Wer mich eigentlich auf die Idee gebracht hatte, war meine Tochter, sie sagte: "Mutti du hast nun so viel schöne Blumen, das müsstest du jetzt eigentlich photografieren". Ich hatte aber noch keinen Photoaparat, und auch nicht das Geld dazu. Trotzdem ging ich in ein bekanntes Photogeschäft und liess mich beraten. Mein Entschluss war eine PRAKTIKA zu kaufen auf Abzahlung. Das war etwa im Jahr 1983 Dieser Apparat - so sagte mir der Verkäufer -sei ein Erwerb von dem ich mein ganzes Leben etwas hätte. Das Ding sah an und fúr sich schon mächtig aus, aus Stahl, eigentlich mehr fuer eine Männerhand geschaffen, es wog so mindestens zwei Kilo. Vom Photografieren verstand ich damals noch recht wenig, heute auch nicht gerade sehr viel mehr Freunde brachten mir so das nötigste bei, ich vertraute es meinem mehr oder weniger vorhandenen Geschick an, ein vernünftiges Bild zustande zu bekommen.

So kam es dann, dass ich anfangs fast nur Blumen photografierte, und nur fuer Diapositive, die man ja so gut im Projektor vorfuehren konnte. Wenn ich dann mal Besuch hatte und die langweilen wollte, damit die endlich mal nach Hause gingen, brauchte ich nur zum Diasvorfüren einladen, dann verabschiedeten sie sich garantiert mit " einem lieber das nächste Mal". Da hatte ich nun meine PRAKTIKA, man sagte mir dass die in der damaligen DDR produziert wurde. Ich habe dieses Wunder an Apparat heute noch, nur bekomme ich nirgendswo mehr Batterien dafúr, denn mit Belichtungsmesser zu arbeiten war mir zu umständlich.

Allmählich wurde mir das Blumenphotografieren etwas langweilig, kaufte dann ein ganzes Register Vorsatzlinsen, da konnte man kreativer arbeiten. Ich ging dann zu Landschften über. Seen, Wálder, Wasserfalle mit oder ohne Regenbogen, Sonnenuntergánge weniger, Objekte im Nebel, ( ist immer gefragt) als die mir dann zu turistisch und nach Postkartenaufnahmen aussahen, fing ich mit den Vorsatzlinsen an. Da konnte ich dann z.B, ein Rapsfeld violett und den dazugehörigen Himmel orange hinkriegen, das sah toll aus. Mit einer anderen Linse ( fragt mich nicht wie die Dinger richtig heissen) konnte ich da Blitze reinzaubern, oder alles verdrehen, das sah dann aus als wenn man die Landschft durch den Fleischwolf gegeben hätte, oder mit noch einer anderen das so aufnehmen, dass eine Landschaft vervielfältigt wurde, so dass es aussah als ob eine über der anderen lag, so wie Tortenschichten ungefáhr.

Mit den Landschaftsaufnahmen ist das auch so eine Sache, wenn es nicht irgendetwas Besonderes zeigt, lohnt es sich auch nicht, also dann versuchte ich es mit Makro, was mich ebenfalls nicht besonders reizte, weil da die Hauptarbeit die Linse macht, gebe zu, auch das gute Auge es Photographen. Ich suchte weiter, dann bekam ich den Farbenfimmel, das war schon eher etwas, kombiniert mit Gegenlichtaufnahmen, Seitenlicht usw, die Beleuchtung war immer etwas sehr wesentliches fuer mich. Wenn ich ein gutes Motiv fand photografierte ich es sicherheitshalber mehrere Male, damit dann wenigsten eins brauchbar ausfaellt.

Dabei erinnere ich das Mal als ich in einer lichten Stelle im Wald eine Pilzfamilie entdeckte. Allerdings wimmelte es von Turisten, und ich überlegte wie ich mich da ungestoert beschäftigen konnte. Meine Tochter war oft meine treue und geduldige Begleitung. Also ich entschied mich längs auf den Bauch zu legen, schliesslich kann man ja Pilze nicht von oben photografieren. Meine Tochter wurde langsam nervös, " Mutti steh doch auf ,da kommen Leute, was solln, die denken wenn du da auf dem Boden liegst" ich stand wieder auf, jedes Mal wenn Leute kamen, wartete ich immer bis die vorbei waren...., schliesslich wurde mir das zu bunt, ich blieb bäuchlings,schön bequem, einfach liegen, stellte den Aparat auf Entfernung ein, sah dabei ,dass ich das Moos gut mitbekam, ein paar vergilbte Blátter... , und schon kam eine Dame auf mich zu, ich witterte etwas: " kann ich ihnen etwas helfen?" Das hatte mir gerade noch gefehlt, ich wusste das Photo war dabei verwackelt. Die Dame insistierte " Fuehlen sie sich nicht ganz wohl?" Ich stand resigniert auf, es wurde nichts mit dem Pilzphoto, musste mir noch die Bemerkungen meiner Tochter anhóren, die will ich hier nicht widergeben-

Jetzt kónnte ich die Geschichte ja abschliessen mit --- und wenn sie nicht gestorben sind dann leben sie heute noch --- aber nein, abschliessend kann ich nur noch sagen dass ich spáter doch mal was Brauchbares erreichte, nicht viel, vielleicht Zufallstreffer, ein paar Preise, nie den ersten , aber macht nichts. So hat wohl jeder seine Geschichte zu erzaehlen, mit dem Thema Photografie, und ich weiss wie gut manche Fachsimpeln könnnen und Bescheid wissen. Ich habe mehr Gewicht auf das Amusement mit der Photografie gelegt als auf das Technisch Richtige.

Hildegard Rasch