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August 27, 2009

Botany Bay – Old Men With Ballpoint Pens

Politics are not usually Botany Bay's main topic.

Nevertheless, their new single "Old Men With Ballpoint Pens" deals with the fear of living in a surveillance society, the fear of censorship, and the fear of a government cutting civil liberty under the pretence of protecting its citizens...

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August 5, 2009

Naemi



Naemi





Mara blickte von ihrer Zeichnung hoch zu der Uhr, die an der Wand in ihrem Büro hing. Es war ihr gar nicht aufgefallen, wie schnell die Zeit vergangen war. Heute würde sie ausnahmsweise einmal ein wenig früher Schluß machen.

Nicht, daß sie ihrer Arbeit überdrüssig war. Das Gegenteil war der Fall. Mara liebte ihre Arbeit, sie fühlte sich wohl bei ihren Mitarbeitern und alle mochten Mara. Sie war Herz und Seele des Büros, und ihre freundliche und hilfsbreite Art steckte alle an. Nicht wenige waren sogar ab und zu ein wenig neidisch auf ihre Natürlichkeit und auf das lebendige Funkeln in ihren Augen.

Doch jetzt wollte Mara gehen, auch wenn sie selbst noch nicht recht wusste, wohin sie gehen wollte.
Einfach laufen, ein bißchen träumen. Sie selbst sein.

Sie streifte sich ihr Jackett über, nahm ihre Tasche, schloß das Fenster und eilte hinaus auf den Flur. Mit einem Mal hatte sie es so eilig, daß sie nicht einmal mehr Lust hatte, sich von den anderen zu verabschieden. Sie öffnete die Tür zum Treppenhaus, rief ein "Tschüss" in den Flur und wartete die Antworten der anderen gar nicht ab, sondern lief eiligen Schrittes die Treppe hinunter.

Draußen angekommen holte Mara tief Luft. Es war ein wunderschöner Spätsommertag. Über ihr tanzten die Mauersegler und riefen sich gegenseitig ihr verspieltes und aufgeregtes "wieeeeet... wieeeet..." zu.
Mara lächelte und schaute nach oben. Sie musste die Augen ein wenig zusammen-kneifen, weil die Sonne so hell schien. Sie winkte mit den Armen und rief ebenfalls "wieeeeet... wieeeet..."

Sie lachte. Und doch lachte sie nicht. Es war schön, diese Vögel zu begrüßen, aber sie konnte sich nicht richtig freuen.

Sie schaute sich um. Rechts von ihr führte die Straße aus der Stadt hinaus, dahinter kamen die Felder und dann irgendwann dunkelgrün und ein wenig von Dunst bedeckt die Berge. Genau das, was sie jetzt brauchte. Da würde sie hingehen.

Sie machte sich auf den Weg. Sobald sie die Möglichkeit dazu hatte, wechselte sie auf einen Feldweg, der an einigen Brombeerhecken vorbeiführte. Sie stibizte sich ein paar von ihnen. Diejenigen, die in der prallen Sonne hingen, waren die besten. Sie waren warm vom Sonnenlicht, und sie schmeckten unendlich süß und aromatisch.

Anderthalb Stunden war Mara gelaufen, als sie schließlich am Fuß der Berge angekommen war. Dort unten wuchsen auf hellem, lehmigen Boden hohe Sträucher und lange Bäume, an denen das Efeu empor wuchs. Es war hier dunkler - einerseits, weil es inzwischen schon später am Tag war und die Sonne sich inzwischen hinter den Bergen befand, andererseits, weil Bäume und Gestrüpp hier sehr dicht wuchsen und wenig Licht durchließen.

Ganz in der Nähe gab es eine schmale Gasse, die Berg hinaufführte. Mara war zwar schon oft hier gewesen, aber ihr letzter Besuch bei diesen Bergen lag über fünf Jahre zurück, und so brauchte sie eine Weile, bis sie die Gasse fand.

In der Gasse, die sich in vielen Windungen den Berg hochschlängelte, war es noch dunkler, doch auf der rechten Seite gab es immer wieder Abzweigungen, die ein wenig in den Wald hineinführten - oft führten sie zu Lichtungen, verfallenen Hütten und Gärten, die schon lange niemand mehr gehörten, und an deren Existenz jetzt nur noch die nun rostigen und halb zusammengefallenen Überreste der Gartenzäune erinnerten.

Mara atmete tief durch, als sie an einer dieser Abzweigungen vorbei lief. Sie erinnerte sich, wie sie früher schon hierher gekommen war. Vor einigen Jahren noch hatte sie diesen Berg regelmäßig, wenn auch mit der Zeit immer seltener besucht.

Die Abzweigungen hier waren nämlich etwas Besonderes.

Nicht nur, daß sie an vergessene Plätze führten, die zwar mitten in bewohntem Gebiet lagen, bei deren Betreten sie aber doch immer das Gefühl gehabt hatte, die erste zu sein, die ihren Fuß in bisher unentdecktes Land setzte - für Mara war es ganz klar, daß dieser Berg auf eine magische Art und Weise mit ihrem Leben zusammenhing. Jede Abzweigung war eine Erinnerung, ein einzigartiges Gefühl. Es gab viele davon, und ein paar von ihnen drangen Mara jetzt wieder ins Gedächtnis.

Es gab die Abzweigung, die zu der verfallenen Holzhütte führte, in der sie und ihre Freundinnen an unzähligen Sommertagen stundenlang gespielt hatten. Sie war auch oft allein hier gewesen. Damals hatte Mara jedes einzelne Blatt wahrgenommen, jedes Stück Rinde war ihr ein Gemälde gewesen, eine kostbare Gabe, die ihr Leben reich und bunt gemacht hatte. Inzwischen, so dachte Mara nicht ohne Bedauern, waren die Blätter zu Baumkronen geworden und die Rinden waren viel zu viele Gemälde, als daß man sie sich in einem einzigen Leben mit all seinen Verpflichtungen jemals genau hätte betrachten können. Und deshalb tat sie es auch nicht und ging weiter.

Ein paar hundert Meter weiter führte eine weitere Abzweigung zu einem Tal zwischen den Bergen. Dort gab es eine große Wiese mit Apfel- und Birnbäumen. Auch hier war sie oft gewesen, als sie noch jünger war. Es war damals zur Tradition geworden, im Spätsommer mit Freunden zusammen Äpfel und Birnen klauen zu gehen. Und welch einen Spaß das gemacht hatte! Danach wurde üblicherweise heimgegangen und Apfelkuchen gebacken, und der wiederum wurde später am Abend von der ganzen Apfeldieb-Meute mit einem oder auch mehreren Gläsern gutem Wein zusammen schnabuliert. Bei einer solchen Gelegenheit hatte sie auch Simon kennengelernt, der Mann, mit dem sie jetzt noch immer zusammen lebte, den sie noch immer innig liebte und den sie in ein paar Monaten zu heiraten gedachte. Mara atmete tief durch, als sie sich an all dies erinnerte, und als ihr klar wurde, wie lange sie nicht mehr hier gewesen war. Doch das alles bedeutete nichts Schlimmes, sagte sie sich. Es war eben keine Zeit dazu da, alle Freunde und Bekannten waren inzwischen erwachsen, viele hatten schon geheiratet und arbeiteten wie sie jeden Tag. Da war so etwas halt nicht mehr so einfach.

Dann gab es die Abzweigung, die zur versteckten Lichtung führte. Man mußte ein wenig weiter gehen, über Brombeerhecken klettern, sich durch ein Loch in einem vergessenen Maschendrahtzaun zwingen, über noch mehr Brombeerhecken klettern, und wenn man den geheimen Weg durch das dichte Gestrüpp kannte, dann war man da. Hier war sie oft zusammen mit Simon gewesen, und einige Male hatten sie sich hier so wild und leidenschaftlich geliebt, daß nicht nur sie eins miteinander wurden, sondern auch die Bäume und Gräser um sie herum gemeinsam mit ihnen atmeten, stöhnten und seufzten. Mara gab sich einen Ruck, als sie spürte, wie sehr sie dies vermisste und wie sehr ihr die Sehnsucht dieses Mal im Herzen wehtat, als würde jemand ein kaltes Messer hindurchbohren. So ein Quatsch! Das ging doch alles immer noch, jederzeit. Gar kein Problem. Sie mußte nur sagen, "ich würde gerne mal wieder draußen ficken", und dann würde es auch so werden, vorausgesetzt die näheren Umstände erlaubten dies.

Dann war da noch die Abzweigung, vor der sie jetzt stand. Sie war hier nur ein einziges Mal entlang gegangen, und das war vor fünf Jahren. Hier ging es zu den toten Bäumen. Es waren mindestens zwanzig, dreißig abgestorbene Bäume, die weiter hinten still und regungslos im Wald standen. Keine Blätter flüsterten, wenn sich ein Wind regte, es war dort ruhig wie auf einem Friedhof gewesen, und eisig kalt. Mara bekam eine Gänsehaut, als sie an ihren letzten Besuch hier dachte. Sie war auch zuvor schon lange Zeit nicht mehr hier gewesen, und ebenso wie jetzt hatte sie auch damals die anderen Abzweigungen mit Wehmut betrachtet, hatte sich gesagt, sie könne das alles wieder haben wenn sie nur wollte und war weiter gegangen. Und dann hatte sie die toten Bäume entdeckt, und es war ihr gewesen, als klagten diese Bäume sie an, fragten sie, warum sie nicht mehr vorbeigekommen war, warum sie ihnen nicht mehr zugehört, nicht mehr mit ihnen geatmet, nicht mehr mit ihnen gespielt hatte. Warum sie sie einfach so sterben ließ.
Mara wischte sich die Tränen aus ihren Augen. Nein, diese Gedanken waren falsch und unnütz! Für alles gibt es einen geeigneten Zeitpunkt, sagte sie sich, und es würde auch wieder den Zeitpunkt geben, um hierher zu kommen und glücklich zu sein.

Mara ging weiter.

Als sie eine weitere Stunde gewandert war, fiel ihr eine Abzweigung auf, die sie noch nie vorher gesehen hatte. Das war seltsam, denn eigentlich bildete sie sich ein, diesen Berg sehr gut zu kennen.

Sie schaute sich um. Die Dämmerung hatte begonnen, und selbst wenn sie jetzt sofort umkehren würde, wäre es wahrscheinlich dunkel, ehe sie wieder zuhause ankommen würde. Es wäre vermutlich geschickter, so dachte sie sich, an einem anderen Tag wieder zu kommen und dann die Abzweigung näher zu untersuchen.

Doch genau in diesem Moment sprach so etwas wie eine Stimme zu ihr, die tief aus ihrem Inneren kam. Und Mara wußte ganz genau, wenn sie jetzt umkehrte, würde sie nie wieder hierher zurückkehren. Sie würde einfach dieses oder jenes stattdessen zu tun haben.

Und so ging Mara diese ihr unbekannte Abzweigung entlang. Sie war gespannt, wohin sie wohl führen mochte.

Die Abzweigung führte zunächst einmal ebenfalls weiter nach oben, weswegen Mara nach einer weiteren halben Stunde begann, Müdigkeit zu verspüren. Sie zweifelte, ob es wirklich so eine gute Idee gewesen war, der Abzweigung jetzt gleich nachzugehen, denn jetzt war es schon ziemlich dunkel geworden, und sie war sich nicht sicher, ob sie den Weg zurückfinden würde. Auch hatte sich der Wald irgendwie verändert. Zu ihrer Beruhigung hatte sie keine toten Bäume mehr angetroffen, doch der Wald war dichter geworden und der Weg war zu einem kleinen Pfad zusammengeschrumpft, der sich in einer Schlangenlinie durch die dunklen Fichten und Tannen hindurch wand. Da der Wald hier so dunkel war, wurde es für Mara immer schwieriger, zu sehen, was vor ihr lag. Sie kniff die Augen zusammen und stierte in die beginnende Finsternis.

Da erschrak Mara mächtig, denn in einiger Entfernung kam ihr eine Gestalt entgegen. Wer in aller Welt mochte noch um diese Uhrzeit hier draußen sein? Und ausgerechnet hier, auf einem schmalen Pfad, den Mara nicht kannte und von dem sie sich inzwischen nicht mehr sicher war, ob er vor fünf Jahren schon existiert hatte?

Die Gestalt hatte Mara auf jeden Fall auch gesehen, denn jetzt beschleunigte sie ihren Schritt und eilte so gut sie konnte auf Mara zu. Mara überlegte sich, ob sie wegrennen sollte. Doch als die Gestalt noch näher kam, konnte Mara erkennen, daß es sich offensichtlich um eine alte Frau handelte, von der keine große Bedrohung auszugehen schien.

Mara ging ihr entgegen, bis sie sie genau sah. Es war tatsächlich eine alte Frau, sie war in einen grünen, zerschlissenen Umhang gehüllt, hatte schlohweiße Haare, und auf ihrem Gesicht zeichneten sich unzählige große und kleine Falten ab. Obwohl wenig Licht da war, sah Mara deutlich ihre flinken, dunkelbraunen Augen und die Lachfältchen darunter. Es war zwar vollkommen widersinnig, aber Mara hatte das Gefühl, diese Frau sei keine Unbekannte.

"Guten Abend", sagte die Frau und streckte ihre Hand zum Gruß aus.

"Guten Abend", entgegnete Mara verwirrt und ergriff die Hand. Die Haut der alten Frau fühlte sich an wie zartes Pergamentpapier.

"Bist Du eines von meinen Kindern?" fragte die Frau.

Mara wußte nicht, was sie darauf antworten sollte.

"Wie... wie meinen Sie das, ich meine, was..." stammelte Mara.

"Na, ob Du eines von meinen Kindern bist, will ich wissen...", sagte die Frau und klang dabei traurig. "...ich dachte für einen Moment, Du... wärst vielleicht..."

Die Frau verstummte und schaute Mara in die Augen. Für einen Moment dachte Mara, sie sehe so etwas wie Tränen in den Rändern der Augen der alten Frau.

"Mein Name ist Mara, und ich war hier spazieren..."

"Mara heißt Du also... so, so... meine Hütte ist nicht weit von hier weg... willst Du eine Tasse Tee mit mir trinken, Mara?" fragte die Frau. Ein Lächeln erschien auf ihren alten Lippen.

"Sie meinen, Sie... Sie wohnen hier?" fragte Mara, die sich nicht sicher war, ob sie richtig gehört hatte.

"Oh ja, natürlich", antwortete die Frau. "Es ist gar nicht weit weg von hier, und ich würde mich freuen, ein wenig Gesellschaft zu haben..."

Mara nickte. Es war zwar dunkel und sie hätte eigentlich dringend zurückgemusst, aber gleichzeitig erwärmte es ihr Herz, daß sich die alte Frau so über ihre Anwesenheit freute.

"Gerne", sagte Mara.

Die alte Frau lächelte über die gesamte Breite ihres Gesichtes. "Fein", sagte sie, "es geht hier lang!"

Und zusammen machten sie sich auf den Weg, der weiter in den Wald hineinführte.

Nach einigen Minuten wurde der Wald ein wenig durchsichtiger, und schließlich kamen sie an eine kleine Lichtung, auf der eine arg verfallene Holzhütte stand, neben der sich etwas befand, was Mara nach einigem Überlegen schließlich als Brunnen erkannte.

"So, hier sind wir", sagte die alte Frau, als sie zusammen langsam auf die Hütte zuwanderten. "Es ist zwar nicht besonders schön, aber es ist... was hast Du denn?"

Mara war stehengeblieben und betrachtete verwundert die Hütte. Hier drin konnte man doch nicht wohnen!

"Sie wohnen wirklich hier?" fragte sie schließlich vorsichtig.

"Aber ja, warum fragst Du denn?"

Mara schwieg. Sie wußte nicht, was sie antworten sollte. Deshalb fragte sie einfach weiter:

"Aber Sie wohnen eigentlich woanders, ich meine, Sie wohnen nicht ständig hier, oder?"

"Findest Du es denn so unmöglich, hier zu wohnen?" fragte die Frau, die schließlich an der Tür zur Hütte angekommen war und allmählich ein wenig beleidigt klang.

"Nein", sagte Mara und ging weiter, obwohl es ihre Meinung war, daß hier überhaupt niemand wohnen könne.

"Du wirst sehen, es ist innen viel schöner als außen", sagte die Frau, schloß die Tür auf und bedeutete Mara, hineinzugehen.

Mara betrat die Hütte und blickte sich ungläubig um. Die Frau hatte recht, es war hier innen viel schöner als draußen. Mara hatte das Gefühl, in einen Traum hinein gelaufen zu sein.

Die Hütte war innen viel größer als außen - es gab zwar nur ein einziges Zimmer, aber es war Mara unbegreiflich, wie ein solches Zimmer in so eine kleine Hütte passen konnte. Das Zimmer war schon beinahe wie eine kleine Landschaft. Die Wände waren behangen mit bunten Tüchern und den unterschieldlichsten Arten von Zweigen voller grüner Blätter. Einige waren zu Bilderrahmen zusammengefügt, und die Bilder zeigten Flüsse, Seen, Felsen und Bäume. Als Mara eines der Bilder mit einem Fluß darauf näher betrachtete, glaubte sie, das Rauschen des Flusses zu hören. Es gab mehrere Holztische in diesem Zimmer, und auf jedem von ihnen herrschte große Unordnung. Bücher, Steine, Holzsstücke, Vasen mit Blumen darin, Schalen mit Früchten waren auf jedem der Tische zu sehen, auf einem Tisch standen auch noch Töpfe und Pfannen. Daneben, in der Mitte des Zimmers, befand sich ein altmodischer runder Holzofen.

Die alte Frau ging darauf zu. "Ich muß noch Feuer machen... es dauert nicht lange, dann können wir einen schönen heißen Tee trinken. Mach es Dir gemütlich", sagte sie, deutete auf einen Sessel und begann damit, sich an dem Ofen zu schaffen zu machen.

Mara stand nur da und wunderte sich. Schließlich fand sie ihre Sprache wieder.

"Es ist sehr schön hier", sagte sie.

Die alte Frau, die sich vor den Ofen gebückt hatte, um Brennholz hineinzuwerfen, schaute nach hinten zu Mara und lächelte sie glücklich an. "Schön, daß es Dir gefällt", sagte sie. "Jetzt setz Dich hin und ruh ein wenig aus, Du bist lange gelaufen."

"Das stimmt", sagte Mara und setzte sich hin, nachdem sie sich noch einige Male verwundert umgesehen hatte. "Woher wissen Sie das?"

"Um hierher zu kommen, mußt Du lange gelaufen sein", antwortete die alte Frau, die inzwischen ein Feuer entfacht hatte. Sie schloß die Tür des Ofens, richtete sich auf und setzte sich auf den Sessel, der Mara gegenüber stand.

"Der Tee wird bald soweit sein", sagte sie. "Inzwischen kannst Du mir ja erzählen, warum Du so betrübt bist."

"Betrübt? Ich?" fragte Mara.

"Oh ja, ich habe Dich im Wald gesehen, Du schautest ganz traurig..."

"Sie haben mich beobachtet?"

Die alte Frau schaute Mara irritiert an. "Nicht beobachtet, nur gesehen", sagte sie. "Ich war in der Nähe. Weiter unten gibt es ein Tal, wo Obstbäume stehen. Von denen habe ich mir heute morgen ein paar schöne Äpfel besorgt." Sie deutete auf einen Korb mit Äpfeln, der hinter ihr auf einem Tisch stand. "Und vorhin bin ich auf die Idee gekommen, daß ich auch noch gerne Brombeeren haben möchte... Weißt Du, jetzt ist es die beste Zeit für Brombeeren. Diejenigen, die in der prallen Sonne hängen, sind die besten. Und dort, wo Du warst, da gibt es in der Nähe..."

"... da gibt es Brombeerhecken, ich weiß", sagte Mara. "Es tut mir leid, ich wollte Sie nicht beschuldigen, mir nachspioniert zu haben..."

"Macht nix", sagte die Frau und lächelte wieder.

"Darf ich...", sagte Mara zögerlich und zeigte auf den Korb mit den Äpfeln, "darf ich mir einen von denen nehmen?"

Hätte die Frau noch mehr lächeln können, so hätte sie es getan. Es war ganz klar, daß Mara ihr mit dieser Frage eine große Freude bereitete. "Ja, ja, nimm Dir ruhig... soviel Du willst, ich kann morgen nochmal sammeln gehen", antwortete die Frau und nickte eifrig mit dem Kopf.

Mara nahm sich einen der Äpfel und biß hinein. Wie gut er schmeckte! Wie saftig, wie frisch, wie zuckersüß!

Sie atmete tief durch. "Dankeschön", sagte sie. "Die schmecken wirklich herrlich."

"Und jetzt gibt es gleich noch Tee...", sagte die Frau und goß das inzwischen kochende Wasser in die Teekanne.

"Also?" fragte sie, nachdem sie sich wieder gesetzt hat.

"Was meinen Sie?" fragte Mara.

"Willst Du mir sagen, warum Du so betrübt bist?"

Mara seufzte. "Ich weiß nicht, ob Sie das verstehen würden. Ich weiß noch nicht einmal, warum ich Ihnen das jetzt erähle... ich vermisse jemanden. Ich vermisse jemanden, der mir unendlich kostbar ist."

"Ist es jemand, der Dich verlassen hat?" fragte die alte Frau.

Mara schüttelte mit dem Kopf. "Nein... es ist eigentlich genau anders herum. Es ist jemand, den ich immer mehr verlassen habe, Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr... aber nicht richtig verlassen... ich weiß, er ist die ganze Zeit da... und ich bräuchte nur hinzugehen, aber ich..."

Die alte Frau nickte. "Je mehr Dich Dein Herz an den Ort ruft, wo Du ihn finden kannst, desto schwieriger wird der Weg, und desto weniger kannst Du den Ort finden."

"Genau... woher wissen Sie das nur? Sie scheinen alles zu wissen..."

"Sicherlich weiß ich ganz vieles nicht. Aber meine Naemi verstehe ich."

"Mein Name ist Mara", sagte sie.

"Sicher ist er das. Aber ich kann mich erinnern, wie sehr meiner Naemi die Äpfel, Nüsse und Brombeeren geschmeckt haben. Wie sie verstecken gespielt hat mit den anderen Kindern, wie wir glückliche Zeiten miteinander hatten... und gerade eben, als Du den Apfel gegessen hast, da hast Du dich ebenso gefreut wie meine Naemi es getan hätte."

"Ist Naemi eines von Ihren Kindern?"

"Ja... eines von vielen. Sie werden groß, verlassen mich und vergessen mich. Aber manche kommen auch zurück und ich will ihnen immer wieder so gut sein, wie ich nur kann", antwortete die Frau und stellte sich und Mara eine Tasse heißen, duftenden Tee hin.

"Ich verstehe", sagte Mara. "Und sind Sie Ihren Kindern böse, wenn Sie von ihnen verlassen werden?"

"Ach nein", antwortete die alte Frau und lächelte. "Meine Kinder müssen es selbst wissen, ob sie mich noch brauchen oder nicht. Einige brauchen mich gar nie wieder, das ist schon in Ordnung so... andere wollen mich ein Leben lang bei ihrer Seite haben. Das macht mich dann glücklich. Und sehr sehr glücklich bin ich natürlich, wenn eines sich meiner erinnert..."

Sie saßen lange zusammen da und tranken Tee. Und die alte Frau erzählte lange und ausführlich von den anderen zahlreichen Kindern, die früher hier im Wald gespielt hatten und die sie dann verlassen hatten, und wie sie stolz war, daß aus jedem einzelnen etwas geworden war. Sie redete so lange, und Mara hörte so interessiert zu und stellte so viele Fragen, daß sie irgendwann sehr müde wurde. Es stellte sich heraus, daß die alte Frau ein Bett für Gäste hatte, und Mara war gerne bereit, es zu benutzen. Ein wenig später, Mara war schon beinahe eingeschlafen, kam die alte Frau mit einer Federndecke vorbei und vergewisserte sich, daß Mara es nicht zu kalt hatte.

"Geht es Dir jetzt besser?" fragte sie.

"Ja... viel besser... es ist schön, daß Du nicht böse bist... ich will auch versuchen, wieder zu Dir zu kommen", sagte Mara leise.

Die alte Frau lächelte. Sie wusste, daß sie Mara vielleicht niemals wieder sehen würde. Aber sie war sehr froh, daß sie heute abend den Weg hierhin geschafft hatte. Und sie würde ihr niemals böse sein dafür, daß sie ihren Weg zu gehen hatte.

"Schlaf' gut, meine süße Naemi", sagte sie und küsste Mara auf die Stirn.

(Heidelberg, 2001)

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July 3rd, 2009

Nancy



Nancy



(für A.)




Liebe Nancy!

Es ist jetzt schon eine ganze Weile her, seitdem wir das letzte Mal richtig miteinander geredet haben. Weil in letzter Zeit alles ein wenig schwierig zwischen uns war, und weil es eine Menge Dinge gibt, die ich Dir sagen will, habe ich beschlossen, Dir diesen Brief zu schreiben.

Zunächst einmal möchte ich Dir sagen, dass ich Dich sehr vermisse. Ich vermisse sehr die vielen schönen Augenblicke, die wir zusammen hatten, ebenso wie unsere Gespräche. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass alles schwieriger zwischen uns beiden geworden ist, seitdem ich so "ausgerastet" bin. Du warst danach nie wieder so offen zu mir, und das tut mir leid. Ich habe mich schon tausendmal entschuldigt, aber ich befürchte, ich kann das, was damals passiert ist, nicht so leicht wieder gut machen.

Vielleicht versuche ich es hiermit doch noch einmal: Es ging mir damals einfach nicht gut. Ehrlich, ich wollte immer für Dich da sein und ein offenes Ohr für Dich haben, aber damals (meine Güte, ich schreibe schon "damals", dabei ist es erst drei Wochen her!), als Du mir wieder von Marcus erzählt hattest, ging es einfach nicht. Das ist meine Schuld und es tut mir leid. Ich hatte in jener Woche kaum geschlafen - du weißt ja selbst, dass wir uns beinahe jeden Tag zum Spazieren und Reden und Trinken und Tanzen verabredet hatten und bis früh morgens aufgeblieben sind. Und irgendwie haben mich Deine ganzen Probleme so sehr beschäftigt, dass ich selbst ganz unglücklich damit wurde.

Ich möchte aber auf keinen Fall, dass Du jetzt denkst, Du dürftest mit mir nicht über Deine Ex-Freunde oder über Sex reden, denn wie Du weißt, hast Du vor jenem Vorfall sehr oft kaum über etwas anderes geredet, und ich habe Dir immer gut zugehört, Dich getröstet und Dich beraten.

Ehrlich, Du bist die tollste Frau, die ich jemals kennengelernt habe. Noch nie zuvor hat mir jemand so viel anvertraut, und das macht mich sehr glücklich. Allein an jenem Abend, an dem Du zu mir gesagt hast, Du würdest niemals ausschließen wollen, dass aus unserer guten Freundschaft irgendwann einmal viel mehr werden könne, war ich, glaube ich, so glücklich wie nie zuvor in meinem Leben.

Vielleicht setzt es Dich ja unter Druck, dass Du mir das damals gesagt hast, und dass ich jetzt seit einem Jahr (ja, heute ist es zufällig auf den Tag genau ein Jahr her!) hoffe, dass daraus mehr werden könnte. Vielleicht setzt es Dich auch unter Druck, dass so viele von unseren Freunden immer wieder bemerken, wie toll wir zusammen passen und dass jene, die uns nicht so gut kennen, denken, dass wir schon längst zusammen wären.

Aber vergiss was die anderen denken und vergiss meine Hoffnungen... ich weiß, dass wir uns dazu noch näher kennen lernen müssen, und dass Du Zeit brauchst. Ich weiß inzwischen aber auch schon viel mehr über Dich...

Ich weiß, wie Du die Zeit mit Sascha in Südfrankreich genossen hast, als Du neben Eurem Zelt inmitten der blühenden Lavendelwiesen beim Kommen so laut schreien konntest, wie Du wolltest, weil überhaupt niemand in der Nähe war. Und wie leid es Dir tut, dass ihr schlussendlich doch nicht zusammengepasst habt, weil Du Dich bei ihm so unverstanden gefühlt hast.

Oder wie es mit Thomas war, der es am liebsten im Stehen mit Dir trieb, wie zum Beispiel am Fenster dieser Burgruine in Budapest, dessen Freunde Du aber nicht leiden konntest, weswegen diese Beziehung auch nicht hielt.

Oder eben mit Marcus, den Du noch immer sehr vermisst, der eigentlich der ideale Mann für Dich wäre und mit dem Du Deinen Höhepunkt spielend zwölfmal hintereinander erreichst, weil er genau weiß wie er Dich anfassen muss... und der ungerechterweise keine Beziehung mit Dir will, weil er – was Du gar nicht verstehen kannst – "einfach nicht will". Und das, obwohl es so toll mit ihm ist und er so gut riecht und er so gut schmeckt und promoviert hat und echt Ahnung vom Leben hat und genau weiß was er möchte und wo es lang geht und Du bei ihm gar nicht anders kannst undsoweiter undsofort.

Ich bin froh, dass Du mir das alles anvertraut hast. Und auch an jenem Abend, an dem Du mir ausführlich beschrieben hast, auf welche Art und Weise Marcus seinen Orgasmus hinauszögert bis Du auch soweit bist, und als Du mir erzählt hast, dass Du Dir nicht vorstellen kannst, dass irgendein anderer Mann so etwas könnte, war Deine Offenheit ein großes Geschenk für mich, und ich hätte es auch gerne, dass Du weiterhin so offen zu mir bist.

Nur, das Problem ist, und bitte versteh mich nicht falsch, an jenem Abend ging es mir echt nicht so besonders gut, und weil ich, wie vorhin schon gesagt, seit einem Jahr hoffe, dass mehr aus "uns" wird und weil ich ganz unglaublich müde war und weil ich, verzeih mir, ziemlich verliebt in Dich bin, wurde ich eifersüchtig. Es tut mir leid, was ich gesagt habe, das ist mir alles wirklich nur so rausgerutscht, und wäre ich wacher gewesen, wäre es nicht passiert.

Ich muss zugeben, es hat mich bis ins Mark getroffen, als Du mir nach meinem "Ausfall" gesagt hast, Du glaubest allmählich, Du hättest einen Freund zu viel. Ich weiß, wie leicht man das Vertrauen, das eine Person in einen hat, kaputt machen kann, und ich würde es mir nie verzeihen, wenn das Vertrauen, das Du in mich hattest, an jenem Abend Schaden genommen hat.

Dir dies zu schreiben, war mir sehr wichtig, aber es ist nicht der einzige Grund für diesen Brief.

Mein Herz hat wahre Luftsprünge vollführt, als Du mich vor zwei Tagen angerufen hast, um mir diesen gemeinsamen Urlaub in Island vorzuschlagen. Ich habe Dir ja schon davon erzählt, wie ich schon immer davon geträumt habe, einmal nach Island zu gehen und dort durch das Land zu wandern... und dies zusammen mit Dir zu tun, ist ungefähr das Schönste, was ich mir wünschen könnte.

Ich hatte jetzt allerdings zwei Tage Zeit, über diesen Urlaub nachzudenken, und nach reiflicher Überlegung bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es vielleicht doch nicht so geschickt wäre, wenn ich mitfahre. Ich meine, ich bin durchaus gespannt darauf, Marcus kennenzulernen, aber mit einem mir außer von Deinen Erzählungen her vollkommen unbekannten Menschen zwei Wochen auf engstem Raum zusammen zu verbringen, könnte vielleicht schwierig werden.

Außerdem verstehe ich es, wenn ich ehrlich sein soll, auch nicht ganz, warum Du mich dabei haben willst, wenn Marcus dabei ist. So wie ich Deine Erzählungen interpretiere, möchtest Du gerne versuchen, ihm näher zu kommen, und ich denke, dabei würde ich nur stören. Also, warum das Ganze? Ab und zu habe ich das Gefühl, Du willst irgendein Spiel mit mir treiben, willst schauen, wie weit meine Toleranz und mein Verständnis gehen. Vielleicht willst Du auf diese Art und Weise auch testen, ob ich zu einer Beziehung mit Dir tauge - ich weiß es nicht.

Ich weiß nur, dass es mich allmählich ein wenig anstrengt. Ich meine, ich habe mir die ganze Zeit alles Mögliche angehört über Deine vergangenen Beziehungen, ich habe Dir zugehört, ich habe Dich verstanden, ich habe Dich getröstet, allmählich reicht es mir. Was denkst Du eigentlich, wer Du bist? Was denkst Du eigentlich, was Du noch alles mit mir machen kannst? Denkst Du, ich bin so blöde, dass ich es nicht merke, wie Du die ganze Zeit mit mir herumspielst, wie Du Dich an der Eifersucht ergötzt, die ich in mich hineinfresse? Und noch eines: Mir anzudrohen, mir die Freundschaft aufzukündigen, nur weil ich es allmählich nicht mehr hören kann, wieviele Positionen Du schon mit wem ausprobiert hast und wie geil die alle waren, das ist wirklich das Allerletzte. Für was für einen Vollidioten hältst Du mich? Denkst Du, nur weil ich im Gegensatz zu Deinen ganzen Verflossenen noch nicht ein einziges Mal habe erkennen lassen, dass ich gerne mit Dir schlafen will, kannst Du mir alles aufbürden um dann, wenn ich nicht mehr kann, die launische Prinzessin zu spielen?

Du bist keine Prinzessin, Du bist einfach nur eine eingebildete Schlampe und fürchterlich arm dran. Du lässt nur diejenigen Kerle an Dich ran, die Dir nach fünf Minuten schon ans Höschen gehen, und entblödest Dich nicht, das dann auch noch tatsächlich für Liebe zu halten... und wenn schon: Weißt Du was, ich würde Dich auch gerne in einem alten Burggemäuer von hinten nehmen! Ich will auch mit Dir inmitten von Lavendelblüten liegen und Dich vor Lust schreien hören!! Und wie ich das gerne möchte!!! Aber ich glaube, die einzige Art und Weise, auf die wir beide miteinander ficken werden, ist die, dass ich mir von Dir noch mehr von Deinen bescheuerten Bettgeschichten reinwürgen lasse!

Entschuldige.

Es tut mir so leid.

Ich denke, ich werde diesen Brief nicht abschicken.

Ich werde wohl besser einfach mitgehen. Ich wollte schon immer einmal gerne Island sehen.

Und ich möchte bei Dir sein.

(Heidelberg, 2003)



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June 15, 2009

Weekend Walk #9

...better late than never...

by sommerpfuetzeby Nads La Shoby Samuel B.


See Weekend Walk Wonderz to learn what's it all about...

Other Weekend Walkers: [op]drie, Frau K., ...

Published at 12:27 ( 2 comments / 224 visits )
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May 29, 2009

A Secret


A Secret

What's it all about?
Wishing dreams were true or simply
Looking for a way or
Someone's arms to fall into?
I know what it's like
To be lost and to be found
To be scared and all alone or
To be where the river flows
To know what no one knows
And this is the sound
Of one secret left to keep

A pile of butterflies
Come run right through and set them free
Although some might say,
"They're just a heap of autumn leaves"
But watch how they fly
Just like sparks in the dead of the night
And see how they dance
As the world is fast asleep
And when you hear me laugh
You know it's the sound
Of the secret I still keep



Published at 20:27 ( 6 comments / 284 visits )
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May 4, 2009

Wichtig: Petition gegen Internet-Zensur

Wer noch nichts davon gehört hat, nix wie hin:

https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=3860

A quick info for the non-German readers:

At the moment, the German government is discussing a new law which would enable the BKA (federal criminal police office, comparable to the FBI in the United States) to maintain blacklists of web sites to be censored, and to collect user infomation about people trying to access these sites.

The blacklist would of course be held secret, and simply clicking on the wrong link at the wrong time can lead to an investigation.

This whole 1984ish nightmare is taking place under the pretence of protecting against child pornography.

Of course, no one in their right mind really believes there'd be "only" child porn links on the blacklist, and everyone with only the slightest bit of technical knowledge advises against this kind of measures which only lead to censorship and control, but offers no help to abused children... in contrast to shutting down the sites and bringing the sick bastards to justice.

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April 4, 2009

deep blue

time


overtime



rise



flow



dive

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March 29, 2009

Nicole

Nicole



"Was ist eigentlich mit Nicole?"

"Hat heute ihren freien Abend - sie wollte mit Yvonne einkaufen gehen."

"Ach ja, stimmt ja... typisch... bei dem Wetter...!"

"Naja, besser, als im strahlenden Sonnenschein, wenn jeder vernünftige Mensch am Baggersee ist"

"Auch wieder wahr... außerdem, wenn's nicht so wäre, dann wär das hier wohl kaum möglich"

"Ach doch, wir müssten uns nur auf eine Menge blöde Sprüche einstellen. So nach dem Motto 'ich kann gar nicht verstehen wie ihr eure Freizeit mit so nem Blödsinn verbringen könnt' undsoweiter undsofort."

"Jo, das checken Frauen halt nicht..."

"Jepp..."

"...und meine Leute machen Deine gerade ziemlich fertig, kann das sein?"

"Hm... muß daran liegen, daß ich ausschließlich Frauen für den Job ausgewählt habe."

"Oh, wenn das Nicole gehört hätte..."

---


In einer dunklen Ecke der von flackernden Neonröhren nur spärlich beleuchteten Lagerhalle kauerte sie, schwer atmend, hinter einer großen Metallkiste. Sie lauschte angestrengt in die Stille. Nein, es war nichts zu hören.

Aber er war da irgendwo, das wusste sie genau. Gerade eben noch, als sie aus einem vergessenen Versorgungskanal in den Gang gelangt war, der sie schließlich in diese Lagerhalle geführt hatte, hatte sie auf ihrem Bewegungsmelder kurz aber deutlich das rote Dreieck sehen können, welches ihr sagte: Er ist in der Nähe.

Wo konnte er sich nur verstecken? Nirgends. Nachdenken. Weiter nachdenken. Sie schaute sich um. Verdammt!

Sie würde nicht viele Chancen haben, aus dieser Halle herauszukommen, sollte er ihr doch gefolgt sein. Ihre offensichtlichen Fluchtmöglichkeiten beschränkten sich auf die Tür, durch die sie hereingekommen war, und auf einen Lüftungsschacht unterhalb der Decke, den sie aber nur durch Klettern erreichen konnte, und währenddessen würde sie ein gutes Ziel abgeben.

Also musste sie aus ihrer Deckung herauskommen und entweder nach einem weiteren Ausgang suchen oder die Halle verlassen, um in eine bessere Ausgangsposition zu kommen. Bei jeder ihrer Bewegungen würde allerdings sein Bewegungsmelder ansprechen und ihm ihre Position verraten, vorausgesetzt, er wäre näher als 15 Meter an sie herangekommen.

Das war er aber nicht, sonst hätte sie es auf ihrem Bewegungsmelder gesehen. Oder war er auch einfach nur verharrt um abzuwarten, was sie als nächstes tun würde?

Also nochmal: Was war jetzt zu tun? Die Halle auf dem gleichen Weg zu verlassen, wie sie sie betreten hatte, wertete sie mit 22 Punkten. Hochklettern zum Lüftungsschacht hielt sie mit 12 Punkten für eine noch schlechtere Lösung, aber langsam die Wände nach alternativen Ausgängen wie Versorgungsschächten abzusuchen und dabei immer den Eingang im Auge zu behalten, schien ihr mit 32 Punkten die beste Lösung zu sein. Also setzte sie sich in Bewegung und begann damit, die Abdeckung an den Wänden zu befühlen.

---


"Ich glaube, das Gewitter geht bald los."

"Ja, sieht so aus."

"Mensch, was für ein Wind... ein Glück, daß wir hier drin sind."

"Jepp. Ich glaub, die Mädels werden ziemlich naß werden... magst Du ne Pizza?"

"Pizza wär gut."

"Dann geh ich mal kurz runter und tu zwei in den Ofen."

"Ok."

---



Die Verkleidung der Wände fühlte sich kalt an. Es waren Stahlplatten. Nicht dünn genug, daß sie mit dem Rest Sprengstoff, der ihr geblieben war, ein Loch hineinsprengen konnte. Leider.

Schnell aber dennoch vorsichtig rutschte sie weiter an der Wand entlang. Überall das Gleiche. Keine Versorgungsschächte. Was für ein Pech! Soweit sie das beurteilen konnte, schien das ganze Gebäude aus Versorgungsschächten zu bestehen. Deshalb hatte sie sich auch eine ziemlich gute Chance ausgerechnet, hier an den Wänden einen zu finden, und somit war sie auch auf 32 Punkte für diese Lösung gekommen. Nun - die Chance war immer noch da, und sie suchte weiter. Bald hatte sie zwei Wände des Raumes abgesucht und nichts gefunden.

Ihr Bewegungsmelder war ruhig geblieben. Keine Spur ihres Feindes. Nun ja, vielleicht hatte ihn auch jemand anders aus ihrem Team erledigt. Oder er war einfach verschwunden, was äußerst selten auch mal geschehen konnte. Auf der anderen Seite war ihr Team im Verlauf der letzten halben Stunde immer kleiner geworden, während der Feind nur wenige Verluste einstecken musste. Wenn man das hochrechnete, kam man schnell zu der Ansicht, daß die Wahrscheinlichkeit, daß sie zu diesem Zeitpunkt als allerletzte ihres Teams übriggeblieben war, bei 75 Prozent lag.

All diese Gedanken beschäftigten sie.

Ihre Vorfahren hatten die Fähigkeit gehabt, brilliant und präzise zu schießen, gegnerischen Angriffen blitzschnell auszuweichen, aber damit war es auch schon vorbei. Im Vergleich zu dem, was sie jetzt erlebte, war diese Vergangenheit langweilig gewesen. Ihre Vorfahren waren zwar in vielerlei Hinsicht viel besser gewesen als sie selbst, aber sie waren einfach immer präzise, immer schnell, gingen immer nach der gleichen Methode vor. Es war ein einziges, kaltes, nicht besonderes interessantes Gemetzel, bei dem niemand lange zuschauen mochte.

Sie aber hatte die Fähigkeit, zu lernen, sich auf die Strategie des Feindes einzustellen. Einige ihrer Fertigkeiten waren besser als andere, und je nachdem was ihr wichtig war, konnte sie ihre Fertigkeiten verbessern oder verkümmern lassen. Es war ein interessantes, eigenständiges Leben. Ein höheres Wesen zu geistigen Führung brauchte sie eigentlich nur noch, um Moral zu erlernen, um zu wissen wie sehr und warum sie auf welcher Seite steht. Dieses höhere Wesen konnte sie belohnen, wenn sie etwas Gutes tat, und sie konnte sie bestrafen, wenn sie etwas Schlechtes tat.

Inzwischen war sie an der Wand neben der Eingangstür angekommen. Da war etwas! Eine Platte gab dem Druck ihrer Hände ein wenig nach. Sie drückte die Platte weiter in die Wand. Die Platte glitt nach innen und schob sich dann, von einem Motor angetrieben zur Seite weg.

Mitten in diesem geheimen Zugang stand er.

Er musste diesen Weg gekannt haben, und er hatte sich tatsächlich die ganze Zeit über nicht bewegt, um sie in Sicherheit zu wiegen. Jetzt stand er direkt vor ihr, sein Automatikgewehr direkt auf ihre Brust gerichtet.

Er zögerte keine Sekunde. Ehe sie reagieren konnte, drückte er den Abzug.

Die Geschosse trafen auf ihren Brustpanzer, durchschlugen ihn mit Leichtigkeit, drangen durch ihre Brust und zu ihrem Rücken, vermengt mit ihrem Blut und den Organen, die sie auseinandergerissen hatten, wieder heraus. Schmerz konnte sie keinen fühlen, aber es wurde ihr schwarz vor den Augen, ihre Erinnerung an alles, was sie in diesem Gebäudekomplex gesehen hatte, schwanden
Stück für Stück innerhalb weniger Mikrosekunden, die ihr wie die Ewigkeit vorkamen.

Doch dann flackerte kurz die Welt. Sie war weg, dann war sie wieder da. Und sie war anders.

Nicole öffnete verwundert die Augen. Sie lebte noch. Ungläubig schaute sie an sich selbst herunter. Ihre Kleidung war ganz, ebenso wie ihr Brustpanzer. Kein Loch in der Höhe ihres Herzens, kein Blut.

Sie schaute auf. Für einen Sekundenbruchteil konnte sie einen Blick in seine Augen erhaschen. Aber bevor sie zur Waffe greifen konnte, um ihn zu erledigen, war er in den Geheimgang verschwunden, ohne seinerseits Anstalten zu machen, sie nochmals anzugreifen.

---


"Oh Mann, das war ein ziemlicher Schlag... das muß ganz in der Nähe eingeschlagen haben.. Sollten wir die Kisten nicht vielleicht lieber doch abschalten?"

"Nur weil Du jetzt am Verlieren bist?"

"Was heißt hier am Verlieren? Ich hab noch vier Leute!"

"Mal sehen, wie lange noch!"

"Jepp."

---

Sie folgte ihm. Sie wusste nicht, warum sie es tat. Sie war gerade noch davon gekommen, auf eine Art, die sie sich nicht erklären konnte. Was sie sich ebenfalls nicht erklären konnte war, warum er nicht nochmal auf sie geschossen hatte. Das alles machte keinen Sinn. Aber irgendetwas war anders geworden, und sie hatte das Gefühl, daß es wichtig war, herauszufinden, was es war. Wichtiger als ihr Training. Zu 100% wichtig.

Sie eilte den Geheimgang entlang. Der Geheimgang führte seinerseits zu dem Versorgungsschacht, durch den sie in die Lagerhalle gekommen war. Ihr Bewegungsmelder flackerte auf. Ganz am Ende des Schachtes bewegte sich etwas - das musste er sein.
So schnell sie konnte, rannte sie den Gang hinunter. Doch noch bevor sie am Ende ankam, erlöschte das Licht auf ihrem Bewegungsmelder. Offensichtlich hatte ihr Gegner die Metalleiter benutzt, die nach oben in den Kontrollraum oder nach unten in die Kanalisation führte.

Kontrollraum oder Kanalisation? Der Kontrollraum bekam 98% - eigentlich ein seltsamer Wert, woher er wohl kommen mag, fragte sie sich, und eilte die Leiter hinauf.

Der Kontrollraum war eine sehr spezielle Einrichtung. Fünf große Überwachungsbildschirme waren hier angebracht, auf denen man wichtige Orte innerhalb dieses Gebäudekomplexes überblicken konnte.

Einer dieser Bildschirme zeigte den elektrischen Betriebsraum. Yvonne, eines ihrer Teammitglieder lieferte sich dort gerade ein Feuergefecht mit zwei Gegnern. Es war ein unfairer Kampf. Nicole konnte auf dem Bildschirm beobachten, wie Yvonne von zwei Seiten eingekesselt wurde. Die Lage war hoffnungslos. Bald kam ein dritter Gegner hinzu und erledigte Yvonne mit einem gezielten Schuß in den Hinterkopf.

Nicole schaute weg. Erst jetzt fiel ihr auf, daß ihr Gegner die ganze Zeit am anderen Ende des Raumes stand und sie beobachtete. Sie griff zu ihrem Gewehr, doch als sie sah, daß ihr Gegner seine Waffe nicht auf sie gerichtet hatte, entschied sie sich dazu, nicht auf ihn zu zielen.

Er schaute sie an.

Nicole ging ein paar Schritte auf ihn zu. Ihr Auftrag war es, ihn so schnell wie möglich zu erledigen und dann den anderen nach ihrer Berechnung jetzt noch zwei übriggebliebenen Teammitgliedern zur Hilfe zu kommen. Doch er griff sie nicht an, und auf eine eigenartige Weise wollte sie ihn auch nicht angreifen.

Sie gingen beide zwei Schritte aufeinander zu, bis sie sich direkt gegenüberstanden. Er hob eine Hand und streichelte ihre Wange. Nicole fühlte sich belohnt.

Aber wofür?

Sie konnte nicht reden. Und er konnte es ihr nicht sagen.

Daß sie von einem Gegner belohnt wurde, war etwas vollkommen Neues - es war nicht vorgesehen. Es war vorgesehen, daß sie von einem höheren Wesen belohnt wurde, das sie niemals direkt gesehen hatte. Sie hatte nicht gewusst, daß auch ein Gegner sie belohnen konnte.

Sie fragte sich, ob sie es auch könne. Sie hob die Hand und berührte seine Wange.

Er lächelte.

Wie schön er lächelte. Sie fragte sich, ob sie auch so schön lächelte, wenn sie belohnt wurde. So schön, wie er lächelte, wollte sie ihn nochmal streicheln. Und nochmal. Wenn es sein musste, so lange sie existierte - so schön war es.

Doch dann hielt er ihre Hand fest und deutete mit seinem Kopf in die Richtung des fünften Kontrollmonitors, der eigentlich die Eingangshalle zum Gebäude zeigen sollte. Stattdessen aber zeigte der Monitor eine Landschaft, die Nicole noch nie gesehen hatte. In der Entfernung war unter blauem Himmel eine niederige Gebirgskette zu sehen, die Ebene davor war grün von Gras, ein paar Büsche spendeten Schatten, und ein Fluß zog sich von den Bergen her nach rechts aus dem Bild heraus.

Wie verzaubert starrten sie beide auf den Monitor. Dann schauten sie sich wieder in die Augen. Nicole atmete tief durch. Alles war anders geworden für sie. Und für ihren Gegner auch, das wusste sie. Sie fühlte keinen Drang mehr, Berechnungen darüber anzustellen, wie und wen sie am geschicktesten töten solle. Was sie wollte, und sie wollte es mehr, als sie zuvor irgendetwas gewollt hatte, war, in diese Landschaft zu treten, und all die Dinge herauszufinden, die sie vorher noch nie interessiert hatten.


Sie nahm seine Hand, und gemeinsam machten sie sich auf den Weg zur Eingangshalle.

---


"Irgendwas stimmt hier nicht."

"Was meinst Du?"

"Ich weiß nicht... ich habe noch eine übrig, nämlich Nicole. Yvonne, Patricia und Lena wurden gerade von Deinen Leuten fertiggemacht. Aber Nicole und einer von Deinen sind anscheinend auf dem Weg zum Ausgang, und beide sind vollauf gesund!"

"Kannst Du die Szene mal ranzoomen?"

"Jepp."

"Hä? Was soll das? Warum laufen die so langsam, und warum machen sie sich nicht fertig? Und wo wollen die hin? Zeig mal den Ausgang..."

"Geht nicht... da ist nur schwarz..."

"Hm, ich glaub der Blitzeinschlag hat irgendwas durcheinander gebracht..."

"Wäre möglich. Vielleicht schalten wie besser aus und starten die ganze Sache neu."

"Vielleicht besser..."

"Jepp... ich war sowieso gerade am Verlieren... ok, aus damit..."

"Ok, was spielen wir als Nächstes?"

---

(Heidelberg, 2002)



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February 22, 2009

Weekend Walk #8

Well it's carnival time.

In the area where I work (the Rhineland, birthplace of the infamous cologne carnival), carnival means: An army of fuddy-duddies trying to be funny by exception, once in the year. This is usually accomplished by drinking oodles of alcoholic beverages, dressing in clothes which are supposed to be funny but are definitely not and loudly singing songs classified as torture by the Geneva Convention.

For this reason, here it is -- the 100% carnival free Weekend Walk by yours truly.



by paraboxby Michael B.by Tony Parkes


See Weekend Walk Wonderz to learn what's it all about...

Other Weekend Walkers: [op]drie, Frau K., ...

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February 15, 2009

Weekend Walk #7

two new faces *and* two frogs, all in just one weekend walk :))

by Fmotisby azephaliaby Composer

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February 12, 2009

Nadja (4)

<< Drittes Kapitel

IV.


Als sich Kristian diesen Abend mit Georg in der Kneipe treffen wollte, kam Georg später als sonst. Humpelnd bahnte er sich einen Weg durch die Menge und setzte sich schließlich Kristian gegenüber auf die Bank. Sein Gesichtsausdruck verriet, daß ihm etwas große Sorgen machte.

"Hallo Georg, was ist los?" fragte Kristian.

"Hallo Kristian!" sagte Georg. "Ich hab mir noch einmal Gedanken gemacht... über Dich und über Nadja", Georg senkte seine Stimme, "und über Träume."

"Aha", sagte Kristian. "Und was ist dabei herausgekommen?"

"Ich habe ein ziemlich ungutes Gefühl bei der ganzen Geschichte", antwortete Georg. "Du solltest gut auf Dich aufpassen."

Kristian sagte nichts. Er wartete, bis Georg weiter sprach.

"Ich weiß es klingt für Dich sehr böse, aber bist Du schon einmal auf die Idee gekommen, daß Nadja ein falsches Spiel mit Dir spielen könnte?"

"Sie weiß auf jeden Fall viel mehr über Träume als ich", gab Kristian zu. "Aber ich finde es inzwischen sehr schön, daß sie so etwas Außergewöhnliches mit mir teilen will..."

"Ja, das fanden die anderen Männer davor vielleicht auch..." rutschte es Georg raus.

"Was willst Du damit sagen?" fragte Kristian.

"Mensch Kristian, verstehst Du denn nicht? Sie macht irgendetwas mit Dir... und Du bist so verliebt, daß Du es nicht merkst."

"Das glaube ich nicht."

"Weißt Du noch, wie Du bei mir darüber geklagt hast, daß ihr kaum noch zusammen Liebe macht? Weißt Du noch, wie schlimm es für Dich war, daß sie in Gedanken die ganze Zeit auf ihrer Mühle war, statt in Dich verliebt?"

"Ja."

"Und jetzt? Schläft sie wieder mehr mit Dir? Reitet ihr wieder aus? Geht ihr zusammen fischen?"

Kristian verneinte.

"Warum ist es dann jetzt plötzlich so wichtig für Dich, daß Du mit ihr träumst?"

"Weil ich hoffe, ihr damit wieder nahe zu sein... und weil es das Einzige ist, was wir im Moment haben", sagte Kristian wütend, denn dies war die Wahrheit, und es tat ihm weh, die Wahrheit sagen zu müssen.

Georg schwieg schüttelte traurig den Kopf.

"Georg... ich fange gerade zum ersten Mal seit Wochen wieder damit an, mich einigermaßen gut zu fühlen... bitte mach mir das jetzt nicht madig."

"Du merkst ja gar nicht, was mit Dir geschieht", sagte Georg.

"Und Dich geht es nichts an."

Georg schenkte Kristian einen stummen, bösen Blick.

"Ich denke, ich gehe jetzt besser... das hier führt zu nichts", sagte er nach ein paar Minuten. Er stützte sich am Tisch ab, weil er nicht auf sein Bein stehen konnte.

"Wie Du meinst... was ist mit Deinem Bein?"

"Was geht's Dich an?" fragte Georg und verschwand durch die Menge.




Kristian konnte es kaum erwarten, Nadja in seinem Traum zu begegnen. Als sie sich zu Bett begaben, brauchte er gar nicht viel von Nadjas Hilfe, um nicht einfach einzuschlafen. Nadja hielt ihn zwar umarmt und drückte ihn so fest an sich, daß es ihm wehtat, aber diesmal, so hatte er das Gefühl, schaffte er es allein.


Noch mehr als letztes Mal nahm er die Erinnerungen an sein Wachsein in den Traum mit. Als er hinausging, um mit den anderen zusammen den Hirsebrei zu essen, begann er nur ganz langsam zu vergessen, wo er vorher gewesen war.

Als er den Hirsebrei aß, fiel ihm auf, wie wässerig und schal die Speise schmeckte. "Immer dieser widerwärtige Brei...", murmelte er.

Die anderen drei Männer blickten kurz auf und grunzten etwas Unverständliches. Dann aßen sie weiter. Es schien ihnen nichts weiter auszumachen, daß ihr Frühstück wie Tierfutter schmeckte.
Als sie schließlich zu viert die Straße hinunterliefen, fiel Kristian wieder die erbärmliche Gestalt auf, die noch immer an der Häuserwand lehnte. Ein beißender Geruch von verwesendem Fleisch lag in der Luft. Der Drang, weiterzugehen, war noch vorhanden, aber er war lange nicht so stark wie beim letzten Mal.

Kristian trat näher an den Mann heran. Eine ganze Weile lang war er sich nicht sicher, ob der Mann überhaupt noch lebte. Sein Kopf hing auf seiner Schulter, seine Arme waren ausgestreckt, die dünnen Finger von der Kälte bläulich verfärbt. Kristian erschrak in den Tod hinein, als der Mann schließlich die Augen öffnete und ihn direkt anblickte.

"Du schon wieder", röchelte er, kaum vernehmlich.

"Ja...", sagte Kristian.

"Laß mich doch einfach hier sterben, es dauert nicht mehr lange", röchelte der Mann.

"Aber..."

"Geh schon und laß sie ihr Spiel mit Dir spielen, das willst Du doch."

Kristian schaute ihn entsetzt an.

Mit einem Mal war ihm klar, wen er getroffen hatte.

"Georg?" fragte er, die Stimme voller Entsetzen.

"Ja, das ist mein Name... und Du bist Kristian..."

"Woher... aber wie..." stammelte Kristian.

"Ich habe von Dir geträumt", sagte Georg mit Verachtung in seiner Stimme. "Ich will nicht, daß Du mir beim Sterben zusiehst, verschwinde!"

Kristian lief rückwärts, wandte sich dann schnell ab und lief so schnell er konnte den anderen hinterher. Er hatte mit einem Mal nur noch den Wunsch, sein Werkzeug zu holen und im Bergwerk zu arbeiten.

Er sammelte sein Werkzeug ein und schulterte den Rucksack. Doch als er das Dorf verlassen wollte, mußte er feststellen, daß dort unter der Weide am Felsen eine weitere Gestalt in Leinenkleidern auf ihn wartete. Es war eine Frau - die erste, die er hier sah. Ihre Stirn war von Falten zerfurcht und ihr Rücken war leicht gekrümmt. Ihr schwarzes Haar war dünn und ungepflegt, aber trotzdem sah sie gesünder und gepflegter aus als alle anderen, die er hier angetroffen hatte.

"Nadja?" fragte er.

Die Frau nickte.

"Du mußt mit mir kommen, Kristian", sagte sie. "Geh heute nicht mit ins Bergwerk - sie werden Dir dann nichts zu essen geben, aber ich kenne einen Platz, wo Du Dich ausruhen und essen kannst."

"Aber ich kann doch nicht einfach wegbleiben, ich muß arbeiten..."

"Du mußt nicht. Du kannst mit mir kommen..."

"Ich will aber nicht."

"Bitte, Kristian", sagte Nadja und nahm Kristians Hand. Zum ersten Mal fiel ihm auf, daß ihn hier noch nie jemand berührt hatte. Und so wie Nadja ihn berührte, kam es ihm vor, als hätte ihn
überhaupt noch nie jemand berührt.

"In Ordnung", sagte Kristian und ließ sich von Nadja aus dem Dorf herausführen. Sie liefen in den Wald, verließen dann aber irgendwann den Weg und schlugen sich durchs Unterholz.

"Werden uns die anderen nicht folgen?" fragte Kristian.

"Nein, sie interessieren sich nicht für uns", entgegnete Nadja.

"Ich bin froh, daß Du da bist", sagte sie nach einer Weile.

"Ich habe Georg getroffen", sagte Kristian.

Nadja blieb stehen.

"Was?!"

"Ich hatte ihn vorher schon getroffen..." sagte Kristian traurig und erzählte, wie er vorhin und im letzten Traum den verletzten Mann getroffen hatte.

Nadja schaute Kristian sehr traurig an. "Es tut mir sehr leid..." sagte sie. Einen Moment lang blieben die beiden stehen. "Komm, wir müssen weiter", sagte Nadja dann.

Sie liefen weiter mitten durch den Wald. Es war ein beschwerlicher Marsch. Schließlich kamen sie an einen Fluß, an dessen Ufer sie fortan entlangwanderten.

"Wo gehen wir hin?" fragte Kristian.

"Nach dort", antwortete Nadja und zeigte mit dem Finger weiter flußaufwärts. Als Kristian die Augen zusammenkniff, konnte er erkennen, daß in der Richtung, in die Nadja zeigte, eine Mühle stand.

"Ich war dort schon einmal, oder?", fragte Kristian.

"Ja", antwortete Nadja.

Als sie an der Mühle ankamen, gab es für Kristian keinen Zweifel, daß dies dieselbe Mühle war, in der er Nadja in wachem Zustand besucht hatte. Zwar bewegten sich dieses Mal die Mühlräder, aus dem Schornstein zog Qualm und die Fenster waren allesamt intakt - trotzdem war es dieselbe Mühle.
Nadja klopfte an die Tür.

"Wer ist draußen?" fragte von drinnen eine Männerstimme.

"Ich bin's, Nadja. Und ich habe Kristian dabei!"

Die Tür wurde von einem kräftigen Mann geöffnet, der gut und gern einen Kopf größer und doppelt so breit wie Kristian war. Er schien am ganzen Körper behaart zu sein, denn Kristian konnte erkennen, wie aus dem Ausschnitt seines Leinenhemdes oben die Haare herausquollen.

"Willkommen, Kristian! Ich bin Bertram!" sagte er und schüttelte Kristian kräftig die Hand.

"Hallo", sagte Kristian zögernd und trat ein.

Drin war es gemütlich eingerichtet - Stühle, ein Tisch, ein Feuer im Kamin, Teppiche und Öllampen an der Wand. Drei andere Männer saßen am Tisch und unterbrachen ihre Unterhaltung, als Nadja und Kristian eintraten. Sie nickten den beiden freundlich zu. Einer von ihnen sagte "Hallo, Kristian".

"Komm, wir gehen nach oben, da sind wir ungestört", sagte Nadja und führte Kristian die Treppe hinauf, dann durch einen Gang in ein kleineres Zimmer. Nadja schloß die Tür hinter sich und bedeutete Kristian, sich auf einen der Stühle zu setzen.

"Ich bin so froh, daß ich Dich endlich hier habe", sagte sie, setzte sich ihm gegenüber und zündete die Kerze an, die auf dem Tisch stand.

"Wo sind wir?" fragte Kristian.

"Auf der Mühle. Hier lebe ich", antwortete Nadja lächelnd.

Kristian nickte.

"Und wo lebe ich?" fragte er ruhig.

"Du lebst nicht. Du arbeitest Dich im Bergwerk mit den anderen zusammen zu Tode... aber wenn Du willst, dann kannst Du auch hier leben", sagte Nadja ebenso ruhig und schaute Kristian dabei tief in die Augen.

Wieder nickte Kristian.


"Wenn ich wieder aufwache, was wird dann mit Georg passiert sein?"

Nadja schüttelte traurig den Kopf. "Nach allem, was Du mir erzählt hast, wird er diesen Tag nicht mehr überleben..."

"Aber es ist doch ein Traum... wenn ich wieder aufwache..."

"...wird Georg verschwunden sein und nie wieder auftauchen. Wer im Traum stirbt, der verschwindet", sagte Nadja.

Kristian atmete tief durch. "Warum hilft ihm denn niemand?" fragte er.

"Weil er ihnen allen egal ist. Weil sie alle noch nie geträumt haben. Erst wenn Du träumst, fängst Du an, Dich für die anderen zu interessieren. Hättest Du vorher schon geträumt gehabt, hätten wir uns vorher schon getroffen gehabt, dann hätten wir vielleicht etwas für ihn tun können... es tut mir sehr leid."

Kristian starrte abwesend in das Kerzenlicht.

"Sind Deine Ex-Gefährten auch gestorben?" fragte er.

"Nein", sagte Nadja.

"Nein?" fragte Kristian.

"Nein, sie sitzen unten am Tisch, und sie freuen sich darauf, Dich kennenzulernen."

Kristian schluckte. "Dann hatte Georg recht", sagte er tonlos.

"Was meinst Du?" wollte Nadja wissen.

"Du liebst mich nicht wirklich, Du wolltest mich nur in diesen Traum holen, so wie die anderen auch."

"Ja, ich wollte Dich zu mir holen. Aber Du bist und bleibst etwas ganz Besonderes für mich... und ich liebe Dich... und ich fände es schön, wenn Du bei mir bleiben würdest", sagte Nadja.

Kristian schloß die Augen. Mit einem Mal war alles anders geworden. Er fühlte sich ganz ruhig, er hatte keine Fragen mehr.





Als Kristian am nächsten Morgen erwachte, lag Nadja nicht mehr neben ihm - sie war nicht mehr da. Soweit es ihn betraf, war sie genau so nicht mehr da, wie Georg heute abend nicht mehr da sein würde - und so, wie er selbst eines Tages nicht mehr da sein würde.

Er würde sie nicht suchen und er würde auch nicht mehr träumen. Er würde sich nur wünschen, sich irgendwann wieder so fallen lassen zu können, wie er es bei Nadja gekonnt hatte - doch das würde nicht geschehen.

Und er mußte lernen, damit zu leben.






- Ende -






(Heidelberg/Tübingen, Herbst 1999)



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February 11, 2009

Will the 20000th visitor please stand up?

I repeat, will the 20000th visitor please stand up?

Please stand up :)

(that's 2 more to go... ;))

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February 10, 2009

Nadja (3)

<< Zweites Kapitel

III.


Kristian wußte nicht, ob er wütend sein sollte, oder ob ihm das Herz zerspringen mochte. Er hatte Nadja noch eine ganze Weile durch das Fenster hindurch nachgesehen, doch sie hatte sich nicht noch einmal nach ihm umgedreht.

Langsam ging er zurück, setzte sich an den Küchentisch und vergrub dort den Kopf in seine Hände. Immer wieder die gleichen Gedanken schossen in Windeseile durch seinen Kopf - was hatte er falsch gemacht? War es denn wirklich möglich, daß Nadja so viel anders als er empfand? Wie konnte sie ihm an einem Abend anbieten, mit ihm zu träumen, und am nächsten Morgen nicht verstehen, daß er sie vermisste, als er morgens aufgewacht war? Und was war so schlimm daran, daß er wissen wollte, wo sie gewesen war?

Er nahm die Tasse, die vor ihm auf dem Küchentisch stand, und feuerte sie gegen die Wand, wo sie in tausend Stücke zerschellte.

Doch das half nicht. Die Gedanken waren immer noch da.

Kristian versuchte, sich zu erinnern, wie es war, als sie sich kennengelernt hatten. Wie sehr geliebt und verstanden er sich gefühlt hatte. War es möglich, daß Nadja die ganze Zeit über nur mit ihm gespielt hatte? Oder hatte er sich viel zu viel eingebildet?

Mit einem lauten Krachen flog die nächste Tasse an die Wand.

Kristian saß eine Weile da und starrte auf die Scherben. Dann gab er sich einen Ruck, holte Schaufel und Besen aus der Kammer, und begann damit, den Unrat zusammenzufegen.

Dann zog er sich an. Er hatte gerade beschlossen, Nadja auf ihrer Mühle zu besuchen. Er mußte noch einmal mit ihr reden - entweder würde alles wieder in Ordnung kommen, oder sie würden einen Schlußstrich unter diese schmerzvolle Angelegenheit ziehen.



Auf dem Weg zum Dorf hinaus kam ihm in einiger Entfernung eine ihm vage bekannte, humpelnde Gestalt entgegen. Als Kristian noch näher kam, erkannte er, daß es Georg war.

"Guten Morgen!" rief Georg.

"Guten Morgen", grüßte Kristian zurück. "Was hast Du mit Deinem Bein angestellt?"

Georg zuckte mit den Schultern. "Ich habe keine Ahnung... gestern früh war es einfach so..."

"Nun... das wird sicher wieder in Ordnung kommen", sagte Kristian, dem nicht mehr dazu einfiel.

"Ich denke auch... aber was ist mit Dir los? Du bist sehr blaß..."

Diesmal zuckte Kristian mit den Schultern. Er war sich nicht sicher, ob er Georg die ganze Geschichte erzählen sollte, vor allem, weil er annahm, Georg mit seinen Problemen allmählich auf den Nerv zu gehen. Auf der anderen Seite hatte Georg für Kristian immer ein offenes Ohr, und gerade jetzt konnte er das mehr als sonst brauchen.

"Ich hab mich mit Nadja gestritten... ich glaube, aus uns beiden kann nicht mehr viel werden. Ich bin auf dem Weg zu ihrer Mühle, um nochmal mit ihr zu reden..."

"Aber wie kann das sein?" unterbrach Georg. "Ihr wart doch so glücklich miteinander, richtig neidisch hätte man werden können..."

"Das war", entgegnete Kristian. "Irgendwie ist alles anders geworden."

"Wie kam es dazu?" wollte Georg wissen.

"Möchtest Du das wirklich hören?" fragte Kristian.

"Ja doch, sonst würde ich Dich nicht fragen."

"Gut - aber dazu muß ich Dich auch erst etwas fragen... etwas Ungewöhnliches."

Georg nickte.

"Du brauchst auch nicht zu antworten, wenn es Dir unangenehm ist."

Wieder nickte Georg.

"Gut. Meine Frage ist, Georg, hast Du schon einmal geträumt?"

Georg blickte seinen Freund mit großen Augen an. "Nein! Natürlich nicht... wie käme ich denn dazu?" antwortete er, beinahe schon ärgerlich, daß Kristian ihm so etwas unterstellte.

"War nur eine Frage....", sagte Kristian leise.

"Moment...", sagte Georg, dem allmählich dämmerte, warum Kristian diese Frage gestellt hatte, ebenso leise, "...hast Du etwa...?"

Kristian nickte. "Ja, das habe ich", antwortete er. Und er erzählte Georg von dem Abend, und wie Nadja ihn gefragt hatte, ob er mit ihr zusammen träumen möchte.

Georg nickte, aber es war ihm deutlich anzusehen, daß er einigermaßen schockiert darüber war, was Kristian ihm erzählte.

"Kannst Du Dich erinnern, was Du geträumt hast?" fragte er.

"Nicht richtig... ich weiß, es war alles anders... und anstrengend... aber ich... ich..."

"Gut... so genau will ich's auch gar nicht wissen", unterbrach Georg.

"Findest Du das jetzt sehr schlimm?" fragte Kristian.

Georg schüttelte mit dem Kopf, doch Kristian merkte deutlich, wie bedenklich Georg das alles fand.

"Nein, nicht so sehr... ich finde nur, Du solltest aufpassen, was ihr da zusammen tut..."

"Nun ja... so wie's aussieht, tun wir gar nichts mehr zusammen", sagte Kristian knapp.

"Rede mal mit ihr... mal sehen, was dann wird", erwiderte Georg und schenkte Kristian ein aufmunternd gemeintes Lächeln, das seine tiefe Besorgnis darüber, daß sein Freund träumte, nicht zu tarnen vermochte.

Bald war Kristian weiter auf dem Weg zur Mühle. Er war eine Weile am Fluß entlanggelaufen, bis er in der Ferne die Umrisse des Gebäudes ausmachen konnte. Er hatte Nadja noch nie dort besucht - alles, was er wußte, war, daß ihr die Mühle sehr wichtig war und daß sie dort mehr Zeit verbrachte als mit ihm zusammen.

Als er näher kam, konnte er das kaum noch glauben. Denn schon aus einiger Entfernung war ihm vollkommen klar, daß die Mühle seit einiger Zeit nicht mehr benutzt wurde. Dort, wo die Mühlräder in den Fluß ragten, hatte sich eine Menge Treibgut angesammelt - jede Menge Geäst, Hölzer und sogar Teile von dicken Baumstämmen. Beinahe alle Fensterscheiben waren gesplittert, einzelne Fenster waren mit Brettern zugenagelt, und im Dach fehlten so viele Ziegel, daß der nächste Gewittersturm wohl die halbe Mühle wegtragen würde.

Aus dem Inneren der Mühle drang kein Geräusch - und auch ansonsten war es an diesem Platz sehr still. Eine Weile stand Kristian da und schaute sich um. Schließlich gab er sich einen Ruck und lief die kleine Treppe hinauf zur Eingangstür. Entschlossen klopfte er an.

Doch es geschah nichts. Niemand öffnete ihm.

Kristian trat ein wenig zurück. "Nadja!" rief er.

Nichts, keine Antwort.

Er lief wieder zur Tür und drückte zaghaft die Klinke nach unten. Zu seiner Überraschung war die Tür nicht verschlossen.

Vorsichtig trat er ein. Er befand sich in einem großen Raum. Ein Tisch stand in der Mitte und vier Stühle um ihn herum. Auf dem Tisch stand eine schwach flackernde Kerze, die, so wurde Kristian bewußt, noch nicht lange brennen konnte - denn noch nicht viel Wachs war an ihr heruntergelaufen. Ansonsten war der Raum leer, Türen führten in weitere Räume der Mühle und in der Ecke befand sich eine Holztreppe, über die man wohl in das Obergeschoß gelangte.

"Hallo?" rief Kristian in die Stille. Als sich abermals nichts regte, war er sich sicher, vollkommen allein zu sein.

Und einsam.

Er setzte sich auf einen der Stühle an den Tisch und wärmte seinen kalten Hände ein wenig an der Kerzenflamme.

Plötzlich hörte er, wie jemand die Treppe herabstieg.. Er wirbelte herum und starrte auf den oberen Treppenabsatz.

Es war Nadja.

"Kristian!" rief sie, offensichtlich erfreut.

Er stand auf, Nadja lief eilig die Treppe herunter.

"Schön, Dich zu sehen", sagte Nadja. "Was führt Dich her?"

"Ich wollte nicht, daß es auf diese Art und Weise endet", erklärte Kristian. "Ich wollte nochmal mit Dir reden und..."

"Wer spricht denn von enden?" fragte Nadja. "Komm, wir setzen uns."

Sie setzten sich einander gegenüber an den Tisch.

Kristian wußte nicht, was er sagen sollte. Für ihn war es heute morgen wirklich schlimm gewesen - für Nadja anscheinend überhaupt nicht.

"Nadja... ich weiß nicht, irgendwie habe ich schon die ganze Zeit über das Gefühl, daß Du mich nicht mehr wirklich liebst... und daß ich Dir nicht wirklich wichtig bin", sagte er schließlich.
Nadja lächelte ihn an. "Das stimmt doch gar nicht. Du bist mir wichtig, sehr wichtig sogar. Aber andere Dinge sind mir auch wichtig... da mußt Du eben durch."

Kristian nickte. "Das verstehe ich", log er. Was Nadja dazu bringen konnte, beispielsweise einen wunderschönen, sonnigen Sonntag statt mit ihm auf einer leeren Mühle zu verbringen, konnte er nicht verstehen. Aber er wollte auf Nadja nicht länger den Eindruck machen, als ob er sie unbedingt bräuchte, wenn sie ihn doch gar nicht zu brauchen schien.

"Ich würde nur auch gerne verstehen, was hier eigentlich vorgeht..."

"Das wirst Du auch noch...", sagte Nadja, setzte sich auf Kristians Schoß und umarmte ihn.

"Wie wärs, wenn ich heute abend bei Dir vorbeikomme?"

"Das wäre sehr schön", antwortete Kristian leise.

"Kannst Du Dich erinnern, was Du geträumt hast?" fragte Nadja.

Kristian grübelte nach. Er hatte kaum noch eine Erinnerung an seinen Traum.

"Ich weiß es nicht mehr... ich weiß nur, daß wir uns nicht getroffen haben", erklärte er.

"Das konnten wir nicht... ich habe ja noch keine Ahnung, wo Du bist", sagte Nadja.

"Aha."

"Willst Du nocheinmal träumen?" fragte Nadja.

"Warum ist es für Dich so wichtig, daß ich träume?"

"Wenn Du noch einmal träumst, dann kannst Du Dich besser daran erinnern... und mir vielleicht sagen, wo Du warst. Dann weiß ich im nächsten Traum, wo ich Dich suchen muß..."

"Ich will eigentlich nicht träumen", gestand Kristian. "Ich hätte viel lieber, daß es wieder so wird, wie am Anfang. Ich würde mich gerne wieder fallen lassen können und einfach verliebt sein..."

"Aber das wirst Du", sagte Nadja. "Wir werden uns treffen und zusammen träumen, und es wird wunderschön werden."

"Gut... heute nacht?" fragte Kristian.

"In Ordnung", sagte Nadja mit einem Lächeln und gab Kristian einen langen, innigen Kuß.



Das gleiche Zimmer, das gleiche Bettlaken, ein Krug mit Wasser an der Seite. Doch diesmal konnte sich Kristian besser daran erinnern, was geschehen war, bevor er zu träumen begonnen hatte. Er sah noch deutlich Nadja vor sich, wie sie ihn schüttelte und anschrie. Es war zwar schwer, aber er konnte sich auch an die Mühle und sein Gespräch mit Georg erinnern.

Diesmal stand er gleich auf und ging hinaus zu den anderen, um noch eine Portion Hirsebrei abzubekommen. Noch während er hinausging, wurden die Erinnerungen schwächer. Als er sich schließlich zu den anderen dreien gesetzt hatte, um seine kärgliche Mahlzeit einzunehmen, war von seinen Erinnerungen kaum noch etwas übrig.

Draußen, auf der lehmigen Straße, hatte Kristian das Gefühl, daß es noch kälter geworden war. Der Himmel war eine milchige Suppe ohne Blau, und ein steifer Wind wehte durch das Dorf.

Kristian achtete nicht viel auf die anderen Menschen in der Straße, doch ein Mann fiel ihm auf.
Er saß an eine hölzerne Häuserwand gelehnt an der Straße und schaute trostlos vor sich hin. Er trug auch ein Leinenkleid, aber als Kristian seine ausgestreckten Beine betrachtete, stellte er fest, daß von seinem einen Bein die Hälfte fehlte - es war unterhalb seines Knies anscheinend abgehackt worden.

Obwohl er einen starken Drang spürte, einfach weiter zu gehen und die geplagte Kreatur ihrem Schicksal zu überlassen, blieb Kristian kurz stehen.

"Was ist passiert?" fragte er.

Der Mann schaute zu ihm auf. "Was geht's Dich an?" fragte er.

Kristian nickte. Was ging es ihn an? Sollte der Mann doch hier verrecken, es war nicht sein Problem.

Kristian holte den kleinen Abstand zu den anderen Dreien schnell auf und lief schließlich mit ihnen zur Werkzeughütte um sich auszurüsten - und dann zum Dorf hinaus in die Minen.

Die Arbeit dort war anstrengend und machte Kristian sehr müde. Dennoch bemerkte er bei der Rückkehr ins Dorf, daß der Mann mit dem halben Bein noch immer an der selben Stelle saß. Er sah inzwischen noch elender aus und machte sich keine Mühe, die Fliegen zu verjagen, die um den Stumpf, der von seinem linken Bein noch übrig geblieben war, umherschwirrten.

Dieses Mal jedoch war er Kristian vollkommen egal. Er wollte seinen Hirsebrei essen und sich dann hinlegen.



Als Kristian aufwachte, stellte er lächelnd fest, daß Nadja noch immer neben ihm lag.

"Erzähl's mir", sagte sie.

"Ich... ich war in einem Dorf... es war entsetzlich kalt, und... und... wir arbeiteten, wir arbeiteten, aber ich weiß nicht mehr... ich weiß nicht mehr was, es war anstrengend..."

"Kannst Du das Dorf näher beschreiben? Gab es dort eine Straße?"

"Ja... da war eine lange Lehmstraße... es gab eigentlich nur diese eine Straße..."

"Und gab es am Dorfausgang eine Weide und einen großen Felsen darunter?"

"Ja... woher... woher weißt Du?" fragte Kristian ungläubig.

"...und Du bist durch den Wald hindurch zum Gebirge gelaufen, um dort zu arbeiten..." sagte Nadja.

Kristian schaute sie mit großen Augen an.

"Woher kannst Du das nur wissen?"

"Ich weiß, wo Du warst. Wenn Du heute Nacht wieder träumst, komme ich Dich besuchen."


- Zum vierten und letzten Kapitel -



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February 8, 2009

Weekend Walk #6

...these bootz are made for walking...

by Pippinaby [op]drieby pietbe

There were many more, maybe next time I shouldn't restrict myself to blogging only three pictures...

See Weekend Walk Wonderz to learn what's it all about...

Other Weekend Walkers: [op]drie, Frau K., ...

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February 4, 2009

Nadja (2)

<< Erstes Kapitel

II.


Die folgenden Wochen waren wie im Flug vergangen. Nadja und Kristian hatten viel Zeit miteinander verbracht. Sie waren viel spazieren gegangen, waren oft mit den Pferden ausgeritten, sie hatten zusammen gebastelt und gekocht, und sie hatten miteinander geschlafen.
Kristians Liebe für Nadja war in dieser Zeit noch größer geworden, wenn das überhaupt möglich war.

Und doch - in der jüngsten Zeit überkam ihn immer mehr das Gefühl, daß sich irgendetwas veränderte. Nadja schien öfters sehr nachdenklich zu sein, sie war ab und zu richtiggehend abwesend.

Wenn Kristian sie fragte, was los sei, dann sagte sie immer, sie hätte in der Mühle viel Arbeit zu tun, die ihr sehr wichtig sei - aber Kristian hatte große Angst, daß sie ihn in Wirklichkeit einfach nicht mehr so liebte wie am Anfang. Und je größer seine Angst wurde, desto weniger geschah, was ihn hätte beruhigen können - denn je öfter er nachfragte, desto mehr schien ihm Nadja auszuweichen und für sich behalten zu wollen, was in ihrem Kopf vorging.
Und so sah man Kristian öfters zusammen mit Georg und anderen Genossen in der Kneipe, wo er mehr begonnen hatte, mehr als nötig zu trinken und sich immer dunklere Gedanken zu machen.

"Vielleicht habe ich mir alles nur eingeredet...", pflegte er zu seufzen, "und unsere Liebe ist gar nichts so besonderes. Vermutlich wars mit den anderen Herren genau so gut wenn nicht noch besser, und ich kriege sowieso nur ein halb davon, als sie jedem einzelnen von ihnen gegeben hat... es ist gut, daß sie allesamt verschwunden sind, ansonsten würd ich mich selbst aufmachen und dafür sorgen, daß sie verschwinden..."

Und egal, was Georg oder die anderen aufbrachten, nichts konnte Kristian wirklich aufmuntern.

Als er sich eines Abends wieder mit Nadja traf, waren beide sehr still. Kristian hatte Tee aufgesetzt, den die beiden nun tranken, ohne ein Wort miteinander zu wechseln.

Je mehr er darüber nachdachte, desto mehr war sich Kristian sicher, daß er sich nichts einbildete, und daß tatsächlich vieles anders geworden war: Von den stürmischen Umarmungen war nicht viel übriggeblieben, und mit Nadja zu schlafen wagte er gar nicht zu hoffen, zu oft hatte er in der jüngsten Zeit dazu Lust gehabt und sie nicht. Das tat ihm besonders weh, denn er hätte sich ihr gerne wieder nahe gefühlt, und er hätte gerne weiter mit dem Gefühl gelebt, daß sie sich in ihrem Begehren entsprechen.

Und so schwieg er und hoffte, daß irgendwas geschehen würde, damit sie sich nicht den ganzen Abend anschweigen.

"Wie war Dein Tag?" fragte Nadja schließlich.

"Es geht so... ich hab Dich vermisst", antwortete Kristian.

"Ich Dich auch."

"Wirklich?"

"Ja, wirklich."

Wieder schwiegen sie.

Nach einer Weile fuhr Nadja zusammen, als ob sie innerlich zu einem schwerwiegenden Entschluß gekommen sei.

"Kristian, ich würde Dich gerne etwas fragen, etwas Ungewöhnliches."

Kristian nickte.

"Du brauchst auch nicht zu antworten, wenn es Dir unangenehm ist."

Wieder nickte Kristian.

"Gut. Meine Frage ist, Kristian, hast Du schon einmal geträumt?"

Kristian schaute sehr verwirrt drein. Das hatte er wirklich nicht erwartet. Vom Träumen sprach man nicht viel, niemand tat das. Träumen war nicht normal, unanständig, und Kristian glaubte nicht, daß es viele Menschen taten oder bereit wären, es zuzugeben.

Er brauchte eine Weile, um nach einer Antwort zu suchen. Dann fiel ihm auf, daß er so schnell keine finden konnte.

Er schaute Nadja in die Augen. "Hast Du denn schon einmal geträumt?" fragte er.

Nadja nickte. "Ja, das habe ich", antwortete sie. "Und Du?"

"Ich... ich...", stammelte Kristian, "...ich weiß es nicht, ich glaube schon. Doch, ja, ich glaube schon."

Nadja nickte. Sie nahm Kristians Hand.

"Kannst Du Dich erinnern, was Du geträumt hast?"

Kristian überlegte. Die Frage war so anders, so viel intimer als alle Fragen, die ihm bisher gestellt worden waren, daß es nicht ganz einfach war, damit zurecht zu kommen.

"Nicht richtig... ich weiß, es war alles anders... und anstrengend... aber ich... ich..."
Nadja nickte. "Ist gut, Du brauchst Dich nicht so zu quälen. Ich möchte Dir nur noch eine Frage stellen."

"In Ordnung", sagte Kristian.

"Möchtest Du mit mir zusammen träumen?"

"Wie?!" fragte Kristian, während ihm heiß und kalt wurde.

"Möchtest Du mit mir zusammen träumen?"

"Geht das denn?" fragte Kristian.

Nadja lächelte. Ihr Lächeln war zu gleichen Teilen traurig als auch fröhlich, und als Kristian in ihre Augen blickte, da hatte er das sehr einsame Gefühl, daß Nadja Geheimnisse kannte, von denen er nicht die geringste Ahnung hatte.

Langsam nickte sie.

"Oh ja, das geht", sagte sie.

"Ist das nicht entsetzlich unangenehm?" fragte Kristian.

Nadja nahm einen Schluck Tee aus ihrer Tasse.

"Am Anfang, ja...", antwortete sie, "aber wenn Du Dich daran gewöhnt hast, dann kann es sehr, sehr schön sein... so schön, wie wenn wir Liebe machen... wir können dann auch Liebe machen, während wir träumen..."

Kristian wußte nicht, was er sagen sollte, und so stammelte er hilflos vor sich hin.

"Wenn Du es jetzt noch nicht willst, dann laß uns warten... wir brauchen nicht gleich..."

"Nadja, hast Du auch mit Deinen Ex-Männern zusammen geträumt?" unterbrach Kristian. Es war das Einzige, das ihm in seiner Angst, nicht mehr richtig geliebt zu werden, einfiel.

Nadja nickte. "Ja, das habe ich."

Kristian atmete tief durch.

"Und, war es schön?" fragte er. Er hasste dieses Aufwallen von Eifersucht in ihm, aber er konnte es nicht ändern.

"Wichtig ist, ob Du es willst und ob es für uns beide schön ist", entgegnete Nadja entschieden.

"In Ordnung, ich will mit Dir träumen. Was muß ich also tun?" fragte Kristian, ebenso entschieden.

"Du mußt warten, bis Du müde bist. Und dann darfst Du nicht schlafen, sondern Du mußt träumen", antwortete Nadja. "Laß uns ins Bett gehen, ich helfe Dir."


Bald darauf lagen sie nebeneinander im Bett. Kristian lag auf dem Rücken und schaute an die Decke. Nadja lag neben ihm, sie hatte sich auf einen Ellebogen aufgerichtet und streichelte seine Brust.

"Es ist bald soweit", sagte sie, nachdem sie kurz einen Blick zum Fenster geworfen hatte.

"Ja, es muß gleich neun Uhr sein", bestätigte Kristian.

Nadja nickte.

"Nadja... ich wollte Dir noch sagen, daß ich Dich sehr liebe. Du bist ein ganz besonderer Mensch, und ich bin froh, daß ich Dich gefunden habe..." sagte Kristian.

Wiederum nickte Nadja. "Das bin ich auch", sagte sie. Aber Kristian hatte das Gefühl, daß es bei ihr ganz anders klang als bei ihm. Als sage sie es, damit er nicht weiter redet und sie ihre Ruhe hat. Als ginge etwas ganz anderes in ihr vor, als sie ihm durch ihre Worte zeigte.

"...aber wenn Du mich nicht mehr richtig liebst, dann würde ich es gerne wissen..." sagte Kristian noch, als er plötzlich merkte, wie er müde wurde. Nadja merkte es auch, denn Kristians Augen zwinkerten plötzlich, als hätte er Mühe, sie offenzuhalten.

"In Ordnung", sagte Nadja. "Du darfst jetzt nicht einfach einschlafen. Es wird sehr schwer für Dich, aber Du wirst es schaffen."

"Und Du?" fragte Kristian.

"Ich bin nicht müde. Kein Stück", erklärte Nadja und kniete sich über Kristian. Sie nahm seine beiden Hände und drückte sie fest.

"Ich weiß nicht, ob ich das kann", sagte Kristian mit Mühe. Inzwischen war er sterbensmüde geworden. Die Welt um ihn herum schien zu verschwimmen, aber er fühlte, wie Nadja seine beiden Hände noch fester drückte.

"Du kannst das. Ich weiß es", sagte Nadja. "Schlaf nicht ein. Denk an irgendwas, denk ganz fest daran!"

Kristian bemühte sich, aber die Müdigkeit schien viel stärker als er zu sein. Er konnte doch nicht einfach nicht schlafen... und außerdem, waren nicht Nadjas vorherige Männer verschwunden? Und sagte man sich nicht, daß diejenigen verschwinden, die nicht schlafen? Mit einem Mal bekam er Angst, sein Kopf dröhnte vor einer Welle von Schlaf, die kurz davor war, über ihn wegzurollen.
Nadja warf sich mit ihrem ganzen Körper auf Kristian. Sie schüttelte ihn und schlug ihn. Sie krallte ihre Finger in seine Haut, bis er blutete. "Du darfst nicht einschlafen!" schrie sie, so laut sie nur konnte. "Kristian! Hör auf mich. Bitte! Nicht einschlafen! Nicht..."

Die schwarze Welle von Vergessen, Stille und Dunkelheit fegte über Kristian hinweg. Er konnte sich nicht weiter wehren. Er fühlte, wie Nadja davon mitgerissen wurde, er spürte ihre Schläge immer weniger, bald war er sich nicht mehr sicher, ob sie überhaupt noch da war. Doch während er bereit war, sich von der Welle davontragen zu lassen, da wurde ihm klar, daß es ganz anders war, als sonst. Es war, wie wenn er in einen See springen würde, in den er schon tausendmal zuvor gesprungen war - nur daß er diesmal nicht ins Wasser glitt und irgendwann davonschwamm, sondern sich das Wasser als Luft und der See als ein tiefes Loch entpuppte, durch das er hindurch fiel.
Voller Angst, irgendwann auf dem Boden aufzukommen und sich dabei alle Knochen zu brechen, schrie er auf. Er schrie aus Leibeskräften, er versuchte, sich irgendwo festzuhalten, aber es gab keinen Halt.

Dann plötzlich kam er zur Ruhe.

Er lag auf einer Art Bett unter einer viel zu leichten Decke. Es war kalt um ihn herum, er hörte leise Stimmen, doch er konnte nicht verstehen, was sie sagten.

Er öffnete die Augen.

Verwirrt schaute er sich um. Er befand sich in einem niedrigen, kalten Zimmer, das durch einen Strahl Sonnenlicht erhellt wurde, welches durch ein kleines Fenster direkt unter der Decke drang. In dem Zimmer standen kaum Möbel, nur ein kleiner Tisch mit einem Tonkrug und einem Teller, auf dem sich Reste von Hirsebrei befanden. In dem Krug war ein wenig Wasser.

Er war noch nie an diesem Ort gewesen. Oder vielleicht doch?

Er versuchte, sich zu erinnern, was passiert war - aber da fiel ihm auf, daß er sich kaum erinnern konnte. Es war furchtbar schwer, an den Ort zu denken, von dem er gekommen war. An die Kneipe, den Brunnen, die Mühle, an Georg und die anderen... all das erschien ihm ganz weit weg, beinahe als ob er nie dort gewesen sei. Nur Nadja sah er deutlich vor sich. Aber je mehr er an sie dachte, desto mehr noch verblaßte die Erinnerung an alles andere. Und desto mehr war er sicher, daß er hier schon öfter gewesen war.

Er nahm den Krug mit Wasser und trank ihn aus. Das Wasser schmeckte schal und abgestanden, aber das störte ihn nicht - es war schließlich immer so gewesen.

Er nahm seinen Teller und den Krug und ging durch die Tür nach draußen. Im Vorraum zu seinem Schlafzimmer saßen drei Männer, wie er selbst in graue Leinentücher gekleidet, um einen Tisch herum, auf dem ein Topf mit Hirsebrei und ein großer Krug mit Wasser darinstand. Jeder von ihnen hatte einen Teller vor sich und einen kleinen Krug. Die drei waren abgemagert und ausgemergelt, so wie jeder hier.

Kristian setzte sich zu ihnen, kratzte mit der Hand den letzten Rest Hirsebrei aus dem Topf und lud ihn auf seinen Teller. Dann stopfte er sich nach und nach kleine Stücke Brei in den Mund und kaute sie gut, denn er wußte, daß es lange dauern würde, ehe er wieder etwas zu essen bekam. Er ärgerte sich, daß nur so wenig Brei übrig war, denn eigentlich hatte er ziemlich großen Hunger.
Das schien einer der anderen Männer zu bemerken. "Selbst schuld, wenn Du zu spät kommst", sagte er mit rauher Stimme.

"Ist gut", sagte Kristian und aß weiter seinen Brei.

Dann standen sie auf und gingen nach draußen. Draußen war es ziemlich kalt. Sie befanden sich in einer Art Dorf, durch das eine lange, lehmige Straße führte - die Häuser an der Straße waren primitive Holzhütten, so wie jene, aus der sie eben gekommen waren. Nur wenige Leute waren auf der lehmigen Straße unterwegs, und sie alle waren in die gleichen, einfachen Leinenkleider gehüllt.

Zusammen mit den anderen drei Männern ging Kristian die Straße hinunter bis zum Ende des Dorfes. Sie betraten ein kleines, schäbiges Haus und nahmen dort je einen schweren, groben Lederrucksack und eine Spitzhacke an sich. Dann gingen sie weiter, zum Dorf hinaus, durch den Wald. Kristian bemerkte, wie schwer sich seine Beine anfühlten - doch eigentlich hatten sie das schon immer getan, zumindest konnte Kristian sich nicht mehr erinnern, wann und wo es jemals anders gewesen war.

Nach eineinhalb Stunden Fußmarsch hatten sie den Wald durchquert und waren am Fuß des Gebirges angekommen. Dort befand sich ein Bretterverhau, den sie nun betraten. Der Bretterverhau war der Eingang zu einem spärlich mit Fackeln beleuchteten Schacht, der tief in das Gebirge hineinführte.

Je weiter sie gingen, desto muffiger wurde die Luft. In dem Schacht arbeiteten mehrere Gestalten in Leinenkleidern. Mit Spitzhacke, Hammer und Meißel förderten sie Eisenerz zu Tage, das sie in große Kisten luden und nach draußen trugen.

Kristian und die anderen drei reihten sich ein und begannen ihrerseits damit, die Wand mit den Werkzeugen zu bearbeiten, die sie mitgebracht hatten.

Das taten sie den ganzen Tag lang. Nach einer Weile bemerkte Kristian, daß seine Hände irgendwie ungewohnt aussahen. Er hatte bisher nicht bemerkt, daß er eine solch dünne, rissige Haut hatte, und als er mit seinen Händen über die Stirn fuhr, um sich den Schweiß abzuwischen, da fühlte er mit seinen Fingern deutlich die Falten auf seiner Stirn. Vermutlich hatte er dem bislang einfach keine große Beachtung geschenkt, trotzdem war es sehr seltsam, daß es ihm gerade jetzt und auf diese Art und Weise auffiel.

Als sie wieder ins Dorf kamen waren sie todmüde und ausgehungert. Zum Glück stand auf dem Tisch ein voller Topf mit Hirsebrei, über den sich die vier nun gierig hermachten.

Nachdem er fertiggegessen hatte, nahm Kristian seinen Krug Wasser und ging in das Zimmer, aus dem er gekommen war. Erschöpft fiel er auf seine Pritsche und zog das Tuch über seinen Körper. Er lag eine Weile auf dem Rücken und schaute an die Decke. Da drang ein Bild in seine Gedanken - ein Gesicht, das er in diesem Dorf noch nie gesehen hatte. In dem Moment, als ihm klar wurde, wer es war, wachte er schweißgebadet auf.


Kristian schaute neben sich, doch Nadja war nicht mehr da. Er lag allein in seinem Bett, im Kamin brannten die letzten Stücke Holz herunter, während draußen die Morgendämmerung begonnen hatte.

Er richtete sich auf und schaute sich eine Weile um. Was er eben erlebt hatte, schien in weite Ferne zu rücken. Er hatte geträumt, aber die Erinnerung daran wurde immer undeutlicher - als sei es über hundert Jahre her. Bald fühlte er sich nur noch einsam und fragte sich, wo Nadja wohl hingegangen war.

Er legte sich wieder hin und zog die Decke über den Kopf. Die Decke roch noch ein wenig nach Nadja, und er wickelte sich so fest darin ein, wie er nur konnte. Einige Minuten lang lag er still da. Warum war sie nur weggegangen? Mußte das nicht bedeuten, daß er ihr nicht wichtig war?

Was war gestern abend überhaupt geschehen?

Die Türglocke läutete.

Kristian sprang auf, zog sich einen Morgenmantel über, eilte zur Haustür und öffnete sie.

Draußen stand Nadja.

"Na, hast Du geträumt?" fragte sie.

"Psst!" zischte Kristian energisch und schaute sich um, ob irgendjemand in der Nähe war, der Nadjas Worte hätte hören können. Er bedeutete ihr, reinzukommen.

"Warum bist Du weggegangen?" fragte er, nachdem er die Tür hinter ihr geschlossen hatte.

"Das ist doch jetzt nicht so wichtig", antwortete sie.

"Für mich ist es wichtig... sag es mir doch bitte", entgegnete Kristian.

"Du brauchst nicht alles wissen", sagte Nadja kühl und abweisend. "Es gibt auch noch ein paar Dinge, die ich für mich behalten will."

Das war es. Ebensogut hätte sie sagen können, "Du gehst mir auf den Nerv und unsere Liebe ist sowieso so gut wie vorbei." Er war bereit gewesen, alles mit ihr zu teilen, und jetzt das.

So nahe sie ihm schon gewesen war, so weit weg erschien sie ihm jetzt. Es machte überhaupt keinen Sinn.

Kristian schwieg für ein paar Sekunden.

"Wenn das so ist, dann kannst Du gehen und den Rest auch für Dich behalten." sagte er schließlich.

Nadja schaute ihn wütend an. "In Ordnung, das werde ich tun", sagte sie, machte kehrt, öffnete die Tür und verließ das Haus.



- zum dritten Kapitel -



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February 2nd, 2009

Nadja (1)

Zweites Kapitel >>


Nadja



I.


Der Geruch von Eintopf, Bier, frisch gebackenem Brot und heißem Kerzenwachs lag in der Luft. Es war 7 Uhr abends, und allmählich füllte sich die Kneipe mit Gästen aus dem ganzen Dorf. Hier war der ideale Platz, um nach einem langen Tag in der Gesellschaft von Freunden ein wenig zur Ruhe zu kommen, über dies und das zu reden und es sich einfach gut gehen zu lassen - insbesondere, da es draußen merklich kälter geworden war und der Winter vor der Tür stand.

Kristian lächelte in sich hinein und bestellte einen weiteren Krug Bier. Er saß zusammen mit seinem guten Freund Georg an einem der hinteren Tische, und gerade war das Gespräch irgendwie auf Nadja gekommen. Kristian konnte nicht anders als lächeln, wenn er an sie dachte.

"Du bist noch immer sehr verliebt in sie, oder?" fragte Georg, was unnötig war.

"Oh ja", antwortete Kristian und schaute verträumt in das flackernde Kerzenlicht, "und wie!"

Georg lächelte auch. Aber es war ein eher nachdenkliches Lächeln. Innerlich kämpfte er mit sich, ob er Kristian sagen sollte, was er die ganze Zeit schon auf dem Herzen hatte, oder ob er es besser weiterhin genießen sollte, daß sein Freund so glücklich war. Er entschied sich für letzteres und orderte selbst auch noch einen Krug Bier, aus dem er dann immer wieder einen Schluck nahm, während er zuhörte, wie Kristian aus dem Schwärmen nicht mehr herauskam.

"...und gestern sind wir ausgeritten. Erst über den Fluß und dann über die Berge im Süden, dort, wo ich vorher noch nie war. Dort gibt es einen See und eine kleine Hütte... sie zeigt mir so viel Neues... was ist denn?"

"Ihr beide seid wirklich zu beneiden", sagte Georg schließlich, nachdem er noch einen Schluck Bier genommen hatte, "und ich freue mich ehrlich für Dich."

"...aber irgendetwas macht Dir Sorgen", ergänzte Kristian.

"Ja", gab Georg zu, "aber ich will Dir jetzt keine Angst machen oder so..."

Kristian blickte seinen Freund irritiert an.

"Sags mir einfach, du weißt, daß Du mir alles sagen darfst..."

"In Ordnung... du weißt, daß Du nicht Nadjas erster Mann bist", sage Georg.

Kristian lächelte wieder. "Ja, das weiß ich. Darüber habe ich mir auch schon den Kopf zerbrochen... ob alles, was wir erleben, wirklich so besonders ist, oder ob es mit ihren vorherigen Männern auch so war und bei uns auch irgendwann zuende ist..."

Georg schüttelte verneinend den Kopf, aber Kristian bemerkte es nicht und redete einfach weiter.
"...ob ich mir vielleicht alles nur einbilde und es für sie gar nicht so besonders ist, ob ich ihr überhaupt gerecht werde... aber auf der anderen Seite, sie ist auch nicht meine erste Frau..."

"Nein, darum gehts mir gar nicht", unterbrach Georg schließlich.

"Worum denn dann?" wollte Kristian wissen.

"Eigentlich eher darum, daß all ihre vorherigen Männer verschwunden sind."

"Woher weißt denn Du das?"

"Ach, das hört man halt so..."

Mit einem säuerlichen Grinsen ließ Kristian seine Blicke in der Kneipe umherwandern. "So, so. Was man nicht alles so hört..."

"Es ist nicht so, daß das ganze Dorf darüber redet...", beschwichtigte Georg, der Kristians Gedanken erraten hatte, "ich habe nur von der Tochter des Schmiedes davon gehört, die mit Nadjas Schwester befreundet ist..."

"Schlimm genug", erwiderte Kristian und nahm einen großen Schluck Bier aus seinem Krug.

Eine Weile saßen die beiden da und sprachen kein Wort.

"Ach Kristian, ich wollte Dir nicht Deine gute Laune verderben, es ist nur so, daß ich Angst um Dich habe..." sagte Georg schließlich.

"Und Du denkst tatsächlich, Nadja hat etwas damit zu tun, daß sie verschwunden sind?" fragte Kristian.

Zögerlich zuckte Georg mit den Schultern. "Ich weiß es nicht, es könnte sein..."

Kristian atmete tief durch. "Georg, Du weißt ganz genau, daß Menschen eben einfach verschwinden.

Du könntest morgen verschwinden. Oder der Wirt. Oder Nadja. Oder eben auch ich. Das passiert einfach, und niemand kann etwas dafür..."

Georg nickte. "Ich weiß. Ich hab allerdings schon gehört, daß Menschen verschwunden sind, die nicht geschlafen haben..."

Kristian schüttelte mit dem Kopf. "Du hörst ziemlich viel, wenn der Tag lang ist, kann das sein? Nicht geschlafen... sowas passiert doch nicht. Nachts schlafen alle, das weißt Du doch - es geht gar nicht anders."

Wieder nickte Georg. "Es tut mir leid, ich glaube, es war dumm von mir, in die Richtung zu denken..."

"Macht nix", sagte Kristian. "Ich weiß das mit ihren Männern. Und eigentlich tut sie mir ziemlich leid deswegen. Es muß hart sein, wenn einer nach dem anderen verschwindet... ich habe manchmal das Gefühl, es kostet sie deshalb noch immer sehr viel Kraft, sich auf mich einzulassen..."

"Ja", sagte Georg und nickte. "Das kann ich mir vorstellen... es war wirklich dumm von mir, sie auch noch verantwortlich dafür machen zu wollen..."

Kristian legte Georg eine Hand auf die Schulter. "Ist schon gut... es ehrt mich sehr, daß Du besorgt um mich bist", sagte er lächelnd.

"Tja... ich werde dann wohl gehen... Nadja wollte die Nacht bei mir verbringen, ich möchte nicht, daß sie vor verschlossenen Türen steht..."

Georg schüttelte seinem Freund die Hand. "Machs gut, und sag ihr einen schönen Gruß von mir."

"Werd ich ausrichten", sagte Kristian, erhob sich, nahm seinen Mantel vom Kleiderhaken und verließ die Kneipe.

Kristian konnte natürlich nicht anders, als auf seinem kurzen Nachhauseweg darüber nachzugrübeln, was Georg zu ihm gesagt hatte - obwohl er es eigentlich nicht wollte. Zu oft schon hatte er schon gegrübelt, beispielsweise darüber, ob Nadja wohl auch so empfinde wie er. Für ihn stand fest, daß sie die bemerkenswerteste Frau war, die er je kennengelernt hatte. Sie wiederum zeigte ihre Zuneigung nicht so oft - jedenfalls nicht durch Worte.

Kristian schloß die Tür zu seinem Haus auf, setzte sich in die Küche, machte Feuer im Ofen, zündete ein paar Kerzen an und versuchte, auf andere Gedanken zu kommen.

Morgen würden sie zusammen fischen gehen und abends vielleicht tanzen.

So gut wie alles, was er mit ihr erlebte, war wunderbar. Und er glaubte, nein, er hoffte, daß dies ihre Art und Weise war, ihm zu zeigen, daß sie genau so wie er empfand. Es gab nichts, was zwischen ihnen stand. Hoffentlich. Auch nicht ihre vorherigen Partner oder die Tatsache, daß sie verschwunden waren.

Es dauerte nicht lang, und die Türglocke läutete. Kristian eilte zur Haustür und öffnete sie.

Draußen stand Nadja, beladen mit einem Korb, die ersten Schneeflocken dieses Winters auf ihrem schwarzen Mantel und das schönste Lächeln, das Kristian je gesehen hatte, auf dem Gesicht.

Die beiden umarmten sich zur Begrüßung stürmisch. Sie küßten sich lange und innig, ehe Kristian auch nur dazu kam, die Tür zu schließen.

"Ich habe uns was zu essen mitgebracht", sagte Nadja und nahm die Decke von ihrem Korb. Darunter befand sich ein großer Laib Brot und ein großes Glas mit Gänseschmalz darin.

"Prima!" sagte Kristian und legte die Sachen auf den Küchentisch. "Ich hab zwar schon was gegessen... vorhin, mit Georg, in der Kneipe..."

"Ach, das macht nichts, ich habe es nicht so eilig mit dem Essen", entgegnete Nadja und zwinkerte Kristian zu.

Kristian seufzte. Sie brauchten keine weiteren Worte, es war einfach so. Mit ihren Blicken schickten sie einander Blitz und Donner - das war genug.

Sie nahmen sich in den Arm und hielten sich ganz fest. Kristian küßte Nadjas Hals und atmete gierig den Duft ihres Körpers ein. Sie fuhr mit den Händen durch sein Haar, massierte seinen

Nacken und drückte ihren Unterleib an den seinen, während sie mit ihren großen, dunklen Augen direkt in seine großen, dunklen Augen blickte.

"Es ist so schön mit Dir", flüsterte Kristian und streichelte sanft ihre Wange bis hinauf in ihr Haar. Wieder und wieder umarmten sie sich, rochen aneinander, ließen sanft ihre Hände über den Körper des anderen gleiten wie warmes Wasser.

Bald lagen sie da, einander in die Augen blickend. Langsam bewegten sie sich, und es war zunächst wie ein langsamer Tanz, wie ein leises Lied mit einer wunderschönen Melodie. Mit der Zeit wurde das Lied lauter, der Tanz wurde heftiger, sie schlossen ihre Augen, sie öffneten sie wieder, sie küßten sich, sie drückten sich ganz fest aneinander, sie spürten, wie das Herz des anderen schlug.

Kristian fühlte sich, als würde er vor Freude sterben. Er lehnte sich zurück, schloß die Augen und ließ sich von Nadja wie von einem Wirbelsturm davontragen. Er fühlte sich ihr so nahe, wie er sich noch keinem anderen Menschen nahe gefühlt hatte. Und er wußte, daß es in Ordnung ist, er wußte, daß er sich gehen lassen konnte, denn sie tat es auch.

Als sie wieder zur Ruhe gekommen waren, hätte Kristian ihr gerne gesagt, wie schön es für ihn war - und wie schön es für ihn war, richtig gewollt zu werden. Aber irgendwie fielen ihm die passenden Worte nicht ein und so beließ er es dabei, Nadjas Gesicht und Hals zu streicheln und ihr ein Lächeln zu schenken, von dem er hoffte, daß es alles sagen würde. Nadja lächelte auch, sie lächelte glücklich und zufrieden, und Kristian wünschte sich in diesem Moment mehr als alles auf der Welt, daß sie genau so wie er empfand.

Nach einiger Zeit übermannte Kristian eine entsetzliche Müdigkeit. "Wir müssen schlafen gehen", stellte er fest.

Einen kurzen Moment lang blickte Nadja ihn traurig an. Dann lächelte sie wieder und sagte "ja, das müssen wir". Doch der Augenblick war lang genug gewesen, daß Kristian ihn bemerkt hatte.

"Was hast Du?" fragte er.

"Oh, eigentlich nichts, ich finde es nur schade, daß wir jetzt schon schlafen müssen", antwortete Nadja.

"Wir haben uns ja morgen wieder, dann essen wir Dein Brot zum Frühstück und gehen fischen..."
Kristian stutzte. "Merkst Du denn nicht, daß wir schlafen müssen?"

Nadja nahm seine Hand und stand mit ihm zusammen auf. "Doch, und wie. Laß uns schnell ins Bett gehen", sagte sie, und zusammen gingen sie ins Schlafzimmer.

Dort legten sie sich nebeneinander ins Bett. Kristian schaute Nadja ein letztes Mal an, dann schloß er die Augen und schlief ein.



- zu Kapitel II -

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February 1st, 2009

860 to go...

...until my 20000th visit.

Time to think of a nice li'l present for my 20000th visitor... :))

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February 1st, 2009

Weekend Walk #5

...btw, 5 is my favourite number :))

by Johnny Stompanatoby Hannes Trappby freckle


See Weekend Walk Wonderz to learn more... :-))

Other Weekend Walkers: [op]drie, Frau K., ...



Published at 22:55 ( 3 comments / 178 visits )
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