Die Rebellion.

Am Morgen war der Tag eigentlich wie alle anderen, bis er sich gegen Mittag ganz plötzlich veränderte. Mit dem Autoverkehr fing es an.

Es war wieder einmal Verkehrsverstopfung, das waere um die Mittagstunde immer noch einigermassen normal, aber was da passierte, spottet jeder Beschreibung.

Man stelle sich vor, alle Fahrzeuge fuhren auf einmal rúckwárts, und schlitterten hin und her, die Hupen schalteten sich von alleine an, die;Lichter blinkten, Reifen platzten einer nach dem andern, sämtliche Capots öffneten sich von ganz alleine als wáren es aufgerissene Mäuler die nach Luft schnappten. Ein Geschrei und Geschimpfte, ein verzweifeltes Stöhnen, aber das half ja úberhaupt nichts, manche ergaben sich ihrem Schiksal und dösten Löcher in die Luft.

Dann ging das weiter: Glaubt es oder gaubt es nicht, aus dem U- Bahnschacht drängte sich die Bahn mitten in das Verkehrsgewühl. Der Schutzmann auf dem Sichtpodium war verzweifelt, seineTrillerpfeife war bei dem höllischen Lärm kaum noch hörbar. Das hatte er noch nie erlebt. Er raufte sich die Haare in Büscheln aus, griff mit zitternder Hand nach seinem Handy um die Feuerwehr zu rufen, die Polizei war zwar schon aufmerksam geworden und versuchte sich zu behaupten. Sicherheitshalber nahmen sie gleich ein paar Leute fest. Schuld oder nicht war ja egal.

Auf dem Bürgersteig war auch ein einziges Chaos, einige waren ohnmächtig geworden, und man versuchte vergebens ihnen Luft zuzufächeln. Die Ambulanz war auch irgendwo mit dem Verkehr verstrickt und konnte weder vorwärts noch rückwarts fahren, man hörte das anhaltende huij je, hui je des Krankenwagens, aber was half,s wenn der festsass.

Die Feuerwehr hatte es leichter, die spritzten einfach mitten in die Menge, obwohl es auch keine definitive Lösung darstellte, und alles floss, triefte und schwappte. Vom Zeitungstand rutschten die Zeitungen stapelweise in den Rinnstein, die Zigarettenschachteln, wie kleine Boote, schwammen im Wasser vergnügt hin und her.

Ja, was war denn das? Sogar der Kirchturm schwankte, und die Glocken gingen alle auf einmal los. Die Häuserwánde zitterten wie bei einem Erdbeben. Es war grauenhaft.

Nun das war noch längst nicht alles. Hunde und Katzen irrten auf den Autodáchern herum und wussten auch nicht mehr wohin sie gehörten, die Hunde knurrten, jaulten und kläfften sich gegenseitig an, die Katzen miauten jämmerlich.

Plötzlich zuckten grelle Lichter wie Blitze über das Geschehen hinweg, ein unterirdisches Grollen versetzte alle in eine Art Panik der sich niemand entziehen konnte, und dann auf einmal war der ganze Spuk zu Ende. Alle atmeten auf. Der Verkehr war wieder einigermassen in die Normalität gekommen.

Was hatte das alles zu bedeuten?

Ist das nun Ulk oder Ernst?

Hildegard Rasch