, dann für drei erwachsene und zwei kinder. Was mir nach längerem überlegen natürlich auch nur logisch erscheinen kann: der vater1, der vater2 die mutter, die kinder. Der vater, seine sekretärin, die mutter, die kinder. Die mutter, der vater, der frisör, die beiden kinder ??? ja, wie denn jetzt? Man kann natürlich auch einfach für eines der drei kinder den erwachsenenpreis bezahlen, dann können alle kinder mit. Ansonsten müsste man sich spaßeshalber mal die heimunterbringungskosten für kurzzeitpflege ausrechnen lassen, ich denke, das rechnet sich eher.

Glücklicherweise sind wir im besitz eine autos, und österreich, die schweiz, italien und auch die nahen niederlande sind immer eine reise wert. Wir werden also vom pauschaltourismus abstand nehmen, und wieder wie früher mit gepacktem auto losdüsen...war schließlich auch immer schön.

Ich könnte die liste der unglaublichkeiten noch lange, lange fortsetzen... vom hotel, das damit wirbt, „wir sind sehr hundefreundlich, aber kinder unerwünscht!“ über die bürgersteige, die man mit dem kinderwagen nicht nutzen kann, weil mitten drauf eine laterne licht spendet... Bis hin zum frisör, der das haareschneiden bei kindern nicht lukrativ genug findet... alles gehört, gesehen und erlebt.

 

ich möchte dieses medium eigentlich gar nicht zum meckern nutzen, das passiert nur immer so!! eigentlich ist es mehr ein appell... denn mir scheint, wir haben in deutschland ein ernstes problem: kinder gehören wohl nicht in den alltag, sondern in die ganztagsschule, in die tagesstätte, ins kinder-tobe-land... egal worein, bloß nicht wieder rauslassen. Kein wunder, das manche erwachsene ein problem im umgang mit kindern haben, sind sie doch gar keine mehr gewohnt. Das verständnis kann nur fehlen! Nicht das wir bald mal irgendwann ein resozialisierungsprogramm für unsere kinder fordern müssen, weil diese sich in der wirklichen welt, fernab von tobeparadiesen und einrichtungen nicht mehr zurecht finden?!

 

"Es nützt nichts, unsere Kinder zu erziehen, sie machen einem sowieso alles nach"