Dree is Oostfresen Recht

Ostfriesland und Tee gehören einfach zusammen, wie... ja, wie Moors op Eimer, wie man so schön sagt. Durchschnittlich sieben Pfund Tee trinkt ein Ostfriese im Jahr, drei Tassen in vier Teezeiten pro Tag, daher spricht man hierzulande auch vom Ostfriesischen Recht "Dree is Oostfresen Recht" - drei Tassen Tee ist Ostfriesen Recht.

Dies wird noch untermauert, wirft man einen Blick zurück in die Geschichte: Im Rahmen der Rationalisierung bezüglich der Nahrungsmittel im zweiten Weltkrieg, gab es, neben den üblichen Lebensmittelkarten besondere Teekarten , die ausschließlich an die Ostfriesen ausgegeben wurden. Und dies ist kein Ammenmärchen. Die Teekultur ist in Ostfriesland so tief verwurzelt, wie ... sagen wir mal .. das Amen in der Kirche. Das musste schon Friedrich der Große im Jahre 1771 feststellen, als dieser versuchte, ein Gesetz zu erlassen, welches den Tee als "Chinesisches Drachengift" verbot... jedoch hatte dieser nicht mit der typisch ostfriesischen Sturheit gerechnet (aber dies ist ein anderes Kapitel), die das Gesetz wieder von der Teetafel fegte. An sich ist der Friese ein genügsamer und friedliebender Geselle, kommt mit wenig aus, aber auch er hat seine Grenzen, und die überschreitet man, wenn man ihm den Tee nimmt.






Warum weiß ich nicht, da müsste ich lügen, oder einfach aus dem persönlichen Nähkästchen plaudern. Und meine Erfahrung ist, dass es eben einfach nichts gibt, dass mich mehr in meine Wohnung lockt, als der Gedanke an eine schöne, heiße Tasse Tee, besonders dann, wenn ich den ganzen Tag draußen an der Küste verbracht habe, an der stürmischen Nordsee, während mir eine kalte, steife Brise die Tränen in die Augen getrieben hat, aber auch einfach so, zu jeder Wetterlage und jeder Stimmung. Denn er wirkt auf verschiedenste Weise, belebend, oder beruhigend, auf alle Fälle immer richtig. Ich würde es ein "Heimkommen" nennen, es hat etwas mit der Gemütlichkeit zu tun, dem Moment Auszeit, der Wärme in einer kleinen Tasse, wie ein Kaminfeuer für Körper und Geist. Und so klingt es auch, wenn man den heißen Tee in die Tasse gießt und der Kluntje darin beginnt zu knacken und zu knistern. Er ist Besinnlichkeit und Gastfreundschaft und ich finde, wenn man Ostfriesland einem Geschmack zuordnen müsste, was natürlich Blödsinn ist, wer tut sowas schon? Aber müsste man, dann wäre es wie bei diesem Tee: An der Oberfläche zartbitter und süß am Grund. Und so muss er er auch sein...

...Een Kluntje as'n Sliepsteen und een Wulk Rohm
[Ein Kluntje als Schleifstein und eine Wolke Rahm]

Zunächst braucht es eine vorgewärmte und bauchige Teekanne, hierzu spült man diese einfach mit kochendem Wasser aus. Wieviel Tee man benötigt hängt von der Zahl der Teetrinker ab. Es gilt:
  • Ein Teelöffel pro Tasse Tee und einen zusätzlich "für die Kanne". Soweit so gut. Anschließend gießt man den Tee mit sprudelnd kochendem Wasser auf, so weit, bis die Teeblätter gerade eben bedeckt sind. Man stellt die Kanne auf ein Stövchen und lässt den Tee drei bis fünf Minuten ziehen, bevor man die Kanne vollständig mit kochendem Wasser auffüllt.
Ein guter Ostfriesentee wird in der Regel nicht bitter, dennoch kann man, wenn man möchte, den Tee durch ein Teesieb anschließend in eine weitere vorgewärmte Kanne einfüllen.

Jetzt ist es äußerst wichtig, dass man den Tee nicht in eine x-beliebige Tasse füllt. Nein! Jetzt mögen viele sagen "Was für ein Blödsinn, ist doch schnuppe, aus welcher Tasse ich trinke" .... nochmals Nein! Es mag merkwürdig klingen, aber die Tasse ist entscheidend für den Geschmack des Tees. Die ostfriesischen Tassen sind eher klein und flach, und wichtig: aus sehr sehr feinem Porzellan! Das zu erklären würde ewig dauern, am Besten man macht selbst den Test.

Zuerst gibt man in jede Tasse einen Kluntje (großer weißer Kandiszucker), dann gießt man den heißen Tee auf. Und da ist es: Das Kaminfeuer ... das Knistern und Knacken.

Auf den Tee gibt man mit einem Sahnelöffel (der sieht etwas aus wie eine Miniatur-Suppenkelle) an den Tassenrand etwas echte Sahne, welche zuerst langsam in den Tee hinabsinkt und kurz darauf wie eine Wolke aufsteigt - das berühmte Wulkje .... ein toller Moment, den jedes kleine und auch große Kind begeistert ;-) ... mich erinnert es an den weiten Himmel an der ostfriesischen Küste. Jedoch...

...Bitte nicht umrühren !!

Zwar bekommt jede Tasse einen Teelöffel auf den Unterteller gelegt, dieser dient jedoch ausschließlich dem Zweck, seinem Gastgeber zu signalisieren, wann man nicht mehr nachgeschenkt bekommen möchte. Der Tee sollte, wie schon erwähnt: sanft - herb - süß sein. Zuerst das "Wulkje", dann der herbe Tee und im Abgang die Süße des "Kluntje". Wie das Land und seine Bewohner. Oberflächlich eher kühl, zartbitter und im Kern warm und süß. Es ist wie beim Teetrinken - man muss sich eben Zeit nehmen den Dingen auf den Grund zu gehen. ;-)

Hat man dann genug Tee getrunken, kommt der Löffel in's Spiel. Diesen stellt man in die leere Tasse, es signalisiert dem Gastgeber, das nicht mehr nachgeschenkt werden soll. Oft schon kam es zu Vorfällen mit Nicht-Sachkundigen, die Kannen über Kannen voll Tee getrunken haben sollen ... und kein Ende in Sicht. Sonst heißt es noch:
All't mit Måten un Tee mit'n Schleif! (Alles in Maßen und Tee mit der Kelle)

.... Nach drei bis vier Tassen sollte man, der Höflichkeit geschuldet, de Leepel (den Löffel) in die Tasse stellen. ...Der Tee ist aber so lecker, dass ich manchmal meine Manieren vergesse.


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Am Besten schmeckt er aber tatsächlich in Ostfriesland, was nicht nur mit der Umgebung zu tun hat. Das Wasser hier ist sehr weich und verleiht dem Tee ein besonders feines Aroma.