Der Sonntag, ein Ruhetag.

Einmal in der Woche ist ja Sonntag, und das ausgerechnet noch am Wochenende, wo jeder angeblich ausruhen sollte. Bei der Familie Padders war das allerdings ein bisschen anders.

Das fing schon damit an, dass Klein Pammi, eigentlich war ihr Name Pamela, die Juengste der Familie, kaum dass sie aufwachte, sich am Gitter ihres Bettchens hochzog und so lange zeterte bis sie ihre Flasche bekam. Pappi Padders, wir koennen ihn auch Paul nennen, machte einen Satz aus dem Bett, und tastete noch schlaftrunken nach dem Milchpulver, das irgendwo in der Kueche herumstehen musste, dieses mal,... er fluchte wie ein Bierkutscher,.. aber das kann ich hier nicht widergeben... nie war dies an einer und derselben Stelle, immer war es eine Suchaktion voller Ueberraschungen. Na, schlieslich und endlich bekam Pammi ihre Flasche und gluckste zufrieden. Er dachte, wie leicht es doch ist ein Menschenkind zufrieden zu stellen.

Also Paul wieder zurueck ins warme Bett. Von Mutti Padders war nur der Lockenkopf zu sehen. Immer vom Sonnabend zum Sonntag mit Wicklern besteckt, aber er sagte schon garnichts mehr, solche Túcken waren noch jene die am wenigsten schlimm waren.

Paul seufzte leise. Nun war er hellwach. Also nichts wie wieder raus aus dem Bett. Etwas verstimmt zwar, begab er sich in das Wohnzimmer, nahm sich eine Zeitung der vorigen Woche vor, ... weiss der Kuckuck wo die vom Vortag lag,... er dachte es sei ja auch egal, machte es sich schoen bequem, aber es war eben doch noch etwas kuehl. Er schnellte wieder hoch um den Ofen anzuzuenden, ging in die Knie... nun, das Zeug wollte nicht brennen. Er pustete was die Lunge hergab, wobei er sich einem Aschenregen aussetzte. Endlich zuengelten die ersten Flaemmchen.

Pappa Padders rieb sich die Haende, endlich, dachte er, nun stand nicht mehr viel im Wege um zu einem ruhigen Moment zu kommen. Er braute sich noch schnell einen kraeftigen Kaffee mit viel Sahne, nahm sich die Zeitung wieder vor. Kaum dass er die Schlagzeilen ueberflogen hatte, vernahm er im Flur einen Mordsradau. Seine beiden Jungens, Klaus und Peter, die siebenjaehrigen Zwillinge, hatten sich ihre neue Inianerkleidung angezogen, polterten mit lautem "Hua HUA" zur Tuer rein, und wollten mit Pappi Indianer spielen, zuerst einmal musste Paul sich fesseln lassen. Er laechelte etwas bitter, wollte aber auch kein Spielverderber sein. Indianer sind kampflustig, nur so konnte ein Spiel echt sein.

Schliesslich verkruemelte sich Paul und fluechtete in den Garten um das Auto zu waschen, was man ja auch einmal machen musste, dies bevor er sich der Kritik seitens der Nachbarn aussetzte. Aber was musste er da sehen, jemand hatte am Vortag den Wasserhahn offen gelassen, und der Garten war eine einzige Sumpflandschaft. Eigentlich ueberraschte ihn schon garnichts mehr, wer weiss was alles noch kommen wuerde. Schon fast gefuehllos nahm er den Schlauch, und knallte den Wasserstrahl auf das Capot des Autos, dachte dabei ... das gibt wieder eine Wasserechnung. Naja.

Ploetzlich spuerte er etwas Kuehles an seinem verlaengerten Ruecken, er sah rueckwaerts, natuerlich, der Schlauch hatte einen Riss, und eine kleine Fontaene spritze in alle Richtungen. Er warf alles hin, er gab einfach auf.

Aber nein, Paul war doch nicht so leicht unterzukriegen. Schliesslich hatte er ja noch eine Giesskanne und koennte die Geranien begiessen, und damit den Lob seiner Frau ernten. Gedacht, getan. Vielleicht war die Stimmung an dem Tag doch noch zu retten. Aber was musste er da sehen, unter den besagten Blumen, wimmelte es, das waren ganze Heere von Ameisen, die sich an dem Laub guttaten. Also Ameisengift her, die Dose war allerdings fast leer, aber immerhin etwas, meinte er.

Ploetzlich vernahm er einen verdaechtigen Duft, besser gesagt Geruch, die Blumen waren es nicht, und schon sah er wie aus dem Kuechenfenster eine Rauchwolke drang. Ach du liebe Guete, er raufte sich die Haare, er hatte vergessen, dass er ja die Milch zum Abkochen aufgesetzt hatte...

Fortsetzung folgt....



Fortsetzung von " Der Sonntag, ein Ruhetag"

¡ Ach, o jeh auch der Toast! Paul liess alles liegen und stehen, stolperte eilig in die Küche, dort -wie konnte es auch anders sein- ... ein einziges Malheur, er drehte schnell die Herdflamme aus und warf die verkohlten Toastscheiben in den Abfall. Die übergekochte Milch hatte sich zum Teil auf dem Herd, zum Anderen am Boden ergossen.

Da eschien auch schon Mutter Padders im Tuerrahmen, -Uschie hiess sie uebrigens, -also Uschi schimpfe lauthals, sie war puterrot vor Wut, sie sah abwechslend zu Paul, dann zu dem Kater, der auch so ein bisschen zur Familie gehoerte, dieses Tierchen hiess übrigens Professor. Uschi in ihrer Wut, wusste selber nicht recht an wen sie ihre Anklage richten sollte, an Paul oder an Professor, oder an beide. Paul stand zerknirscht mitten in der Qualmwolke, und pettete vorsichtig in der Milchlake einher. Er musste allerdings zugeben, dass bei all dem Uschie doch ziemlich charmant aussah, wie so dastand mit ihrem Babydollhemdchen, den rosa Lockenwicklern, und den flauschigen Pantoffeln.

Professor schaute ganz verdattert in die Gegend, er verstand ueberhaupt nichts mehr, zudem gab ihm Paul noch einen sanften Fusstritt, und Professor tappte beleidigt davon, - was konnte er denn dafuer.

Uschi war die erste die sich daran machte die Normalitaet wieder herzustellen. Mit einem Seitenblick auf den Frühstückstisch stellte sie fest, dass die Butterdose leer war. Aha, dachte sie gleich, also Pofessor war garnricht so unschuldig bei der Sache, die hatte der Kater also aufgefressen. Verdammt, es war das letzte Stück Butter. Paul half was er konnte, was nicht allzu viel war. Das Ganze hatte ihn zu sehr mitgenommen.

Bald sass die Familie dann am Kaffeetisch, und alles schien wieder seinen normalen Gang zu haben. Die Zwillinge erinnerten Paul daran, dass Pappi ihnen ja versprochen hatte am Nachmittag zusammen Halma zu spielen. Natuerlich erinnerte Paul das, auch dass er noch mit Uschi in den Supermarkt gehen musste. Warum schliessen diese nicht sonntags? Schliesslich ist Wochenende.

Aber noch ist nicht aller Tage Abend, sagte sich Paul, er witterte, irgendwas musste ja noch passieren.

Klein Pammi war am Zahnen, jammerte zuerst, und Paul nahm die Kleine auf den Schoss, dann schrie die wie am Spiess. Paul gab Pammi an Uschi weiter, Uschie nahm sie raus. Da war erst einmal wieder Ruhe. "Ja doch Pappi, komm mit uns raus Fussball spielen", bettelten die Zwillinge. Pappi war nicht mehr rumzukriegen und wetterte los: "Verdammt, lasst mich in Ruh", stand auf und eilte in den Baderaum, drehte die Dusche auf, und entledigte sich seiner Waesche. " so hier bin ich sicher, dachte er bei sich.

Leider kam aber kein Wasser aus der Dusche. Natuerlich, er hatte ja den Haupthahn abgedreht, als das Malheur mit dem Wasserschlauch war. Also wieder anziehen und raus den Haupthahn aufdrehen. Nun waere es ja alles in Ordnung gewesen, Paul stand endlich unter der warmen Dusche und hatte das Gefuehl, dass mit dem Seifenschaum und dem warmen Wasser alle Muehe und Plage der Welt an ihm runterrieselte und im Abzugloch fuer ewig entschwand. Das schien ihm ziemlich logisch, und war nach dem Genuss der warmen Dusche eigentlich mit sich und der Welt zufrieden. Was da àlles passiert war, - so dachte er - kann schliesslich und endlich in den besten Familien vorkommen.

( Noch eine Fortsetzung? Lieber nicht.) Eben kam nämlich meine Enkelin und wollte, dass ich mit ihr Bilder male. Heute ist ja Sonntag.

Hildegard Rasch