Langsam fallen die letzten Blätter von den Bäumen, werden die Tage kürzer und die Nächte länger, die ersten Stürme fegten schon über's platte Land, die Strände sind menschenleer und Alles wird ruhiger. Der Sommer hat sich verabschiedet, mit ihm der Großteil der Touristen, der Herbst und die Erntezeit liegen beinahe hinter uns und schon steht wieder der Winter vor der Tür. Es ist still geworden, viel stiller, als es ohnehin schon immer ist, hier, in Friesland. Aber das finde ich keinesfalls schlimm, denn ich liebe die Ruhe. Wenn ich abends durch die Gassen spaziere, kann ich meinen Gedanken nachhängen und der einzige Begleiter der Wind, der wie ein Spukgespenst durch die Gassen saust, vorbei an den erleuchteten Fenstern, vorbei an den vielen Leben dahinter, die langsam zur Ruhe kommen. Etwas Entschleunigung für die Welt. Und dann stelle ich mir vor, wie die Menschen dahinter wohl leben, oder was sie gerade tun. Das habe ich als Kind schon geliebt, wenn ich wieder einmal versucht habe mit dem Schlitten über die vereisten Straßen zu fahren, die viel zu flach sind. Dann lagen die Straßen wie ein Spiegel vor mir, die Reflektionen der Lichter, die sich auf ihm spiegelten und in der Luft der Duft von Kaminfeuern und Gebäck. Und manchmal habe ich mir vorgstellt, wie hinter dem einen oder anderen Fenster gerade jemand sitzt und mit einer kupfernden Kelle kleine Mengen Teig in ein Waffeleisen gibt, so wie ich es schon immer bei meinen Großeltern gesehen habe, wenn das Jahr sich langsam dem Ende neigte...

Das ist eine kleine Neujahrstradition hier - Die Rullerkes, oder wie wir sie noch nennen: "Neejohrskoken". Traditionell werden sie zum Jahresende hin gebacken und zum ersten Mal gegessen, wenn die Freunde und Nachbarn zu Besuch kommen, um ein Glückelk Neejohr (Frohes, neues Jahr) zu wünschen, also am ersten Tag des neuen Jahres.
Aber unter uns gesagt, oder wie meine Oma schon immer sagte: Die schmecken mir das ganze Jahr über. - Eben solang' der Vorrat reicht und ich kann aus Erfahrung sagen, dass dieser schnell versiegt ist, denn sie schmecken einfach jedem zu gut, als das sie lang überleben würden und die Herstellung braucht viel Zeit und Geduld - Also noch ein Grund, warum man sie nicht immer backt.


Die Neejohrskoken sind ein friesisches Teegebäck, ein Waffelgebäck, das über Stunden mit einem Waffeleisen hergestellt wird. Dabei handelt es sich nicht um ein gewöhnliches Waffeleisen - der Unterschied besteht darin, dass die Oberfläche des Eisens glatt ist und nicht grob. Hat man einmal den Teig hergestellt, der in etwa die Konsistenz hat von Eierkuchenteig, dann können schon einige Stunden vergehen, wenn man einen ordentlichen Vorrat anlegen möchte, denn der Teig wird für jede Waffel löffelweise in das Eisen gegeben (man kann sich vorstellen, dass so ein Teig eben sehr ergiebig ist) und braucht dann eine gewisse Zeit zum Backen. Anschließend wird das noch sehr heiße Gebäck von Hand in Hörnchen- oder Zigarrenform, gerollt, bevor es aushärtet - dabei wiederum muss man sehr zügig arbeiten, denn der Teig wird binnen von Sekunden fest und lässt sich dann nicht mehr rollen.



Aber wie wird er nun genau gemacht?

Zunächst braucht man:
300 g Kluntje (weißer Kandis-Zucker)
0,5 l gekochtes Wasser
250 g zerlassene Butter
3 Eier
500 g Weizenmehl
7,5 g Kardamom, gemahlen
15 g Anis, gemahlen


Ich persönlich füge meistens noch zusätzlich 1 Esslöffel ungemahlene Anissamen hinzu (oder auch Sternanis) und ganze Kardamomkapseln, etwas Zimt.

Den Kluntje in heißem Wasser auflösen und abkühlen lassen. Ich gebe die Gewürze schon mit in das Zuckerwasser (sieb das Grobe wieder ab), dann Butter verflüssigen und abkühlen lassen. Die Butter mit Eiern schaumig schlagen, im Wechsel Zuckerlösung und Mehl zugeben. Eine Nacht stehen lassen.
Der Teig sollte leicht vom Löffel gleiten. (In etwa so wie bei Eierkuchenteig/Pfannkuchenteig, etwas flüssiger)
Anschließend Löffelprobe machen - Ist der Teig zu dick, einfach noch etwas Wasser hinzufügen.

Teig auf dem Kucheneisen verteilen, dünn ausbacken, mit einer Gabel fassen, herausnehmen und sofort zu einer Spitztüte oder zur Zigarrenform zusammendrehen -zügig arbeiten - wird sehr schnell hart. Kurz Erkalten lassen oder während des Erkalten schon in eine Blechdose füllen - wir füllen sie immer in eine große alte Milchkanne - damit sie kross bleiben.
Und nicht vergessen:

DazuTee trinken ;-) : www.ipernity.com/blog/hvidliljer/3835044